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fbm18 - Think Ursula! Oder nicht? (12.10.2018)

Hallo zusammen,

heyne fbm18der zweite Messetag begann für mich mit einiger Verzögerung, da mein ohnehin verspäteter Zug ca. 10 Minuten von Frankfurt einfach stehen blieb und untersucht werden musste, sodass ich über eine Stunde Verspätung hatte … den ersten Termin bei Droemer Knaur habe ich daher verpasst. Aber Eva Bergschneider von phantastisch-lesen.com war da, genauso wie bei unseren anderen Terminen. Denn der Freitag stand bei mir ganz im Zeichen der Phantastik.

Entsprechend konzentrierten wir uns bei Heyne auf die Science-Fiction- und Fantasy-Titel (während Jessica durch die Roman- und Thrillervorschau blätterte / die haben jetzt übrigens auch Bäume (siehe rechts), allerdings nicht so schöne wie der von Lübbe). Bei zwei Neuerscheinungen, die erst im nächsten Sommer kommen, habe ich mir ein Ausrufezeichen hingemalt, die da wären: „Robo Sapiens“ von C. Robert Cargill, eine gesellschaftskritische Zukunftsvision, in der es nicht etwa den typischen Konflikt zwischen Mensch und Roboter gibt, sondern zwischen Roboter und Roboter. Herausgestochen ist für mich auch „Die Siliziuminsel“ vom chinesischen Autor Chen Qiufan, der sich mit der Frage, was aus unserem ganzen Müll werden soll, beschäftigt. Für unsere Fantasyfans könnte die „Königsfall“-Trilogie von Jeff Wheeler interessant sein. Das Besondere daran: Man muss nicht lange auf die Fortsetzungen warten, sie erscheinen im Zwei-Monats-Rhythmus.

Den frühen Nachmittag verbrachte ich mit mehreren Autoren und gönnte mir zuerst mit James Sullivan Pommes (mit Bratensoße bei mir, Western Style bei ihm) – auf den Pizzastand mussten wir ja leider verzichten. Nachdem sich ein Vortrag als schnöde Fragestunde entpuppt hatte, stieß seine bezaubernde Frau Heike zu uns, sowie Judith und Christian Vogt, die sich ein wenig Zeit freischaufeln konnten. In kleiner Runde verbrachten wir den Nachmittag unter Bäumen (siehe Foto). Für mich der schönste Moment auf der Messe, weil mit anderen Phantasten quatschen können immer schön ist und ich nirgendwo hinrennen musste. Marie Mönkemeyer von den Teilzeithelden schaute auch noch kurz vorbei und twitterte abends fleißig über „Think Ursula“ (dazu kommen wir später).

sullivan und voegte fbm18In den vollen Gängen von Halle 3.0 traf ich mich noch mit Sefanie Mühlsteph, die mit „Game Over – You’re Lost“ gerade einen eSports-Thriller veröffentlicht hat – und gerne Rezepte aus Mangas nachkocht. Kira Licht, von der im Februar „Goldschatten“ erscheint, kam auch noch dazu – und andere Leute, die ich nicht kenne, aber das ist auf der Buchmesse normal. Ich habe auch gestern von einer netten Autorin einen Glückskeks geschenkt bekommen, habe sie aber noch nicht erwähnt, weil ich mir ihren Namen nicht gemerkt habe. Ich bin davon ausgegangen, dass Jessica sie kannte, aber Pustekuchen – also, unbekannterweise, danke für den Keks!

