
Verlag: Egmont; (März 2026)
Gebundene Ausgabe/ Softcover: 64 Seiten; 17 € (9,99 €)
ISBN-13: 978-3-7704-1031-6
Genre: Western
Klappentext
Dakota, 1880. In Begleitung von Hank Bully und dem jungen Baldwin eskortiert Lucky Luke eine Postkutsche nach Kalifornien. Eine Reise vom Norden in den Westen der Vereinigten Staaten, erzählt in sieben Geschichten über ebenso viele Begegnungen. Befreite Sklaven, zwei Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen, ein visionärer Fotograf, Revolverhelden, Dichter und Ureinwohner kreuzen den Weg von Lucky Luke und seinen Begleitern.
Eine malerische Hommage an
den Lonesome Cowboy von zwei
französischen Comic-Legenden.
Rezension
1880, Dakota. Lucky Luke und Hank Bully arbeiten für eine Postkutschengesellschaft und sollen bis nach Kalifornien reisen. Doch der Weg ist lang und gefährlich. Unterwegs treffen sie auf den jungen Baldwin Chenier, den Luke bereits von früher kennt und der ihnen nicht mehr von der Seite weichen wird. Gemeinsam begegnen sie auf ihrem Weg, den unterschiedlichsten Menschen und Gefahren.
Vor zehn Jahren wurde Lucky Luke 70 Jahre alt und der erste Hommage-Band kam in die Läden. Dieser wurde von Matthieu Bonhomme geschrieben und gezeichnet und sorgte mit seinem realistischen Ansatz, in dem alles etwas dreckiger und düsterer war, für eines der besten Lucky Luke-Abenteuer. Aus der Parodie wurde bei Bonhomme ein waschechter Western.
Nun sind weitere zehn Jahre vergangen und mittlerweile erscheint zumindest in Deutschland der siebte Band der Hommagereihe. Im Herbst 2025 war er bereits in Frankreich veröffentlicht worden.
Und irgendwie scheint sich die Geschichte zu spiegeln. Denn auch Apollo und Brüno legen ihren Lucky Luke äußerst realistisch an. Ihr Lucky Luke dürfte der bisher härteste Comic über den einsamen Cowboy sein. So konsequent und in einem Fall so kalt, ist der Westernheld noch nicht aufgetreten. Zumindest nicht ohne abmildernden Humor, schließlich tötete Lucky Luke durchaus am Anfang seiner Karriere. Auch wenn dieser Aspekt recht schnell von Morris wieder fallen gelassen wurde.
Wer bei Dakota 1880 eine zusammenhängende und heroische Geschichte mit Humor sucht, wird den Comic direkt mit der ersten Seite bereits wieder zuschlagen. Denn die ersten Bilder, die zu sehen sind, machen sofort klar, dass hier etwas anderes auf den Leser wartet, etwas grimmigeres, etwas härteres als die bisherigen Geschichten. Und mit härter ist nicht gleich gewalttätiger gemeint, sondern vielmehr hat die Darstellung mehr emotionale Wucht und die Themen sind deutlich ernster.
Lucky Luke ist dabei zwar die Hauptfigur, aber nicht der Protagonist, denn der ist Baldwin Chenier, der seine Erlebnisse mit Lucky Luke schildert und aus dessen Sicht die Geschichten erzählt werden.
Theoretisch könnte man jetzt sagen, dass es für diesen Comic eigentlich nicht notwendig gewesen wäre, Lucky Luke dabeizuhaben. Und oberflächlich betrachtet ist das richtig, nur ist es dann doch nicht so einfach. Denn Apollo und Brüno erzählen vom Mythos des Westens, von den Menschen, die damals lebten und ihren Platz erkämpfen mussten, wie Baldwin und seine Großmutter als ehemalige Sklaven oder Annie Oakley, die eine bekannte Kunstschützin war und tatsächlich eine historische Persönlichkeit ist. Und Apollo fügt diesen Figuren mit Lucky Luke eine ebenso legendäre, mythische Figur hinzu. Und so fügt er sich dann auch sehr gut ein und es wird klar, warum dieser Band dann eben doch einen Lucky Luke brauchte. Er ist das Bindeglied zwischen dem Mythos und der Geschichte und genau diese Funktion nimmt er hier hauptsächlich ein.
