
Verlag: Splitter; (November 2024)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-98721-403-5
Genre: Tierfantasy
Klappentext
Der Löwe brüllt …
und die Savanne schweigt.
Rezension
Der König ist tot, es lebe der König! Sein Sohn sitzt nun auf dem Thron und die Herrschaft des jungen Löwen scheint unter einem sehr schlechten Stern zu stehen. Kaum gekrönt, wird ein Anschlag auf ihn verübt, der von dem Tiger der Sümpfe in Auftrag gegeben wurde und dann kann auch noch sein Bruder gemeinsam mit der Hauptmannin, die den alten König vermeidlich ermordete, aus den Verliesen fliehen. Das ist alles andere als ein guter Start in die Herrschaft des jungen Herrschers. Doch zur Überraschung aller, nicht zuletzt seiner Mutter, scheint in dem trägen Löwen mehr zu stecken, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Vor allem an Grausamkeit und politischen Geschick mangelt es ihm nicht.
Der Auftakt des zweiten Bandes von Das Reich ohne Namen aus der Feder von Herik Hanna und Redec überrascht sofort auf den ersten Seiten und macht bereits klar, dass hier niemand wirklich der ist, der er zu sein scheint. Denn während im ersten Band der junge König noch als Prinz zögerlich und verweichlicht wirkte, zeigt sich hier gleich zu Beginn, dass er vielleicht der gefährlichste Charakter der ganzen Erzählung sein könnte. Seine Brutalität überrascht und dabei lässt er es nicht bewenden. Der neue König geht sogar noch weiter und damit beginnt die Tragödie von shakespearschen Ausmaßen jetzt erst so richtig, an deren Ende der junge König vermutlich endgültig den Abstieg in den Wahnsinn vollzogen hat. Vermutlich, da die Schlussszene etwas anderes andeuten könnte.
Denn wie in den Stücken des Barden, sind auch hier die Figuren getrieben und gieren größtenteils nach Macht. Keiner kann sich seiner Verbündeten sicher sein.
Die Handlung schreitet dabei mit großen Schritten voran und es gibt eine Überraschung nach der anderen, ohne dass diese zum Selbstzweck verkommen, sondern sie entstehen aus der Situation in der sich das Reich befindet und aus den Charakteren.
Doch die Dialoge sind es, die Das Reich ohne Namen so gut machen und gleichzeitig ein Stück weit an Shakespeare erinnern. Mit Wortwitz, unterschwelligen und offenen Drohungen und Andeutungen sind sie einfach großartig geschrieben. Herik Hanna schafft es, dass die Dialoge spannender sind als die vorkommenden Kämpfe. So gibt es zwar viele Kämpfe, aber eben auf einer anderen Ebene als erwartet. Das macht Das Reich ohne Namen zu einem Lesegenuss und tatsächlich könnte man sich diesen Comic gut auf den Bühnen der Welt vorstellen. Fast kammerspielartig vollzieht sich hier die Handlung und gibt doch das Gefühl von Größe. Wer eine zweite großartige Serie neben Die 5 Reiche sucht, wird hier fündig. Denn Das Reich ohne Namen zeigt, was allein durch geschliffene Dialoge an Spannung erreicht werden kann.
Der Inhalt kann aber noch so gut sein, wenn die Zeichnungen enttäuschen nützt das im Fall eines Comics alles nichts. Doch auch hier zeigt Das Reich ohne Namen seine Stärken und glänzt. Redec hat zwar einen fast niedlichen Stil, der an einen Zeichentrickfilm Disneys erinnert, gewählt, aber dies ist ein so starker Kontrast, dass die Wirkung der Gewalt nur verstärkt wird. Zudem sind seine Figuren ausnahmslos sehr ausdrucksstark, so dass ein Blick von ihnen mehr transportiert als tausend Worte, und das ist gerade bei dieser Geschichte so wichtig. Seine Bildkomposition und seine Panelanordnung sind perfekt und gerade in den Szenen mit dem jungen König bauen sie eine fast unerträgliche Spannung auf. In diesen Szenen mit seinen Hof sind das Misstrauen und die unterschwelligen Drohungen nahezu durch die Zeichnungen spürbar. Und mit dem Cover setzt Redec bereits den Ton perfekt für das Kommende.
Fazit
Herik Hanna und Redec liefern mit dem Koloristen Lou einen zweiten Band, der sich gewaschen hat. Voller, Spannung, Intrigen und unerwarteter Wendungen entfaltet sich vor den Augen des Lesers eine große Tragödie. Das Reich ohne Namen ist eine grandiose Fantasyerzählung, die alles mitbringt, was man sich nur wünschen kann. Intrigen und politische Ränkespiele gibt es en masse.
Pro & Contra
+ großartige Dialoge
+ viele Wendungen
+ Zeichnungen
+ extrem gut herausgearbeitete Charaktere
+ Cover
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Das Reich ohne Namen:
Rezension zu Das Reich ohne Namen Bd.1
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Herik Hanna:
Rezension zu 7 Detektive: Miss Crumble
Rezension zu 7 Detektive: Richard Monroe
Rezension zu 7 Detektive: Ernest Patisson
Rezension zu 7 Detektive: Martin Bec
Rezension zu 7 Detektive: Frederick Abstraight
Rezension zu 7 Detektive: John Eaton
Rezension zu 7 Detektive: Nathan Else
