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Andreas Reichardt / UBooks Verlag (14.01.2009)
Geschrieben von Judith
Mittwoch, der 14. Januar 2009
Interview mit Andreas Reichardt

Literatopia: Hallo Andreas! Erzähl uns doch zunächst ein bisschen von Dir und Eurem Verlag. Auf Eurer Homepage heißt es: „Die Idee, einen Verlag zu Gründen, kam eines Tages beim Frühstück auf.“ – Was hat es damit auf sich?

Andreas Reichardt: Es war tatsächlich so. Andreas und ich kannten uns von der Berufschule, wo wir jeweils einen recht sinn- und aussichtslosen Job lernten. Und eines Tages saßen wir in einem netten Café und dachten: Verlag und Internet ... da lässt sich doch bestimmt was machen.

Literatopia: UBooks steht für ungewöhnliche Literatur – jenseits des Alltäglichen. Wie kam es zu diesem Konzept? Habt Ihr Euch aufgeklügelt oder war von Anfang an klar, dass Ihr außergewöhnliche, düstere Literatur verlegen wollt? Welche Leser wollt Ihr ansprechen?

Andreas Reichardt: Erstmal mussten wir irgendwie anfangen und die Betonung liegt in der Tat auf „irgendwie“. Ich rief also alle Freunde an, die ich bereits während meiner Schulzeit verlegt hatte und einige davon waren wieder dabei. Dann kamen die ersten neuen Autoren und nach einiger Zeit blickten wir auf die verlegten Titel zurück und dachten ... außergewöhnlich. Anfangs war der Slogan auch noch „Wir verlegen wobei andere verlegen werden.“ Aber ich bin mit „Literatur jenseits des Alltäglichen“ sehr zufrieden. 2005 haben wir dann unser Programm radikal aufgeräumt. Wenn wir weiter wachsen wollten, mussten wir auch für die Leser und die Buchhändler greifbarer werden, also ein Profil entwickeln. Da sind dann einige Dinge unter den Tisch gefallen, aber die teils schmerzhaften Entscheidungen waren richtig, wie unsere Entwicklung zweifelsfrei belegt.

Literatopia: Du hast also schon in Deiner Schulzeit verlegt. Der Ubooks-Homepage entnehmen wir, dass er „Das Stille Reich“ hieß. Wie ernsthaft war diese Geschichte? Und wie hast Du das in so jungen Jahren schon auf die Reihe bekommen?

Andreas Reichardt: Das stimmt, diesen Verlag gab es. Das war so in den 90ern. Das lief natürlich nicht professionell ab, sondern eher als Taschengeldaufbesserung neben der Schule. Aber da mich Schule nie wirklich interessiert hat, hatte ich viel Zeit für den Verlag, während andere Hausaufgaben machten.

Literatopia: Welche Genres deckt UBooks ab? Was veröffentlicht Ihr neben Romanen und Bildbänden? Anthologien, Sachbücher oder gar Lyrik?

Andreas Reichardt: Auf den ersten Blick haben wir ein recht breites Spektrum, auf den zweiten Blick ist es einfach zusammenzufassen: Wir machen Literatur jenseits des Alltäglichen! Wir haben unsere beiden Belletristik-Reihen „Anti-Pop“ und „I-Pop“. Erstere fasst die krassen, harten Texte zusammen. Hier wird eher mal auf unschöne Weise gestorben, mit Drogen experimentiert und das Leben tendentiell als sinn- und trostlos empfunden, wobei das nur eine grobe Schubladisierung sein soll. Wer „Anti-Pop“ einmal gelesen hat, weiß, was es ist.
„I-Pop“ ist unsere allgemeine Belletristik-Reihe. Hier findet Platz, was uns beeindruckt hat, aber eben nicht ins „Anti-Pop“-Konzept passt. Neben diesen beiden Reihen haben wir noch eine sehr erfolgreiche „Celebrities“-Reihe, mit der wir Biografien verlegen, unsere Bildbände, eine kleine Esoterikreihe und die Erotika.
Lyrik haben wir früher gemacht, aber das haben wir drangegeben. Das ist ein sehr undankbares Feld, denn beinahe jeder (so kommt es einem vor) schreibt Gedichte, der eine schlechter, der andere noch schlechter, aber keiner will die Sachen lesen. Kann ich auch verstehen: 99,99% der kursierenden Gedichte halte ich schlicht für schrecklich. Auch die Geschichte hat sehr wenige wirklich gute Lyriker hervorgebracht.