Bei Fischer TOR, deren erste Programme wirklich gelungen waren, gibt es leider wenige neue Titel und wie bereits im aktuellen Herbstprogramm vermisst man Originelles wie die Romane von Becky Chambers oder Annalee Newitz. Dennoch seien hier drei Neuerscheinungen erwähnt, die ihr euch anschauen solltet: Andreas Eschbach wagt sich an einen großen „Perry Rhodan“-Roman, der vor Beginn der Reihe spielt und somit auch für alle, die die SF-Saga nicht kennen, interessant ist. Jenny-Mai Nuyen kehrt mit „Die Töchter von Ilian“ in die Fantasy zurück und widmet sich den Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen – wir hoffen auf ein magisches Lesevergnügen mit Botschaft. Mit „Space Opera – Der metagalaktische Grand Prix“ erscheint von Catherynne M. Valente ein humorvoller SF-Roman, den man kurz mit „Eurovision Song Contest im Weltall“ umschreiben kann (wobei dem letzten Platz die Vernichtung seiner Spezies droht). Das kann ein außergewöhnlicher und wirklich lustiger Titel werden, das kann aber auch daneben gehen.

piperfantasy fbm18Abschließend waren wir beim Piper-Verlag, der wie in all den Jahren zuvor einiges an interessanten Fantasy- und SF-Titeln bot. Ich persönlich freue mich vor allem auf „Die Stadt der Symbionten“ von James Sullivan, der mir bereits beim Mittagessen ein bisschen davon erzählt (und mich sehr neugierig gemacht) hat. Der Roman bietet vieles, was mich begeistert: Implantate, Künstliche Intelligenzen und einen urbanen Schauplatz. Erwähnenswert ist hier außerdem „Der Besucher“ von Tyler R. Parsons, in dessen Roman ein im Weltall gestrandeter Mensch im Schwerefeld eines Alienschiffs mitreißen darf. Mit „Prophezeiungen für Jedermann“ gibt es einen spannenden neuen Titel von Nicole Gozdek („Die Magie der Namen“) und von Alexey Pehov erscheint mit „Tag der Geister“ ein neuer Reihenauftakt – und erstmals steht auch seine Frau mit auf dem Cover. Die beiden schreiben ja schon lange zusammen.

Think Ursula

"Wenn wir mit der Science Fiction etwas über die Zukunft aussagen wollen, dann brauchen wir viele Perspektiven, nicht den einzelnen Bestseller." (Judith Vogt)

Jetzt habe ich schon ziemlich viel geschrieben und komme jetzt erst zu „Think Ursula“ – endlich mal eine SF-Veranstaltung auf der Buchmesse! Eine, die schon im Vorfeld hohe Wellen geschlagen hat, weil man ausgerechnet bei einer Veranstaltung zu Ehren der großen Ursula K. Le Guin die Autorinnen in der Berichterstattung zuvor (und auf Plakaten) unterschlagen hat. Es wurden nur die "großen" Namen genannt und die restlichen Autoren gingen unter – aber jetzt mal ernsthaft, es waren acht Autoren und die kann man doch bitte alle erwähnen: Judith Vogt, Dmitry Glukhovsky, Theresa Hannig, Dietmar Dath, Andreas Brandhorst, Annette Juretzki, Bernhard Hennen und Jens Lubbadeh.

"Science Fiction ist von innen größer als von außen." (Dietmar Daht)

