Aiki Mira (15.07.2022)

Interview mit Aiki Mira

aiki mira mit titans kinderLiteratopia: Hallo, Aiki! Bei p.machinery ist kürzlich Dein Debütroman „Titans Kinder. Eine Space-Utopie“ erschienen. Was hat sich in Deiner Zukunftsvision denn zum Guten verändert?

Aiki Mira: In „Titans Kinder“ sind Menschen wie zum Beispiel Rain Seung queer, haben deswegen aber wenig zu befürchten. Rain wird zwar von manchen versehentlich misgendert, jedoch nicht diskriminiert oder gar angegriffen. Wenn ich die gesamte heutige Welt betrachte, ist das für die Mehrheit eine Utopie.

Der Untertitel „Space-Utopie“ bezieht sich aber noch auf etwas Anderes: die utopische Möglichkeit neues Leben in unser Sonnensystem zu bringen. Eine Figur im Roman glaubt, so etwas könne unser Menschsein in Frage stellen und sei daher gefährlich.

Die Utopie bleibt also brüchig. Ihr Ausgang ‒ wie bei jedem Gedankenexperiment ‒ ungewiss.

Literatopia: Deine Protagonist*innen Marlon, Rain und Sunita sind mittels Space-Symbiose miteinander verbunden. Wie können wir uns dieses Zusammenleben konkret vorstellen?

Aiki Mira: Für die Space-Symbiose wurden ihre Fähigkeiten und Persönlichkeiten vorher von Programmen aufeinander abgestimmt. Dadurch sind die drei von Beginn an eine Einheit.

Im All und auf fremden Planeten bietet die Space-Symbiose eine verlässliche Beziehung. Obendrein erhalten die drei die gleichen Rechte wie Familienangehörige.

Als utopische Form der Arbeitsfamilie erfüllt die Space-Symbiose Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Zusammenleben unabhängig von Gender, Sexualität, Blutsverwandtschaft oder Nation.

Wie bei jeder Beziehung kann das jedoch schiefgehen. Die Space-Symbiose bleibt also eine unvollkommene Utopie ‒ eine, in der es Risse gibt.

Literatopia: Auf dem Titan treffen Deine Protagonist*innen auf die Wissenschaftlerin Verve, die gleich zwei Nobelpreise abgelehnt hat. Woran forscht Verve? Und wie kam sie jahrelang praktisch allein auf dem Titan zurecht?

Aiki Mira: Verve ist Astrobiologin. Sie will wissen, wie Leben auf Planeten kommt. Eine Frage, an der sie forscht, lautet: Entsteht Leben zwangsläufig, wenn nur die richtigen biochemischen Voraussetzungen gegeben sind?

Verve ist unerschrocken und unabhängig. Manche würden sagen: rücksichtslos. Schon auf der Erde war ihr egal, was andere von ihr halten, weshalb sie beide Nobelpreise ablehnte. Denn tun zu können, was ihre Arbeit voranbringt, ist ihr wichtiger als Anerkennung. Rain erkennt das sofort: Verve hat sich selbstständig von den Ketten respektabler Forschungsarbeit befreit. Sogar in Situationen, in denen andere Menschen in Gefahr schweben, denkt Verve an erster Stelle an ihre Forschung.

Auf dem Titan kam Verve genau deswegen zurecht: sie hatte ihre Arbeit, sie hatte etwas zu tun. Das hat sie davor bewahrt, den Verstand zu verlieren. Trotzdem hat diese Zeit sie nicht kalt gelassen, Narben hinterlassen. Sie wird die Neuankömmlinge also nicht so einfach wieder gehen lassen…

Literatopia: Die Reise von Marlon, Rain und Sunita führt nicht wie geplant zum Mars, sondern mitten in eine No-Go-Area. Was erwartet sie dort?

Aiki Mira: Eine Umgebung, die auf den ersten Blick lebensfeindlich ist. Auf den zweiten Blick auch neues Leben bereithält. Sie werden herausgefordert, mit dem Unvorstellbaren konfrontiert und müssen sich auf irgendeine Art darauf einlassen. In jedem Fall wird es eine Wirkung auf sie haben ‒ geistig wie auch körperlich.

Literatopia: Wie realistisch sind Raumfahrttechnik und Biologie in „Titans Kinder“? Wie hast Du dafür recherchiert?

Aiki Mira: Mir war wichtig, dass Raumfahrttechnik und Biologie in der Realität verankert sind, aber durchaus weitergedacht werden.

