Jens Schumacher und Jens Lossau (18.04.2010)

Interview mit Jens Schumacher und Jens Lossau

Literatopia: Hallo Jens & Jens! Stellt euch doch bitte kurz unseren Lesern vor. Wer seid ihr und in welchen Genres treibt ihr euch herum?

Jens Lossau: Wir veröffentlichen seit Mitte der 90er gemeinsam und getrennt in unterschiedlichen Genres, ich überwiegend im Bereich Thriller und Mystery/Horror, während Schumacher gefühlte 500 Kinder- und Jugendbücher geschrieben hat, viele davon im phantastischen Bereich. Als Autorenduo starteten wir mit Horror, es gab sogar mal eine Science Fiction-Geschichte von uns, in einer Anthologie. Zusammen haben wir einige Mystery-Krimis um das Ermittlerduo Grosch und Passfeller veröffentlicht. Wir kennen uns jetzt seit gut 30 Jahren und erfinden im Grunde seit den späten Siebzigern zusammen Geschichten … Um Himmels Willen, Schumacher – sind wir alt geworden!

Literatopia: Im April erscheint bei Egmont Lyx euer Roman »Der Elbenschlächter«. Der Titel lässt Spannung und Humor vermuten – worum geht es in diesem Buch?

Jens Lossau: In Sdoom, der Hauptstadt Nophelets, treibt ein mysteriöser Serienmörder sein Unwesen. Er überfällt männliche Elbenprostituierte, um ihnen mithilfe illegaler Magie ihre gesamtes Blut sowie den Inhalt ihrer Hoden zu rauben.

Jens Schumacher: Das IAIT (Institut für angewandte investigative Thaumaturgie), eine staatliche Ermittlungsbehörde, die eigens zur Aufklärung magischer Kriminaldelikte ins Leben gerufen wurde, setzt zwei seiner besten Mitarbeiter auf den Fall an: den Troll Jorge sowie den Lichtadepten Meister Hippolit. Und los geht die Achterbahnfahrt!

Literatopia: Voraussichtlich im Oktober wird ein weiterer Roman über die beiden IAIT-Ermittler Hippolit und Jorge erscheinen: "Der Orksammler". Was könnt Ihr schon über die Handlung verraten? Werden sie erneut in Nophelet ermitteln, oder darf man sich über einen neuen Schauplatz freuen?

Jens Lossau: Prinzipiell wollen wir noch oft nach Nophelet zurückkehren, in diese merkwürdige, vielschichtige Stadt, in der sich Mechanik und Zauberei die Hand geben. Im zweiten Band reisen Jorge und Hippolit allerdings zunächst in eine andere Region Sdooms, nämlich nach Torrlem, in die Stadt des Todes. Auch hier gibt es Zauberei und Mechanik im direkten Miteinander, allerdings geht es eine ganze Ecke düsterer und apokalyptischer zu als im »Elbenschlächter«.

Jens Schumacher: Vor den Toren der Grabstadt lagert eine Militärstreitmacht, aus deren Heerlager Nacht für Nacht Soldaten verschwinden, allesamt Orks. Die Vermissten tauchen Tage später tot in der Karstwüste rings um das Lager wieder auf. Jemand – oder etwas – hat ihnen mit roher Gewalt die Herzen aus dem Leib gerissen. Jorge und Hippolit müssen ihren wohlverdienten Urlaub abbrechen und sich auf die Suche nach dem mysteriösen Mörder machen …

Literatopia: Ein uralter Ermittler steckt durch ein magisches Missgeschick im Körper eines minderjährigen Jungen fest. Wie kommt man auf solch eine aberwitzige Idee? Konnte diese euch vom ersten Geistesblitz an überzeugen, oder musstet Ihr euch erst selbst den Mut abringen, auf ein solches »Pferd« zu setzen?

Jens Lossau: Die Personen stehen bei uns meist am Anfang der Konzeption, so auch die Figur des Hippolit. Neben unserem Faible für gegensätzliche Charaktere haben wir Spaß an Antihelden, die sich einmal nicht durch Kampfeskünste und Erhabenheit auszeichnen.

Jens Schumacher: Wir schätzen es beide, wenn bei einer Figur ihre besonderen Fähigkeiten in krassem Widerspruch zu ein paar ausgeprägten Schwächen steht. Das war die Zielsetzung beim Entwickeln unserer beiden Ermittler: Jorge ist körperlich stark, ein herzensguter Kerl und eine ehrliche Haut, auf der andere Seite maßlos, triebgesteuert, gefräßig und manchmal schlicht tumb; Hippolit verfügt über immense magische Fähigkeiten, steckt aber im schwächlichen Körper eines Halbwüchsigen fest, den keiner für voll nimmt. Beide verbindet ein reizvolles Abhängigkeitsgefüge, sie wären allein nicht durchsetzungsfähig.

Jens Lossau: Mal im Ernst: Wer will denn heute noch über muskelbepackte Berserker lesen, die zu dumm sind, in einen Eimer zu scheißen, aber andauernd Phrasen wie »Ehre« und »Heldenmut« dreschen? Wir sind doch nicht im Kindergarten! Unser Ziel ist es, die schlimmsten Klischees des Genres zu umschiffen. Oder aber wir gehen vor wie in »Pulp Fiction«: Die Storys starten extrem klischeebeladen, man erkennt die holzschnittartigen, kruden Mechanismen – und dann marschiert plötzlich alles in eine völlig andere Richtung. Mit unseren Figuren verhält es sich genauso.

Literatopia: Wortwürfe ersetzen Handys. Vulwoogs könnte man mit Limousinen vergleichen und die thaumaturgische Magie mit der Gerichtsmedizin. Sogar Fuhrparks nennt eure Fantasy ihr Eigen und ist oftmals geschmückt mit umgangsprachlichen Höhepunkten. Würdet ihr eure Vorstellungen von Phantastik als moderne Fantasy bezeichnen? Oder seid ihr gar der Meinung, der gedeckte Tisch dieses Genres lässt in diesem Punkt noch Servierplatten frei?

Jens Schumacher: Wir leben im 21. Jahrhundert, das bedeutet, keiner von uns wird mehr die Geburt eines gänzlich neuen Genres in Literatur, Musik oder bildender Kunst miterleben. Der einzige Weg, in dem man als Künstler noch etwas Originelles, Eigenes schaffen kann, ist die Neukombination bekannter Versatzstücke – Crossover eben. Das ist exakt, was wir mit den Abenteuern um Jorge und Hippolit versucht haben.

Jens Lossau: Wir mögen Fantasy, allerdings habe ich nie verstanden, warum diese Welten immer so mittelalterlich daherkommen müssen. Nur weil Tolkien das so gemacht hat? Wir fanden es reizvoll, den ganzen öden Mittelalter-Kram zu ersetzen durch ein etwas schrägeres London des 19. Jahrhunderts mit dampfgetriebenen Droschken, Gaslicht und so weiter.

Jens Schumacher: Warum sollte es in einer Fantasy-Welt denn keine technische Errungenschaften geben? Wäre es nicht ziemlich erbärmlich, wenn die Bewohner einer solchen Welt in vielen tausend Jahren Existenz nicht wenigstens so etwas wie eine Dampfmaschine oder das Wasserklosett erfunden hätten? Das wäre eine Welt voller Schwachköpfe, und in so einer möchten wir keine Geschichten ansiedeln!

Jens Lossau: Klar, jede Fantasy-Welt soll natürlich irgendwo eine Gegenwelt darstellen, möglicherweise eine Idealwelt, wo Gut und Böse klar voneinander getrennt sind und auch sonst alles strukturiert und überschaubar ist. Aber trotzdem, wo bleibt da die Vielfalt? Es darf nicht nur einen Weltenentwurf geben!

Literatopia: Der Verlag bewirbt den Elbenschlächter mit den Worten »Fantasy für Thrillerliebhaber und Fans von Quentin Tarantino!« – inwiefern empfindet ihr diese Werbung als passend?

Jens Schumacher: Wir selbst hätten uns so einen vollmundigen Slogan vielleicht nicht getraut, aber der Verlag darf ja draufschreiben, was er will. Wir finden, der Vergleich bereitet den Leser recht treffend auf die einzigartige, zuweilen krude Mischung vor, die er mit dem »Elbenschlächter« bekommt.

Literatopia: In »Der Elbenschlächter« gehört der Großteil der Elben der gemeinen Gesellschaft an. Sie sind meist Bettler, Tagelöhner und, welch Wunder, sogar Stricher. Wart ihr des weisen und friedvollen Images der Elben überdrüssig? Und hat es euch Spaß gemacht, die edelste Rasse der Fantasy solchen Peinlichkeiten auszusetzen? Schon irgendwelche Drohbriefe bekommen?

Jens Lossau: Wir sind aller Konventionen überdrüssig. Es musste nicht unbedingt ein Elbenschlächter sein, aber wir hatten das Gefühl, dass diese ätherischen Geschöpfe, denen meines Erachtens seit jeher eine von der Literatur nicht wirklich ausgereizte erotische Komponente anhängt, verflixt gute Opfer abgeben würden.

Jens Schumacher: Also, ich fand ja schon mit zwölf, als ich zum ersten Mal Tolkiens Trilogie las, dass diese ewig singenden und dichtenden langhaarigen Weichlinge etwas extrem Homoerotisches ausstrahlen. Wir haben in unserem Roman daraus lediglich die Konsequenz gezogen: Wenn ein hoher Prozentsatz Elben schwul ist, können diese natürlich auch Oberlippenbärte tragen und auf den Strich gehen. Aber keine Angst: Andere Archetypen der Fantasy kriegen ihr Fett auch noch weg!

Jens Lossau: Eine bekannte Zeitschrift hat mal geschrieben: »Lossau/Schumacher sind die Punks der Fantasy-Szene.« Zuerst haben wir uns gegen diese Titulierung gewehrt, aber ich befürchte, der Verfasser hatte mit seiner damaligen Einschätzung gar nicht mal Unrecht.
Ich finde indes nicht, dass wir die Elben der Peinlichkeit ausgesetzt haben, nur weil wir ihr bisheriges Image ein bisschen modifiziert haben. Tatsächlich haftet ihnen jetzt zum ersten Mal etwas wirklich Tragisches an. Das wird im Buch u.a. während Jorges Gespräch mit Vier, dem Elbenjüngling, deutlich.

Jens Schumacher: Ich finde, dadurch, dass auch die Elben sich erstmals Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen müssen – und ganz nebenbei die Tatsache, dass sie Opfer einer grausamen Mordserie werden –, wird ihre Rasse als solches viel tragischer und auch nahbarer. Ich sehe darin absolut nichts Peinliches … bis auf die Sache mit den Oberlippenbärten vielleicht. Aber dafür sind wir eben Lossau & Schumacher! (lacht)

Literatopia: Der eine Jens schreibt eher Krimis und Jugendliteratur, der andere geht stärker Richtung Thriller, Horror und Mystery. Wie habt ihr beide zusammengefunden? Und wieso habt ihr euch für einen High Fantasy-Background entschieden?

Jens Lossau: Wie gesagt, wir kennen uns jetzt seit über 30 Jahren und veröffentlichen seit fast fünfzehn Jahren zusammen. Wir haben das Pferd nicht von hinten aufgezäumt. Uns Geschichten auszudenken, der Spaß am Fabulieren – allein und gemeinsam –, das war seit jeher unser Ding. Irgendwann haben wir dann unser Hobby zum Beruf gemacht.

Jens Schumacher: Wir standen, seit wir klein waren, sehr oft auf dieselben Bücher und Filme. Die unterschiedlichen literarischen Ausprägungen haben sich erst später herausgebildet, als wir schon lange befreundet waren und erste Bücher zusammen gemacht hatten. Mittlerweile haben wir, was die passive Rezeption angeht, einen stellenweise recht unterschiedlichen Geschmack – wovon wiederum unsere gemeinsam verfassten Romane profitieren.

Jens Lossau: Nach wie vor gibt es auch noch eine Menge Überschneidungen. Gerade unsere Wurzeln können und wollen wir nicht verleugnen – weswegen wir beide noch je einen unveröffentlichten Horrorroman in der Schublade liegen haben …

Literatopia: Da es sich bei »Der Elbenschlächter« um euren ersten gemeinsamen Fantasy-Ausflug handelt: musstet ihr viel recherchieren? Und wie sah eure Recherche konkret aus?

Jens Schumacher: Leider streikte die Deutsche Bahn gerade wieder, als wir mit den Arbeiten am Buch begannen, so dass ich leider nicht mit dem ICE nach Nophelet rübertuckern und ein paar tiefschürfende Recherchen anstellen konnte … Aber mal im Ernst: Die Frage ist, im Hinblick auf einen Fantasy-Roman, doch eher absonderlich, oder? Wir verfolgen das phantastische Genre seit Jahrzehnten, haben alles gelesen, was auf diesem Sektor wichtig ist. Das war unsere Recherche.

Jens Lossau: Nachdem wir ein paar Thriller mit hohem Sachfaktengehalt geschrieben und für diese richtig aufwändige Recherche betrieben haben, wandten wir uns der Fantasy zu, um endlich mal nichts mehr recherchieren zu müssen! Wir kennen die Klassiker des Genres, den Rest haben wir uns so gebastelt, wie wir es brauchten – mithilfe unserer Phantasie, deswegen heißt das Genre nämlich so!

Jens Schumacher: Was natürlich wichtig war, gerade beim Auftaktband zu einer Reihe, und was andere Autoren möglicherweise als »Recherche« bezeichnen würden (weil sich das immer so schön professionell anhört), ist jene Homogenität und Schlüssigkeit zu schaffen, die eine komplett erfundene Welt zum Funktionieren benötigt. Gerade, wenn man ein so sehr auf Logik fußendes Genre wie die Kriminalgeschichte mit einem so freien wie der Fantasy kreuzt, muss man aufpassen, dass über allem ein striktes Netz von physikalischen und logischen Gesetzmäßigkeiten liegt, das sich auch dem Leser erschließt. Ansonsten endet so ein Crossover zwangsläufig im Chaos.

Jens Lossau: Unser Anliegen war es – wie bei all unseren Projekten – dass wir den Leser binnen kürzester Zeit in eine plausible Welt hinüberziehen. Das war beim »Elbenschlächter« schwierig, da es dort eben Zauberei und dergleichen gibt. Durch das konkrete Wirkungsgefüge, das Schumacher erwähnt hat, gehen wir unbequemen Nerd-Fragen aus dem Weg wie etwa: »Warum zaubern sich die Ermittler nicht einfach die Lösung des Falles herbei?«

Literatopia: Wie lief eure Zusammenarbeit konkret ab? Habt ihr beide in etwa gleich viel Text geschrieben? Oder war eher einer für das Schreiben an für sich zuständig, während der andere recherchiert und den Großteil Ideen heranträgt?

Jens Lossau: Unsere gemeinsamen Bücher entstehen in allen Bereichen zu gleichen Teilen. Wir denken die Story gemeinsam aus, erstellen zusammen Verkaufs- und Ablaufexposés und schreiben jeder in etwa die Hälfte des Textes.

Jens Schumacher: Auch bei den anschließenden Korrektur- und Lektoratsrunden – im Mittel etwa drei bis fünf – sind wir gleichermaßen beteiligt, jeder hat Ergänzungs- und Vetorechte. Aber so richtig verstehen kann man unsere konkrete Arbeitsweise wohl nur, wenn man selbst einen Kumpel hat, mit dem man seit 30 Jahren ständig zusammen abhängt und nahezu seinen kompletten kulturellen Background teilt …

Literatopia: Lief die gemeinsame Arbeit am Buch eher friedlich ab oder gab es auch die eine oder andere hitzige Diskussion?

Jens Lossau: Da wir uns so endlos kennen und lange vor unserem Schritt ins professionelle Lager befreundet waren, gibt es bei uns keine »hitzigen Diskussionen«. Und selbst wenn mal einer das Gefühl haben sollte, sich in einem Lossau/Schumacher-Projekt nicht zu 100% verwirklicht zu haben, hat jeder ja noch seine Solo-Projekte, in denen er tun und lassen kann, was er will. Der Unterschied zu Leuten, die nur aus Hobbygründen schreiben, ist einfach folgender: Wir arbeiten seit Jahren professionell zusammen, und dabei geht es natürlich auch immer wieder um Geld. Entweder, dann klappt alles reibungslos, oder man lässt es bleiben. Dazwischen gibt es nichts.

Jens Schumacher: Richtig. Man verhungert sonst einfach zu schnell! (lacht) Wir haben jetzt schon so viel zusammen gemacht, da ist auch die Zeit der Machtspielchen lange vorbei. Wir müssen dem anderen nichts mehr beweisen, weder stilistisch noch umfänglich, das macht die Zusammenarbeit entspannt und ermöglicht es uns, allein den Stoff in den Vordergrund zu stellen, wie es ein einzelner Autor auch tun würde.

Literatopia: Wir seid ihr beiden eigentlich zum Schreiben gekommen? Gehört ihr zu denen, die Dutzende Romane aus ihrer Jugend gut versteckt in Schubladen bunkern, oder kam bei Euch irgendwann der Punkt, an dem ihr diese Leidenschaft entdeckt habt?

Jens Schumacher: Wie gesagt, gelesen haben wir beide schon von Kindesbeinen an unglaublich viel – in meinen Augen die einzige legitime Entschuldigung dafür, dass man später Autor wird. Klar haben wir auch als Jugendliche schon geschrieben, in meinem Fall vor allem Hörspiele und interaktive Questbooks. Aber in der Schublade wurde davon nichts gebunkert, es war kindliche Spielerei. Ab dem Zeitpunkt, wo wir beschlossen, gemeinsam zu schreiben – das war die erwähnte Horror-Phase –, betrieben wir die Sache dann schon so ernsthaft, dass so gut wie alles veröffentlicht wurde, was wir schrieben.

Jens Lossau: Ich glaube, bis auf ein oder zwei frühe Gehversuche haben wir tatsächlich fast alles publiziert. Wir hatten das Glück, bereits mit 22 unser erstes Buch veröffentlichen zu dürfen. Anlässlich unseres zweiten Bandes wurde dann H. R. Giger auf uns aufmerksam, und von da an konnten wir erst mal machen, was wir wollten …

Literatopia: Was findet sich alles in euren Bücherregalen? Ebenfalls Fantasy oder doch eher Horror und Science-Fiction? Oder gar historische Romane?

Jens Lossau: Alles. Von Reiseberichten und Krimis über Phantastik und SF bis hin zu total abgefahrenem Zeug oder Klassikern der Weltliteratur gibt es da nichts, was es nicht gibt. Wir sind nicht Fans eines fixen Genres, wir sind Fans von Büchern generell, von gut erzählten Geschichten. Da ist es dann egal, ob die von Zombie-Cowboys in Gau-Bickelheim handeln oder von der Unbegreiflichkeit einer adoleszenten Bewusstseinskrise.
Jens Schumacher: Schön gesagt! Wenn die Geschichte gut erzählt ist und man merkt, dass der Autor sie nicht nur deswegen aufgeschrieben hat, um so ein cooler, veröffentlichter Autoren-Zampano zu sein, interessiert mich jedes Buch, unabhängig vom Genre.

Literatopia: Was ist euch persönlich lieber: ein schönes Hardcover für etwas mehr Geld oder eine günstige Paperback-/Taschenbuchausgabe? Welches Buch ist sozusagen euer größter Schatz?

Jens Schumacher: Wir stehen beide extrem auf schön gemachte Bücher. Ich habe vor gefühlten 100.000 Jahren mal Buchwissenschaft mit Schwerpunkt Bibliophilie studiert, d.h. ich bin für billige Taschenbuchausgaben ohnehin lebenslang verdorben.

Jens Lossau: Bei unseren eigenen Büchern sind wir immer sehr interessiert daran, dass sie schön aussehen, am besten mit Sonderausstattung und solchen Späßen. Wir hatten früh das Glück, bei den Covergestaltungen aktiv mitwirken zu dürfen. Generell pflegen wir, anders als viele Kollegen, einen recht engen Kontakt zu Illustratoren und Grafikern, die wir je nach Projekt gezielt für die Gestaltung unserer Bücher ansprechen; so sind wir sehr froh, u.a. mit H. R. Giger und Steffen Winkler einige hochrangige Künstler zu unserem Bekanntenkreis zählen zu dürfen.

Jens Schumacher: Wirklich kostbare Bücher, die man unter Glas aufbewahrt und nur mit Handschuhen anfasst, besitze ich nicht. Das fände ich auch schon wieder albern, ein Buch ist ja dazu gemacht, gelesen zu werden! An zeitgenössischen Büchern finde ich die Fantasy-Romane von Walter Moers toll, die im Hardcover durch die Illustrationen, den Buchschmuck und das penible Layout von Oliver Schmitt zu erschwinglichen Gesamtkunstwerken werden.

Jens Lossau: Der Verlag, der vielleicht die schönsten Bücher überhaupt macht – zumindest in Deutschland –, ist die Edition Phantasia von Joachim Körber. Das wertvollste Buch in meinem Besitz stammt aus seinem Haus: ein signierter Bradbury, großformatig gebunden und wunderschön aufgemacht.

Literatopia: Wo wird man euch mit dem Elbenschlächter dieses Jahr antreffen? Sind schon Lesungen geplant? Und wie steht ihr allgemein zu Lesungen – Notwendigkeit oder großer Spaß?

Jens Lossau: Da wir zu zweit sind, sind Live-Veranstaltungen für uns durchaus ein großer Spaß. Uns war schon früh klar, dass »normale« Lesungen sehr schnell langweilig werden können, da ja auch Zuhören anstrengend ist. Deswegen tragen wir auf gemeinsamen Lesungen grundsätzlich dialogisch vor, mit verteilten Rollen, und erstellen eigens für diese Gelegenheiten ganz neue Textversionen, die der auditiven Rezeption stärker entgegen kommen als die häufig doch sehr langatmig deskriptiven Texte im Buch. Wenn der technische Rahmen es zulässt, bringen wir Musik und Samples mit, so dass eine Art Live-Hörspiel entsteht, bei dem dann hoffentlich keiner mehr einschläft.

Jens Schumacher: Live-Weltpremiere feiert »Der Elbenschlächter« Mitte April auf der RPG in Köln, im Mai folgt eine Präsentation in der Schule des deutschen Buchhandels in Frankfurt. Die konkreten Termine finden sich auf unseren Webseiten. Darüber hinaus sind im Augenblick keine weiteren Aktivitäten geplant, eine größere Lesetour zumindest wird es nicht geben. Das liegt u.a. daran, dass solche Sachen zwar Spaß machen, aber auch viel Zeit kosten und im Endeffekt kaum etwas einbringen; die Auswirkungen auf die realen Absatzahlen eines Buchtitels sind, selbst im Anschluss an mehrere richtig erfolgreiche Lesungen, in etwa vergleichbar mit dem eines Dutzends euphorischer Online-Rezensionen: gleich null.

Literatopia: Was wird uns in der Zukunft von Euch erwarten? »Der Elbenschlächter« stellt ja einen Reihenauftakt dar, im Herbst bereits wird „Der Orksammler“ erscheinen – wie viele Bände wird es insgesamt geben? Und werdet ihr darüber hinaus weiterhin Ausflüge in die High Fantasy unternehmen?

Jens Schumacher: Weitere Bände sind konzipiert; logisch, wenn man eine Reihe startet, redet man mit dem Verlag nie nur über einen einigen Band. Ob und wann weitere Romane erscheinen, hängt aber – wie vieles auf dem Buchmarkt – zu einem guten Teil vom Erfolg der ersten Bände ab. Also, ihr da draußen: Wenn euch »Der Elbenschlächter« gefällt, kauft euch doch einfach noch 500 Exemplare! Gestapelt geben sie ein gutes Bett ab, auch frühstücken oder Sex haben lässt sich prima darauf. Und gleichzeitig erhöht ihr die Chancen auf weitere absurde Abenteuer des IAIT!

Jens Lossau: Wahnsinn! Ich bestelle sofort 500 … ach, komm: 1000!

Literatopia: Vielen Dank für das Interview!



Dieses Interview wurde von Angelika Mandryk und Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

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