Superman – The World (Dan Jurgens, Flix u.a.)

superman the world

Verlag: Panini; (Juni 2025)
Softcover: 192 Seiten; 20 €
ISBN-13: 9783741642975

Genre: Superhelden


Klappentext

Superman in aller Welt

Das Erwachen eines mythischen Winterwesens in Polen oder alter Götter in Mexiko, ein Trip in die Hölle im italienischen Florenz oder Hai-Alarm in der Stadt der Liebe Paris … was für Normalsterbliche Grund zur Stornierung aller Reisepläne wäre, ist für Superman, den Mann aus Stahl, gerade mal ein spannender Tagesausflug! Der legendäre Held verbreitet in vielfältigen Storys der besten Künstler aus 14 Ländern wie Kamerun, Serbien, Indien und den USA seine Botschaft von Hoffnung und Verständigung. Ein wahrer Superband, der alle Facetten des kryptonischen Helden in Geschichten hervorhebt, die so unterschiedlich und besonders sind wie die Länder, aus denen sie stammen!
Die deutsche Story wurde von Flix (Spirou in Berlin) geschrieben und gezeichnet. In seinem einzigartigen Stil erzählt er eine nostalgische und charmante Geschichte aus Supermans Vergangenheit, in der der Stählerne die Machenschaften eines Bösewichts im Nachkriegsdeutschland vereitelt.
Weitere Geschichten kommen von internationalen Spitzenkünstlern, darunter Dan Jurgens und Lee Weeks, Jorge Jiménez, Rana Daggubati und Sid Kotian, Stevan Subic, Sylvain Runberg, Marcial Toledano Vargas und viele mehr!


Rezension

Batman hat eine Anthologie mit Kurzgeschichten aus aller Welt, der Joker hat eine und nun folgt Superman. Wie bei den anderen The World-Anthologien kommen Autoren und Zeichner aus den verschiedensten Ländern rund um den Globus. Flix, der auch bereits das Marsupilami und Spirou und Fantasio schreiben und zeichnen durfte, vertritt hierbei Deutschland.

Erst schießen, dann denken

Ein riesiges außerirdisches Wesen taucht vor der Küste von Metropolis auf. Und die Armee hat nichts besseres zu tun, als sofort zu schießen. Superman versucht derweil eine andere, gewaltlose Lösung zu finden.
Offener kann man sich wohl kaum gegen den Militarismus in den USA und dessen Doktrin, alles zu töten, was auch nur im entferntesten eine Gefahr darstellen könnte, stellen. Dan Jurgens und Lee Weeks starten stark in diesen Band und zeigen gleich, worum es bei Superman geht, nämlich um Verständigung, Frieden und Hoffnung.

Superman in Granada

Superman strandet ohne seine Kräfte in Granada in Spanien. Er nutzt die Zeit bis zur Rückkehr seiner Kräfte, um die Stadt zu erkunden.
Einerseits ist Superman in Granada eine Liebeserklärung an die Stadt, andererseits aber auch an Superman selbst. Hoffnungsfroh und hell ist diese kleine Geschichte über Superman, in der Batman im Übrigen zu grandiosen Kurzauftritten hereinschaut. Jorge Jiménez und Alejandro Sánchez sind hierfür verantwortlich.

Supermans Inferno

Zum 700. Todestag Dantes befinden sich Lois Lane und Clark Kent in Florenz. Als die Glocken Mitternacht schlagen öffnet sich die Erde, Lois Lane fällt hinab und Superman muss durch die neun Kreise der Hölle, um sie zu retten.
Supermans Inferno ist eine Würdigung Dantes von Marco Nucci als Autor und Fabio Celoni, dessen Bilder der Hölle farbenfroh und im richtigen Maße grotesk sind. Inhaltlich gibt die Geschichte nicht viel her, aber atmosphärisch und zeichnerisch ist sie richtig gut.

Ich werde das Licht beschützen

Für ein paar Jahre war Lobo von den Green Lanterns auf der Erde festgesetzt. Nun will er endlich von der Erde weg. Das ist aber nicht so einfach und Superman muss eingreifen, bevor Lobo seiner Wut freien Lauf lässt.
Der serbische Beitrag von Stevan Subic geht in Ordnung, mehr jedoch nicht. Immerhin stellt er Supermans Glauben an Hoffnung, Vergebung und Freiheit in den Mittelpunkt.

Der Streitwagen Gottes

Superman hat leichtfertig eine Statue zerstört, um seinen Gegner in Kamerun zu stoppen und sieht sich nun den Konsequenzen gegenüber. Er muss gegen einen ebenbürtigen Gegner kämpfen.
Kamerun ist wieder mit einem Beitrag von Dr. Ejob Gaius und E.N. Ejob dabei, die von Coeurtys Minko unterstützt werden. Die farbenfrohe Geschichte ist besser als ihr Joker-Beitrag. Inhaltlich geht es darum, wie man einander begegnen sollte und was vorschnelle Beurteilungen anrichten können. Das Ende ist ein Plädoyer für Freundschaft und Völkerverständigung.

Ein Held zu sein

Nach einem Jahr als Superman kommen Clark Kent Zweifel. Deswegen geht er nach Indien und trifft dort auf die Historikerin Savi. Gemeinsam mit ihr geht er auf Expedition in den Dschungel und muss entdecken, dass ein paar skrupellose Männern aus dem Westen einen Tempel plündern. Superman schreitet ein.
In Ein Held zu sein findet Clark Kent wieder einen Sinn im Heldentum und warum es wichtig ist. Gut und pointiert geschrieben von Rana Daggubati und ebenso gut gezeichnet von Sid Kotian.

Die letzte Saat von Krypton

Der Avatar der kryptonischen Natur erwacht in Argentinien. Da er versucht sich mit der Natur der Erde zu vereinigen, steht die Welt unbeabsichtigt am Abgrund. Superman bleibt nur eine Möglichkeit, dies zu verhindern. Er braucht eine bestimmte Art Kryptonit.
Die Aussage, die Natur zu schützen und mit ihr im Einklang zu leben, ist gut und richtig. Es hätte jedoch deutlich weniger esoterisch sein dürfen. Die letzte Saat von Krypton ist einfach anstrengend zu lesen.

Der Held und der Stier

In der Türkei kommen Clark Kent und Lois Lane dem Mithas-Kult auf die Spur, der in verschiedenen Tempeln Rituale durchführt und Artefakte stiehlt. Superman macht sich daran, ihn aufzuhalten.
Der Held und der Stier hätte etwas werden können, wenn die Geschichte mindestens das Vierfache an Seiten zur Verfügung gehabt hätte. So ist sie sprunghaft und abgehackt. Eine runde Erzählung sieht anders aus, da können auch die Zeichnungen von Ethem Onur Bilgic nicht das Ruder herumreißen. Immerhin ist dieser türkische Beitrag kein nationalistischer Sondermüll, wie es bei Joker – The World der Fall war, an dem Ethem Onur Bilgic als Zeichner beteiligt war, und nicht wie bei Der Held und der Stier auch noch als Autor.

Superman in Paris

Lois und Clark verbringen ein romantisches Wochenende in Paris, bis King Shark auftaucht und für Chaos sorgt.
Sylvain Runbergs Beitrag ist kurz und spaßig. Marcial Toledano Vargas und José Robledo setzen sie in guten und farbenfrohen Zeichnungen um.

Der rote Umhang

Clark Kent ist im brasilianischen Regenwald unterwegs und muss sich als Superman fragen lassen, wen genau er eigentlich beschützt, was Gerechtigkeit heißt und wer er ist.
Thematisch eine der besten Geschichten, hätte Der rote Umhang andere Zeichnungen verdient gehabt. Denn sie sind mit Sicherheit nicht schlecht, aber zu abstrakt, zu krakelig, was vielleicht so manchen abschreckt, wirklich hinzuschauen und die Geschichte zu lesen.

Marzanna

Seit Jahrzehnten werden in Polen Frauenleichen an dem Tag aus einem Fluss geborgen, der auf dem folgt, an dem die Wintergöttin Marzanna symbolisch ertränkt wird, um den Winter zu beenden. Clark Kent ist dieses Mal mit dabei, um eine weitere Tote zu verhindern, aber er hat nicht damit gerechnet, wieviel Wahrheit in alten Legenden steckt.
Bartosz Sztybor und Marek Oleksicke legen hier eine richtig gute, kurze Horrorgeschichte vor. Und sie klingt gar nicht mal so düster aus, sondern auf einer positiven und hoffnungsvollen Note.

Zur Linken des Kolibri

In Mexiko macht ein Aztekengott Ärger. Superman mischt sich ein und der Kampf ist nicht ganz so einfach, schließlich haben er und sein Gegner mit der Sonne die gleiche Kraftquelle.
Die Aussage Mexiko wäre bis Ende des Jahrhunderts eine Supermacht ist gewagt, ansonsten ist Zur Linken des Kolibri eine runde Sache. Sie macht Spaß und die Zeichnungen sind knallig bunt und sehr cartoonhaft.

Man of K-Rupp-Stahl

Ein Brief trudelt kurz nach dem 2. Weltkrieg beim Daily Planet ein. Absender ist Heinrich Rupp der Deutsche Stahlwerke AG. Er behauptet, seine Firma hätten einen Stahl erfunden, der selbst Superman widerstehen kann. Zu einer Präsentation lädt er eben diesen und weitere Reporter des Daily Planet ein. Selbstverständlich reisen Clark Kent, Lois Lane und Jimmy Olsen nach Deutschland. Zunächst will Superman nicht in den Wettstreit einwilligen, doch dann wird er auf perfide Art dazu gezwungen und ein wohlbekannter Feind offenbart sich unfreiwillig.
Flix hat sichtlich Spaß mit Superman und seine ganz eigene Art des Humors und der Zeichnungen tun ihr Übriges. Locker, leicht und eine der besten Geschichten des Bandes.

Bier und Nihilismus

Superman trifft auf der Raumstation der Tschechischen Republik ein. Jahrhunderte in der Zukunft ist die Erde längst verlassen und auch die Raumstation in ihrem Orbit ist nur von Robotern bevölkert und besucht, die als Surrogaten für die Menschen weit entfernt dienen. Auf dieser Raumstation entdeckt Superman einen Kristall, der die letzte Nachricht Kryptons enthält.
Schwierig ist die Geschichte von Stepan Kopriva und Michal Suchanek. Sie beginnt wie eine typische Superheldenerzählung, aber dann versuchen sie philosophisch zu werden. Das dürfte nicht bei jedem gut ankommen. Aber zumindest wird klar, dass Superman für Hoffnung steht.


Fazit

Wie bei jeder Anthologie gibt es bessere und schlechtere Beiträge. Insgesamt gesehen, ist Superman – The World eine guter Vertreter seiner Art.


Pro & Contra

+ hat verinnerlicht für was Superman steht
+ Flix´ Beitrag
+ breite Vielfalt

Bewertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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