Wie man auf Partys Mädels anspricht (Neil Gaiman, Fábio Moon, Gabriel Bá)

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Verlag: Dantes; (Dezember 2023)
Gebundene Ausgabe: 68 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-946952-92-3

Genre: Mystery


Klappentext

Enn ist ein Fünfzehnjähriger, der nichts über Mädchen weiß – ganz im Gegenteil zu seinem Freund Vic, der einfach alles über Mädchen zu wissen scheint. Die beiden ahnen nicht, welches Abenteuer sie erwartet, als sie sich selbst zu einer Party irgendwo in der Nachbarschaft einladen: Die Mädels da scheinen nicht einfach nur Mädels zu sein …

Von Neil Gaiman, dem von der New York Times als Bestsellerautor gelisteten Hugo-, Bram-Stoker-, Locus-, World-Fantasy- und Nebula-Preisträger (Sandman, American Gods) stammt die preisgekrönte Vorlage zu dieser graphischen Fantasie aus den Federn und Pinseln der Zwillingsbrüder Fábio Moon und Gabriel Bá (Daytripper, The Umbrella Academy). Chinatusche und Aquarellfarben vom Feinsten!


Rezension

Enn und sein Freund Vic, der alles auf die leichte Schulter nimmt und nur an Mädels denkt, wollen zu einer Party. Vic hat allerdings die Adresse vergessen und so irren sie zunächst ziellos durch die Gegend, bis sie schließlich an ein Haus gelangen, aus dem Musik dröhnt. Schnell stellen sie fest, dass es nicht die richtige Party ist. Aber da es dort praktisch nur Mädchen gibt, bleiben sie auf dieser. Vic findet schnell jemanden, Enn hingegen hat mehr Mühe sich mit dem anderen Geschlecht zu unterhalten, vor allem wenn sich alle so seltsam verhalten und ab da wird es immer seltsamer und verrückter.

Neil Gaiman noch irgendjemanden vorzustellen, wäre wie Eulen nach Athen zu tragen. Der britische Schriftsteller besitzt praktisch eine grenzenlose Phantasie, mit deren Hilfe er Kurzgeschichte, Romane, Novellen und Comics verfasst, die immer seinen ganz eigenen Schreibstil besitzen. Seine Ideen haben immer eine besondere Facette, die manchmal einen etwas anderer Blick auf die Welt ermöglichen oder ganz einfach auf Klischees und Charaktere. Häufig kommen dann noch obendrauf Verweise auf Literatur und Popkultur. Eine Geschichte aus seiner Feder ist also eigentlich immer etwas besonderes.
Wie man auf Partys Mädels anspricht ist ursprünglich eine weitere Kurzgeschichte von Neil Gaiman, die so alltäglich beginnt und dann immer merkwürdiger wird. Die Grundsituation dürfte jeder kennen, der mal als Jugendlicher auf einer Party war und sich für jemanden anderes interessierte. Das Gegenüber scheint immer von einem anderen Stern zu sein, mit dem es praktisch keine gemeinsame Sprache gibt. Genau darauf baut Neil Gaiman auf und führt seine Geschichte zu einem passenden Höhepunkt. Er erzählt hier also sehr klug von dem Gefühl der ersten Partys und der verwirrenden Zeit, wenn man sich zum ersten Mal in der Situation sieht, sich mit jemanden, für den man sich interessiert, zu unterhalten.

Gabriel Bá und Fábio Moon haben nun diese kleine aber feine Kurzgeschichte genommen und sie als Comic adaptiert. Ein besseres Team hätte es für diesen Comic nicht geben können. Mit Daytripper haben sie bewiesen, dass sie gefühlvoll und klug erzählen und die Umbrella Academy hat gezeigt, dass sie in ihren Zeichnungen das Seltsame perfekt aufs Papier bringen können. Und dazu haben sie in Wie man auf Partys Mädels anspricht wirklich viel Gelegenheit. Ihre Inszenierung wie das Mysteriöse immer weiter überhand nimmt, nachdem es anfangs nicht offen zutage tritt, sondern sich immer mehr einschleicht, ist absolut gelungen. Dazu tragen die Zeichnungen bei, die durch ihren leicht abstrakt, übertiebenen Stil zunächst so einiges verschleiern, das sonst offensichtlich wäre.

Das Glossar fällt für einen Dantes-Titel ungewohnt kurz aus, bietet dennoch aber einen Mehrwert und Jens R. Nielsen zeigt mal wieder sein Können beim Auffinden von Verweisen.


Fazit

Wie man auf Partys Mädels anspricht ist eine nette kleine Geschichte über das Erwachsenwerden. Gabriel Bá und Fábio Moon setzen diese gelungen in einem Comic um.


Pro & Contra

+ Zeichenstil
+ gut erzählt

Bewertung: sterne4

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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