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Laugh, Cry and Scream (Stefan Heilemann / In Strict Confidence)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 26. Mai 2010

Minuswelt Musikfabrik (Mai 2010)
Hardcover, 140 Seiten, 27,90 EUR
CD von In Strict Confidence mit 13 Titeln
ISBN: 978-3933955142

Genre: Gothic-Artwork / Elektro


Tracklist der CD

01. Dornenschmerz
02. Set Me Free
03. Seven Lives (Clubmix)
04. Forbidden Fruit (Tragic Loss Edit)
05. My Despair (Monozelle Remix)
06. SnowWhite
07. Pearl
08. Silver Bullets (Extended Version)
09. Zauberschloss
10. Promised Land (Going Far Edit)
11. Heal Me (Cacophonü Edit)
12. In Favilla
13. Manchmal Redest Du Im Schlaf (Heia Version)


Rezension

Mit „Laugh, Cry and Scream“ liegt ein weit über hundert Seiten starkes Artbook des Fotokünstlers und Grafikdesigners Stefan Heilemann alias Heilemania vor, dessen Werk sich düster und emotional präsentiert. „Gothic“ wäre hier wohl eine passende Einordnung für all jene, die den Künstler nicht kennen und / oder mit der schwarzen Szene (noch) nicht viel anfangen können. Näher betrachtet wird es schwieriger, Heilemanns Bilder einzuordnen – sie sind durchweg düster, mal ironisch oder verstörend, mal nachdenklich oder erotisch. Und oftmals auch surreal. Von Kakteenarmen über menschliche Teebeutel bis hin zu unmöglich vertauschten Gliedmaßen ist alles dabei. Es tummeln sich Märchengestalten neben Zirkusleuten und gebrochenen Seelen. Dabei gelingt es dem Künstler, den Großteil seiner Bilder trotz Bearbeitung absolut natürlich aussehen zu lassen. Dass hier mit moderner Bildbearbeitung etwas gemacht wurde, ist offensichtlich. Es lässt sich jedoch meist schwer sagen, wo und wie etwas an den Fotografien verändert wurde. Genau so sollte Kunst sein – eine perfekte Illusion, die den Betrachter das Unmögliche sehen lässt. So sehr manche Körper auch verformt sind, so sehr passen wiederum die Bildproportionen. Dem geneigten Betrachter werden professionell geschossene und bearbeitete Fotografien geboten – eine ganz eigene Welt voll schillernder Schatten und wunderbar absurder Ideen.

Die hohe Qualität der Arbeit spiegelt sich auch in der Auswahl der Models wieder. Nahezu jedes Bild bietet einen perfekten Ausdruck. Und noch dazu immer einen ganz anderen. Hier wird die ganze Bandbreite der Emotionen abgedeckt und nicht immer nur ein schnödes Einheitslächeln gezeigt. Auf dem Bild „Undead Soul“ gelingt es dem Model trotz stark und exotisch geschminktem Gesicht unglaublich viel Ausdruck in ihre Mimik und besonders in ihren Blick zu legen. Eine stille Traurigkeit umgibt sie und doch auch Härte. Wie eine gläserne Wand, die sich um die von Mauern umgebene Protagonistin legt. „Sweet Acid“ zeigt eine Dame im roten Abendkleid, die grüne, offensichtlich ätzende Seifenblasen mit einer einmaligen Eleganz und Anmut in den düsteren Himmel bläst. Teilweise ergänzen sich auch zwei Bilder wie bei „Monsieur Fourchette“ und „Maleur Maleur!!!“, die eine Geschichte aus dem Zirkus erzählen. Auch hier stimmt alles von der Inszenierung des Bildes bis zur Mimik der Models. Und auch Dennis Ostermann, Sänger von In Strict Confidence, überzeugt mit einem sehr starken Ausdruck – insbesondere auf „Herz, Hirn und Trieb“ durchdringt der Blick die Grenze zwischen Fotografie und Betrachter. Im Prinzip könnte man hier fast jedes Bild nennen, denn auf jeder Seite ist die Leidenschaft, mit der der Künstler an seinen Werken arbeitet, spürbar. Das einzige, was diesem Buch fehlt, ist ein freudiges, schwarzes Lachen. Das „Laugh“ im Titel steht eindeutig für schwarzen Humor, doch hinter dem Augenzwinkern blickt man oftmals auch in ein verzerrtes Spiegelbild unserer Gesellschaft und erlebt die inneren Kämpfe der Einzelnen. Begegnet am Geist unserer Zeit gescheiterten und einsamen Seelen und hält inne bei dem schieren Detailreichtum. An skurrilen Situationen mangelt es ebenfalls nicht: Sei es ein Friseurbesuch mit offen gelegtem Hirn – inklusive herrlich verdutzten Gesichtern – oder eine Massagemaschine mit fünf Menschenarmen.

