
Verlag: Splitter; (Juli 2025)
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten; 24 €
ISBN-13: 978-3-68950-067-2
Genre: Krimi
Klappentext
Irgendwo in der Normandie soll ein alter Alchemist tatsächlich das Geheimnis gelüftet haben, wie man Blei in Gold verwandelt. Das weckt auch die Neugier von Arsène Lupin, der sich für seine verdeckten Nachforschungen in der Angelegenheit als Vicomte Raoul d´Avenac verkleidet. Nur ahnt der Gentleman-Gauner nicht, dass sich der berühmte Sherlock Holmes an seine Fersen geheftet hat – und zwar, um ihn ein für alle Mal zu beseitigen! Schon bald wird das Ufer der Seine Zeuge eines erbitterten Duells werden. Eines Duells auf Leben und Tod.
Rezension
Vier Jahre ist es her, dass Sherlock Holmes Arsène Lupins große Liebe Raymonde erschoss. Seitdem hat Arsène Lupin wieder Einbrüche begangen. Dann jedoch wird eine seiner anderen Identitäten, der alte Mathematiker Fortuné Bonnard kontaktiert, um bei einem Problem zu helfen. Zu Arsènes Überraschung sieht er sich beim Treffen sich selbst gegenüber: Der falsche Lupin überreicht ihm einen Zettel mit einem Code, den es zu lösen gilt. Einen Monat später befindet sich Arsène Lupin als Vicomte Raoul d´Avenac in La Barre-y-va und versucht das Rätsel des Codes zu lösen. Aber das ist nicht so leicht. Das Haus des alten Alchimisten, von dem der Code stammt birgt Geheimnisse von denen dessen Bewohner nichts ahnen. Bald gibt es einen ersten Mord und das ruft Ganimard und Sherlock Holmes auf den Plan. Und um das Ganze noch komplizierter zu machen, interessieren sich die beiden Schwestern des Hauses für Lupin, der ihnen nicht gerade abgeneigt gegenübersteht. Alles entscheidet sich letztlich in einer regnerischen Nacht.
Als Maurice Leblanc Arsène Lupin schuf, war er als Gegenstück zu Sherlock Holmes gedacht. Er sollte genauso genial aber kriminell sein und dazu ein echter Gentlemangauner. Selbstverständlich ließ das erste Aufeinandertreffen der beiden großen literarischen Figuren der Jahrhundertwende nicht lange auf sich warten. Auch wenn Maurice Leblanc Ärger bekam und aus Sherlock Holmes Herlock Sholmes machen musste.
Es ist zunächst befremdlich Sherlock Holmes in diesem Comic als bösen Gegenspieler von Arsène Lupin, dessen Frau er tötete, zu sehen. Zudem ist er sehr verbittert und weniger Sportsmann als man ihn normalerweise kennt. Höchstens in Bezug auf Moriarty legt der Meisterdetektiv eine ähnliche Besessenheit an den Tag. Aber wenn man die Geschichten Sir Arthur Conan Doyles kennt, muss man auch zugeben, dass Holmes´ Charakter hierfür nicht wirklich stark verändert werden musste. Holmes war nie gesellig oder nett. So wird der erste Eindruck bereits abgemildert. Was dann aber beim Lesen letztlich mit der Darstellung von Holmes in diesem Comic versöhnt, ist das wirklich sehr gelungene Ende. Hier gibt es eine faustdicke Überraschung, die so nicht abzusehen war und die nichts mit dem Fall an sich zu tun hat. Hier zeigt sich Sherlock Holmes so, wie ihn die meisten kennen dürften und er darf auf seine Art über Arsène Lupin triumphieren. Aus einem gebrochenen Helden, der er die ganze Zeit über ist, wird tatsächlich wieder eine Art Held, wie ihn die Leser Doyles kennen und lieben. Arsène Lupin hingegen ist der Gentleman als den man ihn kennt und obwohl er altbekannt charakterisiert wird und klar der Held ist, kann auch seine Figur am Ende etwas überraschen.
Der Comic ist zwar stark auf die Rivalität von Arsène Lupin und Sherlock Holmes konzentriert, vergisst jedoch nicht, einen wirklich spannenden Krimi zu erzählen, der den beiden Genies würdig ist. Das Rätsel um Gold und Alchemie ist gut konstruiert und tatsächlich auch für den Leser lösbar, wenn er auf alle Kleinigkeiten und Informationen achtet.
Die Zeichnungen von Janolle sind zwischen Funny und Realismus. Gebäude, Hintergründe und Landschaften sind eher realistisch gehalten und ihre Vorlagen sind klar zu erkennen, wovon man sich im sehr guten Bonusmaterial überzeugen kann. Dafür sind die Charaktere ein kleinwenig überzeichnet, werden aber nicht lächerlich gemacht. Herauskommen ausdrucksstarke Gesichter, die die Emotionen, die in ihnen vorherrschen, hervorragend herüberbringen.
Das Bonusmaterial ist zwar nicht massiv, aber dennoch umfangreich und vor allem informativ. Im Prinzip stellt es ein kleines Making-of dar, bei dem sogar eine Reiseempfehlung enthalten ist.
Fazit
Arsène Lupin gegen Sherlock Holmes ist ein gut geschriebener und inszenierter Krimi, der mehr als einmal überraschen kann und dennoch die Möglichkeit bietet, ihn selbst zu lösen. Wer Fan des Gentlemangauners oder des Meisterdetektivs ist, sollte auf jeden Fall diesen Fall lesen.
Pro & Contra
+ überraschend und spannend
+ gelungenes Ende
+ gute Zeichnungen
+ Bonusmaterial
Bewertung: ![]()
Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/ Leistung: 4,5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln über Arsène Lupin:
