Spirou und Fantasio Bd. 54 – Der Tod von Spirou (Olivier Schwartz, Sophie Guerrive, Benjamin Abitan)

spirou54

Verlag: Carlsen; (Februar 2023)
Softcover: 64 Seiten; 12 €
ISBN-13: 978-3-551-77464-4

Genre: Abenteuer


Rezension

Eigentlich wollte Steffani zu einem Umweltskandal recherchieren, aber als Spirou ihren Artikel liest, reibt er sich verwundert die Augen. Statt Enthüllungsjournalismus ist ihr Artikel eine Lobhymne auf Korallion 2.0. Einem Ort den Spirou und Fantasio noch von früher kennen, nur nicht ganz so positiv besetzt. Nun ist Korallion eine Touristenattraktion. Und eine überaus gut bewertete. Klar, dass Spirou und Fantasio dem nachgehen.

Wie Aufmerksamkeit für eine Comicreihe erzeugen, die sieben Jahre auf ein neues Album warten ließ und wie macht man gleich klar, dass das neue Team mutig sein will? Ganz einfach, man bringt den Hauptcharakter um. Das sorgt bei den Fans und der Presse immer für Wirbel. Dabei sollten doch eigentlich alle wissen, dass Verlage eigentlich nie ihre Helden umbringen.
Aber gut, was Superman und Batman recht war, kann für Spirou nicht falsch sein. Und tatsächlich ging der Plan des Verlages und der Autoren Benjamin Abitan und Sophie Guerrive auf. Selten dürfte ein Spirou-Album so kontrovers aufgenommen worden sein, wie Der Tod von Spirou. Dessen Vorabveröffentlichung fand im Magazin Spirou anlässlich des hundersten Geburtstages des Verlages Dupuis statt, woraus im Deutschen 70 Jahre Carlsen Comics wird. Ein passenderen Zeitpunkt für eine solche Geschichte konnte es nicht geben, beides zusammen erzeugt eine Aufmerksamkeit sondergleichen.
Aber wie schon gesagt, Verlage bringen ihre Helden nicht um,oder bringen sie praktisch sofort zurück. Und wer relativ aufmerksam liest, weiß bereits ohne den folgenden zweiten Teil der Geschichte, dass Spirou keineswegs tot sein kann. Vielleicht liegt die Lösung auch zu offensichtlich vor dem Leser, so dass sie glatt übersehen wird. Wie gesagt, wer aufmerksam liest und vor allem zwischen den Zeilen und Fantasio etwas kennt, dürfte darauf kommen, welches Spiel von den Autoren gespielt wird und wie sich letztlich alles auflösen wird. Dabei hilft der Vergleich im Verhalten des Direktors zwischen den ersten beiden Seiten und den letzten beiden Seiten. Auch was Fantasio trägt ist nicht ganz unwichtig.
Wie ist nun der Band abseits der ganzen Aufregung um Spirous Tod? Nun Abitan und Guerrive greifen auf vorherige Ereignisse zurück und transportieren sie in unsere Zeit und verknüpfen sie dadurch mit der Frage nach der individuellen Freiheit und neuen Themen wie virtuelle Welten.
Während die ersten gut zwanzig Seiten eher eine Einleitung darstellen, indem die Autoren so manches etablieren und notwendige Hintergründe aus alten Abenteuern gut eingebunden erklären, entwickelt sich darauf eine Hetzjagd durch Korallion, bei der sich unweigerlich die Frage stellt, wieviel davon in der echten Welt von Spirou und Fantasio spielt. Der Humor bleibt währenddessen etwas auf der Strecke, auch wenn er sich zu einem gewissen Teil aus der Absurdität der Umstände speist, ist die Handlung im Vordergrund. Allerdings gibt es eine tolle Hommage an Star Wars, die eine der ikonischsten Szenen der Filmreihe zitiert.
Ansonsten funktioniert die Geschichte ziemlich gut und ist auch spannend und actionreich geschrieben. Die neuen Charaktere sind schlecht zu bewerten, da sehr viel vom Abschluss der Geschichte im hoffentlich nächsten Band abhängt, - ob sie nun stark geschrieben wurden oder nur Mittel zum Zweck sind. Das neue Team macht erstmal seine Sache ganz gut und reißt, wie von manchen befürchtet, keine Brücken ein.