think ursulaDie Veranstaltung begann mit einem Gespräch mit Karen Nölle, der Übersetzerin von Ursula K. Le Guin, welches ich leider größtenteils verpasst habe (Terminüberschneidungen), das aber jede Menge Publikum angelockt hat. Der Pavillon war fast voll. Zur Podiumsdiskussion war ich rechtzeitig da und bereits zu Beginn wurde deutlich, dass die beiden Moderatoren offenbar nicht gut vorbereitet waren. Die Autoren saßen in der ersten Reihe mit dem Rücken zum Publikum und sollten wohl nacheinander befragt werden. Auf Initiative von Judith Vogt zogen jedoch alle auf die Bühne um, sodass eine echte Diskussionsrunde entstand – zumindest optisch. Denn die Gesprächsführung war wirklich ausbaufähig, da überwiegend Standardfragen gestellt wurden und gerade die Autorinnen doch recht wenig zu Wort kamen. Theresa Hannig hat eine ganze Stunde lang keinen einzigen Satz gesagt und als man sie endlich ansprach, wurde sie nach 2-3 Sätzen bereits wieder abgewürgt. Einen Bernhard Hennen lässt man dagegen fünf Minuten alleine reden – und das geht jetzt nicht gegen Bernhard Hennen, dem man gerne zugehört hat. Das geht gegen die Moderatoren, die spürbar einzelne Autoren (alle männlich) mehr zu Wort haben kommen lassen. Auch von Anette Juretzki habe ich leider nur wenig gehört und auch eine Judith Vogt, die mit „Roma Nova“ gerade einen wirklich originellen SF-Roman veröffentlicht hat, musste sich um Gehör bemühen. Bleibt die Frage, woran liegt das? Ist das Denken, dass Männer mehr zu sagen haben, so in uns verankert, dass den Moderatoren gar nicht aufgefallen ist, dass sie die Damen der Runde ignorieren? Hat man sie (unbewusst) als weniger wichtig eingestuft? Eigentlich will ich hier nicht die Sexismus-Keule auspacken, weil ich es nach wie vor ganz toll finde, dass es überhaupt so eine Veranstaltung wie „Think Ursula“ gibt, aber wie kann man ausgerechnet bei einer Veranstaltung zu Ehren von Ursula K. Le Guin die Autorinnen so wenig zu Wort kommen lassen?

"Auch in einer Utopie wird man neue Utopien brauchen, nach denen die Menschen streben, um die Gesellschaft zu verbessern." (Theresa Hannig)

Aber auch für die männlichen Kollegen lief die Gesprächsführung suboptimal, da jeder eher für sich allein geredet hat und eine richtige Diskussion nur schwer in Gang kam. Als Zuschauer hatte man das Gefühl, dass die Moderatoren sich nicht ausreichend mit den anwesenden Autoren beschäftigt hatten und so wurde die Podiumsdiskussion etwas mühselig. Die Autoren haben mit ihren klugen Äußerungen vieles herausgerissen, ihnen allen hört man gerne zu und sie alle hatten wirklich etwas zu sagen, aber ich war doch ziemlich von dem dahinplätschernden Chaos auf der Bühne enttäuscht (vielleicht ist den Veranstaltern ja auch aufgefallen, dass sich nach einer Stunde die Zuschauerplätze sichtbar gelichtet haben).

So, jetzt habe ich mich ein bisschen ausgekotzt, aber ich hoffe dennoch darauf, dass es auch im nächsten Jahr eine Veranstaltung wie „Think Ursula“ geben wird, dann vielleicht mit mehr Autorinnen und mit mehr echter Diskussion statt vereinzeltem Fragenabarbeiten. Gerade in der Phantastikszene gehen wir doch sehr offen miteinander um, wir haben uns etwas zu sagen, also lasst die Autoren nächstes Mal auch reden und beschäftigt euch mit ihnen und ihren Werken.

"Wir als Science-Fiction-Autoren sind die Exoten. Und ich bin zutiefst überzeugt davon, dass wir als Gesellschaft diese Exoten brauchen." (Jens Lubbadeh)

Trotz diesem Ärgernis am Abend war es für mich ein wirklich toller Messetag voll interessanter Gespräche und erheiterndem Unsinn. Und einige spannende Titel fürs nächste Jahr habe auch entdeckt, was will man mehr? (Pizza …)

Viele Grüße

- Judith

 

thinkursula fbm18

(Judith Vogt eröffent die Podiumsdiskussion - die von den Moderatoren leider nicht gut vorbereitet war)

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 13. Oktober 2018
 
fbm18 - Wenn man merkt, was man alles verpasst hat ... (11.10.2018)

