Montag, 09. Dezember 2019

Weihnachtsgewinnspiel

tannebaum des todes

Phantast (Download)

Neueste Kommentare

Habe das Buch vor einigen Jahren gelesen. Nun, 2019, in einer Welt voller Unruhe lebend, denke ich ...

Weiterlesen...

Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

Weiterlesen...

Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Hallo Jeronimus :) Ich habe die dunkle Edition gehört. Ich meine zu wissen, dass sich die zwei Editionen ...

Weiterlesen...

Das München-Komplott (Wolfgang Schorlau)
Geschrieben von Patricia
Sonntag, der 24. Januar 2010

Verlag: Kiepenheuer & Witsch, November 2009
TB, 334 Seiten, € 8,95
ISBN: 978- 3462041323

Genre: Politthriller


Klappentext

Georg Dengler, ehemaliger Beamter des BKA und heutiger Privatermittler, bekommt einen neuen Auftrag. Er soll den Fall des schlimmsten Attentats in der Geschichte der BRD auf das Münchner Oktoberfest untersuchen. Vor fast dreißig Jahren wurde die Tat begangen. Das Bundeskriminalamt bittet ihn die Akten der damaligen Sonderkommission Theresienwiese zu überprüfen. Schnell entdeckt Georg Dengler erste Widersprüche. Doch warum wird dieser Fall neu aufgerollt? Und welche Rolle spielt die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke, die beim Bundesamt für Verfassungsschutz versucht hatte, das Amt dazu zu bringen, alle V-Leute aus der NPD abzuziehen, um dann erneut ein hoffentlich erfolgreiches Verbot der Partei beim Bundesverfassungsgericht zu beantragen.


Rezension

Was ist damals vor dreißig Jahren wirklich passiert? War es wirklich nur ein Einzeltäter, wie das BKA immer behauptet hat? Oder wurde damals absichtlich bei den Ermittlungen geschlampt? Georg Dengler bekommt in seinem fünften Fall den Auftrag, die Hintergründe des größten Bombenattentates in Deutschland neu aufzurollen und zu klären, ob es wirklich nur ein Einzeltäter war. Schnell erkennt er durch wiederkehrende Zeugenaussagen, die alle den Attentäter mit anderen Personen im Gespräch gesehen haben, dass damals nicht mit der gebotenen Sorgfalt ermittelt wurde. Aber fast alle Zeugen, die dies bemerkt haben, sind mittlerweile tot, teilweise unter mysteriösen Umständen gestorben oder durch ungeklärte Unfälle. Dengler nimmt die Ermittlungen auf und gerät immer tiefer in einen Sumpf aus Korruption und Geheimnissen, die besser nie ans Tageslicht kommen sollten. Aber haben wir das nicht schon immer gewusst?

Nicht nur Georg Dengler sondern auch Wolfgang Schorlau befasst sich mit den Hintergründen. Beweismaterial wird wieder intensiv geprüft und durch neue Verfahrenstechniken ergeben sich teilweise völlig neue Tatbestände. DNA war vor dreißig Jahren noch nahezu unbekannt, aber bevor der einzelne nicht zugeordnete Finger überprüft werden kann, wird das Beweismaterial komplett vernichtet. Angeblich ist der Fall kalt und nach dreißig Jahren ist es die übliche Vorgehensweise. Aber wer hatte da wohl wirklich die Finger im Spiel?

Drei verschiedene Erzählstränge laufen parallel nebeneinander her. Zum einen sind da die Ermittlungen, die Dengler mit seinen drei Freunden betreibt. Dann lernen wir die Staatssekretärin Charlotte von Schmoltke kennen, die über ihr Dasein als Staatssekretärin resümiert und feststellt, dass sie ihrem Ziel, die NPD zu verbieten, noch kein bisschen näher gerückt ist. Wir erfahren endlich auch einmal, was Staatssekretäre eigentlich für ein Aufgabengebiet haben. Und dann gibt es noch die kleinen, kurzen Kapitel, die erst scheinbar nichts mit der Geschichte zu tun haben, die von hochrangigen ehemaligen NATO Generälen handeln, die scheinbar zufällig alle gezielt ermordet werden. Natürlich lässt sich kein Täter und auch kein Motiv ermitteln, aber sind es wirklich nur sinnlose Zufälle?

