Alien – Schwarz, Weiß und Blut (Collin Kelly, Jackson Lanzing u.a.)

alien schwarz weiss blut

Verlag: Panini; (Juli 2025)
Gebundene Ausgabe: 136 Seiten; 29 €
ISBN-13: 9783741643408

Genre: Horror


Klappentext

Weiss, wie die Sterne
Schwarz, wie der Weltraum
Rot, wie das Blut

Das riesige Generationsschiff Forward steuert durch den Weltraum. Die Besatzung, die sich aus einer großen Gemeinschaft zusammensetzt, die von starken sozialistischen Idealen beseelt ist, empfängt ein schwaches Lebenssignal vom großen Schiff eines Megakonzerns, das scheinbar abgedriftet ist. Das ist die Gelegenheit, auf die die Crew der Forward gewartet hat, um ihre Tugend unter Beweis zu stellen: Das menschliche Leben ist das kostbarste Gut im Universum, und niemand soll zurückgelassen werden. Doch das unbekannte Raumschiff trägt etwas Furchtbares mit sich, das nur darauf gewartet hat, mit einer großen Menge Frischfleisch in Berührung zu kommen …
Dies ist nur eine der neun in sich abgeschlossenen Geschichten in diesem prestigeträchtigen Sammelband, der einen noch nie zuvor dagewesenen Xenomorph in Schwarz und Weiß zeigt, verfeinert mit roten und grünen Säurespritzern!


Rezension

Wenn ein Monster in der Filmgeschichte und der Popkultur dafür geeignet ist, sich in die Schwarz, Weiß und Blut-Reihe einzufügen, dann ist es das Alien aus Ridley Scotts Kultfilm. Und so bekommt es nun auch seinen eigenen Band im Großformat, das, wenn es richtig genutzt wird, den Horror des fremden Wesens nur verstärkt. Davon zeugt allein schon das Cover, insbesondere die Rückseite überzeugt dort voll und ganz. Wie bei solchen Bänden üblich, stammen die Geschichten von unterschiedlichen Autoren und Zeichnern.

Utopia

Das Generationenschiff Forward ist auf dem Flug zu einer neuen Heimat, wo die Besatzung neuanfangen und ein Utopia aufbauen soll, das frei ist von Gier und all den anderen schlechten menschlichen Eigenschaften. Begleitet werden sie von der Androidin Siostra. Ihre Aufgabe ist es, beim Aufbau einer perfekten sozialistischen Gesellschaft, in der alle gleich sind und in Frieden leben können, aufzubauen. Doch dann trifft die Forward auf ein treibendes Schiff von Weyland-Yutani. Der Beschluss, der vermuteten Besatzung zu helfen, stellt sich jedoch als Fehler heraus. Ein Xenomorph kommt an Bord und der Kampf gegen diese Wesen bestimmt fortan das Leben auf der Forward. So vergehen die Jahrzehnte und Jahrhunderte und Siostra muss als Beobachterin mitansehen, wie die Menschen in alte Muster zurückfallen. Das Schiff fällt dabei immer weiter in die Hände der Monster und schließlich muss sie eine Entscheidung im Sinne einer perfekten Welt treffen.
Utopia ist die längste Geschichte des Bandes, in vier Teile aufgeteilt und klar der bester Beitrag. Collin Kelly und Jackson Lanzing haben einen interessanten und faszinierenden Ansatz gefunden, der sich deutlich von den üblichen Geschichten mit dem Alien abhebt. Das Grauen kommt hier auf mehreren Ebenen und dabei beschäftigen sie sich mit dem Wesen des Menschen - und ein bitterer politischer Kommentar ist ebenso versteckt.Michael Dowling liefert dazu unglaublich gute Zeichnungen. Er inszeniert das Alien perfekt und setzt es in seinen Bildern geschickt mit der größtmöglichen Wirkung ein. Chris Sotomayor setzt zudem punktgenau die farblichen Akzente.

Die Jagd

Weyland-Yutani hat eine neue Geldquelle. Reiche können für viel Geld in einem abgeschotteten Areal Xenomorphe jagen. Dabei besteht für sie im Wesentlichen keine Gefahr, denn Kraftfelder schützen die vergnügungssüchtigen Jäger – eigentlich. Denn manchmal kommt es anders als man denkt.
Es ist schon gruselig, wenn man sich dabei erwischt, zu denken, dass das Szenario vor dem Hintergrund vor dem es spielt, gar nicht mal so unrealistisch ist. Die Skrupellosigkeit von Konzernen und ihren Chefs kommt hier sehr schön zutage. Stephanie Phillips hat hier eine großartige Geschichte geschrieben, die ebenso gut von Marcelo Ferreira in Bildern umgesetzt wurde.

Mütterliche Instinkte

Der Bordcomputer der Abhartach hilft dem Jungen Joshua Baker von Bord zu fliehen. Dabei muss er mitten durch das Nest der Xenomorphe.
Mütterliche Instinkte ist eine kleine, aber feine Geschichte, in der ein Bordcomputer mütterliche Instinkte entwickelt. Geschrieben wurde Mütterliche Instinkte von Ryan Cady und von Devmalya Pramanik mit ungewöhnlich viel grüner Farbe gezeichnet.

Häppchen

Auf Adhafera IV soll die Mannschaft der Goliath One eine Ranch überprüfen, zu der der Kontakt abgebrochen ist. Was sie dort finden, ist das pure Grauen.
Häppchen hätte Potential gehabt, wenn Paul Jenkins den Aliens nicht noch eine überflüssige, menschliche Eigenschaft zugeschrieben hätte, die bisher nie zu sehen war. Luigi Teruel zeichnet ordentlich.

Erster Tag

Private Briggs steht mit ihrem Master Sergeant Sawyer alleine gegen eine Horde Aliens. Sie muss sich entscheiden, ob sie im Sinne der Firma oder der Menschlichkeit handelt.
Erster Tag ist nicht viel mehr als ein kurzes Gefecht, mit einem dafür perfekten Abschluss. Stephanie Williams und Jethro Morales haben Erster Tag geschaffen, wobei Morales Zeichnungen gewöhnungsbedürftig sind und nicht so recht zum Alien passen wollen.

Rädchen im Getriebe

Auf der medizinischen Fregatte Philoctetes von Weyland-Yutani werden die Chestburster aus den Körpern der Opfer der Xenomorphen geholt. Die Sicherheitsmaßnahmen machen die Arbeit eigentlich relativ sicher.
Rädchen im Getriebe könnte den Auftakt zu einer interessanten Comicreihe oder eines Alienfilm bilden. Das Szenario von Cody Ziglar gibt dies auf jeden Fall her. Claire Roes Zeichnungen gehen in Ordnung.

Lucky

Irgendwo im All wurde ein Außenposten überrannt. Als letzte Handlung schickt einer der Bewohner einen Hund aus dem Bunker, damit wenigstens dieser überlebt. Allerdings will dieser zurück zu seinem Besitzer und das Alien ist noch im Bunker und wartet auf ein weiteres Opfer.
Steve Foxe erzählt zwar nichts weltbewegendes oder besonders kreatives, aber die Geschichte trifft genau den richtigen emotionalen Ton. Tommaso Bianchi setzt vor allem den Hund perfekt um, aber auch sein Alien sieht gut aus.

Verstecken

Ein Vater will das Beste für seine Tochter und unterschreibt in seiner Verzweiflung einen Vertrag bei Weyland-Yutani, damit sie die dringend benötigte Behandlung bekommt. Ein Fehler, wie sich herausstellt, denn für den Konzern ist jeder entbehrlich, wenn es um die Xenomorphen geht.
Bryan Hills Geschichte besitzt eine schöne Klammer und er setzt sich überraschend kreativ mit den Xenomorphen auseinander. Andres Mossas Zeichnungen gehören zu den besseren des Bandes, auch wenn seine Aliens etwas zu glatt aussehen.

Mutter

An Bord der New Abhartach lebt die Tochter von Joshua Baker. Sie ist dort aufgewachsen und wurde dabei vom Bordcomputer erzogen, da ihre Eltern zu sehr mit ihren Forschungen beschäftigt waren. Nun ist sie allein mit den Xenomorphen an Bord und ein Trupp Soldaten versucht sie zu retten.
Pornsak Pichetchote greift mit seinem Beitrag Mütterliche Instinkte auf und führt Ryan Cadys Geschichte überraschend und sehr kreativ weiter. Fünf Seiten braucht er, um eine Geschichte zu entwickeln, die die ideale Grundlage für einen erfrischend andersartigen Alienfilm liefern könnte. Zusammen mit Utopia ist Mutter die beste Geschichte des ganzen Bandes, nur die Zeichnungen von Partha Pratim passen aufgrund ihres Stils nicht ideal zum Inhalt. Die hätten deutlich düsterer ausfallen dürfen.

Bonusmaterial gibt es zwar nicht viel, aber die Variantcover und Cover sind enthalten und wurden fast alle auf einer eigenen Seite abgedruckt. Und da sind so einige dabei, die beeindrucken.
Wer den Comic aufschlägt wird außerdem von einem ganz besonderen Anblick begrüßt.


Fazit

Mit Alien – Schwarz, Weiß & Blut bekommt man genau das, was erwartet werden konnte. Kurze, teils fiese Horrorgeschichten aus denen allerdings Utopia und Mutter herausstechen. Diese bieten tatsächlich neue und frische Ideen. Insgesamt lohnt es sich zu diesem Band zu greifen.


Pro & Contra

+ Utopia und Mutter
+ teils neue Ideen
+ guter Einsatz des Aliens
+ gelungene Gestaltung

- leider manchmal etwas zu kurz

Bewertung: sterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5


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Rezension zu Wolverine: Schwarz, Weiß & Blut
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Rezension zu Deadpool: Schwarz, Weiß & Blut
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