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Lebendig begraben (Franz Hartmann / Nicolaus Equiamicus)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 19. Mai 2010

UBooks (April 2010)
Taschenbuch, 144 Seiten, 14,95 EUR
ISBN: 978-3-86608-122-2

Thema: Scheintod / Buddhismus


Klappentext

Das hier vorliegende Buch des bekannten Theosophen Franz Hartmann erschien in deutscher Sprache erst- und einmalig vor mehr als einhundertzehn Jahren. Trotz seines hohen Alters hat es nichts von seiner Aktualität und Brisanz verloren.
Hartmanns Werk stellt in seiner Eindringlichkeit und den fürchterlichen Fallbeispielen die ganze Unzulänglichkeit der damaligen Schulmedizin bezüglich der Feststellung des Todes bloß und beweist stichhaltig, dass der Mensch weit mehr ist als reine Materie, wie die anerkannte Wissenschaft uns glauben machen will.

Franz Hartmann widmete sein Werk den Feuerbestattern.


Rezension

Das Werk des Theosophen Franz Hartmann wurde vor über einhundertzehn Jahren erstmals und einmalig auf deutsch herausgegeben. Er selbst gibt an, aufgefordert worden zu sein, ein Buch über den Scheintod zu schreiben, wobei er dies eigentlich vom wissenschaftlichen Standpunkt aus tun sollte. Da er aber seine Verachtung vor den Gelehrten seiner Zeit, die seiner Meinung nach nur mehr dem äußeren Schein glauben und die Wirklichkeit der Dinge nicht erkennen wollen, ist ein Buch über den Scheintod mit Fallstudien und philosophischem Gedankengut entstanden. Dieses stammt vor allem aus fernöstlichen Philosophien, wobei insbesondere die buddhistische Lehre Franz Hartmann schwer beeindruckt hat – in ihr hat er seine Wahrheit gefunden und webt seine Erkenntnisse in seine Abhandlung über den Scheintod ein.

Zu Beginn wird der Leser mir erschreckenden Fallbeispielen konfrontiert. Es wird von Menschen berichtet, deren Gräber nochmals geöffnet werden mussten und die grausam zerschunden und verdreht darin lagen. Spuren eines verzweifelten Überlebenskampfes sind an ihnen zu sehen: zerfetzte Kleider, zerkratzte Haut, ausgerissene Haare. Ein kaltes Schaudern durchfährt den Leser beim Gedanken daran, wie diese Menschen in ihren Gräbern aufgewacht und qualvoll erstickt sein müssen. Doch andere hatten mehr Glück. Es wird auch von Personen berichtet, die dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen waren. Beispielsweise litt ein Student an einer Entzündung des Rippenfells und der Lunge. Eines Tages stand der Kranke auf und stürzte. Er lag reglos und kalt auf dem Boden und wurde für tot gehalten. Man traf bereits Vorbereitungen für seine Beerdigung, als der vermeintlich Tote erwachte. Er hatte wohl alles um ihn herum mitbekommen und durchlebte die schreckliche Angst, lebendig begraben zu werden. Es werden in diesem Buch weitere Fälle beschrieben, in denen Patienten scheinbar starben und auf die damaligen Widerbelebungsmethoden nicht ansprachen, aber dennoch wieder zum Leben erwacht waren. Aus heutiger Sicht sind dies wohl Patienten, die in ein Koma fielen oder auch an seltenen Erkrankungen litten, die zu einer Erstarrung des ganzen Körpers führen. Allerdings sind auch einige Fallbeispiele recht zweifelhaft. Dass ein Mensch sich monatelang eingraben lässt, ohne Nahrung, Wasser und Luft, und er sich danach allerbester Gesundheit freut, klingt entweder sehr übertrieben oder gar erfunden.

Was zu dem Eindruck, dass manches vielleicht doch etwas geschönt oder verändert wiedergegeben wird, beiträgt, ist die offen zur Schau getragene Ablehnung der damaligen Wissenschaft von Seiten des Autors. Doch diese zeigt auch, dass die Sehnsucht nach Gott oder etwas Höherem, nach etwas, das über unsere kalte Realität erhaben ist, schon damals sehr aktuell war. Ende des 19. Jahrhundert war die Ansicht, dass der menschliche Körper eine Art fleischliche Maschine war, unter den Gelehrten durchaus verbreitet. Man glaubte auch damals schon nur das, was man sah, was in vielen Menschen eine große Hoffnungslosigkeit entstehen ließ. Diese kalte Weltsicht war auch für Franz Hartmann keine Wahrheit. Für ihn gab es das ewige Leben, die unsterbliche Seele, die nie geboren wurde und nie sterben wird. Die Erfahrungen in dieser Welt sammelt, verschiedene Zeiten und Körper bereist und die immer wieder in einen höheren Seinszustand zurückkehrt. Diese starke Verbindung zum Buddhismus ist für die damalige Zeit recht ungewöhnlich. Heutzutage ist die fernöstliche Philosophie in Europa recht weit verbreitet und bewegt sowohl europäische Buddhisten als auch New Age-Anhänger. Von einem Mann aus dem 19. Jahrhundert, der sich derart intensiv mit den fernöstlichen Lehren beschäftigte, liest man jedoch äußerst selten. Seine damalige Sicht ist unheimlich interessant und auch wenn man seine Meinung nicht teilt, ist seine Begeisterung und Überzeugung spürbar.