Olivier Schwarz entwirft eine Welt mit viel Retrocharme, der sehr viel davon transportiert, wie sich ein Franquin und andere Künstler Hochtechnologie der Science Fiction vorstellten. Hintergründe, Tiere und Fahrzeuge alles sieht rund und passend aus. Einzig an das Aussehen der Figuren wird man sich gewöhnen müssen. Es ist etwas kantig und vereinfacht gegenüber anderen Darstellungen von Spirou und Fantasio, aber nicht unbedingt schlechter, nur anders. Und da stellt sich dann eben immer die Frage des persönlichen Geschmacks. Gut gezeichnet ist Der Tod von Spirou auf jeden Fall.


Fazit

Der Tod von Spirou ist zwar nicht der erhoffte Befreiungsschlag für die Reihe, aber auch kein Reinfall. Der Start des neuen Teams fällt grundsolide aus, könnte aber durch den folgenden Band gewinnen, wenn die Auflösung gut ausfällt. Dann könnte es vielleicht doch ein starker Auftakt in eine neue Ära Spirous werden.


Pro & Contra

+ Zeichnungen
+ viele Ideen
+ tolles Cover

0 Humor fehlt etwas

- auffällig in seiner Absicht Aufmerksamkeit zu erzeugen

Bewertung: sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 3,5/5
Zeichnungen: 4/5
Humor: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/ Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln mit Spirou & Fantasio:

Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.1
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.2
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.3
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.10
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.11
Rezension zu Spirou und Fantasio - Gesamtausgabe Bd.12
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.13
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.14
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.15
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Bd.16
Rezension zu Spirou und Fantasio – Gesamtausgabe Classic Bd.1
Rezension zu Die tollsten Abenteuer von Spirou
Rezension zu Spirou in Berlin
Rezension zu Stiftung Z
Rezension zu Spirou bei den Sowjets
Rezension zu Spirou und Fantasio Bd.54 - Der Tod von Spirou

Rezension zu Zyklotrop: Die Tochter des Z
Rezension zu Zyklotrop: Der Lehrling des Bösen
Rezension zu Zyklotrop: Lady Z
Rezension zu Rummelsdorf: Enigma
Rezension zu Rummelsdorf: Patient A

Rezension zu Marsupilami Bd.0 – Jagd auf das Marsupilami
Rezension zu Marsupilami Bd.2 – Die Robinson-Akademie
Rezension zu Marsupilami Bd.9 – Operation Attila
Rezension zu Marsupilmai Bd.10 – Panda in Panik
Rezension zu Marsupilami Bd.11 – Auf den Spuren des Marsupilamis
Rezension zu Marsupilami Bd.12 – Das schwarze Marsupilami
Rezension zu Marsupilami Bd.13 – Santa Calamidad
Rezension zu Marsupilami Bd.14 - Sternenherz
Rezension zu Marsupilami Bd.15 – Der Krater der Kakteen
Rezension zu Marsupilami Bd.16 - Kilsemmoahl
Rezension zu Marsupilami Bd.17 – Geheimnisvolles Palumbien
Rezension zu Marsupilami Bd.18 – Baby Prinz
Rezension zu Marsupilami Bd.19 – Mister Xing Yun
Rezension zu Marsupilami Bd.20 – Die Arche Noah
Rezension zu Marsupilami Bd.21 – Das Gold von Boavista
Rezension zu Marsupilami Bd.22 – Bienvenido in Bingo!
Rezension zu Marsupilami Bd.23 – Der Tempel im Urwald
Rezension zu Marsupilami Bd.24 – Die Schmetterlingsjäger
Rezension zu Marsupilami Bd.25 – Rififi in Palumbien
Rezension zu Marsupilami Bd.26 – Huba Banana
Rezension zu Marsupilami Bd.27 – Chaos in Jollywood
Rezension zu Marsupilami Bd.28 – Der Streifzug des Jaguars
Rezension zu Marsupilami Bd.29 - Supermarsu
Rezension zu Marsupilami Bd.30 - Der Goldjunge

Rezension zu Marsupilami - Die Bestie Teil 1