Benni Bärenstark Gesamtausgabe Bd.1 (Peyo, Will, Walthéry, Yvan Delporte)

Verlag: Splitter; (Juni 2022)
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten; 39,95 €
ISBN-13: 978-3-96792-737-5

Genre: Funny/ Kindercomic/ Abenteuer/ Krimi


Klappentext

Benni ist ein kleiner, ganz normaler Junge – das heißt, er wäre es gerne, aber er ist es nicht, denn er ist unglaublich stark! Bäume ausreißen, höher als ein Haus springen, Autos mit bloßen Händen durch die Luft schleudern? Kein Problem für ihn – Schwierigkeiten bereitet ihm nur, seine Kräfte im Alltag richtig einzuteilen. Deshalb will auch niemand mit Benni spielen, denn alles, was er anfasst, geht nur allzu leicht kaputt. Zumindest solange er keinen Schnupfen hat, denn dann verlassen ihn seine Kräfte, und er ist wirklich nur ein braver, kleiner Junge, dem allerdings jede Art von schlechtem Benehmen oder gar krimineller Machenschaften zuwider sind. So gerät er stets aufs Neue in abenteuerliche Verwicklungen, bei denen er seine Superkräfte dann doch sinnvoll einsetzen kann. Und wenn er schön darauf achtet, sich nicht zu erkälten, haben Schurken und Bösewichter gegen ihn kaum eine Chance.

Ein charmanter Klassiker von Peyo (Johann und Pfiffikus, Die Schlümpfe), 1960 entstanden und unter seiner Anleitung im Laufe der Jahre weiterentwickelt von Will, Yvan Delporte, Francois Walthéry, Gos, Albert Blesteau, Thierry Culliford, Vincent Dugomier, Pascal Garray, Frédéric Jannin und Luc Parthoens.


Rezension

Superman und die meisten anderen Superhelden sind groß, stark und praktisch unbesiegbar. Wirkliche Schwächen besitzen sie kaum. Dazu tragen sie Kostüme, die sofort klarmachen, wer da vor einem steht.
Und dann gibt es da Benni Bärenstark. Jener kleine Junge mit roter Jacke, schwarzer Baskenmütze und blauem Schal, der aus der Feder Peyos, Schöpfer der Schlümpfe, stammt. Benni Bärenstark ist unheimlich stark, kann sehr, sehr hoch springen und unglaublich schnell laufen. Allerdings nur wenn er keinen Schnupfen bekommt, denn dann verliert er all seine Kräfte.
Peyo schuf seinen „Superhelden“ Anfang der 60er Jahre und schickte ihn in aufregende Abenteuer, die überraschend ausgeklügelt und sehr spannend sind. Während in den USA Batman immer alberner wurde, ist Benni Bärenstark zwar auch sehr lustig, aber überraschenderweise intelligenter und besser geschrieben. Und dabei richtet sich Peyos Schöpfung rein an Kinder. Die Abenteuer Benni Bärenstarks sind überraschend zeitlos und wirken nicht antiquiert, trotz der Abwesenheit moderner Technologie. Dies fällt zu keinem Zeitpunkt auf, da die Zeichnungen zeitlos sind und die Handlung sowieso keine erfordert. Benni Bärenstark ist verdientermaßen ein Klassiker der Funny- und Kindercomics, der es verdient, immer wieder von neuen Generationen von Kindern entdeckt zu werden. Sein Charme und Witz dürfte auf jeden Fall überspringen.
Splitter bringt nun seine Abenteuer gesammelt in fünf Bänden in einer Gesamtausgabe heraus, in der sich auch in Deutschland bisher unveröffentlichtes Material befinden wird.
Im ersten Band dieser Gesamtausgabe sind drei Geschichten enthalten, die jede für sich zeigt, wie gut und vielseitig Benni Bärenstark ist.

Die roten Taxis

Herr Piepke ist ein guter Freund von Benni Bärenstark und Taxifahrer. In letzter Zeit läuft es nicht so für ihn, da er in dem kleinen Städtchen durch die Roten Taxis Konkurrenz bekommen hat. Deren Fahrer wirken mindestens komisch und überschreiten auch schon mal Grenzen. Nach einem Treffen mit dem Chef der Roten Taxis kommt Herr Piepke nicht mehr wieder. Benni beschließt seinen Freund zu suchen und stürzt mitten in ein großes Abenteuer, an dessen Ende sich herausstellt, was der Chef der Roten Taxis wirklich vorhat.
Bennis erstes Abenteuer legt die Messlatte gleich richtig hoch, denn Peyo verknüpft eine Krimi-/ Thrillerhandlung mit kindgerechtem Humor und das auf eine sehr spannende Art und Weise. Einen besseren Start hätte Benni Bärenstark nicht bekommen können.


Rätsel um Frau Albertine

Im Park lernt Benni die charmante Madame Albertine kennen. Nach einem schönen und ereignisreichen Nachmittag kippt Madame Albertine um und rührt sich nicht mehr. Ein Zettel mit einer Telefonnummer befindet sich in ihrer Tasche, die bei Notfällen angerufen werden soll. Daraufhin erscheint ein Mann, der Madame Albertine in seinen Kofferraum wirft und davon fährt. Als Benni sie am nächsten Tag wiedersieht, erinnert sie sich jedoch nicht mehr an ihn. Wie sich herausstellt ist Madame Albertine ein Roboter, der vom Erfinder Klingbeil konstruiert wurde. Und damit fängt das Abenteuer erst an.
Ein Roboter, eine Krimihandlung und Benni mittendrin. Mit viel Charme und Herz, wie auch alle anderen in diesem Band enthaltenen Abenteuer, erzählt Rätsel um Frau Albertine eine ereignisreiche und witzige Geschichte.

Bennis zwölf große Taten

Herr Piepke bekommt von seinem alten Bandkollegen Rehbein eine mehr als gute Nachricht. Vor Jahren hatte ihnen ein Scheich ein Stück Wüste in seinem Heimatland überschrieben und nun wurde dort Öl gefunden. Herr Piepke und all seine ehemaligen Bandkollegen sind also schlagartig reich geworden. Sie müssen nur die Besitzurkunde wieder zusammenfügen, die sie einst zerrissen hatten und von der jeder eins der neun Teile bekommen hatte. Das ist aber leichter gesagt, als getan. Anscheinend hat Rehbein Böses vor und will alleiniger Besitzer der Ölquelle werden. Herr Piepke und Benni machen sich auf, Rehbein zu stoppen und seine Bandkollegen zu warnen. Aber Rehbein ist ihnen scheinbar immer einen Schritt voraus und Benni muss mehr als eine Großtat vollbringen, um alles zu einem guten Ende zu bringen, was auch heißt, dass er einen Zug mit bloßen Händen stoppt.
Bennis letztes Abenteuer in diesem Band führt ihn um die ganze Welt und bringt ihn immer wieder in gefährliche Situationen, nicht von ungefähr kommt einem die zwölf Taten des Herkules beim Lesen in den Sinn, auch wenn er keine Monster oder mythischen Wesen bekämpfen muss. Es wird hier teilweise recht dramatisch und sehr spannend. Bennis zwölf große Taten ist eins der Besten, wenn nicht sogar das beste Benni Bärenstark-Album. Hier stimmt einfach alles. Handlung, Spannung und Humor zeigen Peyo und seine Mitstreiter auf den Höhepunkt ihres Schaffens. Besser kann man einen Comic für Kinder, den auch Erwachsenen mit Vergnügen lesen können, nicht gestalten.

Ob absichtlich oder nicht, Peyo hat seinen Zeichnungen ein zeitloses Aussehen gegeben. Obwohl Bennis erster Auftritt sechzig Jahre zurück liegt, ist ihm sein Alter überhaupt nicht anzusehen. Der Funnystil Peyos, in dem er auch Die Schlümpfe und Johann und Pfiffikus zeichnete, sorgt dafür, dass alles etwas überzeichnet ist und so eben nie aus der Zeit gefallen wirkt. Selbst die zu sehenden alten Telefone und Autos fallen nicht großartig auf, da sie einfach zum Inhalt passen, deswegen vermisst man auch keine Handys oder andere moderne Errungenschaften. Benni Bärenstark lebt in einer Parallewelt und die ist, wie gesagt, zeitlos, da Peyo nie auf moderne Errungenschaften setzte, sondern mehr Wert auf eine gute Geschichte gelegt hat und dies zeigt sich auch in den Zeichnungen. Mit seinen Bildern, und später auch seine Nachfolger, zieht er durch Humor und Spannung den Leser in den Comic und spätestens dann ist es egal, ob es so etwas wie Handys und Internet gibt.

Das Bonusmaterial ist sehr umfangreich und die Artikel geben einen guten Einblick in die Entstehung des Comics. Etwas ganz besonderes sind die Skizzen von Franquin, der so begeistert von Peyos Idee für Benni Bärenstark war, dass er sofort einige Ideen für den kleinen Jungen aufs Blatt warf und diese sehen richtig gut aus. Eine ganzes Album von Franquin gezeichnet, wäre mit Sicherheit das Sahnehäubchen in dieser Comicreihe gewesen.


Fazit

Endlich hat die Benni Bärenstark Gesamtausgabe ihren Weg nach Deutschland gefunden. Die Geschichten sind zeitlos, spannend und lustig und haben nichts von ihrem Charme und ihrer Faszination verloren und das umfangreiche Bonusmaterial rundet Bennis neuesten Auftritt perfekt ab. Benni Bärenstark ist ein wunderbarer Comic und eine eindeutige Empfehlung für Kinder jeden Alters – egal ob acht oder achtzig Jahre alt.


Pro & Contra

+ zeitlos
+ spannend
+ lustig
+ viele kreative Ideen
+ gut durchdachte Handlungen, die Kinder etwas zutrauen

Bewertung:

Charaktere: 5/5
Handlung: 5/5
Humor: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Peyo:

Rezension zu Johann und Pfiffikus Gesamtausgabe Bd.1 – Der Page des Königs
Rezension zu Johann und Pfiffikus Gesamtausgabe Bd.2 – Hexerei und Zaubersprüche
Rezension zu Johann und Pfiffikus Gesamtausgabe Bd.3 – Räuber und Plünderer
Rezension zu Johann und Pfiffikus Gesamtausgabe Bd.4 – Die Schlumpfjahre

Rezension zu Die Schlümpfe Bd.1 – Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe
Rezension zu Die Schlümpfe Bd.28 – Schlumpfine greift ein

Rezension zu Benni Bärenstark Bd.1 – Die roten Taxis
Rezension zu Benni Bärenstark Bd.13 – John-John
Rezension zu Benni Bärenstark Bd.14 – Auf den Spuren des weißen Gorillas

Rezension zu Die Schlümpfe – Kompaktausgabe Bd.1
Rezension zu Die Schlümpfe – Kompaktausgabe Bd.2
Rezension zu Die Schlümpfe und das verlorene Dorf Bd.1

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