V wie Vendetta (Alan Morre, David Lloyd)

v wie vendetta

Verlag: Panini; (Oktober 2025)
Softcover: 288 Seiten; 29 €
ISBN-13: 9783741646010

Genre: Dystopie


Klappentext

Ein Meilenstein der Comic-Kunst

Ein paar Jahre nach einem verheerenden Krieg ist ein totalitäres Regime in England an der Macht. Jede politische und persönliche Freiheit ist ausgelöscht, Vertrauen und Hoffnung sind nur noch blasse Erinnerung. In dieser düsteren Zeit taucht ein Mann mit einer weißen Maske auf, der sich den Unterdrückern widersetzt. Mit Anschlägen aus dem Untergrund streut er Sand ins Getriebe des faschistischen Systems und ist der Funke, der eine Revolution entfachen könnte …

V wie Vendetta ist eine bahnbrechende Geschichte über Unterdrückung, den Verlust von Freiheit und Individualität – und die erlösende Kraft des Widerstands. Die Graphic Novel gilt als eines der herausragendsten Werke des Mediums Comic und ist ein Meilenstein im Schaffen von Alan Moore und David Lloyd.


Rezension

Die Welt nach einem weiteren Krieg. Für die Menschen Großbritanniens existiert nur noch ihr eigenes Land, alle anderen scheinen zerstört. In England selbst herrscht deswegen aber noch lange nicht Gerechtigkeit, auch können die Menschen kein Leben in Normalität führen. Denn seit einigen Jahren herrscht in England ein totalitäres, faschistisches Regime, das praktisch jeden Aspekt des Lebens überwacht.
Doch dann taucht ein geheimnisvoller Mann mit einer Guy Fawkes-Maske auf. Er tötet Regierungsbeamte und wichtige Führungspersonen. Zusätzlich bietet er der jungen Evey einen Ort, an dem sie vor allem geschützt ist, die sogenannte Schattengalerie. Von dort aus plant er seine Aktionen, wie die Sprengung des Parlamentsgebäudes. V versucht die Führung Englands zu erschüttern und ist dafür bereit alles zu geben. Aber zunächst scheint er unbesiegbar für den Staat, obwohl dieser auf eine totale Überwachung zurückgreifen kann.

Alan Moores und David Lloyds V wie Vendetta gilt als Klassiker und Meilenstein für das Medium Comic. Diesen Umstand wird wohl keiner bestreiten, dafür hat dieses Werk über Faschismus, Autoritarismus und den Kampf gegen sogenannte Führer immer noch eine viel zu große Relevanz. Und diese Relevanz wird V wie Vendetta auch weiterhin leider besitzen.
Denn Alan Moore und David Lloyd warfen damals Anfang der 80er Jahre mit einem Blick zurück, aus dem sie ihre Lehren zogen, einen Blick in eine mögliche Zukunft die dystopischer nicht sein konnte. Den Eindruck, den ihre Vision damals hinterlassen hat, dürfte enorm gewesen sein, schließlich erschien der Comic zur Zeit des kalten Krieges. Zwischendurch mag V wie Vendetta etwas an seiner Bedeutung verloren haben, aber mittlerweile, in einer Gegenwart, in der Autokraten auf dem Vormarsch sind und Russland und die USA Präsidenten haben, deren Führungsstil nicht mehr anders als autokratisch beschrieben werden kann, ist V wie Vendetta plötzlich wieder vielleicht einer der wichtigsten Comics überhaupt.
Denn in ihm beschäftigen sich Alan Moore und David Lloyd eben mit totalitären Regimen und viel wichtiger, wie sie gestürzt werden können oder zumindest Widerstand geleistet werden kann. Dies setzt Alan Moore zudem noch in Zusammenhang mit dem Konflikt Faschismus und Anarchismus. Dieser Konflikt ist bestimmend für V wie Vendetta. Zusätzlich verhandelt er die Idee des Anarchismus in der Beziehung zwischen V und Evey noch etwas genauer. V wie Vendetta ist also ein durch und durch politischer Comic mit einer eindeutigen Botschaft, die immer noch gehört werden muss.

Der Comic ist also unbestritten ein Meisterwerk. Allerdings heißt das nicht, dass er frei von Kritik ist. Inhaltlich gibt es nichts an ihm zu rütteln. Aber wie Alan Moore ihn gestaltet hat, daran kann schon Kritik geübt werden. V wie Vendetta beginnt unglaublich spannend, da zunächst die große Frage im Zentrum steht, wer V ist und wieso er die Menschen tötet, die er tötet, denn wie sie miteinander zusammenhängen, ist am Anfang nicht abzusehen. Alan Moore erzählt hier einen sehr spannenden Krimi/ Thriller. Nach der Auflösung allerdings, ist V wie Vendetta zwar noch gut, aber auch unglaublich geschwätzig. Als Leser bekommt man das Gefühl, Alan Moore möchte unbedingt zeigen, wie gebildet und belesen er ist, statt seine Geschichte fokussiert weiterzuerzählen. Das nimmt die Spannung wieder etwas raus und wird mit wachsender Seitenzahl relativ langatmig. Nicht missverstehen, V wie Vendetta bleibt unbestritten gut und auch die Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet, selbst das große Mysterium V selbst, aber es ist eben dann doch ermüdend, wenn Alan Moore seine Dialoge immer mit möglichst gehobener Sprache schreibt, die teilweise recht geschwollen klingt und wohl wirklich nur beweisen soll, wie viel er doch weiß und wie belesen er ist. Vieles hätte deutlich kompakter und damit auch interessanter geschrieben werden können. Und das wäre eigentlich wichtig. Denn um wirklich von Bedeutung zu sein, müsste sich V wie Vendetta vor allem an jene wenden, die der Idee eines „starken“ Führers anhängen. Die dürften aber durch die Sprache abgeschreckt werden und das ist ein Jammer, wäre doch dieser Comic ein idealer erster Schritt in eine Diskussion.

Die Zeichnungen von David Lloyd sind klar den achtziger Jahren zuzuordnen. Was sie keineswegs schlecht macht. Im Gegenteil, jedes Bild ist ausdrucksstark und transportiert eindringlich die Botschaften und Themen des Comics. Das ist große Comic-Kunst und wird dadurch immer zeitlos sein. Ein Umstand, der das Beste ist, was V wie Vendetta passieren konnte.

Es gibt eine Menge Zusatzmaterial. Unter anderem zwei Kurzgeschichten und einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung des Comics mit Alan Moore, der genauso wie David Lloyd auch noch ein Vorwort verfasst hat.


Fazit

V wie Vendetta ist ein zeitloser Klassiker und eine Mahnung an die Menschen. Alan Moores und David Lloyds Auseinandersetzung mit dem Faschismus und autoritären Politikern wird wohl leider nie an Bedeutung verlieren.


Pro & Contra

+ wichtige Themen
+ zeitloser Klassiker
+ leider immer noch von Bedeutung

- etwas geschwätzig

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 5/5