Konkret bedeutet das: alles, was ich über den Titan schreibe (abgesehen von dem grünen See), entspricht dem heutigen Wissensstand. Methanseen kräuseln sich tatsächlich nicht im Wind. Dafür habe ich wie Marlon viel über den Planeten gelesen.

Auch horizontale Gentransfers oder Anti-Frost-Proteine gibt es wirklich.

Bei der Raumfahrttechnik habe ich den Photonen-Laser hinzugenommen, den es noch nicht gibt, um Reisezeiten zu verkürzen. Der bleibt aber auch in „Titans Kinder“ eine teure, neue Technologie.

Da wir noch keine Menschen auf den Titan geschickt haben, musste ich mir eine neue Ausrüstung ausdenken, die sich an den Besonderheiten des Planeten orientiert, was zum Beispiel Schwerkraft, Luftzusammensetzung und Wetter betrifft.

Zur Recherche habe ich neben wissenschaftlichen Artikeln, Videos von Astronaut*innen und Aufnahmen vom Planeten angeschaut, um ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen.

illustration utopie27Literatopia: „Titans Kinder“ basiert auf Deiner Novelle „Wir werden andere sein". Wie hast Du aus einer Novelle einen Roman gemacht? Ist „Titans Kinder“ eine erweiterte Version oder gibt es größere Unterschiede zum Ursprungstext?`

Aiki Mira: Eigentlich sind beide eine Erweiterung voneinander.

Gerade am Anfang von „Titans Kinder“ findet sich inhaltlich einiges von der Novelle wieder. Jedoch habe ich auch neue Szenen hinzugefügt oder alte umgeschrieben, damit zu gleichen Teilen aus der Perspektive von Rain und Marlon erzählt wird. In der Novelle ist Rain noch eine Nebenfigur.

Der Roman erweitert die Novelle, weil er auch dort, wo die Novelle aufhört, weitererzählt.

Trotzdem kann die Novelle auch als Erweiterung des Romans gesehen werden. Denn im Gegensatz zum Roman wird in der Novelle die Reise zum Titan ausführlich geschildert – da gibt es einige Vorfälle!

Auch enthält die Novelle zusätzliche Hintergrundinformationen zum Team, wie z.B., dass alle drei aus Familien stammen, die einst geflohen sind.

Gerade für Menschen, die nach dem Lesen von „Titans Kinder“, noch mehr wissen wollen, empfehle ich im Anschluss „Wir werden andere sein“ zu lesen.

Literatopia: Deine Kurzgeschichte „Utopie27“ wurde dieses Jahr mit dem Kurd-Laßwitz-Preis und dem Deutschen-Science-Fiction-Preis ausgezeichnet. Auf Instagram schreibst Du, da „steckt ein großes Stück Aiki Mira drin“ – inwiefern?

Aiki Mira: Yeah, sehr aufmerksam gelesen!

Das bezieht sich auf drei verschiedene Dinge.

Zum einen habe ich wie die Figur Lu nahestehende Menschen verloren und wie Lu dabei die Erfahrung gemacht, dass solche Menschen dadurch tiefer in mich hineinwachsen.

Während Lu die Beziehung über den Tod hinaus in einer virtuellen Umgebung weiterführt, geschieht es bei mir in der virtuellen Realität des Traums, über Jahre hinweg, in denen wir uns wie im echten Leben verändern und weiterentwickeln.

Zum Zweiten bezog sich meine Aussage darauf, dass „Utopie27“ typische Aiki-Mira-Themen enthält: Gaming, Virtualität und Transidentität. Lu will lieber eine Drohne als ein Mensch sein. Am Ende wagt sie die Transition, den Sprung ins Ungewisse. Wie bei jeder Transition bedeutet das zugleich Tod und neues Leben.

Zu guter Letzt steckt auch deshalb ein großes Stück von mir drin, weil ich ein großer Cyberpunk-Fan bin und diese Story eine Hommage an den frühen Cyberpunk ist. Wobei ich versucht habe, gängige Cyberpunk-Stilmittel wie „kaputter, einsamer Held“ zu erneuern. Lu ist nur auf den ersten Blick kaputt oder einsam. Wer genau hinschaut bemerkt: sie ist eingebettet in ein soziales Netz. Ihre Nachbarn, ihr Freund Fahri, ihre Chefin Gloria, selbst ihr toter Bruder nehmen regen Anteil an ihrem Leben.

Lu ist auch nicht „kaputt“, sondern trauert.

Obendrein weiß sie, was sie will und am Ende zieht sie das auch durch.

am anfang war das bild CoverLiteratopia: Wie lange schreibst Du durchschnittlich an einer Kurzgeschichte? Und was zeichnet eine gelungene Kurzgeschichte für Dich aus?

