Totenfluch - Ein Fall für Mafed und Barnell (Jenny Wood)

Art Skript Phantastik (März 2022)
Taschenbuch, 440 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-945045-23-7

Genre: Urban Fantasy / Mystery-Crime


Klappentext

Die Ewigkeit kann lang sein, wenn man nicht mehr angebetet wird.

Als vergessener, ägyptischer Totengott hat Mafed kein Problem mit dem Sterben. Gut, dass er seine verbliebenen Fähigkeiten als Rechtsmediziner beim NYPD einsetzen kann. Nur Detective Ian Barnell kennt sein Geheimnis.

Im Metropolitan Museum of Arts wird ein Sicherheitsbeamter ermordet – ausgerechnet in der ägyptischen Abteilung. Handelt es sich dabei um einen missglückten Raub oder steckt mehr dahinter? Als dann auch noch eine alte Freundin von Mafed auftaucht, gerät seine Welt ins Wanken, und plötzlich muss er sich einer Vergangenheit stellen, mit der er glaubte, längst abgeschlossen zu haben.


Rezension

Das große ägyptische Reich ist längst untergegangen und die alten Götter verschwunden. Totengott Mafed weiß nicht, was mit ihnen geschehen ist, und es interessiert ihn auch nicht. Er hat sich in der Welt der Menschen ein angenehmes Leben eingerichtet und arbeitet im New York der Gegenwart als Rechtsmediziner beim NYPD. Seine göttliche Fähigkeit, die Seelen Verstorbener zu begleiten, ist ungemein nützlich beim Lösen von Mordfällen. Entsprechend wird er von Detective Ian Barnell dazu gerufen, als im Metropolitan Museum of Arts ein Sicherheitsmitarbeiter ermordet wird. Mafed hat sofort ein seltsames Gefühl dabei, vor allem da der Mord in der ägyptischen Abteilung geschehen ist und ein unbekannter Gegenstand aus einem Sarkophag gestohlen wurde. Als auch noch eine Freundin aus der Vergangenheit auftaucht, wird Mafed von schönen und schrecklichen Erinnerungen eingeholt …

„Totenfluch“ ist der erste Roman von Jenny Wood und gehört zur bei Art Skript Phantastik erscheinenden „Kemet“-Reihe, die moderne Urban Fantasy mit alten ägyptischen Göttern erzählt. Mafed und Ian Barnell dürften manche bereits aus der „Kemet“-Anthologie und/oder aus der Kurzgeschichte „Totengeister“ kennen. In „Totenfluch“ kennen sich die beiden also bereits und Ian weiß, dass Mafed ein ägyptischer Totengott ist. Ihr Verhältnis ist zunächst noch professionell-distanziert, wobei beide schnell in Streit geraten und sich hitzige Wortgefechte liefern. Allerdings ergänzen sie sich auch gut, weshalb Ian gerne mehr mit Mafed zusammenarbeiten und ihn zu seinem Partner machen möchte – wovon der Totengott wenig hält, da er ungern auf Außeneinsätze geht und Ian anfangs unterschätzt. 

Parallel zu den Ermittlungen in der Gegenwart erhalten die Leser*innen Einblicke in Mafeds Vergangenheit im alten ägyptischen Reich, wo er verbotenerweise seine Geliebte, die Königin Hatschepsut, trifft. Mafed, der zwischen der Gestalt eines Katers und eines Menschen wechselt, ist nur ein kleiner Totengott und an die Befehle anderer Gottheiten gebunden. Für sie ist er ein Spielball ihrer großen Pläne, doch Mafed findet Schlupflöcher und entzieht sich zeitweilig der Kontrolle. Mit verheerenden Folgen. Entsprechend ist er froh, dass die ägyptischen Götter irgendwann verschwanden und hält sich auch von den Göttern anderer Kulturen fern. Einzig die altnordische Totengöttin Hel hat einen kurzen Auftritt in „Totenfluch“, ansonsten sieht man bisher wenig von anderen Gottheiten, die unerkannt in der Welt der Menschen leben.

