Deborah Beale (15.06.2008 - deutsche Übersetzung)

Interview mit Deborah Beale (deutsch)

 

Literatopia: Hallo Deborah! Viele kennen dich nur als „Tad Williams Frau“. Es gibt nur wenige Informationen über dich und wenn, sind sie schwer zu finden. Wer bist du?   

Deborah Beale: Ich bin sehr vielseitig und habe schon die verschiedensten Positionen innegehabt. Ich bin jemand, der seine eigene Arbeit erfindet (ein Schauspieler sagte das vor ein paar Jahren zu mir und ich habe es zuerst nicht verstanden und immer weiter darüber nachgedacht. Es hat sich als Prognose bewahrheitet).

Oh, und vor ein paar Jahren hatte ich eine große Karriere als Verlegerin. Es war wundervoll und es war hart, wie die besten Dinge im Leben, denke ich. Ich habe im breiten Feld zwischen Sachliteratur und Romanliteratur gearbeitet und sehr viel Erfahrung gesammelt. Schließlich habe ich mich dann auf Fantasy und Science Fiction spezialisiert. Ich habe außerdem die Ehre gehabt, ein Gründungsmitglied dessen zu sein, was später die Orion Publishing Group wurde. Und schlussendlich hatte ich das Glück, gehen zu können, als ich das wollte. Das Einzige, was ich bedaure, ist, dass ich dort heute sicher schon leitende Geschäftsführerin gewesen wäre, wäre ich geblieben. Aber man kann ja nicht all die Leben leben, die man gerne leben möchte … Business fasziniert mich.

Literatopia: Lässt sich das Klischee „eine große Frau hinter einem großen Mann“ auf dich anwenden?  

Deborah Beale: Yep. Glaube ich … ist das anmaßend? Ich war Tads Verlegerin in Groß Britannien und, zu dieser Zeit, verantwortlich für einen großen Durchbruch in seiner Karriere – das war, als ich die Britischen Rechte für „Der Drachenbeinthron“ und für die gesamte „Geheimnis der großen Schwerter“-Trilogie gekauft habe. Ich erzähle Leuten auf Partys, dass ich mal sein Boss war.

 

Literatopia: Was arbeitest du, was ist dein Beruf? Du organisierst viel für Tad, kümmerst dich auch um seine Webseite und beantwortest seine Emails. Bist du Tads Managerin, sozusagen?  

 

Deborah Beale: Managerin, Businesspartnerin – c’est moi. Womit ich mich am meisten befasse, ist Strategie – zum Beispiel habe ich Tads Übergang in Deutschland von „Unsichtbar und von seinen Verlegern ignoriert“ zu „Fantasysuperstar“ beschleunigt. (Wenn wir dieses Interview mündlich geführt hätten, hättet ihr gehört, wie ich mich über mich selbst lustig mache, während ich diese Dinge sage – aber manchmal erschreckt mich fast, wie unbescheiden ich sein kann.) Ich arbeite täglich mit unserem unglaublichen Agenten Matt Bialer und bin für alle Geschäfte und Verträge, etc. verantwortlich. Außerdem kümmere ich mich auch noch um die Geschäftsinteressen, die nichts mit den diversen Veröffentlichungen zu tun haben.

  

Eine Karriere als Schriftsteller ist tatsächlich Business – es ist nur nicht immer offensichtlich, was das wirklich alles beinhaltet.

  

Ich verbringe täglich die ersten zwei, drei Stunden damit, mir die Wirtschaftsnachrichten und die Verlagsnachrichten durchzulesen. Heute Morgen, zum Beispiel, habe ich als Reaktion auf verschiedenste Emails in meinem Posteingang Mails an Tad und Matt, den Wunderagenten, geschickt, mit folgendem Inhalt: E-bookveröffentlichungen, tragbare Lesegeräte für E-books, Tads Spanischen Markt und was Verleger in den USA in letzter Zeit von ihren Topautoren verlangen. Ich habe einen Blogeintrag von M. L. Heath für unsere Webseite überarbeitet (er schreibt wirklich ganz wunderbar über Rock’n’Roll). Ich habe mir die Finanznachrichten genauer angeschaut (Apple hätte heute das 3-G iPhone ankündigen können – die Misswirtschaft in dieser ganzen Finanzkrise ist sehr lehrreich – der Markt ist schlecht) und dann habe ich begonnen, diese Interviewfragen zu beantworten. Wir fliegen auch in ein paar Wochen nach New York, also hat es einen wahren Ansturm an Emails wegen Treffen usw. gegeben. Ich habe ein paar Emails von Fans beantwortet. Und jetzt ist es 10:45 und ich sollte wirklich beginnen, mich ordentlich anzuziehen.

