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under the black rainbow (Christian Günther)
Geschrieben von Judith
Dienstag, der 29. Juni 2010

Books on Demand (Januar 2010)
160 Seiten, broschiert, 9,95 EUR
ISBN: 978-3839132609

Genre: Science-Fiction / Cyberpunk


Klappentext

2069 - die Welt liegt in Trümmern.
In der verseuchten norddeutschen Tiefebene hat sich inmitten von verlassenen Landschaften ein riesiger Stadtmoloch entwickelt.

Chill stammt aus den Armenvierteln der Stadt und folgt dem schönen Neonschein auf der anderen Seite der Bucht, um dort sein Glück zu suchen.
Jed ist ein Grubensurfer und versucht sich als Gladiator in Kämpfen mit motorgetriebenen Skateboards durchzuschlagen.
Alya ist eine StimChip-Dealerin, die in einer Zweckgemeinschaft mit dem Hacker Hamlin zusammenlebt, der an einer mysteriösen Krankheit leidet.

Können sie gemeinsam die Bedrohung abwenden, der sich die gesamte Stadt gegenübersieht?

Es sind die Tage, in denen es beginnt, Elektrostatik zu regnen.


Rezension

Christian Günther wird dem ein oder anderen vielleicht aus den bemerkenswerten Anthologien des Wurdack-Verlages bekannt sein oder auch von seinem Roman „Rost“. Sein Debüt „under the black rainbow“ erschien 2003 erstmals im Verlag edition 42 und erreichte beim deutschen Science-Fiction-Preis 2004 den dritten Platz. Nachdem der Roman lange Zeit vergriffen war, hat ihn der Autor nun nochmals neu überarbeitet bei Books on Demand veröffentlicht. Auch wenn man leider viele dieser Selbstveröffentlichungen kritisch sehen muss, so gehört „under the black rainbow“ doch in eine ganz andere Kategorie. Es handelt sich nicht um den Vorstoß eines unbekannten Namens, sondern um ein auf Nachfrage neuaufgelegtes Werk. Deutscher Cyberpunk hat zudem – von Shadowrun einmal abgesehen – nahezu Seltenheitswert. Und genau hier greift Christian Günther: Er schickt den Leser auf eine Reise durch das zukünftige Hamburg und malt seine Heimatstadt in düsteren und beklemmenden Farben aus:

Die Nordseeküste bröckelt regelrecht auseinander. Die einzigen, die sich noch in die unbeständigen Gezeiten vorwagen, sind so genannte Strandläufer. Diese bemühen sich, aus der verseuchten Suppe noch wertvolle Chemikalien herauszufiltern oder gar wertvolle Funde zwischen dem angespülten Schrott zu machen. Doch auch in der Stadt selbst ist das Leben mehr Kampf als Genuss. In der „Zone“ sammeln sich mehr und mehr Flüchtlinge, die auf dem Land keine Chancen sehen, aber in den Randgebieten der Stadt stecken bleiben. Chill gehört zu jenen, die trotz aller Widrigkeiten weiterhin auf ein besseres Leben hoffen. Mit gerade einmal sechzehn Jahren wagt er den Sprung ins Neonlicht der Stadt – und wird mit einer tristen Realität konfrontiert. Auch auf der anderen Seite der Bucht scheinen die Lichter nicht unbedingt heller. Währenddessen versucht der Grubensurfer Jed in der Arena sein Glück zu machen, landet allerdings gemeinsam mit seinem Konkurrenten schwer verletzt im Krankenhaus. Letzterem wird dort ein merkwürdiger Chip implantiert. Schnell ist klar, dass diese „Ärzte“ nicht da sind, um die beiden Kämpfer wieder zusammenzuflicken …