Literatopia: Wie sehr beeinflusst Dein persönlicher Geschmack das Programm von UBooks? Fließen Deine Vorstellungen von Literatur im hohen Maß mit ein oder wird sich schlussendlich mehr an der aktuellen Nachfrage orientiert?

Andreas Reichardt: Absolut! Wir werden keine Bücher verlegen, die uns nicht gefallen, schlicht weil wir die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben und nur nach der eigenen Nase gehen können. Dabei hilft uns, dass Andreas und ich extrem unterschiedliche Geschmäcker haben. Wenn dann mal etwas dabei ist, das uns beiden zusagt, steht die Chance sehr hoch, dass es vielen gefällt. Dirk Bernemann oder auch Nataschas "Seelenficker"   sind hier treffende Beispiele.

Literatopia: Wie viele Bücher erscheinen bei Euch jährlich? Steigert sich das von Jahr zu Jahr oder bleibt das in etwa gleich? Wie hoch sind Eure Auflagen durchschnittlich?

Andreas Reichardt: Das variiert recht stark. Eigentlich wollten wir nicht mehr als 16 Veröffentlichungen im Jahr machen, aber 2009 werden es wohl 24 sein. Das passiert, wenn einfach zu viel gutes Material kommt. 2010 werden wir das wieder etwas einbremsen. Die Auflagen variieren. Wir haben Titel, umfangreiche Sachbücher, wie die Titel von Nicolaus Equiamicus, da starten wir im unteren vierstelligen Bereich, aber bei den meisten Titeln liegen die Startauflagen so zwischen 3.000 und 10.000.

Literatopia: Welches war Eure bisher erfolgreichste Veröffentlichung? Welches Buch hat sich eher nicht so gut verkauft? Und worauf führt Ihr das zurück? Inwieweit kann man Deiner Meinung nach als Verleger den Erfolg eines Buches beeinflussen?

Andreas Reichardt: Die erfolgreichsten Veröffentlichungen sind natürlich immer die älteren Titel, denn die haben einfach schon eine längere Laufzeit. In dieser Hinsicht ist „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ ein richtiger Bestseller. Aber auch das eben erwähnte „Seelenficker“ ist sehr erfolgreich. Es war der meistverkaufte Titel 2008.
Aber wir sind eigentlich mit allen Titeln zufrieden. Ausfälle gibt es bisher kaum. Die Science-Fiction-Reihe ist nicht so gut gelaufen, aber das war eine Liebhabergeschichte. Da ist das zu verschmerzen. Für diese Thematik ist der Markt mittlerweile zu klein, auf der anderen Seite erreichen wir diesen Markt gar nicht. Ansonsten, toi, toi, toi, haben wir noch keine phänomenalen Flops produziert.
Und der Verleger kann den Erfolg eines Titels maßgeblich beeinflussen. Wie, und vor allem: Ob es wirklich funktioniert, das steht auf einem anderen Blatt. Aber wir nehmen uns sehr viel Zeit, für ein Buch den richtigen Titel auszuwählen, ein passendes Cover zu finden und den Klappentext dazu zu verfassen. Insofern arbeiten wir natürlich am Erfolg des Buches. Nur manchmal gelingt es besser, mal schlechter.

Literatopia: Wie sieht Deine Arbeit als Verleger konkret aus? Hast Du in jedem Bereich Deine Finger im Spiel oder gibt es auch Bereiche, mit denen Du wenig bis gar nichts zu tun hast?

Andreas Reichardt: Da es unser Verlag ist, haben wir auch überall unsere Nasen mit drin. Das bedeutet, wir begleiten Werke vom Exposé, also von der ersten Idee bis zur Fertigstellung des Manuskripts und betreuen dann alles vom Satz des Buches über die Umschlaggestaltung und den Titel selbst.
So sind auch nur wir verantwortlich, wenn etwas schief geht. Das setzt einen zwar etwas unter Druck, aber der Druck ist gut zum Arbeiten. Intern haben wir die Arbeit so aufgeteilt, dass jeder einige Autoren betreut, für die er Hauptansprechpartner ist. Aber generell werden alle Entscheidungen zu Cover, ob ein Titel überhaupt gemacht wird oder nicht etc. immer gemeinsam getroffen.

