Arkham Asylum – Living Hell (Dan Slott, Ryan Sook)

arkham living hell

Verlag: Panini; (Dezember 2024)
Softcover: 176 Seiten; 22 €
ISBN-13: 9783741640117

Genre: Horror/ Thriller


Klappentext

Willkommen in der Hölle auf Erden

Weil der Wirtschaftskriminelle Warren White vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, landet er schließlich als Insasse im Arkham Asylum: die Anstalt, in der Batmans wahnsinnige und monströse Gegner gefangen sind. Hier erwarten White Wahnsinn, Gewalt und Schmerzen – und das albtraumhafte Grauen, mit dem die Wärter und Psychiater ständig zu kämpfen haben …
Mit dabei sind Batman, der Joker, Two-Face, Killer Croc und viele mehr.

Die komplette Miniserie von Bestsellerautor Dan Slott (Batman Adventures, Spider-Man) und Top-Künstler Ryan Sook (Superman) als deutsche Erstveröffentlichung in einem Band.


Rezension

Warren White hält sich für schlauer als den Rest. Deswegen lässt der Wirtschaftsverbrecher seinen Prozess nach Gotham verlegen. Der Vorteil für ihn: In Gotham werden die Angeklagten meist nicht ins Gefängnis geschickt, sondern für unzurechnungsfähig erklärt und dem entsprechend behandelt. Für White klingt das gut. Allerdings hat er vergessen, sich genau zu erkundigen. In Gotham in die Psychatrie eingewiesen zu werden, bedeutet, nach Arkham zu kommen. Und dort warten schon die schlimmsten Verbrecher, Psychopathen und Soziopathen auf Neuankömmlinge. Schon sehr bald beginnt Warren White seine Entscheidung zu bedauern.

Batman ist auf dem Cover zu sehen, Batman steht drauf und im Klappentext werden er und seine großen Feinde prominent erwähnt. Nur tauchen sie allesamt eher nur in Nebenrollen auf. Aber Batman verkauft sich gut und da nutzt man ihn nur zu gerne für Werbezwecke.
Dabei hätte Arkham Asylum – Living Hell aus der Feder von Dan Slott und Ryan Sook diesen Etikettenschwindel gar nicht nötig. Die Handlung dieses Bandes kann mühelos für sich bestehen.
In der 2003 erstveröffentlichten Geschichte begleitet Dan Slott seinen Hauptcharakter Warren White bei seinem Abstieg in die Hölle und den Wahnsinn. Und diese Reise könnte düsterer kaum sein.
Von der ersten Seite an ist eigentlich klar, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen kann, dafür ist Warren White zu naiv und zu unsympathisch, als dass er als ein einfaches Opfer herhalten kann. Und so kann Dan Slott mit seiner Geschichte in die Untiefen des Horrors hinabtauchen und sich mit der Frage beschäftigen, warum Menschen wahnsinnig werden. Das ist natürlich keine tiefenpsychologische Abhandlung, immerhin soll der Comic unterhalten, aber es ist auch keine leichte Kost mit einfachen Antworten. Denn Warren White geht durch ein wahres Martyrium, bevor er letztlich am Ende schlimmer ist als seine Mitinsassen. Dieser Weg würde bereits einen sehr spannenden und gruseligen Comic ausmachen, allerdings fügt Dan Slott eine übernatürliche Komponente hinzu. Auf den ersten Blick mag das etwas irritieren und nicht passend erscheinen, mit ein paar Überlegungen ist es aber genau die Zutat, die der Comic braucht, um noch effektiver zu werden. Der Kontakt mit den Dämonen als Metapher gelesen, ergibt erst das komplette Bild, wieso aus Warren White das Monster am Ende wird. Es ist sozusagen der letzte Schubser in Richtung Wahnsinn.
Für seine Geschichte konnte Dan Slott nicht die üblichen Verdächtigen wie Joker, Two-Face usw. nehmen, da diese auch noch in den regulären Batmancomics auftauchen können mussten. Sie treten nur am Rande auf. Deswegen fügte er der Schurkengalerie so einige hinzu, die in Living Hell ihren ersten Auftritt und teilweise auch ihren letzten haben. Manche sind jedoch geblieben und haben auch heute noch Auftritte bei Batman. Jeder dieser Charaktere ist nicht zum Selbstzweck vorhanden, sondern hat eine bestimmte Funktion innerhalb der Geschichte, die sich manchmal erst auf den zweiten Blick erschließt. Der heimliche Star ist hier Humpty Dumpty, der auf der einen Seite, in seinem Bemühen alles zu reparieren, eine überaus tragische Figur ist, auf der anderen Seite gleichzeitig die gruseligste Figur im ganzen Comic ist, da er zum Reparieren erst alles auseinandernimmt, bevor er es wieder zusammensetzt – egal ob Maschine, Tier oder Mensch.
Dan Slott leistet hier ganze Arbeit und charakterisiert jede wichtige Figur bis ins kleinste Detail und schält so den Horror Arkhams heraus, welches hier durch seine Insassen ebenso ein Charakter wird. Charaktere und Geschichte bedingen sich hier und werden zu einem haarsträubenden Trip in den Wahnsinn.

Ryan Sooks Zeichnungen wirken zunächst grob und zu einfach. Beim genauen Hinsehen ist zu erkennen, dass es genau seine Art zu zeichnen für diesen Comic braucht. Die Hintergründe müssen spartanisch sein, damit jeder sein eigenes Arkham in seinem Kopf zusammenbauen kann und damit nichts von den Charakteren ablenkt. Diese wirken häufig verzerrt, grotesk und etwas der Realität entrückt, also genauso wie es ihr Geist ist, damit sie erst in Arkham landen. Es gibt nur wenige Ausnahmen von dieser Art der Darstellung. Dazu gehören der Joker, der seine ganz eigene Art von Wahnsinn besitzt, Warren White zu Beginn, Poison Ivy und Dr. Carver. Dem Rest steht der Wahnsinn ins Gesicht geschrieben. Und aus genau diesen Gründen sind die Zeichnungen von Arkham Asylum – Living Hell so wirkungsvoll und betonen den Horror Arkhams. Ryan Sooks macht hier mit seiner Entscheidung für diesen bestimmten Stil alles richtig. Auch in den Zeichnungen ist der Comic Horror pur.

Umfangreiches Bonusmaterial ergänzt den Band. Auszüge aus der Arkham-Bibliothek befinden sich am Ende und präsentieren Anmerkungen und Skizzen. Wobei das durchaus zu kurz gegriffen ist, schließlich werden alle neuen Charaktere ausführlich vorgestellt. Ebenso ist Dan Slotts Konzept für die Serie enthalten und ein Rätsel, welches der Riddler gelöst hat, wird enthüllt.


Fazit

Warren White gerät in einen Sog des Wahnsinns und dieser zieht jeden, der diesen Comic liest in die Handlung und lässt bis zum Schluss nicht mehr los. Das hier ist Horror pur und tragisch zugleich. Ryan Sooks fasst diese Reise ins Herz der Dunkelheit in effektive Bilder.


Pro & Contra

+ viele neue und interessante Charakteren
+ Reise in den Abgrund, die absolut spannend erzählt ist
+ Humpty Dumpty

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5