Jeanine Krock (20.08.2025)

Interview mit Jeanine Krock

jeanine krock2025Literatopia: Hallo, Jeanine! Nach vielen zeitgenössischen und historischen Liebesromanen widmest Du Dich mit „Magie und Schokolade“ wieder der romantischen Fantasy. Was erwartet die Leser*innen in der magischen Harzlandschaft?

Jeanine Krock: Eine ganz und gar unglaubliche Geschichte. lacht

Die Illustratorin Nu ist als digitale Nomadin unterwegs, möchte diesen Sommer jedoch in aller Ruhe ein Cottage mitten in der magischen Harzlandschaft genießen – direkt neben dem Hofcafé ihrer Lieblingstortenbäckerin Anna. Sie will zeichnen, durch die Wälder streifen und ihre etwas unberechenbaren Fähigkeiten erforschen. Ein perfekter Plan – wären da nicht diese zwei unverschämt attraktiven Männer und die Suche nach einem mysteriösen Fallensteller. Zum Glück hat sie ihren wortgewandten Hund Gretchen dabei, der zu allem eine Meinung hat.

Literatopia: Deine Protagonistin Nu hält es nirgends lange aus – woher kommt das? Wie sieht ihr Leben aus? Und was zeichnet ihren Charakter aus?

Jeanine Krock: Nu ist einfach gern unterwegs und hat bisher keinen Grund, um Wurzeln zu schlagen. Sie arbeitet als freie Illustratorin. Ein Beruf, in dem man mit einem unregelmäßigen Einkommen jonglieren muss – davon verstehe ich als Autorin etwas – und wenn das Geld mal nicht reicht, schläft sie auch schon mal in ihrem uralten Land Rover Defender. Sie freut sich riesig, dass sie den Sommer in einem hübschen Cottage im Harz verbringen darf. Ihre magischen Fähigkeiten sind ihr nicht ganz geheuer und sie hofft, sie in der Natur ungestört erkunden zu können, ohne größeren Schaden anzurichten.

Literatopia: Über welche „wundersamen Fähigkeiten“ verfügt Nu?

Jeanine Krock: Das stellt sich im Laufe der Geschichte heraus. Sagen wir mal so, es sieht nach einer sehr elementaren Magie aus.

magie und schokoladeLiteratopia: Im Harz trifft Nu auf gleich zwei unverschämt attraktive Männer – würdest Du uns diese kurz vorstellen?

Jeanine Krock: Zuerst ist da Florian, dieser blonde Handwerker, der sofort Annas Aufmerksamkeit erregt. Schwärmen darf man ja – auch glücklich verheiratet und hochschwanger. Nu ist weniger interessiert an Männerbekanntschaften, aber natürlich auch nicht blind und Thor – äh, Florian – ist einfach charmant und ausgesprochen hilfsbereit.

Mika dagegen ist … nun ja, der Grumpy im Grumpy meets Sunshine. Damit übertrifft er sogar die Hündin Gretchen, die ebenfalls eine beachtliche Grummelfähigkeit besitzt. Er ist Geologe. Unter anderem. Und er weiß mehr, als er sagt – was ich immer verdächtig finde.

Literatopia: Warum hast Du Dich für den Harz als Schauplatz Deines Romans entschieden? Was fasziniert Dich an der Landschaft und ihren Sagen?

Jeanine Krock: Zum einen kann ich bei gutem Wetter von meinem Dach aus den Brocken sehen – den höchsten Berg im Harz – und ich bin mit Geschichten von Till Eulenspiegel bis zu Faust II aufgewachsen. Es gibt Luchse im Harz, Hunde mit Fuchsfell und natürlich Hexen, wie kann ich nicht fasziniert sein?

Unser Trinkwasser kommt aus den Talsperren des Harzes – es schmeckt, ist weich und eignet sich sogar, um damit schottischen Tee aufzubrühen. Die Wälder sind größtenteils Aufforstungen aus den 1950er-Jahren, als Kind fand ich sie düster und bedrohlich. Inzwischen hat sich einiges geändert, diese Monokulturen wurden durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer sehr geschwächt. Ich hoffe, dass der Wald sich auf natürliche Weise erholt – und man ihn lässt, auch wenn Touristen den Anblick gefallener Baumstämme nicht mögen.

Der zweite Grund hat mit meiner Freundin und Nachbarin Kristina Günak zu tun, die die Hexenreihe um Elionore Brevent Eine Hexe zum Verlieben schreibt. Wir fanden es witzig, Nu und Eli kurz zusammentreffen zu lassen – was in beiden Büchern passiert. Mit dabei war auch unsere dritte Wortfinderin Juli Stern, die die Idee zu dieser Kooperation hatte. Da es keine Folgeprojekte gab, erscheint Magie und Schokolade jetzt unter meinem Namen, der ohnehin schon lange mit magischen Geschichten verbunden wird.

