(Grim)Dark Fantasy

Fantasyromane über Welten und Gesellschaften, die auf einem zutiefst menschenunfreundlichen Fundament stehen, und die verschiedenen Arten, wie (Anti)Held*innen das Leben darin bewältigen, haben mich schon immer fasziniert. Hier sind ein paar Bücher über Schurk*innen, Überlebenskünstler*innen und die eine oder andere Person, die trotz zutiefst deprimierender Bedingungen an ihren Idealen festhält.

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„Racheklingen“ von Joe Abercrombie

Wann immer es um eine zynischere Perspektive auf das Fantasy-Genre geht, kommt man nicht um Joe Abercrombie herum. Letztes Jahr konnte mich vor allem sein Roman „Racheklingen“ überzeugen, der mit ironischen Plottwists, geschliffenen Dialogen und einem exzentrischen Figurenensemble auf einem Rachefeldzug aufwartet.

„Mutterschoß” von Elea Brandt

Mit der Wüstenmetropole Ghor-el-Chras und ihrer von Sozialdarwinismus und starren Traditionen geprägten Gesellschaft hat Elea Brandt ein Setting mit zahlreichen vorprogrammierten Konflikten für ihre Figuren geschaffen. In „Mutterschoß“ verbindet sie auf spannende Weise Medizin, moralische Dilemmata und übernatürliche Mächte. „Opfermond“, ihr erster Ghor-el-Chras-Roman, ist ebenfalls zu empfehlen.

„Priest of Bones” von Peter McLean

Im Zentrum der „Der Kampf um den Rosenthron“-Reihe steht Gangsterboss und Priester Thomas Piety, der aus einem Krieg zurückkehrt, um festzustellen, dass er die Kontrolle über „seine“ Stadt verloren hat. In einer authentisch wirkenden Stimme berichtet er, wie er sich Stück für Stück seinen Einfluss zurückholt – und in weitaus größere Ereignisse verwickelt wird.

„Skullsworn“ von Brian Staveley“

„Skullsworn“ von Brian Staveley besticht mit der ungewöhnlichen Erzählstimme seiner Ich-Erzählerin: Pyrre ist angehende Priesterin einer Todesgottheit und kehrt in die Stadt ihrer Kindheit zurück, um sieben Menschen zu töten. Im Verlauf des Buches lernt man sie und ihre ganz eigene Perspektive auf Leben und Tod gut kennen.

„Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch

„Die Lügen des Locke Lamora“ wartet mit einem fantastischen Schauplatz und markanten Figuren auf: Hier wird eine Gruppe ehrgeiziger Ganoven in einen Konflikt mächtigerer Menschen verwickelt, indem sie sich jedoch zu behaupten weiß. Das Buch ist clever konstruiert und lebt auch von der Freundschaft des zentralen Figuren-Duos.

„Die Verräterin” von Seth Dickinson

Mit seinem ersten Roman um Baru Cormorant nimmt sich Seth Dickinson auf intelligente, ernsthafte Weise des Themas Kolonialismus an. Er lässt seine Hauptfigur auf ungewöhnliche Weise gegen ein übermächtiges Imperium kämpfen und konfrontiert sie immer wieder mit der Frage, welche ethischen Kompromisse sie einzugehen bereit ist. Die Rezension findet ihr im Phantast #18 auf Seite 38.

„Black Iron Legacy” von Gareth Hanrahan

Die Handlung der „Black Iron Legacy“-Reihe entspinnt sich in einer Welt, die einem Krieg der Gottheiten zerrissen wird. Die Stadt Guerdon mit ihrer eklig-faszinierenden alchemistischen Industrie und ihren zahlreichen rivalisierenden Fraktionen ist zunächst neutral, aber das bedeutet nicht, dass hier keine Gefahren drohen, wie Hanrahans Protagonist*innen schnell herausfinden. Gerade der zweite Band der Reihe, „The Shadow Saint“, überzeugt nicht nur mit seinem atmosphärischen und innovativen Weltenbau, sondern auch mit der Figurenzeichnung.

„Perdido Street Station” von China Miévilla

In „Perdido Street Station“ lernen Lesende noch eine einprägsame Fantasy-Metropole kennen: New Crobuzon ist eine Stadt voller seltsamer Kreaturen und politischer Konflikte. Hier muss es ein bemerkenswertes Figurenensemble mit Wesen aufnehmen, die selbst den Bewohnern der Hölle Angst einjagen.

„Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson

Eriksons Epos spielt auf mehreren Kontinenten, speist sich aus mehreren Jahrtausenden Geschichte und zeichnet eine komplexe Welt in ständiger Bewegung. Man muss ein wenig Geduld in die Reihe investieren und streckenweise besteht der Lesespaß vor allem darin, die Verknüpfungen zwischen den vielen Handlungssträngen zu entdecken, aber es gibt auch emotional bewegende Momente, empathische Schilderungen von Figuren, die innerlich gegen eine von Gewalt zerrissene Welt aufbegehren, und verblüffend viel Humor.

„Zerrissene Erde“ von N.K. Jemisin

N.K. Jemisins Trilogie-Auftakt über eine sterbende Welt, in der einige Menschen Erdbeben kontrollieren können, steckt voller innovativer Ideen, erzählerischer Experimente und Gegenwartsbezüge und hat in Deutschland eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als er bekommen hat. Die Rezension ist auf Seite 84 des Phantast #21 zu finden.

„Vagant“ von Peter Newman

In der „Vagant“-Trilogie geht es ebenfalls apokalyptisch und erzählerisch ungewöhnlich zu. Hier muss ein geheimnisvoller Mann ein Baby in Sicherheit bringen. Das Problem: Die Welt wird gerade von Dämonen überrannt. Newmans Welt ist stellenweise eindrucksvoll düster und eklig, aber vor diesem Hintergrund strahlen die Hoffnung und das Mitgefühl einiger zentraler Figuren umso mehr.

„Dornenritter“ von Kaja Evert

„Dornenritter“ greift klassische mittelalterlich anmutende Fantasy-Motive auf, aber gibt ihnen düstere Twists und eine einprägsame Ästhetik. Protagonist Steyn muss sich nicht nur einer existenziellen Bedrohung für sein Land, sondern auch seinen komplizierten Gefühlen für einen anderen Ritter stellen.

Tags: Dark Fantasy, Grimdark

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