Die Ritter aus Stahl – Ewiger Winter (Jay Kristoff, Tirso, Tom Taylor, Arif Prianto)

ritter ewiger winter

Verlag: Panini; (Mai 2025)
Softcover: 216 Seiten; 29 €
ISBN-13: 9783741642760

Genre: Fantasy


Klappentext

Eiskalte Spannung

In dieser atmosphärischen Neuerzählung der DC-Geschichten in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting über Deathstroke, Batman und Swamp Thing rutscht der Söldner und Auftragsmörder Slade ungewollt in die Rolle des Weltenretters. Seit 21 Jahren liegt über dem Land ein Fluch, der es in eine lebensfeindliche, farblose Welt aus Eis und Schnee verwandelt hat. Slade trifft auf den kleinen Jungen Alec, der über magische Kräfte verfügt und dessen Bestimmung es ist, dem Fluch und somit dem Ewigen Winter ein Ende zu bereiten. So begleitet der Schwert schwingende Hüne das Kind durch die eisige Einöde voller tödlicher Gefahren …

Für Fans von Fantasy-Epen wie Game of Thrones, geschrieben von Starautor Jay Kristoff (Nevernight), umgesetzt vom spanischen Zeichner Tirso. Mit einer Back-up-Story, in der Elemente aus Aquamans und Supermans Ursprungsgeschichten aufgegriffen werden, von Tom Taylor und Ausnahmekünstler Riccardo Federici.


Rezension

Das Königreich des Königs Maxwell fällt durch ein Attentat auf ihn in einen Ewigen Winter, der seit 21 Jahren anhält. Das Königreich ist längst verfallen und Jarle bekriegen sich gegenseitig. In dieser brutalen, kalten und farblosen Welt schlägt sich Slade als Söldner durch und nimmt jeden Auftrag an. Nun soll er im Auftrag des Jarls Vandal Adg ein Monster fangen. Ein einfacher Auftrag, der kein Nachdenken erfordert, bis er auf das „Monster“ trifft. Es ist der kleine Junge Alec in Begleitung seiner großen Liebe und Ex-Frau Adeline. Sie eröffnet Slade, dem Deathstroke, dass sie beabsichtigt Alec nach Gyllenhjem, der alten Hauptstadt zu bringen. Denn nur dort kann der Fluch gebrochen werden und Alec besitzt die Macht dazu, da er mit dem Grün in Verbindung steht. Der Weg dorthin ist lang und voller Gefahren. Unterstützung findet Slade für kurze Zeit in Prinz Bruce, bevor er dann mit seiner Tochter Rose und seinem alten Kampfgefährten in die Festung des Hofmagiers Viktor eindringt, um den Fluch ein für allemal zu beenden.

