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Advocatus Diaboli (Romain Sardou)
Geschrieben von Dennis
Donnerstag, der 27. Mai 2010



Blessing Verlag (Januar 2010)
gebunden mit Schutzumschlag, zwei Karten
448 Seiten, EUR 19,95
ISBN: 978-3896673688

Genre: Historik


Klappentext

Ein südfranzösisches Dorf im Winter anno 1288: Zwölf schwarz gewandete Reiter dringen in das Pfarrhaus ein, in dem Pater Aba Unterricht hält, und entführen einen sechsjährigen Jungen. Der Pater leistet Widerstand, wird niedergestreckt, nimmt aber die Verfolgung der Entführer auf. Aba hat ein geheimes Motiv für seine scheinbar aussichtslose Suche: Der entführte Junge ist sein eigener Sohn, der mit übernatürlichen, heilenden Fähigkeiten begabt ist. Bald stößt der Pater auf ähnliche Fälle von spurlos verschwundenen Wunderkindern. Die abenteuerreiche Jagd nach den Entführern führt von Südfrankreich über Böhmen bis in den von Intrigen erschütterten Lateranpalast in Rom.


Rezension

Von all dem ahnt Benedetto Gui – eine Art Privatdetektiv und Rätsellöser - noch nichts, als in seinem Geschäft ein junges Mädchen auftaucht und ihm aufträgt, ihren verschwundenen Bruder zu finden. Doch nach und nach ergeben seine Ermittlungen, dass eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes direkt mit dessen Verschwinden in Zusammenhang steht.

Aus der Sicht von verschiedenen Charakteren schildert Sardou nun diese Ereignisse, die sich außerdem um Kinder mit geheimnisvollen Begabungen drehen. Reine Historik-Fans seien hierbei gewarnt; denn diese „Wunder“ werden dem Leser wie stinknormale Fakten präsentiert, sodass dieser es beispielsweise hinnehmen muss, wenn Kranke geheilt oder gar Tote wiedererweckt werden. Hätte Sardou diese wundersamen Fähigkeiten ein wenig diffuser geschildert, wäre der leichte „Mysterie-Touch“, der dem Buch so anhaftet, vermeidbar gewesen.
Da Sardou es mit diesen Wundern glücklicherweise aber nicht übertreibt und sie sich zudem harmonisch in den Handlungszusammenhang einfügen, sollte diese etwas andere Art des Erzählens den Lesespaß nicht nachhaltig trüben. Für den einen oder anderen wird diese erfrischend unkonventionelle Herangehensweise – Wunder einfach mal als gegeben zu betrachten – sogar einen besonderen Reiz ausmachen.

Trotz der relativ vielen Erzählperspektiven verliert der Leser nie den Überblick über die Handlung in ihrer Gesamtheit. Es gelingt Sardou, bei jedem Perspektivenwechsel den roten Faden durchblitzen zu lassen, so dass man trotz dieser das Gefühl hat, eine zusammenhängende Geschichte zu lesen. Sardou erweist sich als wirklich guter Erzähler, der mit seinen Worten genau das erreicht, was er erreichen will – er weiß, wann Erklärungen angebracht sind und ist geschickt darin, dem Leser vergangene Ereignisse in Erinnerung zu rufen, ohne dies als plumpe Wiederholung erscheinen zu lassen. Auch die Schilderung der vielen verschiedenen Schauplätze ist eindrücklich; wohin es die Protagonisten auch verschlägt, stets gibt sich Sardou Mühe, einen schönen Schauplatz zu gestalten, der sich gut in das Setting des Romans eingliedert.
Dabei ist die Handlung stets spannend und gut durchdacht, wartet hier und da mit überraschenden Wendungen auf und wird durch keine nennenswerten Längen beeinträchtigt. Die verschiedenen Charaktere mit ihren ganz unterschiedlichen Handlungssträngen sorgen darüber hinaus für ein ausgewogenes Verhältnis von actionreichen zu anspruchsvolleren Szenen. Kämpfe und Verfolgungsjagden wird man ebenso finden, wie durchdachte Nachforschungen und clevere Detektivarbeit.
Hin und wieder stellt sich dabei jedoch der Eindruck ein, dass Sardou über das Ziel hinausschießt – dann nämlich, wenn sich eines zu perfekt zum anderen fügt, wirkt die Handlung teilweise etwas konstruiert. Auf der anderen Seite zeigt sich dafür ein weiteres Mal, wie gut durchdacht die Handlung ist.
Diese steht auch deutlich im Vordergrund. Der Ausarbeitung der Charaktere widmet sich Sardou längst nicht mit so viel Elan wie der Handlungsgestaltung. Zusammen mit der Tatsache, dass sich recht viele wichtige Charaktere die Erzählzeit teilen müssen, ergeben sich so nur durchschnittliche Protagonisten, was aber den guten Gesamteindruck eines spannenden und durchdachten Historik-Romans nicht trübt.


Fazit

Ein rundum gelungener Historik-Roman der etwas anderen Art, clever, durchdacht und spannend. Dass die Geschichte dabei ein klein wenig konstruiert wirkt, kann man ebenso verschmerzen wie die Tatsache, dass die Charaktere für die Handlung etwas in den Hintergrund treten.


Pro & Kontra

+ durchdachte Handlung
+ spannend
+ schöne Schauplätze

o „Mysterie-Touch“

- Handlung wirkt etwas konstruiert

Wertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 30. Mai 2010
 

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