Nachtreiter (Daniela Knor)

 
Piper Verlag (2008)
Seiten: 474
ISBN: 3492701612
EUR 16,90 

Genre: Fantasy 


Klappentext 

Über die Steppe Phykadoniens, die Heimat der beiden Krieger Braninn und Grachann, bricht ein unerklärliches Ereignis herein: Immerwährende Dunkelheit schiebt sich über das Land und vertreibt alles Licht aus dem Leben der Steppenreiter. Als ihr Herrscher Ertann sein Volk zum Krieg gegen das Nachbarland Sarmyn aufstachelt, ahnen Braninn und Grachann: Ertann selbst steht mit Dämonen im Bunde. Auf der Flucht verschlägt es die beiden Freunde ausgerechnet ins feindliche Sarmyn. Doch dort finden sie Hilfe. Zwei sarmynische Ritter und eine geheimnisvolle Reisende schließen sich ihnen an. Gelingt es den ehemaligen Gegnern, ihre Welt der dunklen Macht der Dämonen zu entreißen?


Rezension 

Die Autorin macht es sich mit der Dunkelheit in ihrer Geschichte wirklich schwer, denn sie muss stark auf alle Sinne setzen. Anfangs mag man skeptisch sein, ob sich so etwas gut liest – aber die Beschreibungen der Finsternis und die manchmal nahezu „blinden“ Bewegungen der Charaktere durch die Schwärze sind sehr gut umgesetzt. Daniel Knor schafft eine beklemmend düstere Atmosphäre, die ans dunkle Mittelalter erinnert. Die Bilder, die sie zeichnet, sind sehr lebendig und trotz vieler Perspektivenwechsel liest sich der Roman insgesamt flüssig. Dabei sei positiv angemerkt, dass viele Beschreibungen beiläufig in die Handlung gewoben sind, so dass man selten von zu viel Information – zum Beispiel über einen neuen Charakter – erschlagen wird. Stellenweise verliert sich die Autorin jedoch in Details und der Text wird dadurch ein wenig langatmig, aber wer auf liebevoll gestaltete Fantasywelten steht, wird sicher seine Freude beim Lesen haben. Alle anderen können über kleine Ausschweifungen leicht hinwegsehen.  

Die Charaktere sind interessant gestaltet: mit erzählerischem Gespür werden persönliche Beziehungen geschildert und die Entwicklung der einzelnen Charaktere glaubhaft vermittelt. Insbesondere Braninn schließt man schnell ins Herz – er hat seine Schwachpunkte, die für den Leser gut nachvollziehbar sind und ihm Sympathie einbringen. Sava hingegen gehört zu jenen Charaktere, die mit der Faszination des Lesers spielen und Regin, der seinem Vater nur Werkzeug ist, driftet nicht zu stark ins Klischee des ungeliebten Sohnes. Hier ist für jeden jemand dabei!

Die Namen der Charaktere und Landschaften sind typisch phantastisch, für Fans problemlos zu lesen und für Neulinge nur mit wenigen kleinen Hürden. Hier ist die Verknüpfung zwischen fantasygerechtem Klang und Verständlichkeit gut gelungen.   

Was stellenweise negativ auffällt: Manche Szenen scheinen handlungstechnisch in der Luft zu hängen, manches wird angerissen und nicht recht zu Ende geführt – an dieser Stelle sei gesagt, dass es sich bei Nachtreiter um den Auftakt einer Trilogie handeln. Insofern kann man auf fehlende Erklärungen in den kommenden beiden Büchern hoffen! Leider sieht man dem Roman nicht an, dass er zu einer Trilogie gehört – wenn man die Autorin nicht kennt und sich nicht informiert, wird das nicht richtig klar. Da hat der Verlag bei Gestaltung des Buches etwas geschlampt.  


Fazit 

Alles in allem ein spannender, teilweise ungewöhnlicher Roman, bei dem vor allem Fans des Genres auf ihre Kosten kommen. Sie werden viele klassische Elemente wieder finden, gespickt mit ansprechenden Details, die die Geschichte von anderen Fantasyromanen abhebt. Wenn in den Folgeromanen die zum Ende hin chaotische Handlung gut weitergeführt wird, würde der einzig größere Negativpunkt wegfallen. Bei anderen Mehrteilern meckert ja auch niemand, wenn am Ende des ersten Romans noch nicht alles geklärt ist – im Gegenteil. Besonders ansprechend übrigens ist der Stil – man hat beim Lesen durchweg das Gefühl, dass die Autorin ihr Handwerk bestens beherrscht. So muss es sein und so macht das Lesen richtig Spaß! 


Pro und Contra 

+ abwechslungsreiche, lebendige Charaktere
+ spannende und gut durchdachte Storyline
+ düster-atmosphärisch

- teilweise etwas chaotisch  

Wertung: 

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 3/5


Rezension zu "Drachenblut"

Interview mit Daniela Knor (2015)

Interview mit Daniela Knor (2012)

Rezension zu "Der Kuss des Engels"

Rezension zu "Der Kuss des Jägers"

Interview von mit Daniela Knor (2008)

Rezension zu "Sternenwächter"

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren