Dienstag, 15. Oktober 2019

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Mouse Guard - Herbst 1152 (David Petersen)
Geschrieben von Markus
Freitag, der 25. Dezember 2009

Verlag: Cross Cult; Auflage: 1 (18. April 2008)
Gebundene Ausgabe
192 Seiten, 20,6 x 20,6 x 2 cm, 24,95€
ISBN-13: 978-3936480559

Genre: Tierfantasy


Klappentext

Newcomer David Petersen entwirft in diesem Comic-Bilderbuch ein wundersames Zwischenreich: die Geschichte einer Mäusezivilisation im Mittelalter. Versteckt agieren die Nager in dieser schweren Zeit, in der nicht nur Schlangen, Wölfe und Krabben schier gigantische Feinde sind, sondern auch machtgierige und intrigante Mäuse.

Der Überraschungserfolg aus den USA!


Rezension

Das Jahr 1152. Vor drei Jahren konnte ein Angriff der Wiesel auf Lockhaven, der Mäusehauptstadt und Sitz der Wache abgewehrt werden. Seitdem ist es verboten, eine Karte der Stadt außerhalb der Mauern zu bringen. Als die drei Wächter Lieam, Kenzie und Saxon das Verschwinden eines Händlers untersuchen, finden sie in den Überresten seiner Habe, etwas sehr beunruhigendes. Eine Karte von Lockhaven!
Lockhaven scheint in Gefahr und so machen sie sich auf die Suche nach dem Verräter.
Gleichzeitig erhält die Wächterin Sadie an einem anderem Ort weitere Informationen über die Maus im Hintergrund. Die Lage spitzt sich zu, bis ein Heer vor den Toren Lockhavens aufmarschiert und eine alte Legende anscheinend wieder zurückkehrt. - „Die schwarze Axt“, der Held der Wache.

Im Prinzip eine geradlinige Geschichte die David Petersen da erzählt. Aber er schafft es, und das ist das wirklich Neue an seinem Comic "Mouse Guard", Mäuse als glaubwürdige Helden zu präsentieren, ohne sie aus ihrer traditionellen Rolle als Beutetier herauszunehmen. Ständig ist die Gefahr präsent in der sie leben. Schlangen, Krabben und andere Raubtiere sind immer lauernd zu spüren und doch dienen sie nur als Hintergrund. Sie tragen zur Atmosphäre bei und verdeutlichen nur die Größe des Verrats, dem sich die Mäuse der Wache gegenübersehen. 
Dabei muss man unweigerlich ihren Mut bewundern mit dem sie zu Werke gehen. Lieam, Kenzie und Saxon sind hierbei die Hauptpersonen und ihrem Weg folgt der Leser. Er darf miterleben wie sie immer weiter dem Geheimnis auf die Spur kommen, bis sie endlich zur Wahrheit vorstoßen. Und die ist schlimmer, als sie gedacht haben. 
Jede der Mäuse hat eigene, gut herausgearbeitete Charakterzüge, die sie aber niemals zu sehr vermenschlichen. Zu keinem Zeitpunkt hat man den Eindruck, dass sie etwas anderes als Mäuse sind, die ums Überleben kämpfen. Verstärkt wird dieser Eindruck indem David Petersen nur wenig Text einfließen lässt, viel läuft über die Mimik seiner Protagonisten. So gut wie jede Zeichnung würde auch ohne Text funktionieren und die Handlung verständlich präsentieren. Dabei begeht Petersen nicht den Fehler, den Mäusen bei Gefühlsregungen menschliche Gesichtszüge zu verpassen. Vielmehr reichen ihm wenige Striche, um die gewollten Emotionen darzustellen. Sei es über die Kopfhaltung oder einem kleinen Strich am Auge oder der Schnauze. Nie hat man den Eindruck einen Menschen mit großen Ohren und Schwanz zu sehen. Seine Protagonisten sind und bleiben immer Mäuse.

Die Zeichnungen sind somit auch eine unbestrittene Stärke von „Mouse Guard“.
David Petersen hebt sich bewusst von den Zeichenstilen seiner Vorbilder wie Mike Mignola ab, da er laut eigener Aussage „zwar ein paar Panels wie Mignola oder Lee gestalten konnte, dazu aber ständig ihre Arbeiten vor Augen haben musste, … Das war zwangsläufig zum Scheitern verurteilt – etwas, das ich auf gar keinen Fall durchhalten konnte.“ 
Der Stil, den er schlussendlich wählte, entspricht viel mehr der klassischen Buchillustration. Vor allem von Kinderbüchern, zu denen er eine besondere Beziehung hat, wie man in einem Interview im Anhang erfährt..
Seine Zeichnungen sind teils detailverliebt und teils etwas abstrakter, aber immer treffend für die jeweilige Situation seiner Geschichte. Da die Geschichte im Herbst spielt sind Gelb- und Brauntöne vorherrschend, allerdings wirkt die Farbwahl von David Petersen immer natürlich. Weder benutzt er knallige Farben, die die Geschichte aus der Realität vollkommen herausreißen würden, noch ausgeblichene. Dadurch wirken die Geschichte und seine Charaktere noch plastischer und er verleiht „Mouse Guard“, das gewisse etwas, das den Leser zu fesseln vermag.
Die gelungene Farbwahl überrascht umso mehr, wenn man die Entstehungsgeschichte dieses Comic-Bilderbuchs betrachtet. Ursprünglich von Petersen selbst in schwarz-weiß veröffentlicht, kolorierte er die Zeichnungen erst nachträglich für die Veröffentlichung bei einem größeren Verleger per Computer. Dabei erlag er nicht den Versuchungen der Bildbearbeitung, sondern blieb sich und seinem Stil treu.
Die Anordnung der einzelnen Bilder ist eine weitere Besonderheit. Meist drei oder vier Panels finden sich auf den, für einen Comic ungewöhnlichen, quadratischen Seiten. Ein Drittel wird häufig davon abgetrennt um ein Bild zu akzentuieren und der Rest wird auf die verbleibenden Zeichnungen aufgeteilt. Petersen verharrt aber nicht in einem starren Muter, sondern ist flexibel und seine Aufteilung wirkt dynamisch und steuert einiges an Spannung und Atmosphäre bei.

Bei der Ausstattung der Ausgabe hat sich Cross Cult ein weiteres Mal übertroffen. Es finden sich ein Epilog, mit Ausblick auf die nächsten Abenteuer im Winter 1152, Karten, eine Vorstellung der Mäuseberufe, eine Galerie mit Zeichnungen anderer bekannter Künstler, Einzel-Illustrationen von David Petersen und nicht zuletzt ein Interview mit dem Autor selbst. Da bleiben kaum noch Fragen offen und das quadratische Format des Comics wird dafür sorgen, dass „Mouse Guard“ zurecht in jeder Buchsammlung auffällt.
Geschichte, Aufmachung, Zusatzmaterial, alles zusammen ist jeden Cent wert, den dieser Comic kostet.


Fazit

Inhaltlich bietet "Mouse Guard" nichts Neues, aber die Bilder sind in der Comiclandschaft etwas besonderes und mutiges. David Petersens Zeichnungen erinnern an Kinderbuchzeichnungen und bieten dabei auch für den erwachsenen Leser genug Stoff, um fasziniert die Bilder zu betrachten. Unweigerlich schließt man die Mäusehelden ins Herz und gleitet zurück in Kindheitserinnerungen/ -träume. Auf jeden Fall lesen!


Pro & Contra

+ die Charaktere sind gut herausgearbeitet und glaubwürdig
+ wunderbare Zeichnungen, die die Geschichte tragen
+ spannende Geschichte, die sich immer weiter steigert

o inhaltlich nicht unbedingt neu

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 3,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von David Petersen:

Rezension zu Mouse Guard – Winter 1152
Rezension zu Mouse Guard – Die schwarze Axt
Rezension zu Mouse Guard – Legenden der Wächter Bd.1
Rezension zu Mouse Guard – Legenden der Wächter Bd.2
Rezension zu Mouse Guard – Legenden der Wächter Bd.3

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 11. Januar 2017
 

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