Tatork: Einmal tot, immer tot? (Michael Peinkofer)

tatork

Verlag: Panini; (März 2025)
Taschenbuch: 352 Seiten; 19 €
ISBN-13: 978-3833246418

Genre: Fantasy/ Crime Noire/ Harboiled


Klappentext

Corwyn Rash ist zurück in Ork City!

Die einstige Königsstadt Tirgaslan ist zu einem Großstadtmoloch verkommen, in dem nur die oberen Zehntausend gut leben. Der Rest der Bevölkerung führt einen Kampf um das tägliche Überleben. Kein Wunder, dass an einem solchen Ort das Verbrechen blüht, in den schmutzigen, vom Neonlicht der Reklametafeln beleuchteten Straßen herrscht die Unterwelt. Zwergenkartelle und Orkgangs treiben hier ihr Unwesen, in Hinterzimmern, vor denen Troll-Türsteher Wache halten, werden dunkle Geschäfte gemacht.

Dies ist die Welt von TATORK … und zugleich die von Corwyn Rash, einem Viertelork und ehemaligen Polizisten, der sich als domhor sul durchs Leben schlägt – als Privatdetektiv. Rash hält sich mit Observationen über Wasser oder schnüffelt im Privatleben anderer Leute herum – doch dann wird er plötzlich von seiner Vergangenheit eingeholt, denn ein ehemaliger Kriegskamerad von ihm wird tot aufgefunden. Schnell findet Rash heraus, dass sich mehr hinter dem Fall verbirgt und wird wider Willen in einen Strudel aus Lügen, Mord und Intrige gezogen – denn es herrscht Wahlkampf in der Stadt der Orks …


Rezension

Corwyn Rash ist ein Privatschnüffler in Tirgaslan und normalerweise schlägt er sich mit kleineren Aufträgen durch, die häufig genug Untreue eines Ehepartners einschließen. Doch dann wird er von seinem ehemaligen Partner bei der Polizei, Keg Ingrimm, mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt und zu einem Tatort gerufen. Dort angekommen stellt Rash fest, dass der Tote sein ehemaliger Kriegskamerad Maks Daguras ist. Er wurde brutal ermordet, aber von den Tätern fehlt jede Spur. Keg Ingrimm bittet Corwyn Rash um Hilfe, da nicht jeder in der Polizei wohl an der Aufklärung des Falles interessiert ist. Und so macht sich Corwyn Rash an die Arbeit, ohne zu ahnen in welche Abgründe der Politik ihn dieser Fall führen wird.

Der erste Roman über Viertelork und Privatschnüffler Corwyn Rash liegt mittlerweile ein paar Jahre zurück. Damals erschien Ork City noch bei Piper, der neue Roman Tatork: Einmal tot, immer tot? ist nun bei Panini erschienen. Michael Peinkofer kehrt damit in die wohlbekannte Welt zurück, die er einst mit Die Rückkehr der Orks schuf und in der Balbok und Rammar zwei übergroße Helden darstellen. Zumindest in der Zeit von Tatork, denn der Roman spielt sehr lange nach den ersten Romanen und aus einer typischen Fantasywelt mit Orks, Elfen, Zwergen, Menschen, Zauberern und allem anderen was dazugehört, ist mittlerweile eine Welt geworden, in der Magie etwas vergangenes ist und die sehr unserer Welt in den dreißiger/ vierziger Jahren entspricht. Und das ist nicht zufällig, schließlich legt Michael Peinkofer mit Tatork einen waschechten Crime-Noir-Thriller mit Fantasyeinschlag vor. Was sich zunächst etwas komisch anhört, funktioniert jedoch hervorragend. Vor allem auch weil Michael Peinkofer die Fantasyelemente behutsam der Geschichte dienlich einsetzt. Es ist leicht zu erkennen, dass sich Michael Peinkofer alles genau überlegt hat und auch seine Charaktere danach erschaffen hat, sowohl was ihr Geschlecht als auch ihre Herkunft angeht. Dadurch fällt nichts negativ auf, die ganze Welt wirkt wie aus einem Guss, da er es ebenso versteht, die passende Atmosphäre, die man aus Filmen wie Die Spur des Falken kennt, zu erzeugen. Corwyn Rasch bewegt sich in den Schatten in einer zwielichtigen Welt, die von Gangstern mit Herz und skrupellosen Geschäftemachern bevölkert ist. Die Charaktere scheinen permanent um ihr Überleben zu kämpfen, während sie durch den Alltag gehen. Hiervon lebt der Roman auch zu einem gewissen Teil. Atmosphärisch und vom Weltenbau her, ist Tatork absolut gelungen. Und wenn am Ende die Fantasyelemente immer mehr Raum einnehmen, fügen sie sich organisch in die Welt ein und wirken nicht hineingezwängt.