Aiki Mira: An „Utopie27“ (aus „Am Anfang war das Bild“) habe ich monatelang gearbeitet. In der Regel lebe ich über einen längeren Zeitraum in der Welt der Erzählung, mache mir immer wieder Notizen. Die geschriebene Geschichte lasse ich erstmal liegen, überarbeite, dann lese ich sie laut, mache Aufnahmen, die ich wieder liegen lasse, dann erneut anhöre. Der gesamte Prozess kann Wochen oder Monate dauern. Eine Story zu veröffentlichen, also in die Welt zu entlassen, fällt mir danach natürlich schwer, weil ich bereits so viel Zeit mit ihr verbracht habe :)

Es gibt auch Storys, die sich mir aufdrängen, von mir geschrieben werden wollen wie zum Beispiel „Das Universum ohne Eisbärin“ (c`t 5/2021) oder „Vorsicht synthetisches Leben“ (Exodus Heft 43). Aber auch wenn ich sie relativ rasch aufschreibe, überarbeite ich noch gern.

Als Lesende empfinde ich eine Erzählung als gelungen, wenn sie mich trifft, etwas in mir bewegt. Wenn sie obendrein sprachlich wunderbar ist, dann bin ich glücklich.

Als Schreibende ist das ähnlich. Denn ich versuche zu schreiben, was ich gern lesen möchte. Wenn ich in meinem Text alle Worte an den richtigen Platz gerückt habe, die Geschichte mir beim Lesen und Hören gefällt, dabei auch etwas in mir bewegt, dann habe ich für einen kurzen Moment das Gefühl, das sie mir geglückt sein könnte.

Literatopia: Wovon handelt Deine erste Geschichte?

Aiki Mira: Meine erste Scifi-Kurzgeschichte? Das war „Das Universum ohne Eisbärin“. Da geht es darum, ob ich eine Person, die mir nahesteht, vor dem größten Kummer ihres Lebens bewahre, auch wenn ich dadurch eine ganze, gemeinsame Welt untergehen lasse.

Literatopia: Auf Deiner Website schreibst Du, dass Du neben Science Fiction und Near Future auch New Weird schreibst. Den Begriff dürften viele Leser*innen noch nicht kennen – was ist denn „New Weird“? Und wie bist Du dazu gekommen?

Aiki Mira: New Weird beziehe ich auf Fiction von Jeff VanderMeer, Karin Tidbeck oder China Miéville, die ich sehr schätze.

Persönlich verstehe ich unter New Weird eine Science Fiction, die (Genre-)Grenzen übertritt und dabei ein Gefühl des Unheimlichen erzeugt.

Meine Storys „Zustand der Welt“ (Queer*Welten 8), „Vorsicht synthetisches Leben“ (Exodus 43) und „Nicht von dieser Welt“ (Nova 32) beinhalten New-Weird-Elemente.

In „Totalwald“ (phantastisch! 81) ist sogar ein ganzer Wald weird.

Gemeinsam ist den Storys, dass darin Wesen vorkommen, deren Herkunft zwar wissenschaftlich erklärt wird (biosynthetische Wesen aus dem Labor), deren Funktion, Fähigkeiten, Bewusstsein, inneres Leben usw. für Menschen trotzdem verborgen bleiben. Solche Wesen sind unknowable und damit auch unheimlich und weird. In „Titans Kinder“ kommt auch so ein Wesen vor.

Wie bin ich dazu gekommen? Mir gefällt die Vorstellung, dass etwas, was rational erklärt und im Labor erschaffen werden kann, trotzdem eine Art Blackbox bleibt. Mit meiner Fiction möchte ich erforschen, wie wir Menschen damit umgehen und welche Beziehung wir mit Wesen haben können, die sich uns vollkommen entziehen.

Literatopia: Was war Deine Einstiegsdroge in die Science Fiction? Und was fasziniert Dich am Genre?

Aiki Mira: Oh, ich kann gar nicht mehr sagen, was der erste Scifi-Text war, den ich gelesen habe. Ich habe sehr früh und sehr viel gelesen. Was mich jedoch erschrocken hat, war wie spät ich auf die Grandes Dames der Scifi aufmerksam wurde.

Obwohl ich seit der Kindheit im Genre lese, bin ich erst als Erwachsene auf Margaret Atwood, James Jr. Tiptree, Octavia E. Butler und Ursula K. Le Guin gestoßen ‒ habe mich aber sofort verliebt.

Am Genre fasziniert mich, über die Zukunft nachzudenken und auf diese Weise für kurze Zeit darin leben zu dürfen.