  

Außerdem bin ich ja auch noch Mutter. Das nimmt auch ein wenig Zeit in Anspruch (meint sie ironisch).

Literatopia: Wie viel Zeit pro Tag verbringt ihr damit, an dem Roman zu arbeiten? Habt ihr so etwas wie einen strikten Zeitplan, an den ihr euch haltet, oder Fristen, die ihr einhalten müsst?  

Deborah Beale: Schön wär’s. Aber es funktioniert nicht so. Das war die härteste und schmerzhafteste Lektion, die ich lernen musste, als ich aus meinem Businessleben in ein „schreiberisches“ Leben gewechselt habe. Ich kann hier Dinge nicht einfach durch Willenskraft herbeizwingen und erreichen, wie ich das im Businessleben kann. Das habe ich von Tad lernen müssen: du musst die Dinge, das Schreiben von selbst kommen lassen. Also besteht ein Großteil der Arbeit darin, sich selbst und sein Denken in eine Lage zu versetzen, in der die Dinge eben von allein kommen. Und das bedeutet, ein Leben zu führen, das so ruhig wie möglich ist. Was an und für sich großartig ist, wir wollen es auch so, aber es funktioniert auch nicht ohne Aufwand, ohne, dass man immer wieder höflich die meisten der Einladungen ablehnen muss, die wir bekommen.  

Literatopia: Was brauchst du, um Schreiben zu können? Was macht es dir leichter, dich hinzusetzen und anzufangen?  

Deborah Beale: Mich packt gelegentlich ein wahrer Rausch und dann ist es plötzlich ein paar Seiten später. Davon abgesehen macht es mir gar nichts leicht!

 

Literatopia: Brauchst du eine spezielle Atmosphäre, um zu beginnen, oder bevorzugst du eine bestimmte Tageszeit?  

 

Deborah Beale: Ich schreibe meistens am Nachmittag. Dazu muss ich die Türe schließen und allein sein. Wir haben einen ziemlich lebhaften Haushalt, also ist mir das nicht immer möglich.

Tad geht und legt sich aufs Bett, starrt an die Decke und hört Musik auf seinem iPod. So „schreibt“ er. Es ist ein unglaublicher mentaler Aufwand bis es in seinem Kopf ausformuliert ist (und dann hastig zu Papier gebracht wird). Ich arbeite im Garten und wandle durchs Haus wie der „Geist der zukünftigen Weihnacht“ bei Dickens. Dann packt es mich und ich bringe es hinter mich. Oder, irgendwann um vier Uhr Nachmittags herum, bring ich plötzlich einige Seiten weiter.

 

Literatopia: Besprichst du deine Ideen und dein Schreiben mit deinem Mann?  

Deborah Beale: Permanent. Wir leben praktisch im Kopf des Anderen, sind vierundzwanzig Stunden am Tag zusammen und sind sehr aufgewühlt, wenn wir nicht zusammen sein können. So einfach ist das. 

Literatopia: Was inspiriert dich; über welche Themen schreibst du am Meisten? 

Deborah Beale: Meistens inspiriert mich mein eigener Drang zu arbeiten und zu schaffen. Wenn ich nicht arbeiten kann, wenn ich nicht jeden Tag ein wenig weiterkomme, werde ich sehr unglücklich. Ich bin chronisch rastlos. Wenn es nicht immer Arbeit gäbe, würde ich entweder für mich selbst unsichtbar werden oder explodieren und ein unglaubliches Durcheinander im Haus anrichten.

