Korona (Thomas Thiemeyer)

Verlag: Knaur 
512 Seiten; Gebundene Ausgabe; 16,99 € 
ISBN-13: 978-3426662915

Genre: Fantasy/ Mystery


Klappentext

Wenn die Sonne explodiert – der neue Thriller vom deutschen Meister der Mystery

Gorillaforscherin Amy Walker hat Alpträume, seit ein Mitglied ihres Teams auf mysteriöse Weise verschwand. Ausgerechnet ein Ex-Sträfling soll die Gruppe nun verstärken, zu dem – außer den Gorillas – niemand so recht vertrauen fassen will. Als sich das Forscherteam trotz bedrohlicher Sonnenaktivität und seltsamer Wetterphänomene ins ostafrikanische Ruwenzori-Gebirge aufmacht, um den Vermissten zu suchen, beginnt ein Abenteuer, das Amy an die Grenzen ihres Verstandes bringt …

„Roland Emmerich sollte die Rechte an allen Thiemeyer-Romanen erwerben und sofort mit der Verfilmung beginnen!“
Alex Dengler, denglers-buchkritik.de


Rezension

Ein Buch der verschenkten Möglichkeiten und fremder Ideen, als solches kann man Korona von Thomas Thiemeyer bezeichnen, den mittlerweile fünften Mysterythriller des Autors.
Sei es die intelligenten Affen, das Dimensionstor oder die schwebenden Inseln in der Parallelwelt, selbst die Handlungsstränge, keine seiner Ideen ist originär.
Aber worum geht es überhaupt.

Anfangs wird kurz ein Unfall geschildert, der 10 Jahre zurückliegt. Das Mädchen im Auto stirbt. Die beiden Jungen überleben. Weiter wird darauf zunächst nicht eingegangen, dem erfahrenen Leser ist aber klar, dass dieser Unfall in Form eines Konfliktes noch eine große Rolle spielen wird. Ein Klischee, das Thomas Thiemeyer dann auch gerne bedient.
In der Gegenwart, wird Ray Cox aus dem Gefängnis entlassen und findet seinen Weg nach Afrika, genauer nach Uganda. Dort befindet sich eine Forschungsgruppe, die die dort heimischen Berggorillas studiert. Ray soll das Team um Amy verstärken, sind doch vor kurzem mehrere Teammitglieder unter Führung des Forschungsleiters William Burke verschwunden, als sie eine ganze bestimmte Gruppe Gorillas beobachten wollten. Trotz immer seltsam und schwieriger werdenden Wetter bricht Amy mit ihrem Team auf, die Vermissten zu suchen. Von da an stolpern sie, wie einst Indiana Jones von einem Abenteuer ins nächste. Nachdem sie zunächst auf ungewöhnlich intelligente Menschenaffen getroffen sind, finden sie ein Volk, das in einem Matriachat lebt und mehr als nur ein Geheimnis hat. Sie scheinen mehr über die N´ekru, Wesen die teils menschlich teils pflanzlich sind, zu wissen, als sie zugeben. Von dort aus gelangen die Forscher durch ein Dimensionsportal in eine neue Welt, in der intelligente Gorillas im Krieg mit den dort lebenden Menschen und N´ekrus liegen. Ihre Welt besteht dabei aus schwebenden Inseln, zwischen denen sie auf fliegenden Schiffen reisen. Amy und ein weiteres Mitglied geraten in Gefangenschaft und Ray macht sich auf sie zu retten.

Thiemeyer hat „Korona“ Michael Crichton gewidmet, den 2008 verstorbenen Autoren von unter anderem Jurassic Park und Timeline. Thiemeyers Roman weist dabei anfangs mehr als nur eine Parallele zu Crichtons Congo auf. In beiden Büchern geht es um außergewöhnlich intelligente Gorillas. Es werden alte Städte entdeckt und mindestens einer der Affen kann sich mit Zeichensprache verständlich machen. Die Gleichheit der Namen der Forschungsleiterin und des in Congo sprechenden Affen, Amy, dürfte durchaus kein Zufall sein. Mit Betreten des Dimensionsportales wendet sich Thiemeyer von Congo ab und seine Geschichte nimmt Züge von Roland Emmerichs Film Stargate an. Passenderweise wird Emmerich ebenfalls auf dem Cover des Buches erwähnt. Die Geschichte folgt nun praktisch der des Filmes. Die Gruppe um Amy gerät in Gefangenschaft, hat nur ein kleines Zeitfenster für die Rückkehr und am Ende wählt ein Teammitglied das Exil in der neuen Welt. Sogar die Reisesequenz durch das Tor wird so erzählt, wie sie im Film dargestellt wurde. Versehen mit kleinen Einsprengselungen von anderen Büchern und Filmen, unter anderem erinnert das Monster und seine Entstehung noch an Das Relikt und die andere Welt an die der Drachenjäger, kommt damit ein Plot heraus der nicht überzeugen kann. Weder ist er wirklich ein Mystery-Thriller, noch ist er Fantasy oder Horror. Das Ganze wirkt reichlich unausgegoren, als habe der Autor einfach verschiedene Ideen genommen und wild zusammengesetzt, ohne darauf zu achten, ob sie passen. Der Anfang mit den seltsamen Ereignissen birgt wirklich Spannung, mit der hanebüchenen Reise in eine andere Welt und dem Auftauchen altbekannter Storyelemente verpufft diese aber einfach. Angst um einen der Charaktere hat man zu keinem Zeitpunkt, denn das Buch steckt voller Klischees und die lassen es halt einfach nicht zu, dass die Hauptpersonen sterben könnten. Zudem überstehen Thiemeyers Figuren selbst schwerste Verletzungen mit Leichtigkeit. Schon nach kürzester Zeit stehen sie nach üblen Brandverletzungen und speerdurchbohrten Körperteilen wieder auf den Beinen. Allerdings nur die Hauptpersonen, Nebencharaktere werden im Vorbeigehen getötet.
Zu den Klischees gesellen sich somit noch Logikfehler und nicht gerade wenige. Gerade noch brauchte es für die Unterhaltung mit einer Ureinwohnerin einen Übersetzer, schon kann sie einen halben Tag später alles verstehen und sogar die Sprache der Weißen sprechen. Das Gleiche gilt für die Gorillas. Urplötzlich kann einer von ihnen sprechen, obwohl er vorher noch Zeichensprache nutzen musste. Solche Stellen gibt es immer wieder im weiterem Verlauf.
Die Sonne, groß auf dem Buchrücken als wichtiges Storyelement angepriesen hat übrigens nur eine Statistenrolle und muss dafür herhalten eine mehr als fragwürdige und hanebüchene Erklärung für die Entstehung des Dimensionstores zu liefern. Eine weitere Funktion besitzt sie aber nicht. 
Mystery-Elemente kommen im Roman eindeutig zu kurz, vermutlich wäre eine Einordnung in das Fantasy-Genre besser, denn dem entspricht es spätestens nach der Hälfte eher.

