Interview mit Jenny Pieper
Literatopia: Hallo, Jenny! Kürzlich ist mit „Der Herzschlag des Dämons“ der erste Band Deiner „Skyfire Academy“ erschienen. Was erwartet die Leser*innen an der Akademie für Dämonenjäger?
Jenny Pieper: Spannung, Intrigen und große Gefühle. Die Studenten an der Akademie sind verzweifelt und wollen sich um jeden Preis eine Zukunft oder Ruhm in einer brutalen Welt sichern, in der das Überleben nicht selbstverständlich ist.
Literatopia: Würdest Du uns Deine Protagonistin Hanae näher vorstellen? Was ist sie für ein Mensch? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Und wie kam sie zu ihrem mechanischen Herz?
Jenny Pieper: Hanae liebt ihre Familie und ist bereit für diese ihr Lebens aufs Spiel zu setzen. Sie geht sogar für sie an die Akademie – in der Hoffnung ihnen einen Platz hinter den schwarzen Mauern zu sichern, wo die Menschen vor den Dämonen in Sicherheit sind. Hanae selbst ist die typische „Harte Schalte mit weichem Kern“. Ihr fällt es schwer, das Gute in sich zu sehen und sie opfert mehr von sich, als es für sie gesund ist. Ihr mechanisches Herz hat sie bei einer illegalen Operation von ihrem Vater erhalten, der kurz darauf verschwunden ist. Der Eingriff hat ihr das Leben gerettet und verschafft ihr einen Vorteil im Kampf. Doch es ranken sich auch viele Geheimnisse darum, die sie zu erkunden versucht.
Literatopia: Hanae will das Verschwinden ihres Vaters aufklären und stolpert durch eine Tür ins Dämonenreich, wo sie unerwartet Hilfe erhält – von wem?
Jenny Pieper: Dort trifft sie auf Gin, einen Dämonenfürst, der ihr erst etwas Wertvolles abnimmt. Sie liefern sich einen Kampf und im ersten Moment wirkt es unwahrscheinlich, dass daraus ein Bündnis entstehen könnte. Aber lest selbst …
Literatopia: Edo ist die Stadt der Dämonen, die neben Tokyo existiert. Wie sieht es dort aus? Und welche Verbindungen gibt es zwischen den Städten?
Jenny Pieper: Zu jeder Großstadt der Menschenwelt gibt es ein Pendant im Dämonenreich, in dem die Seelen auf die andere Seite begleitet werden. Die Magie davon liegt im Himmel und den Sternen, daher gibt es sogenannte Sternentüren, die die beiden Städte verbindet.
Edo bildet dieses Gegengewicht zu Tokyo – doch Tokyo leidet unter den Akuma, dunklen Dämonen, die Menschen jagen. Die Stadt zerfällt, viele Straßen sind verlassen, zerstört. Edo hingegen blüht vor Leben und Energie. Für Hanae kommt es einem Hohn gleich.
Literatopia: Hanae droht, ihr Herz an ihren Feind zu verlieren. „Enemies to Lovers“ ist einer der beliebtesten Tropes in der Urban Fantasy und Romantasy. Was reizt Dich persönlich daran?
Jenny Pieper: Ich liebe es hinter Facetten und den „ersten Eindruck“ zu blicken. Ein Feindbild kann manchmal schneller entstehen, als uns vermutlich bewusst ist. Deshalb finde ich es wichtig, die Beweggründe hinter einem Handeln zu verstehen. In der Romantasy entsteht dadurch außerdem so eine schöne Dynamik, die ich sowohl gerne lese, als auch schreibe :-)
Literatopia: „Skyfire Academy“ ist sichtbar von Manga und Anime inspiriert. Entsprechen die Dämonen also der japanischen Mythologie? Oder hast Du Deine Art Dämonen erfunden?
Jenny Pieper: Die japanische Mythologie ist unglaublich faszinierend und so weitreichend, dass ich ständig Neues dazulerne. Meine Dämonen sind davon inspiriert, entsprechend aber keinem festen Teil daraus. Während ich für die „Akuma“, die Teufel, tatsächlich einen Namen aus der Mythologie gewählt habe, ließ ich das bei den Dämonen, zu denen Gin gehört, aus. Ich wollte hier auf die Vielfältigkeit in den mystischen Wesen hindeuten, wo es immer neue Wesen zu entdecken gibt, denen Gut oder Böse nicht direkt zugeordnet werden kann.
Literatopia: Der Verlag bewirbt „Skyfire Academy“ für Fans von „K-Pop Demon Hunters“ – war die Serie tatsächlich Inspiration für Deine Geschichte?
Jenny Pieper: Ich nutze die Serie gern als Marketinginstrument, um die Fans auf mein Buch aufmerksam zu machen. Es gibt Parallelen in den Aufhängern für die Geschichten, daher wirkt es vielleicht so, als wäre meine Geschichte davon inspiriert - Skyfire war aber schon komplett fertig geschrieben und abgegeben, bevor ich von K-Pop Demon Hunter das erste Mal gehört habe. 2021 hatte ich die erste Idee zum Roman. 2024 ging der Roman unter Vertrag, nachdem meine anderen Publikationen erschienen waren und im Januar 2025 habe ich das Manuskript abgegeben. Dass mein Coverreveal und der Hype von K-Pop Demon Hunter zusammengefallen sind, war für mich eine glückliche Fügung im hart umkämpften Social-Media-Business
Literatopia: „Der Herzschlag des Dämons“ ist mit einem traumhaft schönen Cover und Farbschnitt als Schmuckausgabe erschienen. Überzeugt auch Dich eine solch aufwändige Gestaltung beim Bücherkauf? Oder achtest Du persönlich da weniger drauf?