Literatopia: Letztlich entscheiden wohl Du und Andreas Köglowitz, welches Buch veröffentlich wird – doch durch wessen Hände gehen die Manuskripte vorher?

Andreas Reichardt: Wie gerade schon gesagt: Wir machen die Arbeit komplett alleine. Gäbe es ein Vorlektorat, könnte man das zur Verantwortung ziehen, wenn man ein Buch nicht gemacht hätte oder wenn man es abgelehnt hätte. Das ist nicht unsere Art zu arbeiten: Wir sind ein unabhängiger Verlag, der mittlerweile zu den erfolgreichsten Verlagen in Deutschland zählt und dafür übernehmen wir die Verantwortung *grins.
Aus diesem Grund arbeiten wir auch nicht so gerne mit Literaturagenten zusammen. Wir entdecken lieber selber. Allerdings: Wenn uns etwas Gutes angeboten wird, wären wir schön doof, würden wir es ausschlagen!

Literatopia: Welche Bedingungen muss ein Manuskript erfüllen, um in Eurem Verlag veröffentlicht zu werden? Was macht zugesendete Manuskripte interessant / uninteressant? Und woher kommen diese eigentlich?

Andreas Reichardt: Das ist eine klassische Frage, die in jedem Interview kommt. Und ich kann es nur immer wieder sagen: Schickt uns keine kompletten Manuskripte, schickt uns keine Kochbücher (lest, was wir machen, das spart Euch Geld und uns Nerven!), und schickt uns immer, wirklich immer ein Exposé! Wenn dann die Einsendung noch ohne Fettflecken daherkommt, wird sie schon einmal vorurteilsfrei geprüft werden.
Aber wenn man ein versifftes Stück Papier aus einem Umschlag zieht, welches einen instinktiv seine Tetanusimpfung auffrischen lassen möchte, dann kann man keine neutrale Prüfung erwarten.
Das Exposé ist auch extrem wichtig und wird leider meist vergessen oder ist komplett daneben. Dabei gilt eigentlich folgende Regel: Die Leseprobe dient lediglich dazu, einen Eindruck des Schreibstils zu bekommen. Das Exposé soll dann aufzeigen, wohin die Geschichte führen soll, was der Autor sagen will etc.

Literatopia: Was passiert denn mit unaufgefordert eingesandten Manuskripten? Werden die, wie üblich, gar nicht gelesen oder riskiert Ihr da trotzdem mal einen Blick?

Andreas Reichardt: Wir lesen alle Manuskripte, die wir zugeschickt bekommen. Das sind rund tausend im Jahr. Und jeder von uns liest alles. Es wäre ja schlimm, wenn man ein geniales Buch angeboten bekäme, und es dann nicht lesen wurde, nur weil es unverlangt eingesandt wurde!

(Anmerkung von Literatopia: Für alle, die sich gerade gefreut haben: rechnet mal nach, wie viele Manuskripte das pro Tag wären ;) …)

Literatopia: Das war deutlich! Hast Du vielleicht einen Tipp für junge Autoren, die von einer Veröffentlichung träumen (außer natürlich ein gutes Exposé abzuliefern)?

Andreas Reichardt: Das ist schwierig, weil jeder ja woanders Defizite hat. Dem einen rät man, er solle an seinem Schreibstil arbeiten, wieder andere haben eine tolle Schreibe, aber gekommen keinen vernünftigen Plot zustande ... generell kann man lediglich sagen: Auch von der xten Absage soll man sich nicht entmutigen lassen. Absagen heißen nicht, dass es etwas schlecht ist, sondern nur, dass es dem Lektor nicht gefallen hat oder nicht ins Programm passt. Michael Ende musste die Unendliche Geschichte zig mal anbieten, ehe sie verlegt wurde.

Literatopia: Wie viele „miese“ Manuskripte hast Du schon lesen müssen? Wie viele Seiten gibst Du dem Text dann eine Chance? Und nimmt man am Anfang auch Bücher ins Programm, hinter denen man nicht zu 100% steht?

