Mara und der Feuerbringer (Tommy Krappweis)

Egmont Franz Schneider Verlag (September 2009)
gebunden, 332 Seiten, 12,95 EUR
ISBN: 978-3-505-12646-8

Genre: Fantasy / Jugendbuch


Klappentext

Die 14-jährige Mara wäre am liebsten eines: unauffällig. Ein ganz normales Mädchen. Ohne die Tagträume, die der Grund für die ständigen Hänseleien in der Schule sind. Doch gerade als sie beschließt, ihr Leben zu ändern, passiert plötzlich etwas Unglaubliches: Mara erfährt, dass sie eine der letzten Seherinnen ist. Eine Spákona. Und nur mithilfe ihrer besonderen Gabe kann sie verhindern, dass sich der Halbgott und Dämon Loki von seinen Fesseln befreit und zu einer Gefahr wird. Maras Welt gerät aus den Fugen: Wird sie es schaffen, sich dieser großen Aufgabe zu stellen?

LESEPROBE


Rezension

Mara sieht nicht wirklich viel Sinn darin, mit einem Baum zu sprechen – ihre Mutter dagegen schon. Zu Beginn des Romans hat diese Mara wieder einmal zu einem ihrer Esoterikseminare mitgeschleift, bei dem sie geradezu krampfhaft versucht, mit einem Baum in Dialog zu treten. Mara ist verständlicherweise total genervt – und umso überraschter, als sie auf dem Heimweg feststellt, dass ein Zweig mit ihr spricht. Und ihr obendrein offenbart, dass sie eine Spákona ist, eine Seherin. Mara zweifelt nun ernsthaft an ihrem Geisteszustand, muss aber bald erkennen, dass Pflanzen tatsächlich „sprechen“ können und ihre Tagträume nicht nur Grund für Hänseleien ihrer Klassenkameraden, sondern schlicht und einfach wahr sind …

Der Einstieg gestaltet sich etwas schwach, wobei die Szene mit dem Baumseminar eigentlich recht amüsant ist. Doch Tommy Krappweis scheint seinen Stil noch nicht recht gefunden zu haben und so stolpert man als Leser über die ersten Seiten – merkt aber doch schnell, dass der Autor sich in seine Geschichte einfindet. Einzig der übermäßige Einsatz von Ausrufezeichen lässt nicht nach. Dafür entwickelt sich die Geschichte um Mara und den Feuerbringer zu einem humorvollen und spannenden Abenteuer für junge Leser, die obendrein viel über die germanische Mythologie lernen können. Doch auch so manch Erwachsener kann seinen Spaß mit der Geschichte haben, denn Mara ist einfach supersympathisch. Gelungen ist außerdem die Auseinandersetzung mit den echten mythologischen Hintergründen und der recht freien Interpretation von Wagner. Hier hat Tommy Krappweis einen witzigen Weg gefunden, zwischen Fakten und Opernphantasien zu differenzieren. Leider ist es wirklich so, wie im Buch auch beschrieben – in der Schule lernt man nahezu nichts über germanischen Sagen.

Mara schließt man schnell ins Herz, auch wenn sie manchmal ziemlich trotzig wirkt. Mit ihrem Schicksal als Spákona und quasi auserwählter Heldin hadert sie zwar, doch ihr Herz scheint den richtigen Weg bereits zu kennen. Unterstützung erhält sie vom Universitätsprofessor Weissinger, der ihr viel über die germanische Mythologie berichten kann. Teilweise decken sich seine Aussagen mit Maras Visionen, teilweise weichen sie auch ab und es kommt zum ein oder anderen wissenschaftlichen Streit. Doch als der Professor Maras Talent erkennt, steht er ihr bedingungslos zur Seite und entdeckt dabei seine eigene Abenteuerlust wieder. Mit Maras Mutter dagegen wird man nicht so richtig warm. Ihr esoterischer Wahn gestaltet sich nicht nur für Mara nervend, wobei man als Leser eher als die Protagonistin über eine „Energy-Vital-Pyramide“ schmunzeln kann (diese soll angeblich das Obst länger frisch halten).

Als vierzehnjähriges Mädchen wirkt Mara weitgehend authentisch – nur hin und wieder kommt sie einem fast zu jung vor. Vielleicht entsteht dieser Eindruck, weil sie so gar nicht dem gängigen Jugendklischee einer Null-Bock-Mentalität entspricht. Sie leidet unter der Trennung ihrer Eltern, für die sie ihrer Mutter manchmal die Schuld gibt. Allerdings sieht sie auch, dass ihr Vater sich nicht um sie bemüht. Mit diesem Background erarbeitet Tommy Krappweis die Unsicherheiten und Trauergefühle eines jungen Mädchens, das in ein Alter gekommen ist, in dem es total uncool ist, zu weinen. Ihre ständigen, tiefen Tagträume erschweren ihr das Miteinander mit Klassenkameraden und zu allem Übel kann die Oberzicke Larissa sie nicht leiden. Und wen Larissa nicht leiden kann, der kommt in der Klasse auf keinen grünen Zweig. Doch im Laufe der Geschichte bekommt Mara Gelegenheit, sich für die Gemeinheiten zu rächen – wirklich glücklich macht die Rache sie allerdings nicht.

Das Buch selbst wurde von Adriaan Prent mit Federzeichnungen illustriert und kommt zudem in einer edlen Hardcoveraufmachung daher. Zu jedem Kapitel gibt es eine passende Zeichnung, die Seitenzahlen und Kapitelüberschriften sind ebenfalls illustriert. Die Gestaltung des Buches kann man nur als rundum gelungen bezeichnen. Und das ganze gibt es zu einem beinahe unschlagbaren Preis. „Mara und der Feuerbringer“ ist der erste Teil einer Trilogie, lässt sich aber auch gut alleine lesen. Die Geschichte ist vorerst in sich geschlossen, behält aber verschiedene Ansatzpunkte für die kommenden Romane, die nach Lektüre dieses Buches sicher ebenfalls den Weg ins Bücherregal finden. Der zweite Teil ist im Herbst 2010 unter dem Titel „Mara und der Feuerbringer – Das Todesmal“ in einer ebenso wundervollen Aufmachung erschienen.


Fazit

Mit „Mara und der Feuerbringer“ kleidet Tommy Krappweis die germanische Mythologie in ein spannendes, humorvolles Abenteuergewand. Mara erobert die Leserherzen im Sturm und tröstet mit ihrem Temperament über die eine oder andere Schwäche hinweg. Ein Lesespaß mit Lerneffekt für Jung und Alt!


Pro & Contra

+ supersympathische Protagonistin
+ humorvolles, spannendes Abenteuer
+ gelungene Aufarbeitung der germanischen Mythologie
+ wunderschöne Illustrationen / tolle Aufmachung
+ Thematisierung von Mobbing / Trennung der Eltern

- Anfang relativ schwach
- viel zu viele Ausrufezeichen

Extras: Anhang mit Erklärungen zur germanischen Mythologie

Wertung:

Handlung: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 5/5


Interview mit Tommy Krappweis (November 2009)

Mara-Special mit Tommy Krappweis

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