Daredevil – Die Kunst des Teufels (Erica Schultz, Valentina Pinti, Sergio Davila, José Luis Soares)

daredevil kunst des teufels

Verlag: Panini; (Dezember 2025)
Softcover: 120 Seiten; 16 €
ISBN-13: 9783741645037

Genre: Superhelden


Klappentext

Mord für die Kunst

Ex-Killerin Elektra ist die Frau ohne Furcht! Sie vertritt Matt Murdock als Daredevil im New Yorker Stadtteil Hell´s Kitchen und gerät in Teufels Küche. Die Schauplätze entsetzlicher Verbrechen legen nahe, dass der Täter eine makabre Faszination für Daredevil hegt, und es scheint nur eine so schreckliche wie unmögliche Erklärung zu geben: Ein alter Feind Daredevils, ein Serienmörder, der sich als Künstler sieht, ist zurückgekehrt … aus der Hölle?

Erica Schultz (Blood Hunters) erzählt einen Thriller für Leser mit starken Nerven, in dem Zeichnerin Valentina Pinti (Blade) nicht mit Blut und Gewalt geizt.


Rezension

Elektra ist Daredevil, da Matt Murdock im Knast sitzt. Sie nimmt ihre Aufgabe sehr ernst und ebenso ihr Versprechen, niemanden als Daredevil zu töten – auch wenn ihr das schwerfällt. Detective Cole North ruft sie eines Tages zu einem Tatort und was Daredevil dort findet, ist das Grauen pur. Muse, der Serienkiller, der sich für einen Künstler hält und seine Opfer für seine „Kunstwerke“ arrangiert, scheint zurück. Das kann eigentlich nicht sein, denn Muse ist tot. Elektra verfolgt eine Spur, die sie jedoch zu Muse und seine Nachfolgerin führt und ihr Kampf zieht sich bis in die Hölle, wo Ghost Rider auch noch ein Wörtchen mitzureden hat.

Zum ersten Mal tauchte der von Charles Soule geschaffene Muse in einem der härtesten und tatsächlich auch besten Daredevilcomics 2016 auf. Panini brachte den Sammelband, in dem Muse der Gegner Daredevils war, unter dem Namen So finster die Nacht 2018 heraus und auch in der Daredevil Collection von Charles Soule ist er enthalten. Wer die Geschichte noch nicht kennt, kann und sollte sie nachholen. Zwar ist sie nicht unbedingt für das Verständnis von Die Kunst des Teufels notwendig, aber das Hintergrundwissen, macht die Handlung noch besser.
Bei Erica Schulz stellt sich jedoch nicht Matt Murdock Muse, sondern Elektra. Aber auch für sie sind die großen Themen Schuld und Sühne wichtig, war sie doch einst eine Auftragskillerin, weswegen sie auch immer eine Antiheldin bleiben wird. Sie besitzt eben auch eine dunkle Seite. Und um genau die geht es in Die Kunst des Teufels. Sie muss lernen ihre dunkle Seite zu besiegen, ehe sie hoffen kann, Muse zu besiegen bzw. endgültig zu töten. Dies verpackt Erica Schulz in eine temporeiche Handlung, die Elektra bis in die Hölle führt. Und das ist dann auch der Schwachpunkt von Die Kunst des Teufels, dieser Ausflug schwächt die aufgebaute Atmosphäre eines Serienkillerthrillers, die bei Muses ersten Auftritt und auch hier im ersten Teil noch herrscht, doch deutlich ab. Ab dem Moment in der Hölle, gerät der Comic dann hauptsächlich nur noch zu einer großen Actionszene, in der es aber immerhin ein paar ruhige Momente gibt. Und Erica Schulz ist auch eine ausreichend gute Autorin, ihre Themen und Anliegen herüberzubringen. Nur bleibt das Gefühl, dass der Comic nochmal so gut sein könnte, wenn es diesen Abstecher in die Hölle nicht gegeben hätte. Für die Auflösung hätte noch nicht einmal viel geändert werden müssen, um zum gleichen Ergebnisse zu kommen, allerdings wäre Die Kunst des Teufels ein harter Serienkillerthriller geblieben, anstatt in einen gewöhnlichen Superheldencomic zu kippen, der zugegeben gut, aber noch besser hätte sein können.
Ansonsten liest sich Elektras Trip in die Hölle sehr gut und alleine wegen Ghost Riders Auftritt lohnt sich das Ganze bereits, kommt dieser doch viel zu selten in einer entscheidenden und ernst zu nehmenden Rolle vor. So klappt man den Comic zwiegespalten zu. Einerseits sind die Charakterisierung der Figuren und der Anfang richtig gut, andererseits ist dann da eben das Ende in der Hölle, das etwas zu aufgesetzt wirkt, nur um das Versprechen nach Splatter einzulösen, was auch anders gegangen wäre.

Graphisch wird typische Marvel-Superheldenkost serviert. Valentina Pinti, Sergio Davila und José Luis Soares sind mit Sicherheit keine schlechten Zeichner, aber was sie hier abliefern, ist fast biedere Standardkost. Zu keinem Zeitpunkt nutzen sie die Möglichkeiten, die ihnen die Handlung bietet. Es beginnt damit, dass der Comic zu hell ist und endet damit, dass er in seiner Wirkung nicht brutal genug ist. Sicher es gibt Splatterszenen, aber diese lassen einen seltsam kalt, weil sie nicht wirklich mit der Handlung verknüpft sind, sondern teilweise einfach vorhanden sind, um das Label Splatter-Ausgabe zu rechtfertigen. Dabei hätte dies graphisch so viel mehr sein können. Allein die Präsentation des Mordopfers und der Blick auf Muses Kunst hätte da deutlich bessere und gruseligere Möglichkeiten in Gestaltung und Inszenierung geboten.
Ron Garney und Goran Sudzuka haben bei Muses erstem Auftritt gezeigt, wie es geht. Sie erzeugten Stimmungen und Atmosphäre und lieferten das perfekte Design für Muse. Ihre Nachfolger verstehen sich nicht so ganz darauf, wobei auch gesagt werden muss, dass zumindest Ghost Rider und Elektra wirklich gelungen sind,. Das nützt jedoch nichts, wenn die Atmosphäre fehlt. Was ein düsterer, finsterer Thriller sein sollte, ist am Ende optisch nur typisches Superheldengeraufe.


Fazit

Elektra als Daredevil ist interessant und Muse sowieso einer der faszinierendsten Gegner Daredevils. Die Kunst des Teufels ist ein guter Comic, keine Frage, aber er hätte noch viel besser sein können, wenn Valentina Pinti und ihre Mitstreiter ihn anders gestaltet hätten.


Pro & Contra

+ starker Anfang
+ Elektra als Daredevil
+ Muse

- Zeichnungen sind zwar gut, aber enttäuschend

Bewertung: sterne3.5

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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