Monsieur Mardi-Gras – Unter Knochen Gesamtausgabe (Éric Liberge)

Verlag: Splitter; (März 2022)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten; 49,80 €
ISBN-13: 978-3-96792-248-6

Genre: Drama/ Fantasy/ Philosophie


Klappentext

Ein fataler Sturz beim Tritt auf das im Badezimmer vergessene Spielzeugauto seines Sohnes, und Victor Tourterelle findet sich kurzerhand auf der anderen Seite des Spiegels, in einer Kreidewüste, unter einem Himmel so schwarz wie Tinte wieder. Es herrscht Totenstille, keine Seele lässt sich blicken. Zwar erfreut sich Victor in seiner neuen Gestalt noch seines vollen Bewusstseins, doch von seinem Körper sind nur noch die Knochen geblieben. Mardi Gras Aschermittwoch, so lautet sein Name von nun an, hat keine Ahnung, dass er am Beginn eines der verrücktesten Abenteuer steht, das einem Verstorbenen in der jenseitigen Welt jemals widerfahren ist …

Eine verrückte, esoterische Fabel, ein virtuoser, satirischer und unverschämter Mix aus Jacques Tati und Stanley Kubrik … Erstmals werden die vier Alben von Monsieur Mardi Gras – Unter Knochen als Gesamtausgabe mit einer Reihe exklusiver Zeichnungen aufgelegt.

Für dieses bemerkenswerte Buch erhielt Éric Liberge 1999 in Angouleme den Prix René Goscinny aus den Händen von Philippe Druillet.


Rezension

Zwischen Mardi Gras und Aschermittwoch verstirbt Victor Tourterelle, weil er auf einem Spielzeugauto seines Sohnes ausrutscht. Nun findet er sich in einer öden Wüste wieder, mitten im Nirgendwo. Allerdings ist ihm eins klar: Er ist tot. Denn er ist nur noch ein Skelett. Bald schon kommt ein anderes Skelett auf ihn zu geradelt. Eins mit einer Postmütze auf und es erklärt ihm, dass er tot sei und sein neuer Name Mardi Gras Aschermittwoch. Er befindet sich nun im Fegefeuer, welches auf dem Pluto lokalisiert ist. Und damit beginnt eine seltsame Reise durchs Fegefeuer, in deren Verlauf er auf Seelenbestatter, die Bruderschaft des Abgrunds und weiteren Gruppierungen und seltsamen Gestalten trifft – und alle sehen in ihm denjenigen, der einen Weg aus dem ewigen Dasein als Skelett finden könnte.

Ende der 1990er Jahre zeichnete und schrieb Éric Liberge die mehr als ungewöhnliche Geschichte des Monsieur Mardi Gras. Einem Mann, der nach seinem Tod erst wirklich lebt, wie man sagen könnte und in einer Welt erwacht, die so verrückt und absurd ist, dass sie eigentlich gar nicht so weit weg von der unsrigen ist. Mardi Gras Aschermittwoch wandert durch eine fremdartige Welt des Todes, und dabei stellt er sich den damit einhergehenden Fragen.
Was auf den ersten Blick skurril und lustig wirkt, wird rasch zu einer Geschichte mit ungeheurem Tiefgang, die garantiert nicht einfach so nebenbei konsumiert werden kann. Für diesen Comic braucht man Zeit, viel Zeit, um ihn zu genießen, in ihn abzutauchen, sich hineinfallen lassen und vor allem um auch alles wirklich erfassen zu können. Denn Éric Liberge setzt sich hier geradezu philosophisch mit dem Tod und was danach kommt auseinander. Und dafür gibt es nun einmal keine leichten Antworten, wie auch seine Charaktere feststellen müssen. Der Tod ist mit Schmerz verbunden und das müssen alle Beteiligten feststellen.
Und doch findet sich mal leiser mal etwas lauterer Humor immer wieder auf den Seiten, immer der ganzen Grundsituation in ihrer Absurdität angemessen. Und es lockert vor allem etwas auf. Denn die Geschichte des Monsieur Mardi Gras ist komplex, verschachtelt und im positiven Sinne anstrengend. Da tut eine kurze Verschnaufpause immer mal wieder gut.
Was Éric Liberge hier an kreativen und eigenwilligen Ideen auffährt ist unglaublich und da braucht es auch die Möglichkeit all diese Ideen und Gedanken zu verarbeiten.
Eine leichte Lektüre ist Monsieur Mardi Gras sicherlich nicht, aber eine, die sich lohnt und für die man sich definitiv Zeit nehmen lassen sollte, denn die verrückten Abenteuer von Mardi Gras Aschermittwoch sind einzigartig und tiefgründig und dennoch äußerst skurril. Normalerweise gibt es an dieser Stelle keine Empfehlung, wie oder wo ein Comic gelesen werden sollte, aber bei Monsieur Mardi Gras ist es wohl mal angebracht. Denn am Besten sollten man ihn in Ruhe und in Stille genießen und in kleineren Häppchen und nicht am Stück, damit er seine volle Wirkung entfalten kann. Einfach mal beim Lesen wieder richtig viel Zeit lassen.

Nach all dem Lob für die Geschichte müssen aber auch die Zeichnungen ebenso ihre verdiente Beachtung bekommen. Denn Éric Liberge zeichnet einfach fabelhaft. Seine Zeichnungen sind voller Details und wenn auch mal ein Bild voller Skelette ist, ist der Überblick durch den gezielten Farbeinsatz gegeben. Seine Bilder des Weltalls sind imposant und auch alles andere ist einfach unheimlich gut gestaltet. Mehrfach und immer wieder bleibt das Auge hängen und man versinkt einfach in der Betrachtung der Bilder. Insbesondere, dass es Éric Liberge perfekt gelingt Emotionen auf die Gesichter der Skelett zu zaubern, ist einfach genial. Monsieur Mardi Gras ist nicht nur inhaltlich fordernd, sondern einfach auch ein Augenschmaus.

Bisher gab es nur eine vierbändige Ausgabe bei Splitter, nun also ist das ganze Abenteuer in einer Gesamtausgabe erschienen. Und das ist einfach angenehm, denn nun kann Monsieur Mardi Gras an einem Stück gelesen werden, wenn das jemand möchte. Das viel bessere Argument für die Gesamtausgabe ist jedoch zum einen, die hervorragende Verarbeitung, aber vor allem das Bonusmaterial, das hauptsächlich aus Zeichnungen zum Comic besteht, die mindestens ebenso atemberaubend sind, wie der Comic selbst.
 


Fazit

Monsieur Mardi-Gras ist seltsam, verdreht, philosophisch, verrückt – in einem Wort genial!
Ein verrückter, wilder, ruhiger, nachdenklicher Ritt durch das Fegefeuer, so könnte man Éric Liberges Monsieur Mardi Gras beschreiben und dennoch würde es dem Comic nicht gerecht. Wer ihn nicht kennt, muss das unbedingt nachholen.


Pro & Contra

+ einfach hervorragende Zeichnungen
+ philosophisch
+ absurd und verdreht
+ anspruchsvoll

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5

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