
Verlag: Cross Cult; (September 2025)
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten; 60 €
ISBN-13: 978-3-96658-588-0
Genre: Horror/ Mystery/ Drama
Klappentext
Der vierzehnte Band von Mignolas HELLBOY-UNIVERSUM nimmt euch mit auf eine Reise durch die Welt der okkulten Abenteuer. Gleich vier Geschichten bringen Spannung und Action in diesem übergroßen Sammelband.
Witchfinder – Die Herrschaft der Finsternis: Sir Edward Grey nimmt es mit dem berüchtigtsten Mörder des viktorianischen Londons auf: Jack the Ripper! Als er von Scotland Yard im Stich gelassen wird, weil er einen okkulten Hintergrund für die Morde vermutet, findet Grey in der amerikanischen Okkultismus-Abenteurerin Sarah Jewell eine Verbündete. Ihre Ermittlungen führen sie auf die Spuren einer gefährlichen Verschwörung, die bis in die höchsten Ebenen der britischen Politik reicht!
Das Haus der verlorenen Horizonte: Die paranormale Detektivin Sarah Jewell und ihre Mitarbeiterin Marie Thérèse stehen vor einem Rätsel, als ein Wochenendausflug auf einer Privatinsel vor der Küste Washingtons schiefgeht. Das unerschrockene Duo wird von einem Sturm überrascht und ist von unzähligen Verdächtigen umgeben, die sich für eine Auktion okkulter Gegenstände versammelt haben. Sie müssen die übernatürlichen Geheimnisse um die Gäste lüften, um den Mörder zu finden!
Das hyperboreanische Schwert: Vom uralten Krieger Gall Dennar, über Sir Edward Grey bis hin zu Agent Howards von der B.U.A.P.. Sie alle führten das hyperboreanische Schwert. Und das war kein Zufall. Der Weg des Schwertes führte durch Abenteuer, die es bis nach Ragnarok am Ende der Welt brachten.
Das Schloss der Amseln: Sara May Blackburn war schon immer ein wunderliches Mädchen. Ihr ganzes Leben lang von mysteriösen Kräften geplagt, macht sich Sara auf den Weg zur Linton Schule für Mädchen. Doch in der Schule gehen merkwürdige Dinge vor sich und je mehr Geheimnisse Sara entdeckt, desto gefährlicher werden ihre Studien. Sara muss die Mächte entlarven, die versuchen, ihre Kräfte zu kontrollieren.
Rezension
Mit dem bereits vierzehnten Band der Geschichten aus dem Hellboy-Universum geht es in die Vergangenheit. Hellboy mag tot sein und die Geschichte der B.U.A.P. beendet, aber das heißt nicht, dass es nicht noch jede Menge Geschichten aus der Welt von Mike Mignolas Hellboy zu erzählen gebe. Und so steht dieser Band ganz im Zeichen von Figuren, die mit Hellboy irgendwie in Verbindung stehen. Natürlich ist der Witchfinder mit dabei, aber auch eine Sarah Jewell oder ein Ted Howard sind mit an Bord. Und über sie gibt es noch viel aus der Vergangenheit zu berichten.
Witchfinder – Die Herrschaft der Finsternis
Jack the Ripper mordet in Whitechapel und Sir Edward Grey ist ihm auf der Spur. Er vermutet, dass die Morde einen okkulten Hintergrund haben, doch immer wieder gerät er in eine Sackgasse. Gerade als er einen Verdächtigen im Auge hat, lässt ihn Scotland Yard im Stich. Doch Grey ermittelt weiter und trifft dabei auf die Abenteurerin Sarah Jewell. Diese wird im Laufe der Ermittlungen eine wichtige Rolle spielen und entscheidend für die Aufklärung sein. Und Sir Edward Grey braucht jede Unterstützung, die er bekommen kann, denn die Spuren führen in höchste politische Kreise und zur Heliopischen Bruderschaft des Ra, der er nicht zum ersten Mal begegnet.
