Spirou & Fantasio Gesamtausgabe Bd.15: 1988 - 1991 (Tome, Janry)

Verlag: Carlsen; (August 2022)
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten; 34 €
ISBN-13: 978-3-551-71635-4

Genre: Abenteuer/ Humor


Klappentext

Zu Beginn der 1980er-Jahre übernahm das Autorenduo Tome & Janry Spirou und Fantasio. Nachdem sie mit ihren ersten Abenteuern an das Erbe von André Franquin anknüpften, machten sie sich die Reihe immer mehr zu eigen. Sie nahmen Einfluss auf den Geist der Serie, wodurch es ihnen gelang, mit ihren Geschichten ein jüngeres Publikum anzusprechen.
Insbesondere die Jahre 1988 bis 1991 stellten so für Spirou und Fantasio eine Glanzzeit dar.
Eine Lesergeneration wurde mit Franquin groß, eine andere nun auch mit Tome & Janry.


Rezension

Die Jahre von 1988 bis 1991 waren für das Spirou-Team Tome und Janry sehr produktiv. Vier albenlange Geschichte und mehrere Einseiter für Der kleine Spirou wurden von ihnen geschaffen und dabei gibt es keinen Qualitätsverlust zu beklagen. Sie haben hier endgültig ihre Form gefunden und damit ihre Art und Weise, wie sie Geschichten über das Duo erzählen. Gerade bei den beiden großartigen Abenteuern Das Tal der Verbannten und Vito der Pechvogel ist dies gut zu sehen. In beiden Geschichten gehen sie über die übliche Formel hinaus und wagen etwas Neues.

Neben den Alben ist wie gewohnt jede Menge Bonusmaterial mit an Bord. Neben vielen Hintergrundinformationen gibt es Skizzen und Illustrationen.

Die Angst im Nacken

1938 verschwanden zwei Forscher auf der Suche nach dem Tal der Verbannten. Spirou und Fantasio wollen dieses Tal jetzt finden. Es gibt nur ein Problem. Spirous Vorträge jagen seinen Zuhörern eine solche Angst ein, dass sie aus dem Saal fliehen und sämtliche weiteren Vorträge abgesagt werden. Dadurch haben die beiden Freunde kein Geld, um ihre Expedition in das kleine Land Tubut-Chan zu finanzieren. Da taucht Dr. Placebo auf und bietet ihnen an, die Kosten zu tragen. Die Sache hat nur einen Haken. Für das Geld müssen sie fünf Patienten mitnehmen, die alle an langanhaltendem Schluckauf leiden. Placebo hat nämlich die Vermutung, dass eine Reise mit Spirou und Fantasio ausreichend Schrecken birgt, jeglichen Schluckauf zu heilen.
Der Beginn des Abenteuers ist richtig gut. Spirous Jagd durch die Straßen der Stadt ist einfallsreich und einfach absolut toll anzusehen. Auch die Szenen, in denen die Geschichte der beiden verschollenen Forscher erzählt wird, und die mit Dr. Placebo und das erste Auftauchen seiner Patienten ist mehr als gelungen. Leider ist ab da Tome und Janry nicht mehr ganz so viel anderes eingefallen, als eine actionreiche Hetzjagd auf die beiden Freunde zu veranstalten, die insbesondere durch die Patienten Dr. Placebos und den Sherpa Gorpah humorvoller wird. Das hat allerdings Maurice Tillieux im Jeff Jordans Abenteuer Durch die Hölle von Massacara bedeutend besser hinbekommen. So bleibt eine starke erste Hälfte, der eine schwächere Zweite folgt. Vielleicht liegt das Problem auch darin, dass alles etwas gestreckt wird, da Die Angst im Nacken nur die Vorgeschichte für Das Tal der Verbannten darstellt.

Das Tal der Verbannten

Spirou und Fantasio sind in die Fluten eines Flusses gestürzt und finden sich im Tal der Verbannten wieder, also an genau dem Ort, den sie mit ihrer Expedition erreichen wollten. Nun haben sie endlich die Gelegenheit herauszufinden, was mit den beiden Forschern Siegfried und Maginot geschehen ist. Jedoch wird Fantasio von einer Mücke gestochen. Dieser Stich lässt ihn wahnsinnig werden und seinen besten Freund angreifen. Und plötzlich stehen sich die beiden Freunde im Dschungel feindlich gegenüber.
Nach dem schwächelnden Die Angst im Nacken sind Tome und Janry wieder auf der Höhe. Die Handlung ist packend und spannend und die Autoren tauchen tief in ihre Charaktere ein. Der Dschungel, der von skurrilen aber gefährlichen Tieren bevölkert ist, wird von Janry entsprechend feindselig und mit tiefen Schatten dargestellt. Hier passen Zeichnungen und Geschichte perfekt zusammen und es gibt sogar eine wirklich sehr gute Schlusspointe. Mit Sicherheit ist dieses Spirou-Abenteuer eins der besten aus der Feder dieses Teams.

