Mittwoch, 16. Oktober 2019

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Fee (Téhy, Tillier, Leclercq)
Geschrieben von Markus
Freitag, der 14. Mai 2010

Verlag: Splitter; 1. Aufl. (November 2008)
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten; 29,80 €
ISBN-13: 978-3939823896

Genre: Romantik/Science Fiction


Klappentext

Der Geist der Feen wird sie niemals verlassen.
Zwei Wesen, rein und zerbrechlich.
Automaten, die sich auf immer
in den Jahrhunderten verloren haben.
Zwei kostbare Herzen,
die in ewiger Liebe füreinander schlagen.


Rezension

Atemberaubend und verstörend, so kann man „Fee“ von Téhy, Tillier und Leclercq wohl am Besten beschreiben. Angesiedelt in einer Welt, in der die Menschen anscheinend nur noch negative Gefühle kennen und ihre Triebe ausleben, erzählt „Fee“ ein Märchen über die unsterbliche Liebe, die Ewigkeiten überdauert.
Der Comic beginnt mit dem Einbruch Jams in ein Museum. Doch will er nichts stehlen. Sein einziges Begehren ist es, seine große Liebe, seine Fee, wiederzusehen und sie zu neuem Leben zu erwecken. Denn sowohl Jam als auch die Fee, die nie einen Namen erhält, sind Androiden, was sie zu einem noch ungewöhnlicheren Liebespaar macht. 
Nachdem Jam aus dem Museum geflohen ist, führen Téhy und Tillier ihre Geschichte mit einem großen Rückblick fort. Sie erzählen seine Entstehungs- und - viel wichtiger - den Ursprung der sich entfaltenden Liebesgeschichte. Jam wurde einst in der „Alten Zeit“ von Sir Crumpett erschaffen, der als einziger Mensch noch an das Märchenhafte und Schöne zu glauben scheint, dabei aber gleichzeitig sehr verbissen vorgeht und es so nicht mehr erkennen kann. Sir Crumpett konstruiert in seiner Festung immer wieder aufs neue Automaten und Androiden auf der Suche nach dem Feenauge. Er ist überzeugt, dass diese Fabelwesen einst existierten und einen Zauber besaßen, den die Menschen in ihrer Gier vergessen haben. Jahrzehnte hat er mit seiner Suche verbracht und doch blieb ihm der Erfolg verwehrt. Bis Jam eines Tages durch Zufall, die „Fee“ zwischen alten fehlgeschlagenen Experimenten entdeckt. Für Jam ist es Liebe auf den ersten Blick und er eilt zu Sir Crumpett, damit er sie vervollständigt, denn Arme und Lippen fehlen ihr. Doch bevor sie ihre Lippen erhalten kann, stürmen die Menschen die Festung und zerstören alles, nur Jam und Fee überleben und können entkommen. Für Jahrhunderte sind sie getrennt, Jahrhunderte in denen Jam ohne Unterlass nach seiner Fee sucht und ihre Lippen aufbewahrt, bis er sie endlich findet. Von da an überschlagen sich die Ereignisse.

Fee erzählt die klassische Geschichte eines Liebespaares, das nicht zueinander finden kann, nicht finden darf. Sicherlich innovativ ist die Grundkonstellation nicht, aber was das Gespann Téhy/ Tillier daraus macht ist einfach traumhaft schön und, trotz aller Grausamkeit, hoffnungslos romantisch. Glücklicherweise gleiten sie dabei nie ins Kitschige ab. Die Figuren bleiben in dem ganzen Wahnsinn um sie herum glaubwürdig. Ironischerweise und der besondere Kniff an „Fee“ ist die Umkehrung des Normalen. Die Menschen wirken wie kalte, berechnende Maschinen ohne Phantasie, während es gerade die Maschinen sind, die noch an das Gute und Schöne glauben. Dieses Konzept spiegelt sich sowohl in den Dialogen, aber auch vor allem in Beatrice Tilliers Zeichnungen. Mit leichtem Strich in blau-weißen bis grünlichen und blassen Tönen stellt sie Jams Welt dar und gibt ihr so eine Note großer Verletzlichkeit und Zartheit. Die Automaten wirken auf diese Weise zerbrechlich und der Welt entrückt. Ganz im Gegensatz dazu steht die Welt der Menschen.
Immer wenn sie auftauchen scheinen die Seiten zu brennen. Harte Linien und viele Details bestimmen die Szenerie und die vorherrschende Farbe ist feuerrot. Die Gier, der Wahnsinn und die Gewalt sprechen aus den Bildern und verdeutlichen den größten Verlust der Menschheit: Das Wunderbare zu erkennen, was sie einst selbst erschufen.
Trotz aller Fragen, die „Fee“ aufwirft, ist dennoch niemals ein erhobener Zeigefinger zu sehen. Im Kern der Erzählung findet sich einfach nur ein bezauberndes Märchen über zwei Liebende.

Entrückt, märchenhaft sind die Zeichnungen Tilliers und wirken wie klassische Bilder des ausgehenden 19. beginnenden 20 Jahrhunderts. Leider hat Tillier „Fee“ nicht komplett gezeichnet. Für das letzte Drittel hat Leclercq den Pinsel übernommen. Damit geht aber auch gleich einiges des Zauber verloren, der von der Geschichte ausgeht, denn im Gegensatz zu Tillier bevorzugt er einen klareren, moderneren Zeichenstil. Steht Tillier dem Artwork eines „Little Nemo“ nahe, so Leclercq, den heutigen Superheldencomics. Der Zeichnerwechsel reißt den Leser somit anfangs aus der Geschichte heraus und es dauert bis man sich wieder in die Geschichte einfindet und den neuen Stil akzeptiert. 

Splitter ist eine wunderschöne Ausgabe dieses Märchens gelungen. Das komplette Design wurde auf den Inhalt abgestimmt, zusätzlich finden sich noch Konzeptzeichnungen und vor allem ein Vorwort von Téhy und der Brief Tilliers an den Autoren, in dem sie erläutert, wie sie sich die visuelle Umsetzung vorstellt und warum genau auf diese Weise. Ein selten gewährter Einblick in die Arbeit eines Zeichners.


Fazit

Fee ist mit Sicherheit kein leichter Comic für zwischendurch. Dafür aber ein poetisches und wunderbares Märchen für Erwachsene, mit traumhaften Zeichnungen in den ersten beiden Teilen von Beatrice Tillier. Wer sich von Comics mehr erwartet als einfache, gute Unterhaltung sollte zu greifen und sich beim Lesen Zeit nehmen.


Pro & Contra

+ fantastische Zeichnungen von Beatrice Tillier
+ traumhafte Erzählung über zwei Liebende
+ visuelles Konzept


- leider hat Tillier nur die ersten beiden Kapitel gezeichnet, das Letzte stammt von Leclercq, dessen Zeichnungen im Vergleich nicht überzeugen können

Bewertung:

Charaktere: 5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Téhy:

Rezension zu Der Engel und der Drache
Rezension zu Yiu Bd.1
Rezension zu Yiu Bd.2

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 26. April 2016
 

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