Sir Edward Grey und Jack the Ripper sollten eigentlich perfekt zusammenpassen. Schließlich ist das Mysterium um den realen Serienkiller an sich sehr groß und bietet verschiedene Ansatzpunkt, um daraus ein spannendes Abenteuer für den Witchfinder zu machen. Nur irgendwie gelingt es Mike Mignola und Chris Roberson dieses Mal nicht so wirklich. Irgendetwas fehlt, ohne genau sagen zu können, was. Der Fall plätschert mehr vor sich hin. Und dabei gibt es gute Ideen, nur kommen die seltsam spannungsarm daher. Die Handlung überzeugt irgendwie nicht so recht. Immerhin wird Sir Edward Greys Charakter hier gut dargestellt und für die Momente, in denen er verzweifelt versucht den Täter zu finden, oder mit Queen Victoria spricht, lohnt es sich dann doch noch Die Herrschaft der Finsternis zu lesen. Trotzdem wird kein Meisterwerk daraus. Das liegt auch an den Zeichnungen von Christopher Mitten, die sehr flach wirken und der den Charakteren keine wirklichen Eigenheiten verleihen kann. Zudem wirken seine Gesichter in bestimmten Perspektiven seltsam verrutscht und in ihren Proportionen nicht richtig. Da hat man im Hellboy-Universum bereits deutlich besseres gesehen.
Das Haus der verlorenen Horizonte
1926. Sarah Jewell und ihre Reisebegleiterin Marie-Thérèse Lafleur werden von Sarahs alter Freundin Lilian Whelstone um Hilfe gebeten. Ihr Mann ist vor kurzer Zeit verstorben und nun will Lilian, die von ihrem Mann gesammelten, Artefakte bei einer Auktion in ihrem Haus auf einer einsamen Insel zu Geld machen, um die Schulden ihres Mannes zu bezahlen. Sarah Jewell soll bei der Schätzung der Gegenstände helfen. Kaum betreten Sarah Jewell und Marie-Thérèse die Insel kommt ihnen die aufgelöste Lilian entgegen. Auf der Insel ist ein Mord geschehen. Ihr Anwalt Mr. Severin wurde im Arbeitszimmer getötet. An Tatverdächtigen mangelt es nicht, schließlich sind die Auktionsteilnehmer bereits da und alle wirken irgendwie verdächtig. Die Situation wird dadurch verschärft, dass ein Sturm tobt und niemand die Insel verlassen kann und Kommunikation mit dem Festland nicht möglich ist. Sarah und Marie-Thérèse entdecken schnell, dass einige Gäste Ahnung vom Okkulten haben und das wird umso wichtiger, da ein zweiter Mord geschieht, dessen Täter vermutlich kein Mensch war.
Chris Roberson bedient sich in Das Haus der verlorenen Horizonte des Motivs des verschlossenen Raumes, das schon immer gerne von Autoren genommen wird, da sich dadurch gleich eine gewisse Grundspannung aufbaut. Unweigerlich will man wissen, wie der Täter den Ort des Mordes verlassen konnte. Und ganz klassisch zieht Chris Roberson dann Sarah Jewells und Marie-Thérèses Ermittlungen auf. Sie befragen Zeugen, geraten in Sackgassen, treffen auf neue Schwierigkeiten und immer wieder gibt es eine Wendung, die alles umstößt. Hier orientiert sich Chris Roberson klar, an den großen Krimiautoren wie Agatha Christie. Zusätzlich versieht er seine Geschichte dann aber, wie bei einer Geschichte aus dem Hellboy-Universum zu erwarten, noch mit übernatürlichen Elementen, die er gut mit dem klassischen Rätsel des Mordes verwebt und so einen über weite Strecken wirklich guten Krimi präsentiert. Der Knackpunkt ist dann die Auflösung. Diese geschieht vergleichsweise viel zu schnell. Nachdem Chris Roberson über vier Hefte alles langsam mit einer passenden Krimiatmosphäre aufgebaut hat, überstürzen sich die Ereignisse im fünften Heft und es geht alles viel zu schnell zu Ende. Das ist echt schade, denn mit ein paar wenigen Seiten mehr, hätte dieser Krimi ein kleines Juwel in Mike Mignolas Hellboy-Universum sein können. So rutscht das Ganze auf der Zielgeraden noch in den Durchschnitt ab.
Leila Del Duca hat Christopher Mitten am Zeichenbrett abgelöst und ihre Zeichnungen sind eindeutig eine Verbesserung. Vor allem die von ihr geschaffene Krimiatmosphäre ist da zu nennen. Hintergründe und Dekors sind absolut stimmig und sehen gut aus, nur hat auch sie es nicht so mit ausdrucksstarken Gesichtern. Insgesamt macht sie ihre Sache recht gut.