Wie auch Cyberpunk-Urvater William Gibson legt Christian Günther seinen Fokus auf die ganz persönlichen Schicksale seiner Protagonisten. Diese sind zwar mit den größeren Zusammenhängen im Storyverlauf fest verwoben, doch insgesamt bleibt der Autor nah an den Charakteren und ergießt sich nicht in endlosen Erklärungen der Umstände. Die ganz großen Gefühle wird man hier vergebens suchen, dafür sind die Handlungen der Protagonisten gut nachvollziehbar. Sie sind keine Helden, sondern relativ normale Menschen, die sich notfalls mit allen Mitteln durchschlagen. Lediglich die Hacker in dieser Geschichte kommen etwas zu abgebrüht daher – aber wenn man ehrlich ist, gehören leicht übertriebene Cyberspaceschlachten zu gutem Cyberpunk dazu. Dabei gelingt es dem Autor, die zukünftige Technik im Roman selbstverständlich aussehen zu lassen. Viel erklärt wird nicht, dennoch hat man als Leser eine recht gute Vorstellung von Reality-Skan und Co.

Was „under the black rainbow“ auszeichnet ist die dystopische Atmosphäre, die mit dem Schauplatz Hamburg umso bedrückender wirkt. Man spürt in jeder Zeile, dass sich der Autor in seiner Heimatstadt bestens auskennt und darüber hinaus eine sehr detaillierte Vorstellung ihrer Zukunft hat. Die Bilder, die in diesem Roman entstehen, sind auch Jahre danach noch in der Erinnerung präsent. Kleine Schwächen in der Handlung muss man dabei allerdings in Kauf nehmen. Die Story ist insgesamt gut und spannend gestaltet, große Innovationen darf man allerdings nicht erwarten. Die hier eingeflochtenen Themen und Gedanken sind bereits aus anderen Werken bekannt. Dennoch gelingt Christian Günther eine solide Umsetzung, die hier und da ein paar Seiten mehr vertragen hätte. Zwar kann man durch Format und Schriftgröße den Inhalt auf eigentlich locker über 200 Seiten schätzen, dennoch werden zu viele Ideen angerissen ohne konsequent zu Ende geführt zu werden.

Veränderungen in dieser neu überarbeiteten Auflage muss man schon etwas genauer suchen. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die betroffenen Szenen nun etwas glatter sind. Leider fehlen jedoch die drei lyrischen Einschübe, die sich damals stimmungsvoll ins Gesamtbild einfügten. Auch auf die Grafiken des Autors muss man in dieser Ausgabe leider verzichten. Dafür finden sich ein paar unliebsame Tippfehler. Nichtsdestotrotz bleibt die Ausgabe preislich okay und besticht mit einer wesentlich besseren Verarbeitung. Die Erstausgabe sah nach zweimaligem Lesen schon ziemlich verbraucht aus – der neuen merkt man das Lesen dagegen kaum an. Hinzu kommt ein neues Cover, das ebenfalls von Christian Günther stammt und die triste Atmosphäre des Romans spiegelt.

Insgesamt betrachtet ist „under the black rainbow“ eine erschreckend realistisch geratene Dystopie, die ihren Reiz in der negativ ausgelegten Übertreibung aktueller Entwicklungen hat. Die klaffende Schlucht zwischen Arm und Reich ist schier unüberwindbar geworden, wobei die glitzernde Neonwelt des geschützten Stadtkerns für die Protagonisten nur ein Funkeln am Horizont bleibt. Wer die schillernden Seiten von Christian Günther Zukunftsvisionen erleben will, sollte zu „Rost“ greifen – doch auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.


Fazit

„under the black rainbow“ lebt von seiner bedrückenden Atmosphäre, die durch das deutsche Setting umso realistischer für den Leser wird. Prinzipiell ist alles vorhanden, was sich ein Cyberpunkfan wünscht: ein dystopischer Background verwoben mit revolutionären Geschehnissen im Cyberspace und ein Fokus, der ganz dicht bei den Charakteren liegt.


Pro & Contra

+ deutsches Setting
+ düstere, bedrückende Atmosphäre
+ Schreibweise nah an den Charakteren
+ detailreiches Bild der Zukunft
+ Weiterdenken aktueller Entwicklungen

o solide Umsetzung typischer Cyberpunkelemente

- Ideen hätten weiter ausgeführt werden können
- kleine Schwächen im Storyaufbau

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 3,5/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Rezension zu "Rost"

Rezension zu "Die Aschestadt"

Interview mit Christian Günther (2008)

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 10. November 2018
 

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