
Verlag: Coppenrath; (Oktober 2025)
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten; 32 €
ISBN-13: 978-3-649-65167-3
Genre: Abenteuer
Klappentext
Ein sagenumwobener Schatz,
ein gefährliches Abenteuer
und ein erbarmungsloser Kampf
ums Überleben …
Als der junge Gastwirtssohn Jim Hawkins in den Besitz einer alten, geheimnisvollen Schatzkarte gelangt, ahnt er noch nicht, dass er den Schlüssel zum größten Abenteuer seines Lebens in den Händen hält.
Gemeinsam mit dem tapferen Dr. Livesey und dem Gutsherrn Trelawney bricht er auf, um den legendären Schatz des berüchtigten Piratenkapitäns Flint zu finden. Doch schon bald muss Jim feststellen, dass an Bord der Hispaniola nicht alles so ist, wie es scheint, und in den Schatten des Schiffsmasten dunkle Geheimnisse und Intrigen lauern … Während die Grenzen zwischen Freundschaft und Verrat immer weiter verschwimmen, entbrennt auf der sagenumwobenen Schatzinsel ein gnadenloser Kampf auf Leben und Tod.
Rezension
Im 18. Jahrhundert quartiert sich der alte und grimmige Seemann Billy Bones in dem an der Küste gelegenen Gasthaus Admiral Benbow ein. Er ist ein seltsamer Zeitgenosse, der den Sohn des Gastwirtes, Jim Hawkins, damit beauftragt, für ihn nach einem einbeinigen Seemann Ausschau zu halten. Dieser erscheint nie, dafür aber ein Blinder, der Bones in helle Aufregung versetzt, indem er ihm einen Zettel mit einem schwarzen Fleck überreicht. Dies führt bei Billy Bones zu einem Schlaganfall und plötzlich müssen sich Jim Hawkins und seine Mutter gegen eine Gruppe Piraten wehren, die die ehemalige Mannschaft Billy Bones sind und seine Truhe in ihre Hände bringen wollen. In ihr befindet sich eine Karte, die zum Schatz des berüchtigten Piraten Flint führt. Glücklicherweise erhalten Jim und seine Mutter Unterstützung von den Männern des Gutsherrn Trelawney und schon bald brechen Jim, Doktor Livesey und Squire Trelawney mit der Hispaniola zur Schatzsuche auf. Das Schiff wird von Kapitän Smollett geführt, und ohne dass sie es ahnen haben sich unter die Besatzung auch ehemalige Angehörige von Flints Mannschaft gemischt. Unter ihnen der Schiffskoch Long John Silver, der Jim Hawkins unter seine Fittiche nimmt.
Wenn es einen Roman gibt, der das Piratengenre auf viele verschiedene Arten und Weisen beeinflusst hat, dann Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel. 1883 erschienen, gilt sie heute als Klassiker der Weltliteratur und wird immer wieder von Filmschaffenden, Künstlern und Autoren aufgegriffen. Gleichzeitig ist Die Schatzinsel der Roman, der wohl am meisten mit Robert Louis Stevensons Namen verbunden ist, obwohl er auch ansonsten durchaus bekannte Werke schrieb. Unter anderem mitDr. Jekyll und Mr. Hyde eine Geschichte, die nicht wenigereinflussreich gewesen ist. Dennoch dürften deutlich weniger wissen, dass Die Schatzinsel und diese Horrorgeschichte aus ein und derselben Feder stammen. Dies dürfte auch an der Leserschaft, an die sich Die Schatzinsel richtet, liegen. Sie ist aus heutiger Sicht eben „nur“ ein Jugendroman, was sie für Robert Louis Stevenson nie war, und hat damit mehr potentielle Leser als ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde.
Die Figuren von Die Schatzinsel sind wohlbekannt und immer wieder beschäftigen sich Autoren mit einem ganz bestimmten Charakter: Long John Silver. Ihm wurden Romane gewidmet und in den letzten Jahren noch dazu mit Black Sails zusammen mit Kapitän Flint eine eigene TV-Serie. Der kulturelle Einfluss von Stevensons Roman ist also nicht zu unterschätzen.
Bei Klassikern stellt sich nun immer die Frage, ob es sich abgesehen von ihrer Bedeutung, tatsächlich lohnt, sie zu lesen. Zumindest in dem Sinne, dass sie auch heutige Leser noch fesseln können, was sie tatsächlich meistens können.