Seit ich im Sandkasten spiele, bin ich ein Cyborg, angewiesen auf Brille, später auf Kontaktlinsen, die meinen Astigmatismus ausgleichen. Nach einer Not-OP als Kind wurde mir zudem sehr früh klar, dass ich ohne moderne Medizin bereits jung gestorben wäre. Das alles hat mich von klein auf geprägt: die Vorstellung lieber in der technologisch, medizinisch und gesellschaftlich fortschrittlichen Zukunft als in der Vergangenheit leben zu wollen.

Neben technologischem Fortschritt interessiert mich immer auch der damit zusammenhängende gesellschaftliche Wandel. Das lässt sich für mich nicht trennen. Das sind auch Forschungsfragen in der Wissenschaft: Wie verändert die Nutzung neuer Technologien unsere Wahrnehmung, unsere Gesellschaft und unsere Beziehungen? In gewisser Weise ist Science Fiction ein wissenschaftliches Experiment: Figuren werden mit neuen Technologien konfrontiert und dann schreibe ich möglichst genau auf, was dadurch mit ihnen passiert.

Science Fiction verbindet somit zwei Elemente, die ich beide sehr schätze: Fantasie und unbegrenzte Vorstellungskraft auf der einen Seite, Rationalität und Wissenschaftlichkeit auf der anderen.

aiki mira multiverseLiteratopia: Science Fiction funktioniert im Kino oft wunderbar und lockt Scharen von Zuschauer*innen an und SF-Games verkaufen sich wie warme Semmeln. SF-Bücher hingegen fristen ein wenig beachtetes Nischen-Dasein – woran liegt das Deiner Meinung nach?

Aiki Mira: In einem Beitrag in der phantastisch! 86 mit dem Titel „Science Fiction im Zeitalter der Bilder“ argumentiere ich, dass wir zwar aktuell in einem Zeitalter der Bilder (Kino, Streaming-TV, Games) leben, Bücher aber immer noch die Ideengeber hinter der Bilderflut sind. Gerade Science-Fiction-Welten lassen sich natürlich wunderbar erfolgreich für das Blockbuster-Kino oder Streaming-TV adaptieren (Herberts Dune! Asimovs Foundation!).

Im angloamerikanischen Raum kommen trotzdem immer noch viele spannende Scifi-Bücher heraus, die auch regelmäßig von großen Zeitungen besprochen und deren Filmrechte oft sofort aufgekauft werden.

In Deutschland schrumpft die Science-Fiction-Abteilung in den Buchhandlungen. Aber wenn ich genau hinsehe: viele Bücher wandern in die allgemeine Literatur. Es gibt eine Menge literarische Science Fiction, die im Genre-Regal nicht mehr auftaucht. Ich denke zum Beispiel an Samanta Schweblin oder Margaret Atwood.

Literatopia: Wie hast Du in den letzten Jahren die Entwicklung der deutschsprachigen Phantastikszene, insbesondere in der SF, wahrgenommen?

Aiki Mira: Auf vielen Ebenen sehr positiv. Inhaltlich sehe ich einen langsamen Wandel hin zu einem diversen Cast. Stilistisch zu mehr literarischer Scifi. Auch in Deutschland.

Obendrein entstehen in Deutschland neue Verlage, die sich auf Science Fiction spezialisieren und bei denen Frauen an der Spitze stehen, wie zum Beispiel Sandra Thoms beim Plan9 Verlag.

Auch neue Magazine entstehen. Zum Beispiel Queer*Welten (Lena Richter, Judith C. Vogt, Heike Knopp-Sullivan, Hrsg.) oder das Weltenportal (Christoph Grimm, Hrsg.), die sich beide durch einen angemessenen Frauenanteil bei den Autor*innen auszeichnen.

Bei Queer*Welten stehen gleich drei Herausgeberinnen dahinter. Das Magazin leistet zudem Pionierarbeit, als erste Zeitschrift, die sich der queer*feministischen Scifi und Fantasy widmet.

Außerdem gibt es zahlreiche Ausschreibungen im Bereich Science Fiction. Kleinverlage veröffentlichen regelmäßig Anthologien. Die Anzahl ist sogar gestiegen. Und trotzdem werden die Magazine mit Story-Einreichungen geflutet.

Kein Wunder!

Science Fiction trifft wie kein anderes Genre unseren Zeitgeist. Hochaktuelle Themen wie Klimawandel und Queerness werden vorrangig von der Science Fiction verhandelt, Stichwort: cli-fi oder queer*scifi.