Andreas Reichardt: Viele, sehr viele. Aber das ist, wie gesagt, eine Frage des Geschmacks. Bei einem anderen Verlag mögen viele dieser Skripte mit offenen Armen empfangen werden. Auf die Frage, wie viel Zeit oder Seiten ich einem Skript gebe, muss ich kurz ausholen: Unsere Autoren fragen mich immer wieder, welche Stellen sie aus einem Buch lesen sollen, wenn sie ihm Rahmen einer Lesung oder einer Buchmesse ihr Buch vorstellen können. Und ich sage immer: Den Anfang! Der Anfang muss fesseln, muss interessieren, muss die Leute neugierig machen.
Und bei den wenigen wirklich guten Lesungen, die ich in meinem Leben besucht habe (die meisten waren schlicht schlecht oder gar grauenhaft), wurde das auch so gehandhabt. Der Anfang eines Buches ist wichtig. Und ich mag nicht, wenn man über ein Buch schreibt: „Die ersten hundert Seiten sind zäh, aber dann wird es richtig gut.“ So gut kann der Schluss dann gar nicht mehr sein!
Und wir nehmen keine Bücher ins Programm, hinter den wir nicht auch stehen! Das ist das schöne, einen unabhängigen Verlag zu haben: Uns redet keiner rein!

Literatopia: 2007 habt Ihr das erste Mal die Frankfurter Buchmesse besucht und wie wir Eurer Homepage entnehmen konnten, sehr erfolgreich. Wie läuft das eigentlich ab, wenn Händler sich entscheiden, Eure Bücher in ihr Programm aufzunehmen? Geht eine längere Verhandlung voraus oder ist das eher ein unkompliziertes Verfahren? Und wo sind Eure Bücher nun überall erhältlich?

Andreas Reichardt: Die Zeiten, wo man Buchhändler im Akkord an der Buchmesse abgefertigt hat und abends die Umsatzzahlen des Messetages feierte, sind meines Erachtens vorbei. Besonders bei jungen Verlagen ist es illusorisch zu glauben, die Buchwelt hätte nur auf einen gewartet. Es läuft eher auf ein 'gesehen werden' hinaus. Doch wenn dann eben einige Tage danach die Bestellungen vermehrt ins Hause flattern, dann ist das ein deutliches Anzeichen für den Erfolg einer Messe. Wobei besonders die Frankfurter Buchmesse einen anderen Schwerpunkt hat: Hier werden Lizenzen gehandelt!

Literatopia: Wie teuer ist so ein Buch für den Verlag eigentlich? Kannst Du uns etwas darüber sagen? Welche Kosten fallen dabei so an? Autorenhonorar, Druckkosten, …?

Andres Reichardt: Das kann man recht pauschal beantworten: Ist die Mehrwertsteuer rausgerechnet, hat man den Nettoverkaufspreis. Das sind 100% des Kuchens. Davon bleiben in der Regel 50% im Handel, einige Prozent gehen für die Auslieferung weg und der Autor bekommt auch noch etwas, in der Regel zwischen 5 und 8% vom Nettoverkaufspreis. Dann liegen die Herstellkosten in der Regel um die 10%. Damit sind quasi rund 70-75% der Einnahmen bei einem Buch schon durchlaufender Posten. Und da sind jetzt Dinge wie Werbung, Messebesuche, Satz und Layout, Buchcovergestaltung noch nicht drin. Am Ende ist es eigentlich erschreckend, wie wenig rauskommt. Andererseits sind die Margen bei seriösen Unternehmungen immer in einem überschaubaren Rahmen.
Wir investieren dann noch einen Teil in die Nachhaltigkeit unserer Produkte, also dass wir klimaneutrale Bücher produzieren, klimaneutral unsere Pakete zum Kunden bringen etc. Das kostet auch was, aber in unseren Augen ist es sinnvoll.

Literatopia: Was hältst Du von E-Books? Würde dieses Medium für Euren Verlag in Frage kommen oder eher nicht?

Andreas Reichardt: Wir arbeiten in diesem Bereich mit readbox und Blackbetty zusammen. Diese Unternehmen stellen unsere Bücher in den elektronischen Formaten bereit, egal ob das irgendwelche Reader sind oder das Handy. Ich finde, es ist ein interessantes Medium, speziell für Sach- und Fachbücher. Hier macht sich das eBook auf jeden Fall bezahlt: Allein die Möglichkeit, Texte durchsuchen zu können und nicht alles lesen zu müssen! Und wer unsere Bücher als eBook haben will, kann sie bekommen. Ich selber lese noch recht ungern am Bildschirm, aber einen dieser neuen Reader habe ich mir bestellt, weil ich einfach sehen will, was alles möglich ist.

