
Verlag: Splitter; (August 2024)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-98721-402-8
Genre: Tierfantasy
Klappentext
Solange Du nicht beschliesst,
Deinen armen Vater umzubringen …
wird in diesem Reich nichts
Gutes gelingen.
Rezension
Im Reich ohne Namen, welches vom Löwenkönig regiert wird, herrscht Frieden. Fremde werden gastfreundlich aufgenommen und alles könnte sich zu einem dauerhaften Frieden mit den anderen Königreichen entwickeln. Um genau dies zu besprechen sind die Botschafter in der Stadt eingetroffen. Dies ist jedoch der Auftakt zu Attentaten und Verschwörungen, bei denen der Königssohn ungewollt im Mittelpunkt steht. Denn im Königreich gilt, dass der Sohn den Vater töten muss, um selbst König zu werden – und notfalls wird er dazu gezwungen.
Tierfantasy ist mittlerweile ein gern genutztes Genre und mit Das Reich ohne Namen liegt nun eine weitere große Fantasyserie bei Splitter vor, in der eine Welt mit anthropomorphen Tieren bevölkert ist und in einem großen Maßstab weltumspannende Ereignisse erzählt werden. Nur braucht es neben den großartigen Die 5 Reiche noch eine weitere solche Fantasyreihe?
Die Antwort gibt der Comic selbst recht schnell und eindeutig. Absolut. Denn die Schwerpunkte der beiden Reihen sind, obwohl sie beide von den Konflikten zwischen verschiedenen Reichen erzählen, durchaus ganz andere. Die 5 Reiche ist eine Art besseres Game of Thrones. Das Reich ohne Namen hingegen erinnert eher an ein Theaterstück von William Shakespeare mit all seiner Tragik und den menschlichen Abgründen, die sich bereits auf den ersten Seiten zeigen. Die 5 Reiche erzählt zwar auch seine Geschichte gestützt auf die Charakter und ihre Beziehungen untereinander, hält aber alles ständig in einem größeren Zusammenhang.
Bei Das Reich ohne Namen hingegen ist der größere Zusammenhang der Hintergrund vor dem sich die Tragödie um den Prinzen des Reiches ohne Namen entfaltet. Und dies hat tatsächlich shakespearesche Ausmaße. Gerade das Ende zeigt dies recht deutlich, wenn der widerwillige Königssohn vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Seine Zerrissenheit ist es, die vieles in die Gänge setzt und erst die Ereignisse möglich macht. Um ihn herum gibt es eine illustre Schar von Figuren, die alle ihre eigenen Ziele haben und diese gnadenlos verfolgen. Das ergibt interessante Konstellationen und der Comic kommt durch die entstehende Spannung ohne größere Actionszenen aus. Vor allem spürt man bei diesem ersten Band bereits, das alles am Ende in einem großen Drama enden muss.
Herik Hanna hat aber nicht nur interessante Charaktere und eine spannende Handlung entworfen, sondern er hat auch alles mit pointierten Dialogen versehen, die bissigen Humor besitzen und ebenso die Tragik und Bedrohung transportieren können.
Ungewöhnlich ist seine Entscheidung auf Namen zu verzichten. Alle handelnden Charaktere sind rein nach ihrer Funktion oder ihrem Rang benannt. Zunächst irritiert dies, nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich daran und tatsächlich unterstützt diese Vorgehensweise die Charaktere besser herauszuschälen. Herik Hanna schreibt so gut, dass man das Fehlen von Namen gar nicht bemerkt und sich mehr auf die Figuren und ihr Wesen konzentriert.
Die Zeichnungen von Redec sind äußerst filmisch angelegt und erinnern stark an die Hochzeit von Disney. Das sieht alles wunderbar, fast zu niedlich aus, bildet aber einen starken Kontrast zum Inhalt und kann ihn dadurch tatsächlich verstärken, anstatt ihn abzuschwächen. Die sich entfaltende Tragödie wird in ihrer Wirkung nur größer.
Fazit
Das Reich ohne Namen erzählt die tragische Geschichte eines Königssohnes und Herik Hanna gestaltet dies mit tollen Dialogen und großer Spannung. Das Reich ohne Namen gehört mit seinem ersten Band bereits neben Die 5 Reiche ins Regal jeden Fantasy-Liebhabers.
Pro & Contra
+ Anflüge von Shakespeare
+ interessante Charaktere
+ gute Ideen
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Das Reich ohne Namen:
Rezension zu Das Reich ohne Namen Bd.2
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Herik Hanna:
Rezension zu 7 Detektive: Miss Crumble
Rezension zu 7 Detektive: Richard Monroe
Rezension zu 7 Detektive: Ernest Patisson
Rezension zu 7 Detektive: Martin Bec
Rezension zu 7 Detektive: Frederick Abstraight
Rezension zu 7 Detektive: John Eaton
Rezension zu 7 Detektive: Nathan Else
