
Verlag: Carlsen; (Februar 2025)
Softcover: 64 Seiten; 12 €
ISBN-13: 978-3-551-80449-5
Genre: Humor
Klappentext
Was für eine Routine: Raub und Trinkgelage! Der Alltag unseres Wikingervölkchens könnte so schön sein. Doch „Wikinger im Nebel“ erzählt vor allem von einer Welt, die aus den Fugen gerät. Auch im zweiten Abenteuer haben es die Wikinger um ihren Chef Reidolf und seinen Sohn Arnulf nicht leicht: Sie schlagen sich durch einen harten Winter und die Möglichkeiten Beute zu machen, sind rar gesät.
Doch bringt ein Ausflug in den warmen Süden den erhofften Erfolg?
Rezension
„Ich will ja nichts sagen, aber wenn reden irgendwas besser machen würde, dann hätte man nicht die Axt erfunden.“
Es könnte alles so schön für Reidolf und seine Mannen sein. Doch zuerst sind seine Männer bei einer Belagerung ungeschickt, danach fangen sie sich einen Bischof ein, der als Geisel vielleicht nicht die beste Option war und dann fällt auch noch der Empfang in der Heimat recht eisig aus. Aber was dem Ganzen die Krone aufsetzt, ist, dass sein Rivale Krivik ebenfalls in den heimatlichen Fjord zurückkehrt und von einem Land im Süden berichtet, in dem es warm ist und das voller ungeahnter Schätze ist. Nach einem unruhigen Winter geht es auf in den Süden, um den Bischof loszuwerden und fette Beute zu machen. Aber wie es mal so ist, Pläne und die Realität stimmen nicht immer überein.
„Dein Glück, dass dein religiöser Sohn keine Schramme in meinen familiären Sohn gemacht hat.“
Mit Wikinger im Nebel haben die Brüder Wilfrid und Rudolphe Lupano einen der wohl witzigsten Comics der letzten Jahre geschaffen. Der erste Band war vollgepackt mit bissigem, sarkastischen aber dennoch liebevollen Humor über die Wikinger um ihren Anführer Reidolf und seinem alltäglichen Leben, das nicht nur aus Plündern besteht, sondern ebenso aus der Erziehung seines Sohnes und Auseinandersetzungen mit Freund und Feind, die oft genug nicht nur mit dem Schwert in der Hand ausgetragen werden. Und dann war da auch noch eine Ente.
Wikinger im Nebel war überraschend und nicht nur eine billige Kopie Hägars, sondern vielmehr setzten die Brüder vom Humorlevel noch einen drauf.
Und das bleibt auch in diesem Band so, wenn auch die Ente viel zu kurz kommt. Hoffentlich kehrt sie im dritten Band verstärkt zurück.
Aber auch ohne die Ente ist Wikinger im Nebel wieder großartig. Dieses Mal geht es nicht nur um das Plündern und wie man es nachhaltig gestalten kann oder um Fragen über die nordischen Götter und die sich daraus ergebenden Traditionen. Reidolf muss sich vielmehr mit dem Christentum auseinandersetzen und nicht nur das. Vor allem von den Frauen werden Traditionen infrage gestellt und spätestens wenn die Wikinger in Spanien zum ersten Mal mit dem Islam in Kontakt kommen, wird es unglaublich lustig. Der Humor erwächst dabei aus den Figuren und ihren bisherigen Lebensumständen. Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen war selten so lustig dargestellt und gleichzeitig ist der Humor nicht platt, sondern regt zum Nachdenken an und Wilfrid Lupano gibt damit gleichzeitig gleich mehrere bissige Kommentare zu unserer Welt ab. So sollte Humor im besten Falle sein und Wikinger im Nebel erfüllt diese Erwartungen im vollem Umfang. Der zweite Band ist tatsächlich sogar noch etwas besser als der Erste, da nun die Welt von Reidolf und seinen Mannen etabliert ist und Lupano aus dem Vollen schöpfen kann. Wikinger im Nebel ist einfach großartig!
„Wieso verlassen diese hirnlosen Idioten auch ihr Dorf?!?“
„Naja, gerade hab ich ins Logbuch geschaut … Wir kommen jetzt seit drei Jahren immer zur gleichen Zeit hierher.“
„Na und?“
„Naja. Sie sind gar nicht so hirnlos, die Idioten.“
Rudolphe Lupano hat unter seinem Künstlernamen Ohazar die Geschichten seines Bruders in Comicstrips umgesetzt. Er schafft es erneut die Balance zwischen dem Überzeichnen der Figuren und sie der Lächerlichkeit preiszugeben zu halten. Sicher sind sie humorvoll gezeichnet, aber eben nie zu übertrieben, sie bleiben Charaktere, die man an den entscheidenden Stellen ernst nehmen kann. Die Eigenschaften einer Figur sind zudem an ihrem Äußeren ablesbar, was den Humor verstärkt, z.B. wirkt Krivik, Reidolfs Rivale eher wie ein Hippie als ein Wikinger. Ohazars Stil ist reduziert aber effektiv und unterstützt vor allem wieder den Humor, der in den Geschichten steckt.
„Klar, so ein Bischoff macht was her, aber er ist auch teuer im Unterhalt.“
Fazit
Wilfrid Lupano und Ohazar legen nach und brennen ein Feuerwerk des Humors ab. Wer sich dieses Jahr nur einen Comic kaufen und mal so richtig lachen will, sollte zu Wikinger im Nebel greifen.
Pro & Contra
+ bissig und satirisch
+ Humor
+ Schwierigkeiten beim Verkauf des Bischoffs
0 die Ente kommt zu kurz
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Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Humor: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
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