Die Charaktere des Buches setzen sich genau wie die Geschichte ebenso aus Klischees zusammen. Es gibt den superintelligenten Ex-Knacki, der unschuldig ist, aber schuldig wirken soll, und nach zehn Jahren Gefängnis so hart ist, das alle Frauen auf ihn fliegen. Die Forschungsleiterin, die nicht weiß was sie tun soll und dem starken Helden an ihrer Seite das Kommando überlässt und dabei bemüht hart wirken möchte, den Nerd, das Kanonenfutter, den alten Erzrivalen und die hübsche Assistentin, die als erstes für den Ex-Knacki schwärmen darf. Richtig Profil hat keine der Figuren. Alle sind mehr oder minder Standardcharaktere vom Reissbrett, richtig individuelle Ticks oder Marotten hat keine. Sie sind, was sie sind und was ihre Funktion vorschreibt. Dadurch werden sie blass und als Leser macht man sich keine Sorgen um sie.

Einziger Höhepunkt des Buches sind die wirklich guten und tollen Beschreibungen der Umgebung des Ruwenzori-Gebirges und der versunkenen alten Stadt. Hier baut Thiemeyer etwas Atmosphäre auf und fast kann man dann das Gefühl abschütteln, bekanntes zu lesen, aber eben leider nur fast. Man merkt, die Recherche, die der Autor vor Ort durchgeführt hat und kann sich die Vielfalt und Schönheit der afrikanischen Natur regelrecht vorstellen.
Vielleicht hätte mit etwas mehr Zeit und Mühe und einer besseren Verknüpfung der einzelnen Teile ein wirklich spannendes und packendes Buch aus Korona werden können, so überwiegen leider die Logikfehler und blassen Charaktere beim Gesamteindruck. Somit ist das Buch tatsächlich wie ein Roland Emmerich – Film: Schnell, bunt und laut. Erst am Ende bekommt man mit, dass es eigentlich reines Fastfood ohne weiteren Gehalt ist.


Fazit

Ein Mysterythriller für Fantasyfans/ ein Fantasybuch für Mysterythrillerfans und damit nichts halbes und nichts ganzes. Korona ist mehr oder weniger eine Enttäuschung mit vielen Ideen, die schon altbekannt sind. Mit Roland Emmerichs-Filmen hat das Buch gemeinsam, dass man sich zwar einigermaßen unterhalten fühlt, aber schon kurz nach dem Durchlesen, die Einzelheiten vergessen hat.


Pro & Contra

+ die Flora und Fauna Afrikas wird beeindruckend beschrieben

- „wissenschaftliche“ Erklärungen sind mit Vorsicht zu genießen
- mehrere Logiklöcher und offene Fragen
- style over substance
- Reißbrettcharaktere, die z.T. als Kanonenfutter dienen

Bewertung:

Charaktere: 2,5/ 5
Handlung: 2/5
Lesespaß: 2,5/5
Preis/Leistung: 3/5

Kommentare  

#3 Ratlos...Thomas Thiemeyer 2011-04-24 14:49
Hallo Herr Demmler,

gibt es einen Grund, warum Sie mich so scharf angehen? Habe ich Ihnen irgendwann mal Unrecht zugefügt? Wenn ja, täte es mir leid.

Mit besten Grüßen,
Thomas Thiemeyer
#2 Stillos und frechUwe Demmler 2011-03-09 21:27
Na ja, Herr Thiemeyer, manchmal tut die Wahrheit einfach weh. Ihr Roman ist einfach ein bunter Mix aus Indiana Jones, Stargate, Planet der Affen, Congo... muss ich wirklich weitermachen? Da ist nichts eigenes zu erkennen.

Und Ihr Kommentar zu dieser sehr offenen Rezension deckt eine weitere Schwäche auf - es ist ein Zeichen von Stillosigkeit,w enn sich ein Autor auf diese Art und Weise zu einer Kritik äußerst und darauf aufmerksam macht, dass es ja auch positivere Rezensionen gibt. Ein souveräner und guter Autor hat so etwas nicht nötig.
#1 Sehr schön ...Thomas Thiemeyer 2011-01-12 12:22
... so ein Verriss. Muss auch mal sein. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, zumal zwölf andere namhafte Literaturportal e von KORONA in den höchsten Tönen geschwärmt haben. Wen es interessiert, auf meiner Website http://www.thiemeyer.de sind die meisten davon verlinkt. Aber ich muss gestehen, über diese hier habe ich mich schon sehr amüsiert ...

Beste Grüße,
Thomas Thiemeyer

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