Schließlich widmet sich der Franz Hartmann in einem eigenen Kapitel den Anzeichen des Todes, wobei diese nach seiner eigenen Meinung nicht aussagekräftig genug sind. Für ihn ist die Seele unsterblich und ihr Heim, der menschliche Körper, auch dann noch nicht gänzlich tot, wenn er schon zu verwesen beginnt – zumindest, solange eine theoretische Rückkehr der Seele noch möglich ist. Ist der Körper schon stark zerfallen, so räumt auch Hartmann ein, dass dieser sich nicht mehr bewohnt werden kann. Im Folgenden zählt er die damalig gültigen Anzeichen des Todes auf und widerlegt diese mal mit mehr, mal mit weniger Sarkasmus. Fakt ist, dass er mit seiner Kritik bezüglich des verfrühten Feststellens des Todes aus heutiger Sicht Recht behält – die Gründe für seine Annahmen seien dahingestellt. Dass selbst ein Atemstillstand noch kein sicheres Todeszeichen ist, weißt heute jeder. Andere Anzeichen, wie die fehlende Elastizität der Muskeln, Verfärbungen der Haut oder gar ein das Fehlen eines Tones bei Abhorchung der Fingerspitzen, machen jedoch einen äußerst bedenklichen Eindruck. Und doch zeigen diese Beispiele auch, wie schwer es für die damalige Medizin war, den Tod zu diagnostizieren. Hinzukamen Armut und trauernde Angehörige, die ihre Liebsten für tot glaubten und sie schnellstmöglich beerdigen wollten. Abschließend widmet sich der Autor den Vorsichtsmaßregeln gegen das Lebendigbegrabenwerden - wobei für Hartmann das einzig sichere Zeichen des Todes der weit fortgeschrittene Zerfall ist.

„Wenn es mir nicht gelungen ist klarzumachen, dass alles menschliche Urteil, und mag es auch noch so wissenschaftlich sein, nur auf äußerem Schein beruht und daher sich auch nur auf den Schein beziehen kann, dann ist das alles bisher in diesem Buch Gesagte umsonst geschrieben worden“ (Franz Hartmann)

Neben dem überarbeitetem Werk enthält das Buch Informationen zum ursprünglichen Autor Franz Hartmann, eine Vorrede von ihm, sowie ein Vorwort von Nicolaus Equiamicus, der darin das Werk in den heutigen Kontext setzt. Seine Überarbeitung des Buches ist mit vielen Fußnoten mit weiterführenden Informationen versehen und ist wohl auch für Leser, die bisher wenig bis gar keine historischen Werke gelesen haben, gut verständlich. Die Aufmachung mit dem Coverartwork der Künstler Agnieszka Szuba macht dabei einen sehr edlen Eindruck. Das Taschenbuch ist von gewohnt guter Qualität – dennoch würde man die von Nicolaus Equiamicus aufgearbeiteten historischen Werke doch gerner als Hardcoverausgabe sehen.


Fazit

Franz Hartmanns Betrachtung des Todes und auch des Scheintodes ist sowohl historisch hochinteressant, als auch außergewöhnlich. Der starke Bezug zu fernöstlichen Lehren in Verbindung zu den unzähligen, erschreckenden Fallbeispielen entfaltet sich zu einem schaurigen, von Nachdenken geprägtem Lesegenuss. Für die gelungene und gut verständliche Aufarbeitung dieses eigentlich schon in Vergessenheit geratenen Werkes verdient Nicolaus Equiamicus großen Respekt.


Pro & Contra

+ Verbindung zur fernöstlichen Philosophie  
+ Einblicke in die damalige Weltsicht
+ gute verständlich
+ erschreckende Fallbeispiele …

- … die teilweise zweifelhaft scheinen

Wertung: Auf eine Punktewertung wurde in dem Fall verzichtet, da es sich um ein Stück Kulturgeschichte handelt.


Special-Interview zum Erscheinen der "Daemonolatria"

Interview mit Nicolaus Equiamicus (Dezember 2008)

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Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 19. Mai 2010
 

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