Die Legende der scharlachroten Wolken - Bd. 2 (Saverio Tenuta)

Splitter-Verlag (August 2010)
Hardcover, Seiten: 47
Preis 13,80€
ISBN: 978-3868691405

Genre: Fantasy


Klappentext

Ein Samurai lehnt es ab, mit Waffen aus Bambus zu trainieren. Nur richtige Waffen können die Wahrheit offenbaren, da sie tödlich sind! Und der Unterricht eines Kriegers konzentriert sich auf einen einzigen Schlüsselmoment, jenen flüchtigen Augenblick, der im Kampf zwischen Leben und Tod entscheidet. Ein einziger blitzartiger Schwerthieb, und das Blut fließt zu Boden und reißt das Leben mit sich. Es ist nahezu unwichtig zu wissen, wer der Sieger und wer der Besiegte ist. Allein der entscheidende Augenblick zählt.


Rezension

Was bisher geschah:

Raido ist auf der Suche nach seiner Vergangenheit, denn er kann sich an nichts und niemanden erinnern. Offenbar ist er ein Mann der Waffen und ganz offensichtlich ist er im Kampf unterlegen gewesen. Sein linkes Auge fehlt, ebenso sein rechter Arm. Die einzigen Wegbegleiter sind die Stimmen in seinem Kopf, die ihn Tag für Tag quälen. Bis er eines Tages in die Stadt, die zum Himmel spricht, gelangt, wo er einem Puppenspiel des Mädchens Meiki lauscht. In ihrer Gegenwart verstummen die Stimmen. Bei einem Angriff auf Meiki, greift er ein und nimmt sich ihrer an. Ihre Lebenspfade sind miteinander verbunden, das merkt er, aber wie und warum, kann er nicht erklären. Als ein Teil seiner Erinnerung zurückkehrt, stellt er sich seinem Feind Nobu Fudo.

Band 2: Wie Blätter im Wind

Wenn Band 1 "Die Stadt, die zum Himmel spricht" irgendetwas bemängeln ließ, dann dass der Leser nicht gerade sanft ins Geschehen geworfen wurde. Das ist weiter nicht schlimm, viele brennenden Fragen blieben aber unbeantwortet. In Band 2 "Wie Blätter im Wind" holt Tenuta alles nach. Gleich zu Beginn reist er durch die Zeit und zeigt Raido als Kind. Dabei offenbart er einiges über ihn und seinen Charakter. Immer wieder im weiteren Verlauf des Comics schafft es der Autor, weitere Details preiszugeben, die seinen Protagonisten so geheimnisvoll machen, ohne jedoch zu viel zu verraten. Die Rückblenden kommen fast unmerklich und sind perfekt mit dem Hauptstrang verbunden. Diesen lässt er natürlich ebenfalls nicht aus den Augen. Immerhin muss Raido noch seine Rache bekommen. Eine Konfrontation ist vorprogrammiert und wie schon im Vorgänger spritzt das Blut ohne Ende. Trotz der brachialen Gewalt bekommt man nie das Gefühl, sie wäre Mittel zum Zweck. Jeder Schlag mit dem Schwert ist wie ein Pinselstrich eines Kalligraphen. Vermutlich ist das auch Tenutas Ziel, nimmt die Kunst des Pinselschwingens einen nicht gerade kleinen Part in der Geschichte ein. Erzählerisch ist Tenuta wirklich begnadet und erlaubt sich keine Blöße.

Das Niveau seiner zeichnerischen Fähigkeiten bleibt beindruckend gut. Zwar sind die Gesichter bei weit entfernten Figuren weiterhin nicht ganz zufriedenstellend, dafür stimmt alles andere. Tenuta bleit sich selbst treu und mischt fröhlich westliche und östliche Elemente und kreiert dadurch sein eigenes Universum. In diesem verstärkt sich der Einfluss von übersinnlichen Mächten. Allen voran schickt er Raido Mischwesen an den Hals und die mystischen Kräfte der Shogunai, die bereits zuvor angedeutet wurden, nun aber in größerem Ausmaß präsentiert werden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Quelle, aus der Tenuta seine Ideen schöpft, scheint bisweilen nicht zu versiegen.

Sehr erfreulich ist, dass die wichtigsten und interessantesten Charaktere weiterhin eine Rolle spielen. Dank der Rückblenden werden sie weiter beleuchtet und ihre Vergangenheit bringt sie dem Leser noch näher. Die Charaktertiefe ist für einen Comic überaus ausgeprägt, verglichen mit Reihen wie "Yiu", in denen die Gewalt an sich das Hauptthema ist und Charaktere dadurch auf der Strecke bleiben. Das ist nicht zwingend schlecht, für "Die Legende der scharlachroten Wolken" sind die Protagonisten aber eine sehr große Bereicherung. Ganz aus der Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Schublade sind sie aber nicht herauszubekommen. Nobu Fudo ist konsequent der dunklen Seite zugewandt und Raido ist der ehrenhafte Samurai. Auch Meiki ist, bedingt durch ihr Alter, ein reines, unbeschriebenes Blatt und durchweg gut. Lediglich die Shogunai bleibt rätselhaft und zwiespältig. Iihre Boshaftigkeit schmälert das nicht, dafür bleibt sie interessant und undurchschaubar.


Fazit

Saverio Tenutas ungewöhnliches Projekt geht ebenso blutig wie episch weiter. Kleine Schwächen des ersten Bandes wurden ausgebügelt und so erstrahlt der zweite Band in einem noch besseren Licht als der Vorgänger.


Pro und Kontra

+ ungewöhnliches Setting für westliche Comics
+ schöne Zeichnungen
+ spannende Story
+ gekonnt eingeflochtene Rückblenden ...
+ ... durch die endlich etwas Licht ins Dunkle kommt

- Zeichnungen von Gesichtern überzeugen nicht immer
- weiterhin recht kurz
Beurteilung:

Handlung: 5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Die Stadt, die zum Himmel spricht" - Bd.1

Rezension zu "Der perfekte Strich" - Bd.3

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