Worüber ich meistens schreibe ist das Folgende: Ich versuche, meine eigene, sehr große Lebenserfahrung in Geschichten zu verwandeln, und die Essenz ist: Rette dich selbst, sonst bleibst du verloren. (Ich zitiere die Autorin des Buches „The Lovely Bones“.) Liebe und Abenteuer sind alles.  

Literatopia: Erzähl uns etwas über „Ordinary Farm“. Warum geht es? Wann wird der erste Teil veröffentlicht? Wer hatte die Idee, dass du und dein Mann gemeinsam an dem Projekt schreiben? 

Deborah Beale: Weil ich denke, dass es gut fürs Business ist – unsere Interessen maximieren – dränge ich Tad schon seit Jahren, mit mir zu schreiben. Ich glaube, er hat zugewartet, bis er gefunden hat, ich bin bereit dafür – bis ich etwas produzieren kann, das gut genug ist. Außerdem gibt es immer so viele Variable die sich darauf auswirken, ob etwas funktionieren wird oder nicht, dass es nicht immer klar ist, welche Richtung die Ereignisse nehmen werden. Es gibt immer mehrere Gründe für ein bestimmtes Ergebnis.

 

In diesem Haus geht man knöcheltief durch Tads Ideen, und wenn man sich nur ein Glas Wasser holt. Also kam die ursprüngliche Idee – einen Bauernhof, wo nicht Kühe und Schweine gehalten werden, sondern Kreaturen aus der Mythologie – von Tad. Seine Ideen darüber, woher die Kreaturen kommen sollen, waren allerdings nicht wirklich ausformuliert und ich erinnere mich, selbst darüber nachgedacht und dann mit ihm darüber geredet zu haben, bis wir bei einer Balance angekommen waren, die ich notwendig empfand.

 

Literatopia: Was hat euch dazu inspiriert, einen Fantasyroman über einen magischen Bauernhof zu schreiben? Wird es eher klassische Fantasy werden, oder „modern“? 

 

Deborah Beale: Es ist post-modern, wie „Otherland“. Es ist voller Fantasy, Science Fiction und Figuren aus der Mythologie aller Perioden und Zeiten. Ich finde, es ist sehr von „Otherland“ inspiriert. Schlussendlich wird die „Ordinary Farm“-Serie – Klett-Cotta hat das entschieden und bei uns in Auftrag gegeben, Gott hab sie selig – fünf Bücher umfassen. Sie sind kurz (im Vergleich zu Tads anderen Büchern), um auf die Bedürfnisse des Marktes für Jugendliche einzugehen. Eigentlich sind sie ja nicht extra auf diese Lesergruppe zugeschnitten, aber sie haben ein Geschwisterpaar, Bruder und Schwester, als Hauptpersonen, die im Teenageralter sind und mit jedem neuen Buch älter werden.

Literatopia: Wie sieht deine Zusammenarbeit mit deinem Mann aus? Schreibt ihr beide Teile, die ihr dann zu einer einzigen Geschichte kombiniert, oder schreibt ihr gleich gemeinsam? Glaubst, du, die Zusammenarbeit läuft gut? Oder habt ihr auch schon Uneinigkeiten und Streitereien gehabt? 

Deborah Beale: Es geht so oft zwischen uns hin und her, dass es schwer zu sagen ist, wer was weiterentwickelt hat. Es ist eine wahre Zusammenarbeit. Ja, natürlich haben wir auch Uneinigkeiten, weil es für uns beide nicht leicht ist. Aber unsre Unstimmigkeiten helfen uns immer dabei, ein Problem zu lösen.

  

Ich bin der wandernde Geselle, wenn es um das Schreiben geht, er ist der Meister, das Genie, also hat er auch das letzte Wort. Aber ich glaube, niemand, vielleicht mit Ausnahme von George R. R. Martin oder J.K. Rowling für ihren unglaublichen Einfallsreichtum und Erfindungsgeist, kann es mit Tad aufnehmen. Zur Erinnerung, ich habe mit vielen, vielen Autoren zusammen gearbeitet und ich glaube, ich kann das mit einer gewissen Autorität sagen – sowie meiner Voreingenommenheit als seine Frau. Außerdem, wenn ich wirklich eine vollkommen andere Meinung als Tad habe, muss er mich erst von seinen Ideen überzeugen. Bis dahin halte ich an meinen eigenen Ideen und Gründen fest.

  

Schlussendlich sehe ich es als ein unglaubliches Privileg an, mit Tad arbeiten zu können. Es ist eine existentielle Reise für sich. Es fordert mich jeden Tag aufs Neue heraus.

Literatopia: Hast du schon einmal daran gedacht, einen eigenen Roman zu schreiben? Ist etwas in der Richtung schon in Planung?  Wenn ja, könntest du uns schon etwas darüber verraten?  

Deborah Beale: Oh, ich habe schon viel geschrieben, ich meine, ich habe wohl an die vier (zu Recht) unveröffentlichte Romane herumliegen, neben einem Haufen anderen Materials. Einer der Gründe – einer der offenkundigsten – warum ich mich aus dem Verlagswesen zurückgezogen habe, war, um das Schreiben zu lernen.

 

Literatopia: In seinen Büchern bedankt sich Tad bei denen, die ihm geholfen haben. Natürlich bist du da eine der Ersten, die er erwähnt. Berührt dich das? Wobei hilfst du ihm normalerweise? Liest du seine Texte auf Fehler durch oder hilfst ihm mit Ideen aus? Hilfst du ihm weiter, wenn er das Gefühl hat, irgendwo festzustecken?  

 

Deborah Beale: Tad steckt beim Schreiben niemals irgendwo fest und er braucht NIE Ideen. Er kann das einfach einschalten – zack!, und es fließt. Ich meine, schaut euch einmal an, wie lang seine Bücher werden!  Viel von dem, was ich für ihn mache, ist so etwas wie Ideenüberarbeitung – wir diskutieren ständig literarische Ideen und füttern damit die „Ideenmaschine“. Man gibt die Ideen, über die man so stolpert, oben hinein und es kommen vollkommen neue Ideen unten heraus. Ich bin weniger beteiligt an der tatsächlichen Überarbeitung von Tads Manuskripten als seine Verleger beim DAW-Verlag, und ich habe zum Beispiel nicht so viel zu den „Shadowmarch“-Büchern beigetragen, wie zu den „Otherland“-Büchern. Es kommt darauf an, was zur Zeit sonst noch in unserem Leben passiert. Aber wenn er eine Meinung zu etwas hören will, versuche ich, alles stehen und liegen zu lassen und sie ihm so schnell wie möglich zu geben.  Er hat mir bisher zwei seiner Bücher gewidmet – „Die Insel des Magiers“ und „Der Blumenkrieg“. Das letzte war ein kompletter Schock für mich – ich habe das Buch fast auf die Hunde fallen gelassen, als ich die Widmung gesehen habe. Und ja, seine Widmungen sind außergewöhnlich und berühren mich jedes Mal aufs Neue.  

 

Literatopia: Was liest du selbst gerne? Hast du ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautor? 

 

Deborah Beale: In letzter Zeit lese ich meist Sachliteratur und Jugendliteratur. Im Moment bin ich vor allem vom „Seed“-Magazin geradezu besessen – ihr Motto ist „Wissenschaft ist Kultur“ – für einen Science Fiction-Fan ist es ein Traum, innovative Berichterstattung über all die phänomenalen Fortschritte unseres goldenen Zeitalters. Ich werde zum Beispiel nie aufhören, von Partikelphysik und Genetik begeistert zu sein. (Warte schon seit Langem mit Spannung auf die Resultate des neuen Teilchenbeschleunigers mit seinen vier neuen Teilchendetektoren, im CERN.) Ich lese Literaturmagazine, die New York Times, Finanzwebseiten (bin sehr beeindruckt vom „TechTicker“, den Yahoo anbietet, ein wunderbarer Start in den Tag, mit meiner Tasse Kaffee). Früher habe ich sehr viel in Kunstmagazinen und Versteigerungskatalogen gelesen, aber im Moment habe ich damit aufgehört, weil es mir nicht mehr so viel Freude bereitet. Normalerweise lese ich immer an vier oder fünf Büchern gleichzeitig, wieder meist Sachliteratur.  