Die Handlung konzentriert sich auf die Mordermittlungen, die nur langsam voranschreiten, und auf die Beziehung zwischen Mafed und Ian, die zwischen Kollegen, Freunden und vielleicht auch mehr changiert. Ian möchte den Totengott unbedingt besser kennenlernen, um ihre Zusammenarbeit zu stärken und weil Mafed der einzige ist, den er sich als Partner beim NYPD vorstellen könnte. Mafed hingegen hält Ian auf Distanz, weil er ohnehin schon zu viel über ihn weiß. Je mehr Nähe er zulässt, desto schmerzhafter wird der Verlust, der bei Menschen immer zu früh kommt. Doch Mafed war noch nie gut darin, seine Gefühle zu unterdrücken und so freunden sich die beiden schließlich doch an. Schade ist, dass man nur wenig über Mafeds Vergangenheit erfährt, abgesehen von den Szenen aus dem alten Ägypten. Der eine oder andere Nebensatz zu Menschen, die ihm früher viel bedeutet haben, hätte seinem Charakter noch mehr Tiefe gegeben. Sonst ist er nämlich ein sehr reizvoller Charakter mit göttlicher Arroganz und einem dazu kontrastierenden empathischen Wesen. 

So interessant und sympathisch Mafed ist, so blind ist er dafür, wenn er manipuliert wird. Die Leser*innen merken lange vor ihm, was Sache ist. Auch Ian hat schnell ein ungutes Gefühl bei der richtigen Person, handelt jedoch nicht konsequent und die Tragödie nimmt ihren Lauf. So zieht der Roman weniger Spannung aus der Aufklärung des Mordfalls, sondern mehr aus der Frage, wann Mafed endlich die Zusammenhänge erkennt und wie er dann reagiert. Wer einen hochspannenden Krimi erwartet, wird enttäuscht sein, viel mehr dient der Mordfall einer prickelnden Mystery-Crime-Atmosphäre, die gepaart mit der ägyptischen Mythologie ein angenehm unverbrauchtes Urban-Fantasy-Setting ergibt. Dazu gibt es mehrere anregende Sexszenen, auch queere, da Mafed pansexuell ist. Dabei zeigt sich schön Mafeds genießerischer Charakter. 

Die Gestaltung des Buches ist – wie man es von Art Skript Phantastik kennt – überaus gelungen. Unter dem Klappentext finden sich einige Tags, die knapp umreißen, was die Leser*innen erwartet. Die Kapitelüberschriften sind mit einer doppelseitigen s/w-Graphik der New Yorker Skyline gestaltet und am Ende jedes Abschnitts findet sich eine kleine Katzengraphik. Man sieht dem Buch einfach an, wie viel Liebe darin steckt.

Fans von Mafed können sich auf „Path into Duat“ (Herbst 2022) freuen, wo er dem Chaosgott Seth begegnet. Der Roman ist ein Gemeinschaftswerk von Jenny Wood und Melanie Vogltanz, die bereits die Novelle „Road to Ombos“ und die Kurzgeschichte „Highway to Heliopolis“ zum „Kemet“-Universum beigetragen hat.


Fazit

„Totenfluch“ ist stimmungsvolle Urban Fantasy in New York und begeistert mit ägyptischer Mythologie und einem sympathischen Ermittlerduo. Mafed und Ian ergänzen sich perfekt, was sie selbst allerdings erst noch erkennen und zulassen müssen. Die Leser*innen dürften den Krimiplot schneller als Mafed durchschauen, dennoch bietet der Roman kleine Überraschungen und zieht seine Spannung ohnehin mehr aus dem amüsanten Zusammenspiel der Charaktere.


Pro und Contra

+ Mafed ist ein arroganter, aber auch empathischer Totengott
+ amüsantes, herzerwärmendes Zusammenspiel der Protagonisten
+ ägyptische Mythologie
+ stimmungsvolles Setting in New York
+ Einblicke in das alte ägyptische Reich
+ kleine Überraschungen
+ superschöne Gestaltung des Paperbacks

- Krimiplot etwas langwierig und schnell zu durchschauen
- teils klischeehaft böse Antagonistin

Wertungsterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Interview mit Jenny Wood (2022)

Rezension zi "Road to Ombos" (von Melanie Vogltanz)

Tags: Urban Fantasy, ägyptische Mythologie, queere Figuren, Kemet, New York, Jenny Wood

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