Captain America Bd.1 (Chip Zdarsky, Valerio Schiti, Frank Martin)

captain america 1

Verlag: Panini; (Januar 2026)
Softcover: 80 Seiten; 9,99 €
ISBN-13: 9783741646560

Genre: Superhelden


Klappentext

Eine Woche ist vergangen, seit Captain America aus dem Eis geborgen wurde. Die Welt, die er kannte, gibt es nicht mehr. 9/11 hat alles verändert. Statt sich den Avengers anzuschließen, sucht Steve Rogers Halt in der Armee. Doch in den Jahrzehnten seiner Abwesenheit hat ihm jemand den Rang abgelaufen. Und als er mit seinem Nachfolger Geiseln aus Latveria befreien soll, das gerade von einem jungen Diktator namens Victor von Doom erobert wurde, begibt sich Rogers auf tödliches Terrain.
Vergesst, was ihr über Cap zu wissen glaubt. Chip Zdarsky und Valerio Schiti überführen den Mythos in eine neue Ära mit moderner Kulisse!


Rezension

Steve Rogers ist erst vor kurzer Zeit aus dem Eis geborgen worden. Noch weiß er nicht, was er tun soll, da er in einer ihm unbekannten Welt erwacht ist. Einer Welt, in der sich die USA verändert haben. So fehlt ihm die Orientierung und deswegen lehnt er die Einladung zu den Avengers ab und entscheidet sich dafür, wieder ein Teil der Army zu werden. Denn dies ist das einzige, das in der neuen Zeit so etwas wie ein Zuhause für ihn ist. Er erhält den Auftrag gemeinsam mit seinem Nachfolger, dem traumatisierten Major Colton, und dessen Team, Geiseln aus Latveria zu befreien, an dessen Spitze seit kurzer Zeit Victor von Doom steht.

Im Gegensatz zu seinem patriotischen Namen und seines Kostüms war Captain America nie ein blindfolgender Patriot. Ganz im Gegenteil, war es Captain America, den Marvel immer wieder heranzog, um die USA und ihre Politik zu kritisieren und auf Missstände aufmerksam zu machen. Captain America ist so zwar ein Patriot, aber einer, wie er sein sollte. Nämlich jemand, der zwar sein Land liebt, aber dessen Fehler und Schwächen sieht und diese nicht einfach akzeptiert und so für das Gute kämpft.
Das ist wichtig festzustellen, denn im Moment wird jemand wie er eigentlich dringend in den USA gebraucht. Aber das ist ein anderes Thema.
Warum das also erwähnen? Weil Chip Zdarsky erneut Captain America dafür benutzt Stellung zu beziehen und ihn somit für genau das nutzt, wofür er einst geschaffen wurde – um den Faschismus, die Kriegstreiberei und das Böse allgemein zu besiegen.
Mit Avengers: Twilight hatte er Steve Rogers bereits einmal in den Kampf gegen den Faschismus geschickt. Nun also hat er die Verantwortung für die neue Serie Captain Americas übernommen, in der er Captain America zu einem gewissen Teil neu erfindet. Denn anstatt bereits in den 60ern aus dem Eis befreit worden zu sein, ist Captain America erst heute gefunden worden und muss sich einer Zeit anpassen, die er zunächst so gar nicht richtig erfassen kann. Die Welt um ihn herum ist für ihn fremd. Da ist die Armee ein natürlicher Fixpunkt für ihn, weswegen er dorthin zurückkehrt. So ähnlich war es bereits im Film Winter Soldier. Allerdings gibt es einen signifikanten Unterschied zu Chip Zdarskys Comic. Im Film geht die Anpassung Steve Rogers an die Gegenwart recht fix. In diesem Neustart hingegen braucht er Zeit. Chip Zdarsky zeigt ihn als einen Mann, der nicht mehr genau weiß, wer er ist und was sein Platz im Leben ist. Er erforscht seinen Charakter und Captain America ist vielleicht so interessant wie selten.
Chip Zdarsky konzentriert sich nicht nur auf Steve Rogers, sondern er beschäftigt sich auch mit Steve Rogers Nachfolger als Captain America, Major Colton, der genau wie er das Supersoldatenserum erhielt, dessen Lebensweg jedoch anders verlief. Während Steve Rogers moralischer Kompass im Zweiten Weltkrieg intakt blieb, da es ein klares und unbestreitbares Feindbild gab, wurde der von Colton erschüttert und fast vollständig zerstört. Die Grauen, die er miterleben musste, haben ihn gebrochen. Diese Gegensätze arbeitet Chip Zdarsky heraus und wirft wichtige Fragen auf. Das Gleiche macht er mit der durchaus komplexen Handlung, die Captain America, sein Team und auch die Leser in moralische Dilemma bringt und für die es keine einfachen Antworten gibt. Chip Zdarsky setzt hier ein ein klares politisches Statement und das ist richtig und wichtig, gerade wenn Captain America der Protagonist ist.

Valerio Schiti versucht gar nicht erst ganz besondere Zeichnungen zu schaffen und damit Gefahr zu laufen, die Handlung zu erdrücken. Er zeichnet den Erfordernissen entsprechend und das tut den einzelnen Szenen gut. Vor allem bei den ganz bitteren Erlebnissen Major Coltons intensiviert er die Atmosphäre durch den Bildausschnitt und die gewählten Perspektiven. Hier muss auch Frank Martin erwähnt werden. Dessen Farbgebung sorgt für eine gedrückte und drückende Stimmung und erwähnte Szenen mit Major Colton bekommen dazu sehr blasse Farben, die die geschilderten Ereignisse nur unterstreichen.


Fazit

Sein Batman enttäuschte, sein Captain America hat jedoch etwas zu sagen und ist zu diesem Zeitpunkt wichtig. Chip Zdarsky zeigt einen Captain America, der seinen Werten folgt und nicht einfach Befehlen. Er stellt Fragen, die genau richtig kommen. Captain America ist inhaltlich ein richtig guter Comic und kann auch mit seinen Charakteren überzeugen.


Pro & Contra

+ bezieht Stellung
+ stellt Fragen
+ Charakterisierung von Cap und Major Colton

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5