Abenteuer in Moskau

Vom Geheimdienst werden Spirou und Fantasio gezwungen den KGB in Moskau zu unterstützen. Der hat ein Problem, denn die russische Mafia ist im Begriff im größer zu werden und hat bereits die offiziellen Stellen infiltriert. So ist der KGB auf Hilfe von außen angewiesen, um den Weißen Prinzen, Tanaziof, zu stoppen. - Der sich als Zantafio entpuppt und der hat etwas ganz besonders fieses vor. Er will Lenins Leichnam entführen.
Nach der Schwüle und Hitze des Dschungels führt Spirou und Fantasios nächstes Abenteuer in die Kälte Moskaus. Die Geschichte über Geheimdienste, Intrigen, die Mafia und Zantafio ist rasant, actionhaltig und spannend. Dazu kommt eine große Portion Humor, die sich hier in der Darstellung und Parodie von Klischees zeigt und das teilweise auf eine wirklich geniale Art und Weise. Wen Pips schon immer gestört hat, der kann sich freuen. Dem haben Tome und Janry einen Knebel für dieses Abenteuer verpasst, weil er sie ebenfalls etwas nervte. Dadurch hat er aber auch gleichzeitig ein paar gute Szenen.

Vito der Pechvogel

Nach all den turbulenten Ereignisse haben sich Spirou und Fantasio ihren Urlaub im Pazifik auf einem Segelboot redlich verdient. Wäre da nicht der Sturm, der ihr Schiff schwer beschädigt und sie zwingt, ein kleines Atoll anzulaufen. Dort treffen sie auf einen alten Gegner, der noch eine Rechnung mit ihnen offen hat. Allerdings will er zuvor Spirou und Fantasios Fähigkeiten nutzen. Und dies fällt ihm umso leichter, weil Fantasio gerade in einer Sinnkrise steckt und so sehr leicht von ihm manipuliert werden kann.
Regelrecht farbenfroh ist Vito der Pechvogel ausgefallen, in dem Spirou und Fantasio auf den aus Abenteuer in New York bekannten Mafiosi Don Cortizone treffen. Die Farbauswahl steht im Kontrast zur Gefühlswelt der Helden oder besser gesagt des Helden der Geschichte: Fantasio. Dieser bestreitet einen Großteil der Handlung allein, da Spirou von Don Cortizone immer wieder betäubt wird. Was sich in einem der vorherigen Abenteuer andeutete, kommt nun zum Tragen. Fantasio ist mit seiner Rolle nicht mehr glücklich. Dies und andere Dinge sorgt dafür, dass er unter einer Depression leidet, die er am Ende natürlich überwindet, aber das Thema und seine Umsetzung ist für einen solchen Comic schon ungewöhnlich ernst. Damit es genug zu lachen gibt, ist Don Cortizone mit dabei, dessen Pech und sein Staunen über das Glück der Freunde für viele Lacher sorgt. Und am Ende gibt es noch eine Neuerung. Spirou ist zum ersten Mal in seinem Leben betrunken. Alles in allem ist Vito der Pechvogel ein lesenswertes Abenteuer, dass das Maximum aus seinem begrenzten Schauplatz und seinen Figuren herausholt.


Fazit

Mit den vier enthaltenen Spirou und Fantasio-Abenteuern haben sich Tome und Janry endgültig etabliert und dafür gesorgt, dass Spirou ihnen viel zu verdanken hat. Sie verknüpfen hier große Abenteuer, die in einem Fall auf einer interessanten Fußnote der Geschichte basiert, mit Charaktermomenten und Humor. Diese Mischung ist unschlagbar, da sie zudem unheimlich gut aufs Papier gebracht wird.


Pro & Contra

+ Zantafio hat seinen Auftritt
+ Arbeit des KGB
+ humorvoll
+ Charaktere entwickeln sich

0 Die Angst im Nacken wirkt wie ein überlanger Prolog

Bewertung:


Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Humor: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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