Literatopia: Wie eng ist Dein Kontakt mit Euren Autoren? Kennst Du sie alle oder ist das inzwischen gar nicht mehr möglich?

Andreas Reichardt: Das ist sehr unterschiedlich. Einige Autoren habe ich richtig gern, nenne sie auch in erster Linie Freund und erst dann Geschäftspartner und Autor, manche kenne ich aber nur über Email und Telefon. Die Entfernung spielt natürlich eine Rolle, wobei wir jährlich ein Autorentreffen veranstalten, wo sich alle treffen können, aber auch die Zeit.
Autoren – wie alle Künstler eigentlich – können kaum von ihrer Kunst leben. Das bedeutet, die haben natürlich ihren Job und oftmals Familie und Kinder. Das in solchen Fällen der Kontakt etwas seltener, wenn auch nicht weniger herzlich ist, sollte einleuchten. Wir arbeiten auch mit keinen Autoren zusammen, die wir als Mensch nicht mögen. Denn wir wollen Spaß an der Arbeit haben. Wenn ich Montags aufwache und mir denke: „Oh Gott, nicht schon wieder der ganze Scheiß!“ habe ich ein Problem.

Literatopia: Wie wichtig ist Euch eine ansprechende Covergestaltung? Wer ist dafür zuständig? Seid ihr mit Euren Covern immer zufrieden oder gab es das ein oder andere, das sich als „Fehlentscheidung“ entpuppte?

Andreas Reichardt: Auch wenn es etwas diktatorisch klingt, aber die finale Entscheidungsgewalt bei einem Cover liegt bei uns, also beim Verlag. Das Cover und der Titel eines Buches gehören hier zusammen. Auf diese beiden Details konzentriert sich das Gros der Aufmerksamkeit, sei es die Ergebnisliste bei Amazon oder in einer Buchhandlung. Wenn das Cover nicht aufregend oder interessant ist, wird das Buch ignoriert. In diesem Sinne sehen wir das Cover als Werbeform des Buches. Wir arbeiten hier mit Grafikern, Fotografen und Künstlern weltweit zusammen, haben aber einen festen Kern, der die Hauptleistung erbringt.
Und mit den neuen Covern sind wir eigentlich immer zufrieden. Es gibt einige ältere Umschlagfotos, die uns nicht mehr so zusagen, aber jedes Cover transportiert seine eigene Botschaft, passend zum Inhalt des Buches.

Literatopia: Wie sieht Öffentlichkeitsarbeit in UBooks aus? Wie wichtig schätzt Du den Kontakt mit Magazinen und Onlinerezensionsportalen ein? Wo kann man Rezensionen zu Euren Büchern finden? Und wurde ein Buch von Euch schon mal in einem „echten Massenmedium“ rezensiert?

Andreas Reichardt: Klar wurden wir schon auf Viva, im WDR oder in der Yam besprochen oder empfohlen. Auch große Tageszeitungen befassen sich mit unseren Titeln, aber eben auch kleine Magazine oder gar Fanzines. Die Mischung machts! Onlinerezensionen halte ich für recht wichtig, weil von dort aus der Weg zum Buch (via Onlinebuchhändler) sehr kurz ist und weil dort die Platzbeschränkung nicht so strikt ist, wie in der gedruckten Zeitung. Wenn man online über ein Buch etwas mehr erzählen möchte, tut man das einfach.

Literatopia: Was hältst Du persönlich von Schreibportalen? Denkst Du, dass sie für einen angehenden Autor hilfreich sein können? Hast Du Dich vielleicht schon einmal in einem Schreiberforum nach Talenten umgesehen?

Andreas Reichardt: Bei der Masse an Einsendungen gehen wir selbst nicht mehr auf die Suche nach neuen Autoren. Das sehe ich auch nicht als unsere Hauptaufgabe, neue Autoren zu finden. Wir möchten unsere eigenen Autoren aufbauen und bekannter machen. Das ist unsere Aufgabe. Allein mit den Autoren, die wir bis jetzt unter Vertrag haben, könnten wir abwechslungsreiche und höchst interessante Verlagsprogramme leisten.

