
cbj Verlag (20212)
Gebundenes Buch, 160 Seiten
ISBN: 978-3570138182
Genre: Kinder-/Jugendbuch ab 9 Jahren
Klappentext
Die Fünf Freunde sind ganz aufgeregt, denn diesmal geht es mit dem Zug in die Ferien! Doch ihre Reise findet ein jähes Ende, als ein Baum auf die Gleise stürzt und eine Weiterfahrt verhindert. Da macht Julius eine interessante Entdeckung: Der Baum ist angesägt worden! Als auch noch ein älterer Herr spurlos verschwindet, stecken die Fünf Freunde schon bald mitten in einer Verschwörung, die Agatha Christie alle Ehre gemacht hätte!
Rezension
Anne, Georg (die eigentlich Georgina heißt), Richard, Julius sowie Tim der Hund erleben wieder einmal ein Abenteuer in den Sommerferien. Nein, dieses Mal nicht im Felsenhaus bei Tante Fanny und Onkel Quentin - sie fahren mit Hochgeschwindigkeit in einem Nachtzug zu einem Ferienkurs (dessen Thema nicht verraten wird) in einem namenlosen Ort. Plötzlich blockiert ein umgestürzter Baum die Strecke - angesichts der Dunkelheit kann man von Glück sprechen, dass es keinen Unfall gibt. Handelt es sich aber wirklich um ein zufälliges Unglück? Oder war die Streckensperrung von Banditen geplant?
Dies ist der zweiundsechzigstes "Fall"; den die Kinder + Hund lösen. Dieses Abenteuer stammt aus der Feder von Sarah Bosse und gehört zu den Nachahmerwerken, die in der literaturwissenschaftlichen Fachsprache "Pastiche" genannt werden.
Die Anlehnungen an Agatha Christie und ihren Kriminalroman "Mord im Orientexpress" (mit Albert Finney als Hercule Poirot übrigens hervorragend filmisch adaptiert) sind unübersehbar. Der Buchtitel ist dabei etwas irreführend. Die Kinder fahren nicht etwa mit dem legendären, tatsächlich existierenden Orientzug einmal quer durch Europa; sie sind lediglich in einem Nachtzug im Sommer quer durch England unterwegs. Diese Zugfahrt wird nachts durch ein äußeres Ereignis unterbrochen. In dieser Situation kommen die Kinder einem Verbrechen auf die Spur. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Können die Kinder das Rätsel lösen? Bekanntes wird hier also mit Neuem vermischt.
Was als Hommage, als Ehrerbietung an Agatha Christie ereinnert, hat aber auch seine Tücken; man kann es als Ideenlosigkeit Bosses auslegen, die krampfhaft einen Ansatz sucht, um die Buchreihe fortzuführen. Wäre dieser Ansatz erfolgreich gewesen (und die Buchreihe tatsächlich fortgeführt worden), hätten die jungen Leser damit rechnen müssen, Donald Duck, dem Krümelmonster, Sherloc Holmes, Frankenstein oder Miss Piggy + Kermit dem Frosch zu begegnen.
Das Buch ist für Kinder ab 9 Jahren geschrieben, zielgruppengerecht sprachlich einfach gestaltet und gut lesbar. Klassisch ist der Ansatz, dass Zeit, Ort und Personen überchaubar sind.
Die Geschichte spielt in einem festgefahrenen Zug, der wegen eines Unwetters nicht verlassen werden kann. Es gibt einen Zeitdruck: Der "Fall" soll bis zur Weiterfahrt des Zuges aufgeklärt sein. Es sind nur einige wenige Erwachsene für den Fortgang der Handlung wichtig. Ein Band wie dieser macht es offensichtlich, dass auch Kinder- und Jugendburchreihen nicht endlos weitergeführt werden können. Irgendwann sind sie inhaltlich zuendeerzählt.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!