Demensprechend besteht auch bei Menschen, die nicht die typischen Scifi-Leser*innen sind, Interesse. Das habe ich am Publikum von Multiverse festgestellt, einem live-Phantastik Event, das ich zusammen mit Janika Rehak letzte Woche in Bremen organisiert habe.

Dieser Boom auf allen Ebenen führt dazu, dass neue Autor*innen angezogen werden oder aus anderen Genres überwandern.

Daneben sehe ich in der deutschen Science Fiction die Bewegung hin zur Internationalisierung.

Einerseits werden angloamerikanische Entwicklungen und Publikationen immer stärker und in Echtzeit wahrgenommen, also noch vor der Übersetzung gelesen.

Andererseits strebt die deutsche Scifi selbst danach über die sprachlichen Grenzen hinaus wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel gibt es seit kurzem das internationale Future Fiction Magazine (Sylvana Freyberg und Uwe Post Hrsg.). Auch an der Rückkehr des internationalen Magazins Internova (Michael K. Iwoleit Hrsg.) wird gearbeitet.

Aktuelle Entwicklungen in der deutschen Science Fiction werden auch bereits außerhalb von Deutschland wahrgenommen. So hielt Lars Schmeink erst letzten Monat einen Vortrag an der University of Glasgow mit dem Titel „Changing the Voices of Science Fiction: The Progressive Fantastic in Germany“.

Ich sehe hier also viele positive Entwicklungen der Erneuerung, der Diversifizierung, der Internationalisierung und des Wachstums.

Dass Science Fiction das Genre unserer Zeit ist, davon bin ich überzeugt. Den Gedanken habe ich bereits in dem Beitrag „Zukunft jagt Gegenwart“ (phantastisch! 80) vorgeschlagen. Das in real life zu sehen, ist extrem spannend!

Literatopia: Du beschäftigst Dich unter anderem viel mit feministischer Science Fiction – hast Du da ein paar Buchtipps für uns? Welche Werke haben Dich nachhaltig beeindruckt?

Mulitverse 2022 FlyerAiki Mira: Nachhaltig beeindruckt hat mich „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood. Da kann ich mich wie bei anderen Schock-Events genau erinnern, wo ich stand, als ich das Buch zu Ende gelesen habe.

Ebenso beeindruckt ‒ und zwar sehr positiv! ‒ war ich von „Freie Geister“ von Ursula K. Le Guin. Ich hatte das Gefühl in der Figur Shevek einen echten Menschen getroffen und kennengelernt zu haben.

Das ist etwas, das ich gern in meiner eigenen Fiction erreichen möchte: Lesenden das Gefühl zu vermitteln, neue Menschen kennenzulernen. Daher berührt es mich sehr, wenn mir Leute schreiben, wie nahe sie der Figur Rain aus „Titans Kinder“ gekommen sind, obwohl sie nichts mit ihr gemeinsam haben.

Da Ursula K. Le Guin und Margaret Atwood im Bereich feministische Scifi bereits sehr bekannt sind, möchte ich hier eine weitere Autorin erwähnen, die vielleicht noch ein Geheimtipp ist:

Carmen Maria Machado und ihre Story-Sammlung „Ihr Körper und andere Teilhaber“. Das hat mich sprachlich und inhaltlich sehr beeindruckt. Das ist queer und feministisch, und liegt quer zu allen phantastischen Genres.

Literatopia: Abschließend würden wir gerne wissen, ob nach „Titans Kinder“ weitere Romane von Dir folgen? Oder konzentrierst Du Dich wieder mehr auf Kurzgeschichten?

Aiki Mira: Momentan arbeite ich sowohl an Romanen als auch an Kurzgeschichten.

Ein Roman, bei dem ich sprachlich Neues ausprobiere und letztes Jahr beim Polarise Verlag eingereicht habe, befindet sich gerade im Lektorat. Der Roman spielt im near-future Hamburg und dreht sich um wettkampfmäßiges Neuro-Gaming.

Außerdem arbeite ich an einer Story-Sammlung ‒ ein weiteres Herzensprojekt ‒, die nächstes Jahr bei p.machinery erscheinen wird.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

Aiki Mira: Dir auch herzlichen Dank für die interessanten Fragen und die Gelegenheit, über die Zukunft und Gegenwart der Science Fiction laut nachzudenken :)


Autor*innenfotos: Copyright by Aiki Mira

Illustration zu "Utopie 27": Copyright by Mario Franke

Webseite von Aiki: https://aikimira.webnode.page/ 

Aiki bei Instagram: @aiki_mira  

Aiki bei Twitter: @aiki_mira 

Multiverse: https://twitter.com/Lit_multiverse/ 


Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Tags: Space Opera, queere Figuren, Aiki Mira

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