Michael Preissl (04.02.10)

Interview mit Michael Preissl

Literatopia: Hallo Michael! Du bist unter anderem Verlagschef und Herausgeber – aber was für eine Person steckt hinter diesen Tätigkeiten? Erzähl uns doch ein wenig von Dir!

Michael Preissl: Hallo. Ich bin Michael Preissl, werde heuer 33 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Frau und unseren zwei Söhnen südlich von Wien. Neben meinen Brotjob in der IT Branche verbringe ich viel Zeit damit meine Träume und Ziele zu verwirklichen.

Literatopia: Mit Voodoo Press hast Du einen eigenen Verlag gegründet. Wie kamst Du dazu? Und mit welchen Genres beschäftigt sich Voodoo Press?

Michael Preissl: Die Verlagsgründung kam in der Planungungsphase der Anthologie Rose Noire zustande. Da ich Rose Noire auch selbst vertreiben wollte, blieb mir glaube ich auch nichts anderes übrig als einen Verlag zu gründen. Anfangs wollte ich mich nur auf Anthologien fixieren, doch dann erhielt ich Michael Knoke’s Manuskript „Das Tal des Grauens“, das mich sofort fesselte. Somit stand für mich fest, Voodoo Press wird kein Verlag der nur Anthologien verlegt, sondern Voodoo Press wird ein Verlag, der Horror, dunkle Phantastik, Urban Fantasy, Thriller und Dark SF verlegen wird.

Literatopia: Auf welche Titel, die dieses Jahr bei Voodoo Press erscheinen, sollten die Leser Deiner Meinung nach besonders achten? Was sind Deine persönlichen Highlights?

Michael Preissl: Das ist eine besonders schwierige Frage, denn als Verleger nimmt man klarerweise nur Titel in sein Programm auf, von denen man ausgeht, dass diese den Lesern auch zusagen werden. Besonders freut es mich allerdings, dass es mir gelungen ist, auch Titel von den internationalen Autoren Kealan Patrick Burke, Jeremy C. Shipp und Daniel I. Russell als deutsche Erstveröffentlichung verlegen zu dürfen.

Literatopia: Als Kleinverlag hat man es in der Literaturbranche nicht leicht. Mit welchen Schwierigkeiten hast Du regelmäßig zu kämpfen? Und welche positiven Erfahrungen hast Du gemacht?

Michael Preissl: So richtige Schwierigkeiten hatte ich bis jetzt zum Glück noch nicht. Allerdings gibt einen Haufen an administrativen Dingen, die ich gerne links liegen lassen würde, aber diese Dinge gehören unbedingt gemacht. Darunter fällt zum Beispiel die Titelmeldungen beim VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher). Sonst habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich denke der Verlag ist bis jetzt recht gut angekommen und ich hoffe das Voodoo Press noch viel bekannter wird.

Literatopia: Wie viele Leute arbeiten bei Voodoo Press? Bist Du sozusagen noch ein „Ein-Mann-Betrieb“ mit vielen freien Mitarbeitern oder gibt es neben Dir festes Personal?

Michael Preissl: Anfangs war es klarerweise ein „Ein-Mann-Betrieb“. Fixe Mitarbeiter hat Voodoo Press zwar bislang noch nicht, aber dafür eine Menge an freien Mitarbeitern. Wir haben nun endlich zwei tolle Lektoren gefunden auf die wir zukünftig zurückgreifen können. Weiters arbeitet meine Frau schon fleißig mit. Sie ist zuständig für den Urban Fantasy Bereich und wird eine eigene Reihe namens „Angels & Monsters“ herausbringen. Für beide Bereiche suchen wir übrigens noch gute Manuskripte.

Literatopia: Wie verschaffst Du Deinem Verlag Beachtung? Und welche Rolle spielt dabei für Dich das Internet, sprich Onlineportale und Foren?

Michael Preissl: Ich versuche regelmäßig die Presse über Neuigkeiten zu informieren, dabei spielt das Internet natürlich eine große Rolle. Ich bin auch der Überzeugung, dass gerade die Kleinverlagsszene davon sehr profitiert, denn man kann kostengünstig auf sich aufmerksam machen. Auch Foren dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Ich treibe mich regelmäßig in einschlägigen Foren herum und bekomme so auch sehr viel über die Leser als auch Verlagsszene mit. Das Internet hilft uns auch, auf Autoren aufmerksam zu werden. Im Großen und Ganzen kann ich also sagen, dass es für uns ein Segen ist und ich bin schon gespannt, was es zukünftig für die Verlagswelt bedeuten wird.

Literatopia: Bei Voodoo Press hast Du unter anderem die Anthologie „Rose Noir“ herausgegeben. Welche Art von Geschichten hattest Du dabei im Sinn?

Michael Preissl: Mit Rose Noire wollte ich eine gute Mischung aus dem Bereich der dunklen Phantastik und ein wenig Horror zusammenstellen. Ich habe den Autoren dabei eigentlich keine Einschränkungen gegeben, da ich deren Ideenreichtum nicht im Wege stehen wollte. Ich denke das ist mir mit Rose Noire auch gelungen und ich erhielt auch viel positives Feedback.

