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Dracula (Pascal Croci, Francoise-Sylvie Pauly)
Geschrieben von Markus
Dienstag, der 09. November 2010

Verlag: Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime (4. Oktober 2010)
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten, 39,95 €
ISBN-13: 978-3770434275

Genre: Horror


Klappentext

Als der junge Schriftsteller Bram Stoker den Archivar des British Museum in London aufsucht, macht dieser ihm eine fürchterliche Enthüllung über die historische Figur Vlad Tepes, den Pfähler …

Der Romancier beginnt danach mit dem Verfassen seines Kultromans Dracula, in dem der junge Jonathan Harker zum Opfer des Prinzen wird …

Pascal Croci kreiert mit seiner sublimen Farbgebung eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Er schuf eine vibrierende Hommage an die fantastische Literatur und den Vampirfilm – kühl wie der Schnee in den Karpaten und düster wie die Wintersonnenwende auf Schloss Bran. Ein Grusel-Schmuckstück … nicht nur für Comicfreunde!


Rezension

„Seid mir willkommen! Tretet aus freien Stücken ein, und ohne Furcht. Und lasst ein wenig von dem Glück hier, das ihr mit euch bringt!“

Vampire haben im Moment wieder Hochkonjunktur in der Literatur, allerdings mehr in der Kuschelvariante, ohne Blut und mit möglichst viel Romantik. Zum Glück erinnern sich mittlerweile immer mehr Autoren aber auch wieder daran, wie Vampire einst beschrieben wurden. Blutrünstig, grausam und unheimlich. Meist stützen sie sich dann auf eins der vielen klassischen Merkmale. 
Vorlage für fast alle ist aber der Vampir schlechthin: Dracula.
Und eben dessen von Bram Stoker erfundene Geschichte hat Pascal Croci genommen und in eine einzigartige Graphic Novel umgesetzt.

Sein Dracula beginnt mit der Vorgeschichte des Grafen. Bram Stoker und ein Bibliothekar treffen und unterhalten sich über seltsame Ereignisse im Raum München. Eine unheimliche Gestalt wurde gesehen. Eine Gestalt, die anscheinend schon Jahrhunderte existiert, zumindest lässt sich ihre Beschreibung in verschiedenen alten Schriften finden. Das wichtigste Schriftstück dabei und gleichzeitig das mit dessen Hilfe Vlad Tepes zu Lebzeiten charakterisiert wird, ist das Testament von Pinzessin Cneajna, der Frau des Grafen. Nach der kurzen Einführung mit Bram Stoker erzählt sie die Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen. Pascal Croci und Francoise-Sylvie Pauly konzentrieren sich in ihrer Erzählung auf die schon vorhandene dämonische Seite Vlad Tepes`. Bilder von Pfählungen sind zu finden, das Ermorden von Mönchen durch seine Hand wird ebenso gezeigt, wie das Auslöschen eines ganzen Dorfes. Eins wird klar: Ein netter Zeitgenosse war Vlad Tepes nicht. Trotzdem scheint auch etwas seine Rolle als Volksheld durch, wenn erwähnt wird, dass ihn die Türken fürchten und er die Christenheit somit bewahrt. Am Ende gibt es in diesem Kapitel einen Hinweis auf sein weiteres untotes Leben, eben mit Bezug auf die eingangs erwähnte seltsame Gestalt, die nicht der Graf selbst ist.

Erst danach stellt Pascal Croci die Erzählung Stokers in den Mittelpunkt. Hierfür verwendet er für die Dialoge und sonstigen Erzählungen Auszüge aus dem Roman „Dracula“, was natürlich ungemein förderlich für Atmosphäre und Geschichte ist. Für die Umsetzung als Comic musste naturgemäß eine große Menge an Einzelheiten wegfallen, aber dennoch schafft Croci es, ein vollkommen rundes Bild abzuliefern. Dazu hat er seinen Dracula in drei verschiedene Teile eingeteilt, die durch je eine Person charakterisiert sind. Jonathan Harker, Abraham van Helsing und Mina Harker. Der jeweils eigene Tonfall spiegelt sich ebenso in den Zeichnungen wieder und in der verschiedenen Darstellung einzelner Handlungsorte, die jeder etwas anders wahrnimmt.

Selten gehen bei einem Comic dabei Erzählung und Bild so ineinander über, wie in Pascal Crocis Dracula. Sie sind praktisch untrennbar miteinander verknüpft. Die Bilder allein strahlen zwar Bedrohlichkeit und Düsternis aus, aber da so gut wie keine handelnden Personen zu sehen sind und vor allem auch der Graf nicht, erschließt sich die Geschichte, eben zum Großteil über den Text. Aber eben nicht ganz. Die Dialoge und Sätze treiben die Handlung durchaus voran, aber sie sind nur ein Teil des Ganzen und noch dazu der Geringere, denn die Zeichnungen sind es, die den Leser zusammenfahren lassen und eine Gruselatmosphäre erzeugen, die selten ist. Ein Kunststück, wenn man bedenkt, dass hauptsächlich Landschaften und Gebäude zu sehen sind. Croci lässt den Leser mit seiner eigenen Phantasie letztlich den Horror erschaffen und ihn entscheiden, ob die Geschichte um Dracula stattgefunden hat oder die Erzähler, eben Jonathan Harker und seine Freunde, nicht doch alles erfunden haben. Bild und Text sind konträr zueinander und beeinflussen sich dadurch umso mehr, wodurch eine einzigartige Atmosphäre geschaffen wird.
Ungewöhnlich ist mit Sicherheit auch der Ansatz Pascal Crocis die Gebäude, also Burgen, Häuser und Klöster so zu zeichnen, wie sie heute aussehen und sie nicht zu rekonstruieren. Auch als die Geschichte im Mittelalter spielt sind die Ruinen zu sehen, was auf den ersten Blick etwas irritiert, aber einen dann in den Bann zu ziehen vermag. Es trägt zur mythischen Atmosphäre des Comics bei und unterstützt ihn in seiner unheimlichen Wirkung. Genau wie die Entscheidung Dracula selbst im zweiten Teil nicht auftreten zu lasen. Er bleibt damit ein Mysterium und eine größere Bedrohung, als wenn er gezeigt würde.

Am Ende finden sich noch Skizzen und ein Nachwort von Pascal Croci, welches mehr als nur lesenswert ist. Damit wird „Dracula“ perfekt abgerundet und sicher greift man immer wieder zu diesem Band, entweder zum Lesen oder einfach nur zum Blättern und Ansehen der Bilder.

Leider verpasst Ehapa die Chance mit Dracula neue Leser für Comics und Graphic Novels zu gewinnen. Der hohe Preis dürfte Gelegenheitsleser und andere abschrecken. Dabei wäre Dracula ideal, um Comics neu zu präsentieren und ihnen neue Wertschätzung zu kommen zu lassen.


Fazit

Eine mehr als gelungene Umsetzung von Bram Stokers Dracula, dem Vorläufer aller heutigen Vampirromane und ungebrochene Inspirationsquelle für Autoren. Pascal Croci gelingt das Kunststück dem Grafen Dracula eine neue Facette abzugewinnen und sie in atemberaubende Bilder zu kleiden. Lesen! - Einzig der Preis könnte abschrecken.


Pro & Contra

+ außergewöhnliche Zeichnungen
+ Atmosphäre passt perfekt zu Dracula
+ im zweiten teil verwendet Croci ausschließlich Originalzitate aus dem Roman Stokers

- hoher Preis

Bewertung:

Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln zum Thema Dracula:

Rezension zu Dracula - Die Wiederkehr

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, der 10. November 2010
 

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