
Verlag: Carlsen; (Juli 2025)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 20 €
ISBN-13: 978-3-551-01818-2
Genre: Abenteuer
Klappentext
Jeder kennt das Marsupilami, aber kennt ihr auch seinen
Ururururururururururururururururgroßvater?
Rezension
Ein spanisches Schiff kommt über den Atlantik nach Südamerika und bringt einen goldgierigen Kapitän und seine Mannschaft mit sich. Unter ihnen befindet sich auch José, der anders ist. Er steht für die anderen Schiffsjungen ein und ist ganz allgemein freundlich und hilfsbereit. Er glaubt an das Gute und das könnte theoretisch ein Fehler sein, in einer bedrohlichen Welt, in der die Spanier und Portugiesen kurz davor stehen, Amerika in Besitz zu nehmen.
Bei der Erkundung des Dschungels treffen Kapitän Santoro und seine Männer auf das Marsupilami und es gelingt ihnen sogar, es zu verletzen und José fällt mit ihm in einen Fluss. Als er erwacht, ist er bei den Chahutas und mit dem Marsupilami verbunden. Fortan kann er es spüren und sie teilen ihren Schmerz. Damit ist das Abenteuer jedoch nicht vorbei, denn Kapitän Santoro will unbedingt Gold finden und ist dafür bereitet, eine weite Reise zu machen, bei der er den Schamanen der Chahutas und dessen Tochter zwingt, ihn zu begleiten.
Das Marsupilami hat nicht nur eine eigene Serie, sondern mittlerweile werden Sonderbände mit dem Wundertier veröffentlicht, bei denen die Autoren und Zeichner ziemlich freie Hand haben. Dabei sind so wunderbare und außergewöhnliche Bände wie Die Bestie und Das Humboldt-Tier entstanden. Nun folgt also Lewis Trondheim mit seiner Interpretation des Marsupilamis. Und sein Album ist durchaus ambivalent zu sehen. Nicht weil es in der Qualität schwankt, sondern vielmehr ständig zwischen Humor und düsterer Spannung, zwischen einem Abenteuer für Kinder und einem für Erwachsene hin und her pendelt.
Glücklicherweise wird der Comic dadurch nicht inhaltlich zerrissen, aber es stellt sich schon die Frage, ab welchem Alter El Diablo gelesen werden kann. Denn eins ist klar: Mit Zuckerguss hat es Lewis Trondheim nicht. Wenn hier die Spanier mit Gewehren schießen, dann werden durchaus Menschen getötet. Dazu kommt dann auch, dass der Kannibalismus der Seefahrer nicht gerade versteckt angedeutet wird und auch die Ureinwohner dürfen ihren gruseligen Teil beitragen, indem sie den Spaniern androhen, sie in Schrumpfköpfe zu verwandeln. Für leicht erschreckbare Kinder und zartbesaitete Erwachsene ist das nur bedingt.
Neben diesen ambivalenten Aspekten bekommt man jedoch mit El Diablo eine unheimlich spannende Geschichte, die mit Humor aufgelockert wird und die durchaus auch etwas Gesellschaftskritik mit sich bringt. Gerade der Gegensatz zwischen den goldgierigen Spaniern und den Chahutas ist entlarvend. Die Charaktere werden von Lewis Trondheim wunderbar herausgearbeitet und sie sind nicht nur einfache Klischees, sondern sie haben ihre Sorgen und Nöte und ihre eigene Motivation. Amanita ist hierfür ein Beispiel. Die Kriegerin der Chahutas ist eine facettenreicht Persönlichkeit und nicht nur schmückendes Beiwerk.
Trondheims wilder Ansatz geht auf und dieses Marsupilami-Abenteuer ist so ungewöhnlich, wie gut.
Optisch ist El Diablo brillant. Anders kann es nicht ausgedrückt werden. Alexis Nesme übertrifft sich immer wieder selbst und erschafft wunderschöne Bilder, die einen direkt in die Zeit der Handlung entführen. Er setzt den Wechsel zwischen Humor und Ernsthaftigkeit immer wieder perfekt um und El Diablo wird durch ihn zu einem wahren Augenschmaus.
Fazit
El Diablo ist ein Marsupilami-Abenteuer, das von Alexis Nesme in wunderschöne Bilder gefasst wurde. Lewis Trondheim hat eine Geschichte über die Goldgier der Spanier und den ersten Kontakt der Chahutas mit ihnen geschrieben, die für das Marsupilami eine ungewohnte Tiefe und Härte besitzt. Kinder sollten das Album besser gemeinsam mit ihren Eltern lesen.
Pro & Contra
+ wunderschöne Zeichnungen
+ interessante und spannende Handlung
+ Wechsel zwischen Ernsthaftigkeit und Humor
0 für Kinder nicht ganz so geeignet
Bewertung:
Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Humor: 3,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5
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