Literatopia: Hast Du vielleicht eine „Lieblingsgeschichte“ in der Anthologie? Eine, die Dich besonders gefesselt hat oder die die Idee hinter „Rose Noir“ Deiner Meinung nach am besten verwirklicht hat?

Michael Preissl: Für mich als Herausgeber von Rose Noire ist es wirklich schwer zu sagen welche Story mich wirklich gefesselt hat und welche nicht. Gefallen hat mir jede Story, sonst hätte sie es nicht in die Anthologie geschafft. Würde man mich fragen, auf welche Story ich am meisten stolz bin, würde ich sagen auf die von Kealan Patrick Burke. Das liegt allerdings daran, dass es mich sehr gefreut hat ihm eine Story für Rose Noire abzuluchsen.

Literatopia: Wie hast Du die Auswahl der Autoren getroffen? Hattest Du sofort bestimmte Namen im Sinn, die Du unbedingt in der Anthologie sehen wolltest?

Michael Preissl: Bei der Planung zu Rose Noire hatte ich schon einige Autoren im Kopf die sich einen Namen gemacht haben. Allerdings sind auch einige gute Newcomer enthalten. Wichtig war mir von Anfang an eine gute Mischung zu finden und, dass die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen gelassen wird.

Literatopia: Für „Im Tal des Grauens“ hast Du das Cover gestaltet. Wirst Du auch weiterhin Cover zu Büchern von Voodoo Press gestalten oder war es eher eine Ausnahme? Arbeitest Du gerne bildhaft gestalterisch?

Michael Preissl: Ich würde gerne mehr gestalterisch unterwegs sein und auch mehr können. Das Cover für „Das Tal des Grauens“ ist eigentlich aus einer Spielerei heraus entstanden. Ich hatte die Geschichte von Michael Knoke fertig gelesen und irgendwie ein Bild vor Augen, wie ein Cover für dieses tolle Werk aussehen könnte. Also setzte ich mich an meinen MAC und versuchte ein Cover zu gestalten. Das Ergebnis mailte ich Michael Knoke, dem es gleich zusagte. Nach einigen weiteren positiven Rückmeldungen dachte ich mir, nun gut, dann werden wir dieses Cover verwenden. Ob ich weiterhin Covers gestalten werde kann ich nicht sagen. Einerseits hängt es von der Zeit ab, andererseits von meinen Fähigkeiten im grafischen Bereich. Aber zum Glück gibt es so viele tolle Künstler im deutschen Raum, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe und auch weiterhin zusammenarbeiten möchte, dass ich mir punkto Covergestaltung nicht unbedingt den Kopf zerbrechen muss. Hier möchte ich mich gleich bei Mark Freier, Thomas Hofmann und Lars Maria Maly für die bislang hervorragende Arbeit bedanken.

Literatopia: Auf Deiner Homepage heißt es „Verleger, Herausgeber und Autor“ – was schreibst Du? Und hast Du bisher schon etwas veröffentlicht oder ist etwas geplant?

Michael Preissl: Vor der Verlagsgründung habe ich ein wenig geschrieben. Voranging Kurzgeschichten. Veröffentlicht habe ich bislang in Welt der Geschichten und XUN. Derzeit arbeite ich auch wieder an einer Kurzgeschichte und einer Novelle. Weitere Ideen befinden sich auf unzähligen Spickzetteln und warten darauf umgesetzt zu werden. Allen voran stelle ich aber im Moment die Verlagstätigkeit.

Literatopia: Was liest Du gerne, wenn Du nach einem langen Tag abends noch ein wenig Zeit hast, ein Buch aufzuschlagen? Bevorzugt Phantastik oder vielleicht ganz andere Genres?

Michael Preissl: Zeit zum Lesen nehme ich mir. Ab und zu muss ich abschalten und das geht am besten mit einem guten Buch. Dabei greife ich auf meinen Stapel ungelesener Bücher zurück. Die Titel spielen sich eigentlich fast alle im Horror und dunklen Phantastik Bereich ab.

Literatopia: Was erwartet uns 2010 allgemein von Dir? Arbeitest Du an weiteren Anthologien oder wirst Du Doch vornehmlich auf die Arbeit als Verlagschef konzentrieren?

Michael Preissl: Für 2010 habe ich mir einiges vorgenommen. Ich plane bereits die nächste Anthologie in der wieder tolle internationale als auch nationale Autoren enthalten sein werden. Auch wollen wir viele Top Titel dieses Jahr auf den Markt bringen, darunter einige deutsche Erstveröffentlichungen von den Autoren Kealan Patrick Burke, Jeremy C. Shipp und Daniel I. Russell.

Literatopia: Vielen Dank für das Interview, Michael!

Michael Preissl: Ich danke auch.


Rezension zu "Rose Noir"


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

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