Jenny Pieper: Ich bin definitiv ein Coveropfer und werde bei Schmuckausgaben schnell schwach :D Dass Skyfire so eine schöne Gestaltung bekommen hat, hat mich deshalb unglaublich froh gemacht! Hannah Sternjakob, die Grafikerin, hat sich hier wirklich selbst übertroffen!
Literatopia: Du hast bereits mehrere High-Fantasy- und Urban Fantasy-Romane veröffentlicht. Was reizt Dich an Phantastik? Und könntest Du Dir Ausflüge in andere Genres vorstellen?
Jenny Pieper: Ich liebe es, meine Kreativität voll ausleben zu können. Das geht in High Fantasy noch mehr, da ich mir jede Regel einfach selbst ausdenken kann. Natürlich entsteht dann im Wordbuilding ein Rahmen, in dem die Welt funktioniert, um eine gewisse Stimmigkeit zu erreichen. In einem Urban Fantasy Setting kann ich dafür mehr Fokus auf die Liebesgeschichte legen.
Unter Pseudonym (Fenja Jenssen) habe ich bereits einen Genrewechsel ausprobiert und einen Liebesroman veröffentlicht. Das Genre macht mir auch unglaublich Spaß und da freue ich mich auch, weiter zu experimentieren.
Literatopia: Du glaubst an die Magie besonderer Momente – wie erschaffst Du solche Momente in Deinen Büchern?
Jenny Pieper: Ich denke, dass im Alltag die kleinen Dinge zählen und wenn wir darauf achten, sie uns verzaubern können. In meinen Büchern versuche ich Hoffnung und Zuversicht in meine Geschichten zu verpacken und auch in den dunkelsten Stunden meiner Charaktere irgendwo ein Licht zu für sie erhalten. Wenn diese Magie sichtbar ist und von meinen Leser*innen wahrgenommen wird, ist das für mich ein riesiges Geschenk. Denn dafür schreibe ich :-)
Literatopia: Du beschreibst Deinen Alltag als „chaotisches Mosaik aus Familie, Arbeit und Hobbies“ – wie findet das Schreiben darin Platz? Und wie behältst Du den Überblick über Deine Romanprojekte?
Jenny Pieper: Meine Schreibzeit funktioniert am besten morgens, wenn mein Kopf noch frei. Da kann ich in die Geschichte eintauchen, ohne dass mich Erlebnisse vom Tag beschäftigen. Das und meine To-Do-Listen helfen mir dabei, stetig voranzukommen ¬– und ich glaube das ist das Stichwort. Ein Buch ist ein Marathon, kein Sprint, so abgedroschen das klingen mag. Aber da ist etwas Wahres dran.
Der restliche Tag ist dann deutlich chaotischer. Vollzeitjob in der IT, Joggen, Zeichnen, Zocken und Familie und Freunde. Mein Umfeld hat sehr viel Geduld mit mir, worüber ich sehr dankbar bin! Gerade vor Deadlines bin kaum erreichbar und brauche tagelang, um Nachrichten zu beantworten.
Literatopia: Gehörst Du zu denen, die schon in der Kindheit eigene Geschichten verfasst haben, oder hast Du das Schreiben erst später für Dich entdeckt? Und wann war für Dich klar, dass Du auch veröffentlichen willst?
Jenny Pieper: Mit 14 wollte ich mein erstes Buch schreiben, bin aber nie über die berüchtigten ersten 50 Seiten hinausgekommen. Im Studium (Mediapublishing an der hdm Stuttgart) habe ich kreatives Schreiben als Wahlfach belegt – und obwohl dem Studibüro nach der Hälfte des Semesters aufgefallen ist, dass ich das Fach doch nicht belegen darf, durfte ich mich immerhin weiter in den Vorlesungen dazusetzen. Dort hatte ich mehr über die Planung von Romanen erfahren und für meine „Nicht-Benotung“ einen Romanentwurf ausgearbeitet. Damals eine Sci-Fi-Trilogie von der sogar 2 Bücher geschrieben in der Schublade liegen. Danach war mir klar, dass ich weiterschreiben und veröffentlichen will. Denn dass die Geschichten gelesen werden, gehört für mich irgendwie dazu.
Literatopia: Würdest Du uns abschließend etwas über zukünftige Projekte verraten? Wie wird es mit „Skyfire Academy“ weitergehen? Und ist bereits etwas Neues geplant?
Jenny Pieper: Viel verraten kann ich gerade leider noch nicht – es wird mir aber jedenfalls nicht langweilig. Und sagen wir mal so: es würde nicht schaden, „Skyfire Academy“ zu beobachten ;-) Auf meinem Insta (jenny.pieper.autorin) halte ich regelmäßig auf dem Laufenden. Recht frisch auch die Info, dass ich mit dem Piper Verlag zusammenarbeiten darf – da folgen hoffentlich auch bald weitere Infos :-)
Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!
Autorinnenfoto: Copyright by Jenny Pieper
Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