Der Sound von In Strict Confidence bietet eine durchweg gelungene musikalische Untermalung des Artbooks. Ebenso kontrastreich wie die Bilder finden sich hier sowohl neue Songs, als auch rare Stücke und Klassiker der Band. „Zauberschloss“ ist einer von diesen und überzeugt mit seiner treibenden Dynamik und einer sehnsüchtigen, verträumten Atmosphäre. Zu den neuen Songs, die sich auch auf dem jüngsten Album „La Parade Monstrueuse“ finden, zählt „Set me free“ – der etwas härtere Gitarrensound ergänzt sich mit dem eingängigen Refrain zu einem emotionalen Feuerwerk. „Dornenschmerz“ kann man in einer instrumentalen Version auf Stefan Heilemanns Homepage hören – der Gesang von Dennis Ostermann verleiht dem Song aber nochmals eine ganz andere Dimension. Bei In Strict Confidence scheint alles zu passen, von der Stimme über den Sound bis hin zu den Texten. Die meisten Stücke gehen direkt unter die Haut und sind ebenso kreativ wie Heilemanns Artwork. Doch uneingeschränkt empfohlen werden kann die Band nicht, sind Sound und Stimme doch recht speziell. Wer jedoch elektronische Musik liebt und In Strict Confidence noch nicht kannte, wird nach dem Hörgenuss dieser CD wohl das dringende Verlangen nach mehr verspüren! Und für alle Fans der Band wird hier ein abwechslungsreicher Sampler geboten, den man von Anfang bis Ende genießen kann.

Das Artbook kommt als edles Hardcover im großen A4-Format daher. Das fast durchgängig schwarze Layout verleiht den durchgängig farbigen Bildern dabei den passenden Rahmen. Mit knapp 28 Euro inklusive Soundtrack CD kann man preislich nicht meckern – für sein Geld bekommt man ein wunderschön gestaltetes Buch, das eigentlich nur einen großen Schwachpunkt hat: nach etwas mehr als 130 Bildern ist die Reise leider vorbei. Wer sich unschlüssig ist, ob die düsteren Bilder seinen Geschmack treffen, kann übrigens auf der Website von Stefan Heilemann ein paar Exemplare bewundern: http://www.heilemania.de/


Fazit

Stefan Heilemann präsentiert sich in „Laugh, Cry and Scream“ kontrastreich und extrem kreativ. Skurrile Ideen und ausdrucksstarke Models entführen den Betrachter in eine bizarre Welt voll dunkler Facetten. In Strict Confidence untermalen dabei den schwarzen Traum mit einem genialen Soundtrack und machen das Artbook so zu einem wahren Erlebnis.


Pro & Contra

+ sehr kreatives Artwork / Ideenvielfalt
+ kontrastreiche, düstere Atmosphäre
+ toller Ausdruck der Models
+ genialer Soundtrack
+ gelungene Aufmachung des Buches

Wertung:

Artworks: 5/5
Soundtrack: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Interview mit Dennis Ostermann (In Strict Confidence), August 2010

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, der 17. August 2010
 

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