Hallo zusammen,

alles nichts reedheute war es wieder so weit, der Besuch auf der Frankfurter Buchmesse stand an und wie es sich gehört, hatte mein Zug beinahe vierzig Minuten Verspätung und ich kam kurz vor knapp zu unserem ersten Termin gehetzt. Da Jessica bereits vor Ort war, musste ich mich nicht ganz so beeilen, war aber trotzdem gerade noch pünktlich bei Ueberreuter. Mit dem Verlag hatten wir in den letzten Jahren weniger Kontakt, sodass wir diesen endlich mal auffrischen wollten - und es gibt auch ein paar spannende Titel im kommenden Programm. Von Akram El-Bahay wird mit "Herzenmacher" ein Jugendbuch erscheinen, das mit einem traumhaften Cover aufwartet und dass ihr euch im März nicht entgehen lassen solltet. Von Ava Reed gibt es auch etwas Neues und zwar "Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.", ein Jugendroman über psychische Erkrankungen und die Notwendigkeit, Hilfe anzunehmen. Und dann habe ich mich sehr gefreut, dass es etwas Neues von Kathleen Weise geben wird und zwar "Wenn wir nach den Sternen greifen", ein Buch über die erste Marsmission und darüber, was in der Familie eines Astronauten passiert.

Beim Arena Verlag wird im Frühjahr mit "Clans von Cavallon" Tierfantasy mit bösen Einhörnern erscheinen. Ist nicht ganz mein Fall, aber böse Einhörner klingt originell. Ins Auge gefallen ist mir vor allem das wunderschöne Cover von "Die Muschelsammlerin" von Charlotte Richter, eine Dystopie in einer perfekten Welt, die mich spontan ein wenig an den Anfang der "Valerian"-Verfilmung erinnerte. Im März erscheint zudem ein neuer phantastischer Roman von Jennifer Jager: "Windborn". Beim Rumgucken am Stand ist mir vor allem aufgefallen, dass mir im letzten Jahr echt einiges bei Arena entgangen ist.

bernd perplies frankfurt2018In der Mittagspause haben wir mit der fleißigen Ann-Kathrin Karschnick gespeist und sie hat mich auf den Geschmack von Pommes mit Bratensoße und Käse gebracht - mein heißgeliebter Pizzastand war leider nicht aufzufinden (heul). Da Ann-Kathrin Mutter eines engelsgleichen Kindes ist, hatte sie während ihrer Elternzeit viel Zeit zum Schreiben (während die Kleine brav schlief), sodass in letzter Zeit viele (Kurz-)Romane von ihr erschienen sind (von denen ich gar nicht alle auf dem Zettel hatte).

Danach gesellte ich mich ein wenig zu Bernd Perplies (siehe links), der beim Mantikore-Verlag die Neuauflage von "Tarean" signiert hat - und da habe ich gemerkt, dass ich im letzten Jahr echt einiges verpasst habe. Jedenfalls gibt es "Tarean" nun als schickes Hardcover mit Illustrationen (oder als Softcover, auch mit Illus), selbstverständlich vom Autor überarbeitet. Wer den "Drachenjäger" und "Weltenfinder" mochte, wird in "Tarean" einiges davon wiederfinden. Schließlich kam noch Susanne Pavlovic dazu, mit der ich anschließend noch ein wenig plauderte. Im Sommer ist von ihr "Die Herren von Nebelheim" erschienen, schaut es euch mal an!

Bei Lübbe war ich vor allem über die Fortsetzung von "Elias & Laia" überrascht, ich hatte irgendwie gar nicht mehr damit gerechnet, dass es da weitergeht. Von Bianca Iosivoni wird im Sommer mit "Falling Fast" ein neuer Liebesroman erscheinen und unbedingt merken solltet ihr euch auch "Goldschatten" von Kira Licht. Außerdem wird im Frühjahr mit "Die Unvollkommenen" die Fortsetzung von "Die Optimierer" von Theresa Hannig erscheinen. Der Roman hat seit der letzten Buchmesse einige Aufmerksamkeit erhalten und unter anderem den Seraph gewonnen. Mit Theresa habe ich mich abends noch kurz getroffen, aber irgendwie haben wir wenig über Bücher geredet - wir waren aber beide schon ziemlich platt. Wer sie sehen will, sie ist morgen bei "Think Ursula" dabei :)

Der Messetag endete für mich standesgemäß damit, dass ich im vollkommen überfüllten ICE nach Karlsruhe auf dem Boden sitzen durfte und die Leute dabei beobachten, wir sie verzweifelt im Zug hin- und herlaufen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Keine Chance. Aber irgendwie gehört das zur Messe fast schon dazu ...