Die sieben Kurzgeschichten und der Epilog sind alle durch die Bank richtig gut geschrieben. Mal geht es um die Begegnung mit zwei verfeindeten Freunden, mal um ein Mädchen, das von Luke lernen möchte und dann tritt Lucky Luke als Rächer und Gesetzeshüter auf, oder aber auch nur als seelischer Beistand. All diese Rollen und ähnliche kleine Abenteuer gab es in irgendeiner Weise bereits mal in den regulären Alben, jedoch nie mit einer solchen Konsequenz.
Empfehlenswert sind alle Geschichten, erwähnt müssen auf jeden Fall dann aber doch Vierzig Morgen und ein Muli und Feuersbrunst, wobei auch Dauerregen sehr stark ist.
Vierzig Morgen und ein Muli zeigt, wie es für die ehemaligen Sklaven des Südens weiterging und das eben nicht alles in Ordnung war und mit Feuersbrunst tritt ein Lucky Luke auf den Plan, der jedem das Fürchten lehren könnte, so gnadenlos ging er nie zuvor vor, und doch passt es zu ihm, der immer an Recht und Gerechtigkeit glaubt.
Am Ende erlaubt sich Apollo noch einen Spaß mit dem Leser, indem er so tut, als hätte es Baldwin Chenier wirklich gegeben und hätte wirklich über einen Mann namens Lucky Luke berichtet. Das ist so gut gemacht, dass man ohne eigene Recherche es glatt glauben möchte. Jedoch ist der sogenannte Literaturprofessor, der zu Baldwin Chenier interviewt wird, auch nur eine Figur aus einem Lucky Luke-Comic. Das kann so manchen vielleicht verärgern, jedoch passt es zur ganzen Idee des Comics, Lucky Luke selbst als Legende des Westens darzustellen. Apollo selbst liefert dafür das passende Zitat aus Der Mann der Liberty Valance erschoss: „Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druck die Legende.“.
Brünos Zeichnungen sind kantig, einfach und doch unglaublich gut. Er versteht sich auf den Umgang mit Licht und Schatten und bringt diesen in einigen Szenen zur Perfektion. Prolog und Epilog sind hierfür bereits die besten Beispiele. Seine Gesichter mögen einfach ausschauen, bringen jedoch die Emotionen der Charaktere zur Geltung, erfassen sie in jedem Moment und seine Landschaften sind teilweise atemberaubend. Gerade der Beginn mit der verschneiten Natur Dakotas ist hier zu nennen. Noch beeindruckender ist der Auftritt Lucky Lukes in Feuersbrunst. Hier erinnert er eher an einen Racheengel, als an einen typischen Westernhelden. Im Gegensatz dazu steht dann Dauerregen, in dem die Wassermassen fast schon spürbar sind und Lucky Luke von einer verletzlichen Seite gezeigt wird, die den in anderen Comics fast identitätslosen Helden einen tieferen Charakter als sonst gibt. Gemeinsam mit der Kolorierung von Laurence Croix hat Brüno mit seinen Zeichnungen ein dreckige und harte Atmosphäre geschaffen, die als Rahmen für Apollos Geschichten dient.
Fazit
Apollo und Brüno werfen in Dakota 1880 einen Blick auf Lucky Luke bevor er zur Legende wurde. Dieser Blick fällt hart und düster aus und betrachtet Morris´ Schöpfung vollkommen neu. Das ist nicht nur gut geschrieben, sondern auch von Brüno unglaublich gut inszeniert. Seine Bilder lassen keinen Zweifel daran, wie hart das Leben im Wilden Westen war. Mit Sicherheit ist Dakota 1880 einer der besten Lucky Luke-Comics.
Pro & Contra
+ viele Verweise auf alte Abenteuer, die aber nicht dominieren
+ breite Themenpalette der Geschichten
+ hart und düster und doch unverkennbar Lucky Luke
+ sehr gute Zeichnungen
Bewertung: ![]()
Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln mit Lucky Luke:
Rezension zu Lucky Luke Bd.88 … gegen Pinkerton
Rezension zu Lucky Luke Bd.102 – Letzte Runde für die Daltons
Rezension zu Der Mann, der Lucky Luke erschoss