Im Falle der Schatzinsel ist das leicht zu bejahen. Stevenson hat hier die Blaupause für jeden heutigen Abenteuerroman verfasst und ist auch für heutige Vertreter des Genres schwer zu übertreffen. Gründe dafür sind sicherlich die dichte Atmosphäre, die kurzen, spannungsgeladenen Kapitel, die häufig an einer spannenden oder wendungsreichen Stelle enden und eben die Schatzsuche, die zu einem Kampf ums Überleben führt.
Vor allem sind es jedoch die hervorragend beschriebenen und herausgearbeiteten Charaktere. Selbst Nebencharaktere werden von Robert Louis Stevenson mit Eigenheiten versehen. Einen Israel Hands, Ben Gunn oder auch Morgan und Kapitän Smollett wird man schwer vergessen.
Und dann sind dann noch Jim Hawkins und Long John Silver. Der eine, ein naiver, übermütiger Junge und der andere, der vielleicht ambivalenteste Charakter, der je auf einem Schiff angeheuert hat. Ständig schwankt man zischen Sympathie für Silver und Ablehnung. Der alte Seebär ist jemand, der genau weiß, wie er Menschen beeinflussen kann und wann es schlau ist, die Seiten zu wechseln. Es ist wirklich keine Überraschung, dass er die Phantasie so vieler beflügelt hat und immer wieder auftaucht. Auch wenn Jim Hawkins der Erzähler ist, ist Silver doch der Grund, weswegen der Roman so gut ist. Sein ständiges Wechseln zwischen Freund und Feind, seine Grausamkeit und seine Güte, zeigen einen faszinierenden Charakter, den zurückzulassen mit dem Zuschlagen des Buches einfach schwerfällt. Robert Louis Stevenson hat mit ihm einen Piraten geschaffen, der immer noch nachhallt und der die Vorlage für andere fiktive Freibeuter bildet. Das prominenteste Beispiel dürfte Jack Sparrow sein, dessen ständiger Seitenwechsel zu seinem Markenzeichen geworden ist. Beide sind mit allen Wassern gewaschen, nur ist dann Silver noch etwas bedrohlicher und deswegen interessanter als Captain Jack Sparrow.
Die Schmuckausgaben von Coppenrath sind immer ein Blickfang und da bildet Die Schatzinsel selbstverständlich keine Ausnahme. Kai Würbs hat sie komplett illustriert und auch einen großen Teil der Beigaben gestaltet. Sein etwas rauher, kantiger Stil passt sehr gut zur Geschichte und er arbeitet, gerade bei Long John Silver, die Charaktere sehr schön heraus. Die Beigaben sehen dabei nicht nur gut aus, sondern sie sind richtig interessant, informativ und erhöhen das Lesevergnügen. Unter anderem gibt es den Piratenkodex von Bartholomew Roberts zu lesen und Beiträge zu Mythen und Ritualen der See, zur Piratenkleidung, zum Jolly Roger, dessen Symbole erklärt werden, und natürlich die Karte der Schatzinsel selbst. Mehr kann hier nicht verlangt werden.
Um diese Schmuckausgabe abzurunden, kommt noch einmal der Autor selbst zu Wort. Er beschreibt kurz die Entstehung des Romans. Gleiches tun seine Frau Fanny und sein Stiefsohn Lloyd Osbourne. Und damit nicht genug, ordnet Andreas Nohl den Roman literarisch in einem Nachwort ein.
Fazit
Die Schatzinsel hat ohne Frage ihren Status als Klassiker verdient. Spannend und dicht erzählt Robert Louis Stevenson hier ein rasantes Abenteuer über einen mit aller Härte geführten Überlebenskampf auf einer abgelegenen Insel, das nichts an Atmosphäre und Spannung eingebüßt hat. Die Schatzinsel wirkt immer noch genauso frisch und faszinierend wie zum Zeitpunkt, als die Hispaniola zuerst ihre Segel setzte. Die Schmuckausgabe ist nicht nur schön anzusehen, sondern liefert mit den Beigaben dazu noch zusätzliche Informationen, die zum Erlebnis beitragen.
Pro & Contra
+ durchdachte Beilagen
+ spannendes und rasantes Abenteuer
+ Long John Silver
Bewertung: ![]()
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung/ Design: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Schmuckausgaben von Klassikern:
Rezension zu Frankenstein
Rezension zu 20.000 Meilen unter den Meeren
Rezension zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Rezension zu Der Doppelmord in der Rue Morgue