Literatopia: Als Verleger hat man wohl jede Menge zu tun. Bleibt da noch Zeit für private Lektüre? Wenn ja, wann, wo und was liest Du? Und hast Du eigentlich alle Bücher, die in Eurem Verlag erschienen sind, gelesen?

Andreas Reichardt: Wir lesen jedes bei uns im Verlag erscheinende Buch mehrfach. In der Regel läuft es auf fünf Lesedurchgänge raus. Es gibt aber einige Titel die ich freiwillig oder unfreiwillig schon neun oder zehn Mal gelesen habe.
Und im Urlaub oder am Wochenende lese ich natürlich auch andere Sachen. T.C. Boyle zählt zu meinen Favoriten, Tom Wolfe, Pascal Mercier, um einige aktuelle zu nennen, aber ich liebe auch Ödön von Horvárth, Georg Büchner oder Frank Wedekind, um einige Klassiker zu zitieren. Ansonsten lese ich sehr viel Sachbücher.

Literatopia: Juckt es Dich manchmal selbst in den Finger, sprich schreibst Du Geschichten oder gar Gedichte? Oder liest Du viel lieber und verhilfst talentierten Schreiberlingen dazu, gelesen zu werden? Was gefällt Dir daran?

Andreas Reichardt: Ich schreibe auch selbst. Meist bin ich als Ghostwriter tätig, manchmal schreibe ich auch selbst, weil es einfach Spaß macht. Meist sind es Romane oder Kurzgeschichten. Aber ich mache mir nichts vor: Ich bin deutlich erfolgreicher als Verleger, denn als Autor.
Was ich an meinem Job am meisten liebe? Jeden Morgen aufzustehen und nicht das Gefühl haben, zu arbeiten. Es fühlt sich eher an wie Spaß haben, wie den Tag, die Zeit und das Leben zu genießen. Das ist der perfekte Job.

Literatopia: Zu guter Letzt: Welche Pläne hat UBooks für 2009? Welche Highlights erwarten den geneigten Leser?

Andreas Reichardt: 2009 wird das Jahr mit den meisten Veröffentlichungen bisher. Nicht weil es geplant war, sondern weil wir so viel gutes Material erhalten haben, dass es anders nicht zu machen war. Das Jahr wird mit „Pornostern“ von Christoph Straßer und dem neuen Buch von Dirk Bernemann beginnen, dann folgt der New York Times Bestseller „Succubus Blues“ von Richelle Mead; das sind keine kleinen Brötchen. Und unsere I-Pop-Reihe wird dann im Mai durchstarten. In der ersten Jahreshälfte starten wir mit zwei Titeln, legen dann in der zweiten Jahreshälfte noch einen guten Schwung nach ... und eine Biografie haben wir noch in petto ... ein irrer Kerl, um den es dieses Mal geht! Mehr wird aber noch nicht verraten.

Literatopia: Vielen Dank, Andreas, für diesen ausführlichen Einblick in die Verlagswelt!

Andreas Reichardt: Gern geschehen.


Anmerkung: Bei diesem Interview sind alle Buchcover verlinkt! Ein Klick und seid ihr sofort bei der Buchbeschreibung auf der Verlagsseite!

Innteressante Literatopia-Links zum Thema:

Nicolaus Equiamicus sim Interview

Rezension zu "Die Geisterwelt"

Rezension zu "Wahre Märchen"

Rezension zu "Der Venuspakt"


Dieses Interview wurde von Judith Gor für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 17. Januar 2009
 

Kommentare  

#2 SpannendSvenja 2009-01-17 23:57
Tolles Interview. Ein Verleger, der alle seine Autoren persönlich kennt, ist ja wohl ziemlich selten.
Freue mich schon sehr auf Succubus Blues und Pornostern!

:*
Svenja
#1 InterviewNicole 2009-01-14 21:46
Hallo,
ein interessantes Interview, auch der Verlag, den ich vorher zugegebenermaße n noch nicht kannte, klingt gut. Werd da auf jeden Mal mal stöbern gehen.
Auch die Cover find ich Klasse, richtig ansprechend düster.
:-)


LG
Nicole

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