
Verlag: Dantes; (Januar 2026)
Softcover: 216 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3-68902-019-4
Genre: Samurai/ Abenteuer
Klappentext
In diesem Band findet sich Miyamoto Usagi in einem Dorf namens Jigoku (jap. Hölle) zwischen den Fronten eines Bandenkrieges wieder. Mit der Hilfe des erstklassigen Schwertkämpfers Kato kümmert sich Usagi um einen der beiden Gangsterbosse – wodurch der andere sich ermutigt fühlt, nur umso mehr Ärger zu machen. Bevor Usagi und Kato eine Lösung für das Höllen-Problem finden können, begegnet der langohrige Samurai noch einem kopflosen Dämonen, einem loyalen Dienstmann, der ein Schwert wiederbeschaffen soll, und einem Jungen, der mehr Süßigkeiten in sich hineinfuttert, als gut für ihn ist.
Mit einer – Verzeihung – geilen Einleitung von Geof „Hardboiled“ Darrow.
Im Jahr 2020 wurde Sakai für seine Arbeit an Usagi Yojimbo in die Will Eisner Award Hall of Fame aufgenommen.
Rezension
Es gab schon viele bemerkenswerte Vorworte in den Sammelbänden zu Usagi Yojimbo, doch kaum eins war so lustig und eloquent geschrieben wie das von Geof Darrow in Ein Ort namens Hölle, und dazu hat er es noch mit einer Zeichnung versehen, die Zato-Ino im Kampf zeigt. Danach geht es dann auch gleich los, mit Geschichten in denen der wandernde Samurai alleine seinen Weg verfolgt und immer wieder aufs Neue in Schwierigkeiten gerät.
Ein Ort namens Hölle
Miyamoto Usagi ist weiter auf Wanderschaft und nähert sich einer weiteren Ortschaft. Auf dem Weg dorthin begegnet er einem alten Paar, das ihn davor warnt nach Jigoku, wie der Ort heißt, zu gehen. Seit kurzer Zeit hat sich eine zweite Bande in Jigoku breitgemacht und deren Boss Komo ringt mit Boss Higa um die Vorherrschaft. Der ansässige Beamte hat sich bestechen lassen und greift nicht ein. Dennoch geht Usagi weiter und beschließt das Problem zu beseitigen. Er geht zunächst zu Boss Komo, um sich von ihm anheuern zu lassen und begegnet dort Kato, dem besten Schwertkämpfer der Bande. Schließlich landet Miyamoto Usagi bei Boss Higa. Und ab da arbeiten Kato und er zusammen, um das örtliche Problem zu lösen.
Ein Ort namens Hölle ist zunächst gar nicht so ungewöhnlich für eine Usagi Yojimbo-Geschichte. Konflikte mit Banden in Ortschaften gab es schon. Wie Stan Sakai jedoch die Handlung auflöst, ist dann entscheidend und lässt die Geschichte richtig gut werden. Dazu verströmt sie eine Atmosphäre wie aus einem Akira Kurosawa-Film. Das ist irgendwie passend, schließlich erinnert Ein Ort namens Hölle anfangs durchaus an dessen Klassiker Yojimbo, später als Für eine Handvoll Dollar als Western neuverfilmt. Und wer seine Martial Arts-Filmgeschichte kennt, dürfte mit dem Namen Kato etwas anfangen können.
Nukekubi
Nachdem er bei einer einsamen alten Dame übernachtet und aufgrund ihres Geredes keinen Schlaf gefunden hat, findet Miyamoto Usagi am nächsten Tag Unterschlupf bei einem Einsiedler. Aber auch in dieser Nacht schläft er wenig, denn der Einsiedler ist ein Nukekubi.
Was lustig beginnt und dann zu einer Horrorgeschichte wird, endet humorvoll. Stan Sakai Grinsen beim Zeichnen der Geschichte ist förmlich zu spüren. Nukekubi ist eine nette kleine Anekdote am Rande, die es wert ist, erzählt zu werden.
Das Schwert Narukamis
Der Samurai Inuyoshi ist seit einem Jahr auf der Suche nach dem Schwert Narukamis, einem alten Erbstück seines Clans. Es ging verloren als der Sohn des Fürsten Masaki, Yakichi, von Räubern entführt wurde und diese Geld und das Schwert verlangten. Jetzt hat Inuyoshi endlich den Anführer der Banditen gefunden und mit ihm das Schwert. Doch dieser erzählt nach einem harten Kampf zwischen Inuyoshi, Miyamoto Usagi und seinen Männern, eine etwas andere Geschichte.
Ein weitere kurze Geschichte ist Das Schwert Narukamis und auch sie ist auf ihre Art wirklich gut. Gerade die Gegenüberstellung von Miyamoto Usagi und Inuyoshi macht hier den Reiz aus. Auch wenn sie zusammenarbeiten, sind ihre Vorstellungen bezüglich des Vorgehens grundverschieden.
Teru Teru Bozu
Usagi übernachtet bei einer Köhlerfamilie und freundet sich mit deren Sohn Taro an. Sie fertigen einen Teru Teru Bozu, eine Puppe, die für gutes Wetter sorgen soll. Nach einem üppigen Mahl, das Miyamoto Usagi gespendet hat und Süßigkeiten, die er Taro geschenkt hat und die dieser sofort isst, erwartet Taro eine unruhige Nacht, in der auch ein Dämon eine Rolle spielt.
Teru Teru Bozu ist eine herzerwärmende Geschichte, die die sanfte Seite von Miyamto Usagi zeigt, auch wenn es zwischendurch anders wirken mag. Mit einem einzigen Panel schafft es Stan Sakai dann noch, dem Leser einen kleinen Schlag in die Magengrube zu verpassen.
Begegnung am Pass der Blutbäume
Seit Wochen sucht Kato Miyamoto Usagi, weil Boss Higa ihn gegen den Ronin aufgehetzt hat. Am Pass der Blutbäume kommt es zum Duell.
Bevor die Rückkehr nach Jigoku, übersetzt Hölle, ansteht, klären Usagi und Kato ihre Probleme. Dies geschieht überraschend und auf eine gewisse Weise typisch für Stan Sakai. Die Geschichte mag kurz sein, aber die Begegnung von Kato und Usagi am Pass der Blutbäume ist intensiv und spannend.
Hölle, zum Zweiten
Die beiden erneut miteinander Verbündeten Ronin kehren nach Jigoku zurück, um Boss Higa zur Rechenschaft zu ziehen. Der hat jedoch in der Zwischenzeit aufgerüstet und eine ganz Armee an Schwertkämpfern rekrutiert. Und dann kennt er noch den Schwachpunkt Katos, der ihm und Miyamoto Usagi beinahe zum Verhängnis wird.
Der erste Besuch Usagis in Jigoku erinnerte an Yojimbo, der zweite nun entfernt an Die Sieben Samurai. Beides Filme von Akira Kurosawa. Stan Sakai zeigt Miyamoto Usagi und Kato als unaufhaltsame Naturgewalten, wäre da nicht Katos Achillesferse. Dies macht ihn deutlich menschlicher und sympathischer und damit auch das Ende passend. Insgesamt gesehen sind Ein Ort namens Hölle und Hölle, zum Zweiten eine große, spannende, action- und emotionsreiche Erzählung, die wohl nur ein Stan Sakai so auf die Seiten bringen kann.
Fazit
Stan Sakai schickt Miyamoto Usagi in die Hölle und orientiert sich dabei an Akira Kurosawa und dem Italo-Western. Das ist wie immer sehr gut und wird durch kleinere Geschichte am Rande aufgelockert. Und zumindest bei einer Szene bleibt ein beklemmendes Gefühl für die Zukunft des Ronin zurück.
Pro & Contra
+ Andeutung auf kommende Ereignisse
+ Humor, der immer passend zur Geschichte ist
+ abwechslungsreich
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5
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