 

Nur wenn ich selbst intensiv schreibe, lese ich Romane. Ich bin gerade mit „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephanie Meyer und „Forever“ von Judy Blume fertig geworden. Ich lese Romanliteratur, weil ich dabei dann oft Lösungen für Probleme entdecke, die mich selbst gerade beschäftigen. Die Hauptperson in „Forever“ hat mich zum Beispiel sehr beeindruckt – sie muss sich mit jedem Schritt neuen, schwierigen Entscheidungen stellen und hat einen ausgeprägten Sinn dafür, was richtig ist, von dem sie sich leiten lässt. Von diesem Roman habe ich mir zum Beispiel Anregungen bezüglich der Charakterisierung geholt. Im Moment lese ich gerade Romane von Junot Diaz und Nancy Farmer, beide haben mir zu Beginn nicht sehr gefallen, obwohl ich von anderen Büchern derselben Autoren begeistert war. Ich lese auch gerade Kurzgeschichten von Phil Dick und habe begonnen, „Die Triffids“ von John Wyndham zum zweiten Mal zu lesen. Gestern Abend habe ich eine kurze Literaturkritik  über die Verwendung des Rapunzelthemas gelesen und einen ganz unglaublichen Artikel über Quantenmechanik. 

 

 Lieblingsautoren sind immer die, die ich im Moment lese. Ich sehe nicht viel fern. Ich LIEBE Fernsehen, aber wenn ich mich zwischen Fernsehen und Lesen entscheiden muss, gewinnt immer das Lesen. Ich kann gar nicht richtig leben ohne Lesen.  

 

Literatopia: Wann und warum hast du mit dem Schreiben begonnen? War das durch deinen Mann? Oder hast du schon Kurzgeschichten etc. geschrieben, bevor du ihn kennen gelernt hast? Wie haben deine ersten Versuche ausgesehen? Wem hast du sie zum ersten Mal gezeigt und war das schwer für dich? Hast du eine positive Reaktion bekommen? Bevorzugst du Lyrik oder Prosa?  

 

Deborah Beale: Ich habe als Kind begonnen und wollte schon immer Autorin werden. Aber da gab es schwierige Umstände, die ich nie überwinden konnte, und schließlich habe ich meinen Drang anders umgesetzt, indem ich jemand werden wollte, der mit Autoren arbeitet. Dann, als ich etwa dreißig war, kam das alles wieder hoch. Es hätte in einer Katastrophe enden können! Aber eigentlich befinde ich mich gerade auf dem Weg eine sehr lange, entwicklerische Kurve hinauf.  

 

Ich hab jeden Fehler gemacht, den man nur irgendwie machen kann und vieles von meiner Arbeit ist abgelehnt worden und unverkauft geblieben. Aber all das war nötig, eigentlich. Ich habe an mich glauben müssen.  

 

Literatopia: Was denkst du über Creative Writing-Studiengänge, wie sie im englischsprachigen Raum auf den Universitäten angeboten werden? Was hältst du von Seminaren mit dem Motto „Wie schreibe ich einen Bestseller?“? 

 

Deborah Beale: Tatsächlich als Autor zu leben ist soooo hart – was es von dir und deinem Leben verlangt – dass man die wichtigsten Lektionen nur dann lernt, wenn man es selbst wagt, glaube ich. Aber wenn etwas für einen funktioniert und er daraus lernt, soll mir das Recht sein, wie auch immer dieses „etwas“ dann aussehen mag. Den eigentlichen Fehler, den die Leute machen, (er ist leicht nachzuvollziehen) ist zu fragen „Wie schaffe ich es, dass meine Arbeit auch veröffentlicht wird?“ – wenn doch die viel wichtigere Frage, und das werden all jene herausfinden, die es versuchen, ist „Wie werde ich ein Autor?“. Denn Schreiben wird deine Lebensprobleme nicht für dich lösen. Es muss dein Leben werden, lange bevor es deine Einkommensquelle wird.  