Was die Handlung an sich angeht, so dürfte Michael Peinkofer Tatork unter dem Eindruck des amerikanischen Wahlkampfs, den Donald Trump für sich entschied, geschrieben haben. Zumindest liegt der Verdacht sehr nahe. Zum einen natürlich, da der Roman jetzt im März erschien und dementsprechend vorher geschrieben wurde, als auch zum anderen weil es an jeder Ecke des Buches durchscheint. Teils noch nicht einmal großartig als Metapher versteckt. Die Themen, mit denen sich die Bürgermeisterkandidaten beschäftigen, sind die gleichen Themen, die auch in unserer Welt leider Zündstoff bieten. Am deutlichsten wird dies aber in der Figur des Doygon Morlok, dessen Auftreten und Reden praktisch direkt von Trump selbst stammen könnten. Einziger Unterschied zwischen den Beiden ist der, dass Morlok eindeutig intelligenter und damit noch ein Vielfaches böser ist. Tatork ist damit nicht nur ein einfacher Krimi, sondern ein Kommentar zum Zustand der Welt.

Abseits davon ist Tatork aber auch so ein richtig guter Krimi, ob Trump-Analogie oder nicht, der Gegenspieler wäre auf jeden Fall ein passender und fieser Gegner für Corwyn Rash. Michael Peinkofer baut seinen Fall langsam und detailverliebt auf, lässt Corwyn Rash als bärbeißigen Ermittler nach der Wahrheit suchen und dabei auch mal in eine Sackgasse laufen oder in eine Falle tappen. Klever konstruiert Michael Peinkofer den Krimi und es gibt immer mal wieder eine überraschende Wendung, bevor er gegen Ende das Tempo deutlich anzieht und alles in einem großen Finale münden lässt, das gleichzeitig irgendwie antiklimatisch und absolut passend ist. Damit das alles so gut funktioniert stehen Corwayn Rash gleich mehrere Charaktere zur Seite, die alle ihre eigenen Facetten mitbringen und Corwyn Rash vor Herausforderungen stellen. Es gibt mehrere Wortgefechte, die sehr gut geschrieben sind und ein sarkastischer Unterton ist häufig genug vorhanden, so dass auch der passende Humor an den richtigen Stellen nicht fehlt. Insgesamt gesehen ist Tatork ein unglaublich guter Fantasythriller, der auch Leser begeistern dürfte, die normalerweise nicht Fantasy lesen, aber Krimis und Thriller mögen.

Wer ganz genau hinschaut, dürfte übrigens so manche Anspielung an die Popkultur und an frühere Bücher von Michael Peinkofer entdecken, eine offensichtliche wäre z.B. die Bezeichnung von Corwyn Rashs früherer Einheit.


Fazit

Tatork: Einmal tot – immer tot? Ist auf mehreren Ebenen ein richtig guter Hardboiled-Fantasythriller dessen Bezüge zur Realität zwar offensichtlich, aber nicht alles andere überschattend sind. Die Atmosphäre und die Handlung sind hervorragend und so darf Corwyn Rash gerne immer wieder ermitteln.


Pro & Contra

+ Corwyn Rash
+ Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet
+ Atmosphäre
+ Bezüge zur Realität
+ spannend

Bewertung: sterne4.5

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5