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True Grit (Charles Portis)
Geschrieben von Angelika
Mittwoch, der 26. Januar 2011

rororo (Februar 2011)
218 Seiten, 8,99 €
ISBN: 978-3-499-25662-2

Genre: Belletristik / Western


Klappentext

Mattie Ross ist gerade einmal vierzehn, als ein Feigling namens Tom Chaney ihren Vater erschießt. Und ihm nicht nur das Leben, sondern auch sein Pferd und 150 Dollar raubt. Um den Tod ihres Vaters zu rächen, verlässt Mattie ihr Zuhause und begibt sich auf eine gefährliche Reise. Begleitet wird sie dabei von Rooster Cogburn, einem sehr dem Alkohol zugeneigten Marshall, der seine besten Tage längst hinter sich hat, und von dem jungen Texas-Ranger LaBoeuf. Die Jagd nach dem Mörder führt das Trio tief ins Indianergebiet ...


Rezension

Chales Portis wurde 1933 in Aransas geboren. Er studierte Journalismus und arbeitete bald darauf für mehrere Zeitungen. Seit 1964 widmete er sich vollständig der Literatur und wurde unter anderem durch seinen Roman True Grit eine der unverwechselbarsten Stimmen Amerikas. Ein Roman, der erstmals 1969, unter dem Titel Die mutige Mattie, auch in deutschsprachigen Ländern erschien und dessen Verfilmung (empfehlenswert) John Wayne einen Weg in die Herzen zahlloser Zuschauer fand.

>> Erst in diesem Augenblick wurde mir meine Lage so richtig bewusst. Ich hatte nicht erwartet, dass sich Rooster und LaBoeuf den Banditen widerstandslos fügen würden. Ich hatte mir vorgestellt, wie sie sich im Unterholz anschleichen würden, um die Banditen anzugreifen, solange sie noch durcheinander waren ... <<

Mattie Ross hat ihren Vater verloren. Doch anstatt sich der Trauer hinzugeben, die sie wohl oder übel erdrücken würde, macht sie sich auf den Weg, um den Mörder ihres Vaters zu fassen. Tod oder lebendig. Mit ihren vierzehn Jahren wird sie jedoch nicht selten ernst genommen; hat immer wieder mit den Vorurteilen der Menschen zu kämpfen, die ihr sehr deutlich nahe legen, zu ihrer Mutter zurück zu kehren. Doch Mattie besteht auf Gerechtigkeit. Und darauf, sich selbst darum zu kümmern, dass Tom Chaney hängen wird ...

Der Wilde Westen. Einsam, gesetzlos und unberechenbar. So und nicht anders präsentiert der amerikanische Autor Charles Portis das Umfeld seiner vierzehnjährigen Protagonistin, die sich nach dem Tod ihres Vaters dazu gezwungen sieht, sich selbst um alles zu kümmern. Das keck wirkende Mädchen arrangiert in weiterer Folge nicht nur die Überführung ihres Vaters, sondern kümmert sich ebenso um die geschäftlichen Verbindungen, die wenige Tage zuvor geknüpft wurden und nun hinfällig geworden sind. Zumindest in ihren Augen. Darüber hinaus pocht sie mit äußerster Härte auf Gerechtigkeit. Und Mattie vertritt ihre Ansichten und die Wünsche ihrer Familie vehement. Hierbei bedient sie sich ihres Charmes gekonnt und überrascht den Leser mit amüsant wirkenden Schlagfertigkeiten. Dennoch aber muss der geneigte Leser leidlich feststellen, dass Mattie so gar nichts kindliches mehr an sich hat. Im Gegenteil. Charles Portis präsentiert seine junge Heldin sehr kalt und bestimmt und lässt sich damit die Gelegenheit entgehen, einen zerbrechlicheren Charakter vorzuzeigen, der vielleicht berührbarer gewesen wäre. So jedoch ist es bedauernswert, dass diese sonst sehr bestechende und furios wirkende Handlung niemals wirklich emotional werden will und damit ebenso ein bisschen oberflächlich wie kurzweilig bleibt. Diesem Manko trotzend entsteht jedoch eine Oberfläche, die überaus gefällt.

Zu verdanken ist dieser Umstand in erster Linie den manchmal bedeutungsschwangeren und lebendigen Dialogen, die den Leser durch dieses Büchlein ziehen. Marshall Rooster Cogburn und Texas-Ranger LaBoeuf setzen dem ganzen sprichwörtlich die Krone auf. Der eine ein alter Säufer, der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, der anderer ein Aufschneider sondergleichen, dessen Berichte über seine Arbeit in Texas den Leser oftmals zum Lachen verführen. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein und wohl kaum besser präsentiert werden als durch Matties jugendliche Augen. Ihre Gedanken und Meinungen über ihre Gefährten begeistern und werden – wie eben ein vierzehjähriges Mädchen berichten würde – recht umgangssprachlich erzählt. Nach sprachlichen Höhepunkten oder gar Poesie (wie sie Cormac McCarthy teilweise zu bieten weiß) sucht man hier also vergebens. Stattdessen beobachtet man durch Matties Augen das Geschehen und ist überrascht wie schwer es fällt, dieses Buch wieder aus den Händen zu legen. Es mag zwar stilisch und emotional nicht sehr anspruchsvoll sein, doch unterhält es wunderbar und ist, nicht zuletzt auch deshalb, ein Klassiker der besonderen Art. Einzig der Preis ist für zweihundert Seiten ein tatsächlicher Wehrmutstopfen.

Und damit bin ich am Ende meines wahren Berichts angelangt, in dem ich erzähle, wie ich einst drüben im Gebiet der Choctaws das Blut von Frank Ross gerächt habe, als Schnee die Erde bedeckte.

(Seite 218)


Fazit

Mit True Grit hat Charles Portis einen sprichwörtlichen Volltreffer gelandet für alle solche, die sich über einen unterhaltsamen Western freuen und nicht mehr als das erwarten. Gekonnt schildert der Autor Matties Geschichte und weiß die notwendige Atmosphäre, genügend Humor und Echtheit zu präsentieren, um seine Leser zu überzeugen. Nicht nur Fans des Genres sollten sich trauen zuzugreifen und sich darüber hinaus vielleicht auch auf die Neuverfilmung freuen, die mit Jeff Bridges und Matt Damon in den Hauptrollen ab 25.02.2011 in den deutschen Kinos zu sehen sein wird.


Pro und Kontra

+ unterhaltsamer, schneller Western
+ authentisch & stimmungsvoll
+ lesenswerte Charaktere
+ spannend und furios

o Ich-Perspektive
o unterhaltsamer, doch recht einfacher Stil

- etwas zu kurz
- verschenktes Potenzial

Bewertung:

Handlung: 4,5 / 5
Charaktere: 4,5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 3 / 5

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 29. Januar 2011
 

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