Mit Batman und die Ritter aus Stahl überraschte Tom Taylor mit einer Elseworld-Geschichte, die die bekannten DC-Helden in eine Fantasywelt versetzte und sie dabei sinnvoll und interessant neu interpretierte. Nun wird mit Ewiger Winter von Jay Kristoff als Autor und Tirso als Zeichner nachgelegt. Und sie haben da große Erwartungen zu erfüllen.
Dies schaffen sie jedoch ohne Probleme. Egal ob es um die Handlung oder die Charaktere geht, sie gehen weiter als Tom Taylor und können damit die Reihe besser machen. Während Tom Taylor sich voll auf seine Fantasyprämisse verließ, baut Jay Kristoff die Welt und die Charaktere deutlich weiter aus. Er nimmt das Beste von Tom Taylors Ansatz und führt es weiter. Dabei nutzt er nicht einfach die Möglichkeiten der Fantasy, sondern er erzählt eine tiefgehende Geschichte über einen alten Krieger, der sehr viel zu bedauern hat und sich den dunklen Tiefe seiner Vergangenheit stellen muss, wenn seine Welt noch eine Zukunft habe soll. Deswegen erinnert die Handlung gleich an mehrere Film- und Romanklassiker. Allen voran sind da Apocalypse Now und The Road zu nennen. Während der Erste Pate für die düsteren Momente, in denen sich Slade mit seinem bisherigen Leben auseinandersetzen muss, steht, tut dies The Road für die Reise von Slade und Alec insgesamt. Sie reisen durch eine postapokalyptische Welt, wenngleich sie auch ein Ziel haben, das sie erreichen wollen. Jay Kristoff arbeitet die Charaktere aller auftauchenden wichtigen Figuren sehr gut heraus, interpretiert Helden und Schurken im Sinne des Hintergrunds neu und entfernt sich doch nicht zu sehr, zu ihren sonstigen Repräsentationen. Es gibt wunderbare Charaktermomente und dazu gut ausbalanciert Action, die die Handlung unterstützt. Schließlich ist Deathstroke ohne Action kaum denkbar, aber immerhin ist sie hier kein Selbstzweck.
Auch wenn die Charakter auf ihren eigentlichen DC-Charakteren basieren und dies auch klar durchscheint, wäre Ewiger Winter selbst ohne eine Neuinterpreattion von Helden und Schurken zu sein, ein wirklich gute und hervorragende Fantasygeschichte und dies ist durchaus als Qualitätsmerkmal zu verstehen, denn es zeigt, dass sich Jay Kristoff nicht auf den bekannten Namen ausruht.

Einziger etwas negativer Punkt ist Prinz Bruces Auftritt, der eigentlich völlig unnötig ist. Er trägt nichts wesentliches zur Handlung oder Charakterentwicklung Slades bei. Alles was in seinem Auftritt durchscheint, wird sowieso noch einmal und besser mit Slades Aufeinandertreffen mit William Wintergreen, seinem alten Weggefährten, gezeigt. Es wirkt so, als hätte Batman einen Auftritt haben müssen. Ob jetzt aus Gründen der Verkäuflichkeit oder ob in weiteren Bänden darauf Bezug genommen wird, sei mal dahingestellt.

Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt, der insgesamt nicht zu Buche schlägt, dafür ist der Rest zu gut. Und das gilt vor allem auch für die Zeichnungen von Tirso. Seine schwarz-weißen Bilder sind ausdrucksstark und zeigen eine Welt am Ende. Atmosphärisch ist das große Klasse, da er auch alles etwas rauer und eckiger darstellt. Nur die Bilder in der Vergangenheit oder die etwas Hoffnung in diese düstere Welt bringen sind runder und mit Farbe gestaltet. Das hat erwartungsgemäß großen Einfluss auf die Wirkung des Comics. Egal also ob Handlung, Charaktere oder Zeichnungen hier stimmt einfach alles.

Am Ende des Bandes gibt es noch einen Beitrag von Tom Taylor, der als Backup-Geschichten in den Einzelheften erschien. Erbe der See zeigt das Aufwachsen von Arthur, der einst der König der Meere sein wird und sich Manta stellen muss, wenn er dazu bereit ist.
Erbe der See ist gut und interessant, kann aber nicht mit Ewiger Winter mithalten. Riccardo Federicis Zeichnungen sind wunderbar und teilweise atemberaubend.


Fazit

Die Ritter aus Stahl – Ewiger Winter ist überraschend vielschichtig und atmosphärisch. Jay Kristoff legt hier einen richtig guten Fantasycomic vor, der so einiges zu bieten hat. Vor allem die Charaktere und ihre Entwicklung sind spannend. Tirso trägt mit seinen Zeichnungen seinen Teil zu diesen spannenden Ausflug in die Abgründe der Seele bei.


Pro & Contra

+ vielschichtige Charakterentwicklung
+ interessante Welt
+ Zeichnungen

0 Prinz Bruces Auftritt ist überflüssig

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Batman und die Ritter aus Stahl:

Rezension zu Batman und die Ritter aus Stahl Bd.1
Rezension zu Batman und die Ritter aus Stahl Bd.2