Geschickt verwebt Schorlau hier Realität und Fiktion, wobei einem schon sehr eindringlich vor Augen geführt wird, was die Realität ist. Dengler und seine Freunde dienen als Mittelmänner für einen tatsächlichen Fall, sie sind das Mittel, damit das Ganze nicht zu einem Sachbuch abdriftet und durch die abwechslungsreichen, kurzen Kapitel zu einem spannenden Politthriller wird. Ihre privaten Probleme geben diesem Buch noch die besondere Würze, dadurch fiebert man nicht nur der Lösung des Falles entgegen.

Die Realität ist dafür aber umso erschreckender, das Field Manual 30-31, welches praktisch die Erlaubnis zu Terroranschlägen erteilt, wird im Anhang des Buches tatsächlich abgedruckt. Fiktion oder Realität, haben sich die NATO Generäle das wirklich ausgedacht? Oder war der Bombenanschlag eine Woche vor der Bundestagswahl nur ein geschickter politischer Schachzug – so bitter er auch geendet hat? Da die meisten Zeugen mittlerweile gestorben sind und die Beweise vernichtet, werden wir das wohl nie mehr erfahren. Schorlau wirft auch gekonnt Brocken von aktuellen politisch hochbrisanten Themen immer wieder in die Geschichte ein, diese Aktualität ist kaum zu überbieten. Dafür bringt er ein verdrängtes Stück deutsche Geschichte wieder ins Gedächtnis, denn wer kann sich noch großartig an das Attentat erinnern. Weil es immer noch totgeschwiegen wird?

Berührend ist das Treffen mit den noch lebenden Opfern des Attentats, hier wird einem richtig deutlich, dass nicht die Toten die eigentlichen Opfer sind, sondern diejenigen, die mit ihren inneren und äußeren Verletzungen weiterleben müssen.

Das Ende ist allerdings wieder haarsträubend, das erwartet man eher in einem Hollywood Streifen. Darüber kann man zwar mit einem Augenzwinkern hinwegsehen, denn die ganzen angesprochenen Themen machen es wieder wett. Politik ist ein Minenfeld, jeder belauscht jeden, jeder erpresst jeden und eigentlich handelt keiner zum Wohle der Menschheit, sondern nur für sich selber und vielleicht noch seine Partei. Alle losen Fäden werden zum Schluß verknüpft, trotzdem bleiben noch eine Menge Fragen über, aber das ist bei dem realen Attentat ja auch genauso.

Genauso interessant wie der Krimi ist auch der Anhang des Buches. Hier geht Schorlau explizit auf das Attentat, das Field –Manual und die tatsächlichen Ermittlungen ein, erläutert die Tatsachen. Es lohnt sich diesmal wirklich, über den Tellerrand hinaus zu lesen


Fazit

Wolfgang Schorlau ist ein Meisterstück gelungen, ein vergessenes Attentat in ein neues Kleid zu packen und es in die Köpfe der Leser wieder zurück zu holen. Er hat einen brisanten Politthriller geschaffen, der zum Nachdenken anregt und ein bitteres Gefühl hinterlässt.


Pro und Contra

+ vergessenes Attentat
+ aktuelle politische Ereignisse werden einbezogen
+ schonungsloser aber fesselnder Schreibstil
+ kurze, knappe Kapitel
+ interessante Charaktere und ihre Aufgaben
+ Aufklärung, nicht Verschleierung

o kann auch ohne die Vorbände gelesen werden

- etwas langatmig
- Ende haarsträubend

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 24. Januar 2010
 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren