Der Elbenschlächter (Jens Lossau / Jens Schumacher)

Egmont Lyx (April 2010)
kartoniert, Klappbroschur
Seiten: 315, 9,95 EUR [D]
ISBN: 978-3-8025-8257-8

Genre: Fantasy(-Thriller)


Klappentext

Fünf tote Elbenjünglinge innerhalb weniger Tage und alle auf magische Weise ihres Blutes beraubt – ein Fall für das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie, spezialisiert auf die Aufklärung magischer Verbrechen. Seine beiden besten Agenten, Lichtadept Meister Hippolit und Jorge der Troll, werden ausgeschickt, um dem rätselhaften Elbenschlächter auf die Spur zu kommen. Die Entdeckungen, die sie dabei machen, überraschen sogar die beiden erfahrenen Ermittler ...


Rezension

Spannende Fantasy gibt es genug. Einige Autoren, darunter zum Beispiel Brom oder Oisin McGann, haben schon bewiesen, dass sie gut kombinieren und vermengen können. Andere hingegen bleiben einem einseitigeren Konzept, mehr oder weniger erfolgreich, treu. Wird allerdings das Wort Thriller in Verbindung mit Fantasy gebracht, so schaut man meist noch näher hin. Und das nicht gänzlich ohne Grund ...

>> Jorge wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn, wobei er hoffte, dass sich unter ihm, am Boden des Tempels, gerade niemand aufhielt. Die Schweißtropfen, die sich aus seiner Achselhöhle lösten und lautlos in die Tiefe segelten, hätten einen ausgewachsenen Ochsen erschlagen. <<

Die Stadt Nophelet ist ruhig und beschaulich. Im Grunde eigentlich der sternförmige Stolz Sdooms. Zumindest, wenn es dem geneigten Besucher gelingt, sämtlichen Schandflecken zu ignorieren. Da wäre unter anderem eine nach zahlreichen Unfällen benannte Brücke, ein bestialisch stinkender Fluss, den selbst Fliegen meiden, und nicht zuletzt auch Foggats Pfuhl, das Viertel der Lustbarkeiten. - Ein Ort für dubiose Geschäfte, großzügige Feiern und Elben-Stricher mit Oberlippenbart. Als sich das IAIT (Institut für angewandte investigative Thaumaturgie) plötzlich mehrerer magisch verübter Morde annehmen muss, gibt es nur zwei Männer für diesen Job: Lichtadept Meister Hippolit und Jorge, den Troll. Der eine ein kindlich wirkendes Genie. Der andere das ausgesprochen peinliche Gegenteil.


„Raffinierter als Holmes & Watson, schlagkräftiger als Spencer & Hill, abgedrehter als Clever & Smart – Jorge und Hippolit bringen frischen Wind ins angestaubte Fantasy-Genre!“, so meinte Tim Lenke vom Virus-Magazin und ihm zuzustimmen würden sich wohl nur wenige Leser trauen. Denn wo Hippolit und Jorge am Ende sind, fangen Holmes und Watson erst richtig an. Gerade deswegen hält man beides doch lieber getrennt, denn die IAIT-Ermittler spielen ein gänzlich anderes Spiel. Eines, das sich dennoch sehen lassen kann und Respekt verdient. Vor allem, da es dem Leser Stunden voller Frohmut und Heiterkeit beschert, die so schnell nicht wieder zu vergessen sind.

Zu verdanken ist diese Tatsache beinahe ausschließlich den Charakteren. Denn mit Lichtadept Meister Hippolit und Agent Jorge wurde ein Team geschaffen, das einfach nur zu begeistern versteht. Situation um Situation wälzt sich der geneigte Leser gemeinsam mit den Protagonisten durch den recht kurzatmigen Fall. Dabei amüsiert vor allem Jorge mit seiner rüden, gewaltbereiten und manchmal auch ordinären Art. Denn gerade mit diesen Eigenheiten bietet er einen sagenhaft komischen Kontrast zu Meister Hippolit. Dieser ist wesentlich erfahrener und länger im Dienst als Jorge, steckt aber nach einem magischen Missgeschick im Körper eines Jungen fest. - Ein Ärgernis, das dem Magiebegabten so manche Peinlichkeit und dem Leser so manch boshaftes Lächeln beschert.

Gelächelt, wenn auch weniger boshaft, wird auch über den Stil der beiden Autoren. Er ist passend gewählt, locker und leicht zu lesen, vor allem aber sehr, sehr überzeichnend ausgelegt. Vergleiche und Schilderungen werden damit zur wahren Lesefreude, wobei neben solch witzigen Wortansammlungen auch der besinnlichere Part zur Geltung kommt, um dem Ganzen die nötige Stimmung zu verleihen. Und an dieser mangelt es, entgegen der zurechtgelegten Annahme, absolut nicht. Jens Lossau und Jens Schumacher beweisen nämlich wahre Vielseitigkeit. Sie verknüpfen viele kleine, besinnliche oder charakterisierende Details und rücken so den gesamten Inhalt des Buches ins rechte Licht. Auch ihr Magie-Konzept kann sich blicken lassen. Es ist hochentwickelt und ermöglicht, in Verbindung mit der in Sodom bekannten Mechanik, Wassertoiletten, Wortwürfe (die Handys ersetzen), Alarmanlagen und auch einen Schlingenapparat, den man als Lügendetektor bezeichnen kann. Diese Dinge sind zwar vorerst gewöhnungsbedürftig, bieten jedoch gut gelungene Abwechslung und spannende Erklärungen so mancher magischer Technologie.

Kritik ist allein, sieht man vom Erscheinungstermin des zweiten Bandes (Der Orksammler; Quartal 04/10) ab, die überschaubare Handlung wert. Obwohl sie zum Gesamtkonzept passt und stimmig ist, widersetzt sie sich in aller Form dem angekündigten Thriller. Leser, die sich aufgrund des Covers ein Buch erwarten, das sie auf diese Art zu unterhalten versteht, werden eine Enttäuschung erleben, sich aber an anderen Ideen und Umsetzungen der Autoren erfreuen.


Fazit

Lossau & Schumacher lassen es mit Jorge und Hippolit so richtig krachen. Sie bieten eine aberwitzige Symphonie aus Realität, Terry Pratchett und Joe Abercrombie. Fantasy-Fans, die endlich wieder einmal herzlich lachen und sich entspannt bei einer kleinen, literarischen Zwischenmahlzeit zurücklehnen wollen, sollten dieses Buch nicht verpassen!


Pro und Kontra

+ schön ausgemalte Fantasy-Welt
+ unterhaltsame Charaktere
+ Witz & Situationskomik
+ ein echter Pageturner
+ leicht leserlicher, angenehmer Stil
+ tolles & in sich stimmiges Gesamtpaket

o nicht immer jugendfrei
o moderne Magie & Technik

- kein Thriller, wie angekündigt

Bewertung:

Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 4,5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5


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