Literatopia: Wer auf Deiner Website Deine Werke betrachtet, merkt schnell: ohne die große Liebe geht es nicht. Warum schreibst Du bevorzugt Liebesromane? Und was zeichnet für Dich einen wirklich gelungenen Liebesroman aus?

Jeanine Krock: Ich bin politisch und schaue nicht weg. Aber die letzten Jahre haben es nicht leichter gemacht, die gesellschaftlichen Entwicklungen auszuhalten. Liebe dagegen ist immer da. Sie ist ein Gegenentwurf zum Zynismus – und ein Trost.

In meinen Büchern gibt es trotzdem Abgründe. Ein Titel wie Schneeflockenträume oder Lichterzauber in Schweden klingt nicht nach Drama, berührt aber auch das Unrecht, das den Sámi angetan wurde. Wer will, kann das überlesen – wie eine erotische Szene oder eine lange Landschaftsbeschreibung. Wer das nicht will, findet dort den Ausgangspunkt für weiteres Wissen.

Für mich ist es Seelenhygiene. Ich verbringe Monate mit meinen Figuren – da will ich mit Leuten zusammen sein, die mir guttun. Ein gelungener Liebesroman berührt mich, bringt mich zum Lachen oder Weinen, schenkt mir ein paar schöne Stunden und hinterlässt zwischen den Zeilen etwas, das bleibt. Oder auch nicht. Manchmal reicht es, wenn er wie prickelndes Salz auf der Haut ist.

whispers and moonlightLiteratopia: Du schreibst auch unter drei Pseudonymen: Anna Lindqvist, Kiri Johansson und Julie Clairmont. Ihre Namen passen zu den Ländern, in denen ihre Geschichten spielen. Warum hast Du Dich für diese Pseudonyme entschieden und die Bücher nicht unter Deinem Namen veröffentlicht?

Jeanine Krock: Das frage ich mich manchmal auch. Anna Lindqvist und Kiri Johansson entstanden auf Wunsch des Verlags, der Fantasy und Liebesromane klar trennen wollte. Sonst hätte der Buchhandel nicht gewusst, auf welchen Tisch er meine Bücher legen sollte. Das haben wir mit einer erotische Liebesgeschichte mit phantastischen Elementen erlebt, die im Laden zwischen Vampiren und Orks landete, was nicht eben verkaufsförderlich war.

Inzwischen steht auf den meisten meiner Bücher wieder mein Name – außer natürlich, sie laufen unter geschlossenem Pseudonym.

Literatopia: 2021 hast Du ein Stipendium im Rahmen des Programms NEUSTART KULTUR durch die VG WORT erhalten. Wie bist Du dazu gekommen? Und wie konntest Du das Stipendium nutzen?

Jeanine Krock: Ich habe mich mit zwei Projekten beworben, weil die Pandemie für viele Kreative – mich eingeschlossen – harte Einschnitte brachte. Buchhandlungen schlossen, Veröffentlichungen verschoben sich, und eines meiner Bücher erschien genau in dieser Phase. Es hatte kaum eine Chance, gesehen zu werden.

Das mit 5000 € dotierte Stipendium war ein wichtiger Ausgleich. Ich konnte daran weiterarbeiten, was mir am Herzen lag. Für die Genres, in denen ich schreibe, gibt es so gut wie keine Stipendien. Wahrscheinlich glaubt man, wir wären für die Kulturszene nicht wichtig und würden alle im Geld schwimmen. Das stimmt nicht – und bin der VG WORT dankbar.

Literatopia: Du veröffentlichst seit zwanzig Jahren – wie hat sich der Buchmarkt in dieser Zeit aus Deiner Sicht verändert?

Jeanine Krock: Was sich nicht verändert hat: Die Branche klagt, dass die Jugend zu wenig liest. Und ja, die Verkaufszahlen im Buchhandel sinken – auch wenn Farbschnitt und Charakterkarten das ein bisschen abgefedert haben. Aber auch andere Altersgruppen greifen seltener zum Buch. Die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist größer geworden, damit werden wir leben müssen.

Was sich leider verändert hat: die Wertschätzung kreativer Arbeit. Und das gilt nicht nur für Autorinnen und Autoren. Selbst Dinge zu schaffen, ist einfacher denn je. Es gibt Tools und Tutorials, die schnell Ergebnisse liefern. In der Bildgestaltung ist das längst Alltag – bei Büchern funktionierte es lange weniger gut. Inzwischen sieht man aber erschreckend viele lieblos übersetzte oder generierte Texte, die zum Teil große Erfolge feiern.

KI wird viel diskutiert. Ich sehe sie als ein mächtiges Werkzeug – und wir tun gut daran, rasch zu lernen, wie und wo wir das klug einsetzen. Ebenso, wo die Gefahren lauern … und wo die Chancen für eine freie Gesellschaft liegen. Medienkompetenz fängt in der Schule an, vielleicht sogar im Kindergarten – je früher, desto entspannter später der Umgang. Verbote? Die funktionieren erfahrungsgemäß so gut wie Schokoladeverzicht im Januar.

whispers and moonlight2Literatopia: Du hast bereits bei kleinen und großen Verlagen veröffentlichst und Deine neusten Werke selbst auf den Markt gebracht. Wie bist Du zum Selfpublishing gekommen?

Jeanine Krock: Zu spät. Anfangs wollte ich den großen Distributor nicht unterstützen – Monopole sind nicht so mein Ding. Dann bekam ich meine ersten Lizenzen zurück und dachte: Warum sollen nur andere daran verdienen? Also habe ich Selfpublisherin gelernt – ein Beruf, der Organisationstalent, Nerven und viel Kaffee – oder Tee – erfordert.

Leider bin ich im Bereich Selbstvermarktung vollkommen untalentiert, aber ich weiß, wie man Bücher realisiert und deshalb gibt es ja auch »Die Wortfinderinnen«, die seit einigen Jahren neue Autorinnen und Verlagskolleginnen in Sachen SP coachen.

Heute bin ich Hybridautorin und schätze beide Welten.

Literatopia: Inwiefern haben sich Dein Schreibstil und Deine Herangehensweise an neue Romane in den letzten zwanzig Jahren verändert? Was siehst Du, wenn Du Deine ersten Veröffentlichungen und Deine letzten vergleichst?

Jeanine Krock: Ich überarbeite gerade meine Vampir-/Feen-Tetralogie für die Jubiläumsausgabe. Das ist mehr Arbeit als gedacht – der Zauber soll bleiben. Band 1, ehemals Der Venuspakt, ist im August 2025 als Whispers and Moonlight – Wenn die Nacht das Licht berührt erschienen.

Früher war ich eine sogenannte Bauchschreiberin: Idee, Setting – und los! Die Arbeit mit Agentur und Verlagen hat mich disziplinierter gemacht. Heute investiere ich mehr Zeit in Exposés. Manche landen in der Schublade – Erfahrung ist eben auch eine Währung. Verlorene Lebenszeit – gewonnene Berufserfahrung.

Übrigens schreibe ich immer noch mehr intuitiv als geplant, aber ich habe gute Freundinnen aus der Planer-Fraktion, die die richtigen Fragen stellen, bevor ich ein Exposé auf den Weg bringe. Und meine Lektorinnen helfen weiter, wenn ich mich im Text zu verlaufen drohe.

Das – und das sage ich hier ganz ungefragt – ist überhaupt eines der wunderbarsten Dinge meines Berufs: Kolleginnen, die zu Freundinnen werden – ganz gleich, wo und wie sie leben – und Netzwerke, die dich auch mal auffangen.

Literatopia: Du bist in Deinem Leben etwa zwanzig Mal umgezogen und hast in sechs Ländern gelebt. Inwiefern beeinflussen diese vielen Ortswechsel Dein Schreiben? Und bist Du inzwischen an einem Ort angekommen?

Jeanine Krock: Diese Wechsel haben mich gelehrt, offen zu sein. Ich nehme Eindrücke mit – Gerüche, Farben, Menschen – und verwandle sie in Geschichten.

Angekommen? Nicht ganz. Emotional bin ich oft auf gepackten Koffern. Aber im Moment hält mich das Leben hier fest. Ein eigenwilliges Cottage mit magischem Garten? Nicht der schlechteste Ort, um Geschichte zu schreiben.

schneeflockentraeumeLiteratopia: Wird es in Zukunft wieder öfter phantastische Liebesromane von Dir geben? Oder kehrst Du erst einmal wieder zurück zu zeitgenössischen und historischen Texten?

Jeanine Krock: Ginge es nach mir, würde ich sofort damit beginnen: Eine Hexe namens Ginny Goodwill, ungeklärte Kriminalfälle und ein magisches Dorf voller Geheimnisse.

Aber erst muss ich ein paar andere Projekte fertigstellen. Am 10. September 2025 erscheint der oben erwähnte Roman Schneeflockenträume in Schweden von Anna Lindqvist, und eine neue Geschichte aus Svanholmen soll es im Sommer 2026 geben.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

Jeanine Krock: Ich danke dir :)


Autorinnenfoto: Copyright by Jeanine Krock

Autorenhomepage: www.jeaninekrock.de

Rezension zu "Gib mir deine Seele"

 
 
Rezension zu "Der Venuspakt" (Licht & Schatten Band 1)
Rezension zu "Die Sternseherin" (Licht & Schatten Band 2)
Rezension zu "Der Blutkristall" (Licht & Schatten Band 3)
Rezension zu "Das Feenorakel" (Licht & Schatten Band 4)

Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.