Die Ahnen der Mescaleros Gesamtausgabe Bd.2 – Die Rache (Hans G. Kresse)

Ahnen2

Verlag: Carlsen; (August 2022)
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten; 32 €
ISBN-13: 978-3-551-78174-1

Genre: Historik/ Abenteuer


Klappentext

„Die erste Phase der Reihe, deren vierzig Bände ich hoffentlich vollenden werde, kann man als eine Art Einleitung betrachten.“
So kommentierte Hans G. Kresse 1975 sein großes Lebensprojekt, die Serie Indianenreeks, die bei Carlsen ab 1977 als Die Indianer veröffentlicht wurde. Letztlich vollendete er neun Abenteuer und begann ein zehntes. Kresses Kommentar verdeutlicht seinen Idealismus, mit dem er sich der Serie widmete. In dieser Gesamtausgabe werden die Comics neu veröffentlicht und um ausführliches redaktionelles Hintergrundmaterial ergänzt.


Rezension

Vierzig Alben wollte Hans G. Kresse über die Indianervölker Nord- und Mittelamerikas schreiben. Letztlich sind es aus verschiedenen Gründen nur neun vollständige und ein unvollendeter zehnter Band geworden. Diese Gründe werden im Vorwort ausführlich dargestellt.
Im Gegensatz zu seinem großen, ursprünglichen Plan, bleibt Hans G. Kresse bei den drei enthaltenen Abenteuern weiterhin bei Chaka und den Faraonen, entwickelt ihre Charaktere und Abenteuer jedoch weiter. Das passt im Prinzip eigentlich ganz gut zu dem größeren Plan, den er hatte. Denn um den Niedergang richtig und vollkommen darzustellen, braucht es ein starkes Fundament, welches Hans G. Kresse hier anlegt. Er stellt die Kultur und das Wesen der Indianer hier ausführlich vor. Und damit wäre die Fallhöhe in späteren Bänden gegeben gewesen, die leider nicht mehr folgen sollten. In den drei Abenteuern des Bandes dreht sich jedoch erstmal wieder alles um Chaka und seine Familie.

Der Ruf der Kojoten

Es steht nicht gerade gut um die Faraonen. Die Bisons bleiben aus und immer mehr leidet das Volk unter Hunger. Anua und Mes-Tieh-Se versuchen verzweifelt die Bisons zu finden, da ansonsten das Volk beschlossen hat, ihre Pferde zu schlachten. Als es so weit kommt, beschließen die Beiden sich aus dem Lager zu schleichen und ein letztes Mal zu suchen. Auf ihrer Suche lernt Mes-Tieh-Se auf den Ruf der Kojoten zu hören. Währenddessen spaltet sich das Volk im Lager und ein Teil folgt Gelbfeder, der nicht nur in die Berge will, sondern auch Anua, Chakas Sohn, für den Verrat töten will.
Auf den ersten Blick ist Der Ruf der Kojoten mehr oder weniger eine kleine Alltagsgeschichte, wie sie sehr oft passiert sein dürfte. Aber Hans G. Kresse zeigt durch sie viele andere Dinge. Er entwickelt seine Charaktere weiter, bereitet zukünftige Konflikte vor und erzählt von der Kultur der Faraonen. Dabei überhöht er sie nicht, sondern lässt sie genau wie alle anderen Menschen, ihre Zweifel und inneren Dämonen haben. Ihre Naturverbundenheit ist wie immer ein zentrales Thema und mit Mes-Tieh-Se hat er dafür einen sehr guten Gegenpol, der erst lernen muss, auf die Natur zu hören und doch nach wie vor von der Gier nach Reichtum geprägt ist. Der Ruf der Kojoten bietet ein paar spannende Momente.

Die Pfeile der Rache

Durch einen Unfall kommt Gelbfeder zu Tode. Sein jüngerer Bruder macht Chaka dafür verantwortlich und will sich rächen. Deswegen wird er kurzzeitig vom Stamm ausgeschlossen, damit er wieder zur Vernunft kommt. Aber er trifft auf Otsani, der ihn in seinem Rachedurst bestärkt, bevor er auf Roa stößt, der ihm dann den Unterschied zwischen Rache und Gerechtigkeit erklärt. Und dies nicht zu spät, denn die Toguas tauchen wieder auf.
Die Pfeile der Rache ist eine spannende Geschichte, in der es um Rache und Gerechtigkeit geht. Zudem wird hier ein erster Handlungsstrang abgeschlossen und Hans G. Kresse zeigt wieder etwas mehr von der Kultur der Faraonen und ihrem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit.

Der Welpe und der Wolf

Um Pferde und Arkebusen zu kaufen werden Mes-Tieh-Se und weitere Krieger mit einem Sack Gold losgeschickt. Kurz darauf erfahren die Faraonen, dass die Spanier zurückgekehrt sind und bereits andere versklavt haben. Die Krieger müssen dazu gebracht werden, zurückzukehren, damit sie nicht das Volk der Faraonen unabsichtlich in Gefahr bringen. Aber dafür ist es zu spät und die Krieger um Panthertöter und Anua müssen nun irgendwie versuchen, das Zusammentreffen mit den Spaniern und dem ehemaligen Sklaven El Lobo, der gegen die Spanier kämpft, zu überleben. Das wird dadurch erschwert, dass der Welpe Hashike Naginta, Der-Mutig-Voran-Stürmt, unbedingt sein Pferd zurückholen will.
Die Welt der Faraonen weitet sich und Hans G. Kresse behandelt in diesem spannenden Abenteuer gleich mehrere Themen. Die Goldgier der Weißen, den Sklavenhandel und die Grausamkeit der Spanier, aber auch den Kampf gegen sie. Etwas negativ fällt Hashike Naginta auf, den er dann doch zu hitzköpfig ausgestaltet.

Die Zeichnungen von Hans G. Kresse sind detailreich und atmosphärisch. Hin und wieder ist die Mimik der Charaktere etwas merkwürdig, aber das fällt nicht ins Gewicht. Dafür sieht der Rest einfach zu gut aus. Und seine Bilder haben im Vergleich zum ersten Band etwas an Dynamik hinzugewonnen, was die Geschichten nur umso lesesnwerter macht.


Fazit

Die Abenteuer der Faraonen gehen weiter und Hans G. Kresse steigert sich in Erzählweise und Tempo und vergisst dennoch nicht, die Kultur der Faraonen darzustellen. Weiterhin ist Die Ahnen der Mescaleros ein faszinierender Blick auf eine vergangene Zeit.


Pro & Contra

+ Darstellung der Kultur
+ differenzierter Blick auf die Faraonen
+ spannende Abenteuer ohne in Klischees zu verfallen

- der Welpe ist manchmal einfach zu hitzköpfig

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Hans G. Kresse:

Rezension zu Die Ahnen der Mescaleros Bd.1
Rezension zu Die Ahnen der Mescaleros Bd.3