 

Und zum Thema „Wie schreibt man einen Bestseller“ – es gibt eine Handvoll Leute, die das aus dem Nichts geschafft haben, die sich gezielt deshalb hingesetzt und zu schreiben begonnen haben. Mir fallen im Moment zwei ein. Eigentlich hat man eine viel, viel größere Chance, 40 Millionen im Lotto zu gewinnen. Ich mache keine Witze – so stehen nun einmal die Chancen. Bücher werden zu Bestsellern, weil sie eine gewisse, wesentliche Authentizität haben – sie entstehen, wenn die richtige Idee der richtigen Person einfällt, und wenn sie gut umgesetzt wird, zum richtigen Zeitpunkt, dann wird sie von der Gesellschaft, der Geschichte oder einfach der Unterhaltungsindustrie aufgegriffen, ein Buch wird zum Bestseller. Kurz, die Chancen sind unglaublich klein. Das ist die Wahrheit, die ich dabei sehe.  

 

Literatopia: Wahrscheinlich wirst du sehr oft über Tad gefragt. Macht dir das etwas aus? Kommt es dir manchmal so vor, als wärest du nur noch „Tad Williams Frau“ und nicht mehr Deborah?  

 

Deborah Beale: So fühle ich mich nie. Ich bin mir meiner selbst sehr sicher und auch meiner Arbeit und ich bin viel zu fasziniert von dieser Welt und was passiert, wenn man in der Öffentlichkeit ist. Ich werde sauer, wenn Leute unhöflich zu mir werden, und ich habe dann die schlechte Angewohnheit, ihre Psyche anzugreifen, wenn das passiert. Zum Glück ist das aber sehr selten. Die meisten Leute, die wir treffen, sind einfach nur liebenswert.  

 

Literatopia: Wie ist es, mit einem so bekannten Autor zusammen zu leben? Lastet sehr viel Druck auf euch oder könnt ihr ein „normales Leben“ leben?  

 

Deborah Beale: Ein Autor zu sein bringt zum Glück nur wenig Bekanntheit ein, also können wir recht ungestört leben. Aber wenn ich Tad große Menschenmassen unterhalten sehe – denn eine seiner Seiten ist es, Stehgreifkomiker zu sein – dann bin ich so stolz auf ihn, dass ich auf der Stelle dahin schmelze. Ich bin seine persönliche Hallmark Grußkarte – voll kitschiger Gefühle und klebrig süß, ha.

Literatopia: Kannst du dir vorstellen, die Plätze mit ihm zu tauschen – du schreibst die Bestseller und er organisiert für dich?  

Deborah Beale: Ooh, das ist eine gute Frage. Ja, auf abstrakte Weise, weil ich schon viel herumgekommen bin und viel erlebt habe und viel darüber weiß, wie die Dinge funktionieren. Aber eigentlich nicht wirklich, denn ich kann mir Tad gar nicht von seinem Talent getrennt vorstellen. Wenn Tad keine Bestseller schreiben würde, würde er seine Energie in etwas anderes stecken. Er ist wie eine Naturgewalt.  

Literatopia: Was denken deine Kinder darüber, dass ihr schreibt? Sind sie stolz auf euch?  

Deborah Beale: Ja, ich glaube, sie sind stolz auf uns, aber eigentlich ist es eher etwas, das ihren Alltag formt. Wir erziehen sie zu dem Verständnis darüber hin, wie man aktiv mit seiner Vorstellungskraft arbeitet und wie wichtig und wertvoll Ideen sind.

Literatopia: Würde es dich stolz machen, wenn deine Kinder auch einmal schreiben würden? Oder lasst ihr ihnen diesbezüglich alle Freiheiten?  

Deborah Beale: Sie werden sicher auf die eine oder andere Art kreativ schaffen. Wie genau, wird sich noch zeigen Was wir für sie wollen, ist die Freude und Zufriedenheit, mit der unsre Arbeit ihren Vater und mich erfüllt. Aber wir sagen ihnen auch, dass nur sie selbst sich beides sichern können, und dass das harte Arbeit ist. So ist nun einmal das Leben.

 

Literatopia: Vielen Dank für das Interview!


Rezension zu "Die Drachen der Tinkerfarm" (Band 1)

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Interview with Tad Williams (english)

Interview mit Tad Williams (deutsch)


 Dieses Interview wurde freundlicherweise von Lucia Schwarz für Literatopia übersetzt. Vielen Dank! (alle Rechte vorbehalten)

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