Die Kurzgeschichte Die längste Nacht ist dann noch ebenso enthalten. Auch dies ist ein Krimi, der dieses Mal von Chris Roberson mit Monsterhorror verbunden wurde. Die Geschichte liest sich ganz gut, ist für einen Krimi jedoch zu kurz. Das stört aber nicht, da Chris Roberson sowieso auf das Ende mit Schrecken setzt. Leila Del Duca hat hier erneut gezeichnet und hier sehen ihre Figuren deutlich ausdrucksstärker aus.
Das Schwert aus Hyperborea
B.U.A.P.-Agent Howards ist der Träger des Schwertes aus Hyperborea. Aber wie kam das Schwert zu ihm und wer waren seine vorherigen Träger? Von Gall Dennar quer durch die Zeit bis zu Howard, waren dies unterschiedliche Helden, die immer eher zufällig ausgewählt wurden. Da ist Gräfin Ling De Gotha im Deutschland des Jahres 1916, die den Auftrag bekommt einen Geheimbund aufzuhalten und dafür ihre ganz speziellen Fähigkeiten braucht, oder Victor Olssen, ein Tiefseetaucher, der zum Streiter für Atlantis wird und im Jahr 1952 tritt One-Leg Elijah Bone mit seiner Gitarre und dem Schwert gegen einen weiteren geheimen Zirkel an, der nichts Gutes vorhat.
Ted Howards gehört zu den schillerndsten und beliebtesten Figuren aus dem Hellboy-Universum und ist einer seiner ganz großen Helden. Zum Teil liegt dies an seinem Schwert, das aus Hyperborea stammt und durch die Zeiten zu ihm gekommen ist. Mike Mignola, Rob Williams und Laurence Campell erhellen nun die Geschichte des Schwertes in vier kurzen Episoden, die immer einen anderen seiner Träger in den Mittelpunkt stellen. Gemein ist jedoch allen, dass sie eher widerwillig zu der Waffe greifen und dann über sich hinauswachsen. Das liest sich nicht nur verdammt gut, sonder sieht auch ebenso aus, denn Laurence Campbell hat sich sehr gut auf die verschiedenen Epochen vorbereitet und sein düsterer Stil passt zu den Horroraspekten ideal. Quinton Winter, sorgt dann noch für die entsprechende Kolorierung.
Schloss der Amseln
Nachdem sie Hellboy begegnet ist, reißt Sara May Blackburn aus und gelangt so zur Linton Mädchenschule. Dort erwartet sie Miss Brooks wiederzusehen, doch die ist zunächst abwesend. Dennoch bleibt sie und lernt alles und mehr, was eine Hexe benötigt. Doch hinter dem Direktor scheint eine dunkle Macht zu lauern.
Gemeinsam mit Angela Slatter erzählt Mike Mignola eine kleine, aber feine Horrorgeschichte, die sogar etwas Tiefe besitzt und in deren Verlauf Sara May viel über sich lernt. Wer sich fragt, wer Sara May genau ist, sollte dann einen Blick in Hellboy - Die Rückkehr von Effie Kolb werfen, in dem sie ihren ersten Auftritt hatte.
Valeria Burzo zeichnet gut, aber nicht überragend. Ihre Zeichnungen erfüllen den Zweck. Auf diesen Gedanken zumindest kommt man, wenn man nur die endgültigen Bilder sieht. Im Anhang befinden sich jedoch zu zwei Doppelseiten auch die Bleistift- und Tuschezeichnungen von ihr und da fällt auf, dass Michelle Madsen mit ihrer Kolorierung den Zeichnungen einen Bärendienst erwiesen hat. Ohne ihre Farben, würden die Zeichnungen besser aussehen und der Comic insgesamt besser wirken.
Das Bonusmaterial ist wie bei jedem Band der Reihe üppig. Skizzengalerien und Variantcover ergänzen die Geschichten.
Fazit
Enttäuschen tut keine der enthaltenen Geschichten dieses Bandes aus dem Hellboy-Universum. Allerdings kommen der Witchfinder und Das Haus der verlorenen Horizonte aus verschiedenen Gründen über guten Durchschnitt nicht hinaus. Dafür entschädigen Das Schwert aus Hyperborea und Das Schloss der Amseln voll und ganz. Für Hellboy-Fans ist der Band sowieso Pflicht.
Pro & Contra
+ Das Schwert aus Hyperborea ist das Herzstück des Bandes
+ große Bandbreite an Geschichten
+ Sarah Jewell
- der Witchfinder überzeugt nicht
- Zeichnungen sind größtenteils nur ok
- Michelle Madsens Kolorierung macht die Zeichnungen von Valeria Burzo schlechter
Bewertung: ![]()
Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5
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