Wächter des Wyrdwood (RJ Barker)

waechter des wyrdwood

Verlag: Panini; (August 2024)
Taschenbuch: 400 Seiten; 19 €
ISBN-13: 978-3-8332-4486-5

Genre: Fantasy


Klappentext

Cahan ist einer der wenigen Menschen, die sich in den gefährlichen Wäldern von Crua zurechtfinden. Doch einst war er mehr als ein Waldläufer. Udinny dient der Göttin der Verlorenen, der Beschützerin der Geringen und Hilflosen. Als Udinny in den Wyrdwood aufbrechen muss, um ein vermisstes Kind zu finden, bittet sie Cahan, ihr Führer zu sein. Doch in einem Land, in dem die Menschen den Launen gefühlloser Götter ausgeliefert sind und der Wald von Monstern heimgesucht wird, muss Cahan zwischen zwei Leben wählen – und seine Entscheidung wird Konsequenzen für seine ganze Welt haben.


Rezension

In Crua herrschen mächtigen Magier, die sogenannten Cotta Rai, die ihre Kräfte dadurch erhalten, dass sie mit den Cottas eine Verbindung eingehen. Da sie geradezu ruchlos und ohne Empathie sind, unterdrücken sie die Bevölkerung, die in Clans organisiert ist und überziehen die Länder mit Krieg.
Denn nur eine Cotta Rai kann herrschen. In dieser Welt lebt der Waldläufer Cahan auf seinem Hof am Rande der Zivilisation. Einst war er ein Krieger und noch viel mehr, doch nun will er nur noch seine Ruhe haben. Doch diese wird gleich durch mehrere Ereignisse gestört und am Ende findet er sich im Wyrdwood wieder, um einen Jungen zu suchen. Doch der Wyrdwood ist voller seltsamer Wesen und alter Götter und wenn er überleben will, muss er sein ganzes Können aufbieten. Ihm immer an den Hacken klebend ist Udinny, die an die verbotene Göttin Ranya glaubt und in Cahan einen Gesandten ihrer Göttin sieht, der ihr den richtigen Weg weisen wird.

Bevor überhaupt eine Zeile über Wächter des Wyrdwood geschrieben werden kann, muss zunächst erwähnt werden, dass Inhalt und Klappentext praktisch nichts miteinander zu tun haben. Zwar suchen Cahan und Udinny ein Kind im Wyrdwood, allerdings ist dies in diesem Band nicht die Haupthandlung und vor allem wird Cahan mit der Suche betraut und nicht Udinny, die sich ihm aus einem ganz anderen Grund aufdrängt.
Die Probleme mit dem Klappentext machen die Handlung des Romans jedoch nicht schlechter. Im Gegenteil ist es so für RJ Barker um einiges leichter beim Lesen zu überraschen. Und dies tut er tatsächlich immer wieder, auch wenn er das Rad nicht wirklich neu erfindet. Ein zurückgezogener Krieger, der als Bauer arbeitet und sich als mehr entpuppt als auf dem ersten Blick ersichtlich, ist eine altbewährte Ausgangslage. Es ist jedoch immer die Frage, was man daraus macht. Und auf diesem Gebiet überzeugt der Roman voll und ganz. RJ Barker hat in Wächter des Wyrdwood eine ähnlich seltsame Welt erschaffen wie in seiner Gezeitenkind-Trilogie. Nur spielt sich dieses Mal alles auf dem Land ab und nicht größtenteils auf hoher See. Seiner Kreativität tut dies aber keinen Abbruch. Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind interessant und die Welt scheint noch auf dem Weg auf eine etwas höhere Entwicklungsstufe zu sein, da es Waffen und Rüstungen aus Holz gibt, jedoch gibt es zugleich auch Fluggeräte und andere Dinge, die fast modern wirken. Diese fallen nicht aus dem Rahmen seiner Welt, da er sie mit ihren Mitteln umsetzt. Und das bedeutet, dass die Tier- und Pflanzenwelt von Crua für manches herhalten muss. Dies wirkt allerdings nie erzwungen und so erschafft RJ Barker eine in sich konsistente und faszinierende Welt. Das einzige Problem ist, dass es sehr viele neue Begriffe und Wesen gibt, die von ihm nicht richtig erklärt werden, weswegen man auf den ersten Seiten zunächst immer wieder etwas ratlos ist, mit Fortschreiben der Handlung gibt sich dies und man versteht immer mehr. Ein Teil des Problems könnte unter anderem daran liegen, dass Panini den ursprünglichen Roman für die Übersetzung zweigeteilt hat und damit ein mögliches Glossar vermutlich erst mit dem zweiten Band kommt.
Abseits der Welt überzeugt auch die Handlung. Man merkt, dass dieser Roman der Auftakt zu einer Reihe darstellt und in etwas viel Größeren münden wird. So werden relativ viele Figuren eingeführt und vorgestellt, von denen die Wichtigsten Cahan, Udinny und Venn sind. Um diese drei Charaktere hat RJ Barker seine Geschichte aufgebaut und jeder von ihnen hat seine Facetten, die ihn interessant machen. Venn will in einer Welt der Gewalt keine anwenden und seine Cotta erwecken. Etwas, das für die meisten anderen Menschen von Crua nicht nachvollziehbar ist. Aber gerade deswegen interessiert sich Cahan für Venn und dies leitet bei ihm seine große Charakterentwicklung von einem von der Menschheit und der Welt enttäuschten Krieger und zurückgezogenen Waldläufer und Bauern hin zu jemanden, der anderen hilft, ein. Zumindest in diesem Band. Es ist jedoch abzusehen, dass seine Entwicklung längst nicht abgeschlossen ist und er noch einen weiten Weg gehen wird, auf dem ihn Udinny begleitet, die mit ihrer quirligen Art ein guter Gegensatz zu dem griesgrämigen Waldläufer ist.
Das große Pfund mit dem RJ Barker hier jedoch wuchern kann, ist und bleibt die Welt und da gerade der Wyrdwood, der unglaublich lebendig von ihm beschrieben wird und dessen Wesen jedes für sich bereits einen eigenen Roman rechtfertigen würde. Das gleicht auch die fehlenden Erklärungen aus, die den Anfang etwas zäher sein lassen, als es nötig wäre. Ab spätestens der Mitte nimmt der Roman jedoch richtig an Fahrt auf und wird spannend und immer interessanter.


Fazit

Wächter des Wyrdwood ist fast ein typischer Auftaktband in eine Fantasyreihe, wäre da nicht die faszinierende Welt, die voller rätselhafter und seltsamer Wesen ist. RJ Barker lässt seiner Phantasie freien Lauf und legt die Grundlagen für eine hoffentlich genauso kreative und spannende Reihe, wie es dieser Auftakt bereits ist.


Pro & Contra

+ lebendige Welt
+ interessante Charaktere
+ viele verschiedene Konzepte gut und kreativ vermischt

- ein Glossar fehlt
- zweigeteilt

Bewertung: sterne4

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von RJ Barker:

Rezension zu Die Knochenschiffe
Rezension zu Der Ruf der Knochenschiffe