Jetzt fallen mir langsam die Augen zu ... bis morgen (oder übermorgen, vorher schaffe ich den zweiten Messebericht wohl nicht)

- Judith

oetinger fbm18

Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, der 11. Oktober 2018
 
10 Jahre Literatopia - Judiths Highlights

Liebe LeserInnen,

in den vergangenen zehn Jahren habe ich unheimlich viele Bücher gelesen und die allermeisten davon auch für unser Literaturportal rezensiert. Die genaue Anzahl kenne ich selbst nicht, sie dürfte irgendwo zwischen 500 und 600 Rezensionen liegen. Ich habe schon immer gerne gelesen, aber früher hat mir ein Buch im Monat gereicht, vielleicht auch mal zwei oder auch mal keins. Als Teenager habe ich hauptsächlich Science Fiction und Mangas gelesen, in den ersten Jahren bei Literatopia auch viel Dark und Romantic Fantasy, später dann phasenweise viele Jugenddystopien und die letzten Jahre oftmals auch High Fantasy, obwohl das nicht wirklich mein Genre ist. Trotzdem konnte mich das ein oder andere Fantasyjuwel begeistern, wie beispielsweise die "Flammenwüste"-Trilogie von Akram El-Bahay, der ein unglaublich guter Erzähler ist. Die orientalische Fantasywelt begeistert mit ihrem Detailreichtum und liebenswerten Charakteren, mit denen man eine Heldenreise voller Magie durchlebt. In den Text sind zudem kleine selbstverfasste Märchen eingestreut, die einen Bezug zur Handlung haben und der Welt zusätzliche Facetten verleihen.

Obwohl ich früher gerne Dark Fantasy gelesen habe, hat mich in den letzten Jahren kaum ein Roman wirklich begeistert. Positiv im Gedächtnis geblieben ist mir allerdings "Hunter's Moon" von Britta Strauß, ein wahnsinnig atmosphärisches Buch mit historischem Setting im Amerika des späten 18. Jahrhunderts. Protagonistin Kate ist eine starke und leidenschaftliche Figur, die ihrem Gegenpart, dem mysteriösen Indianer Kainah ebenbürtig ist. Zwischen ihnen entwickelt sich eine mitreißende Liebesgeschichte, die ohne Genreklischees auskommt, und in der klirrend kalten Welt des Romans umso heller scheint.

Den Jugenddystopien stand ich oftmals skeptisch gegenüber, da viele von ihnen sich zu sehr auf ihre Liebesgeschichten konzentrieren und ihre guten Ideen in Kitsch ertränken. Doch es gibt Ausnahmen. Eine davon ist "Songs of Revolution" von Emma Trevayne, die mich mit ihrem leidenschaftlichen Protagoisten Anthem und ihrem mitreißenden Schreibstil schwer begeistert hat. In "Songs of Revolution" dient codierte Musik als Droge und Kontrollinstrument. Nahezu jeder ist abhängig von Streams, so auch Anthem, der sich um seinen kranken Vater und seine beiden jüngeren Geschwister kümmert. Er gibt sprichwörtlich sein Leben, um die Familie durchzubringen - und er hat ein Geheimnis: Zusammen mit Freunden macht er echte Musik und steht somit am Beginn einer Revolution gegen das System. Emma Trevayne bringt in ihrem Roman einerseits ihre unbändige Liebe zu Musik rüber und arbeitet gleichzeitig eindrucksvoll das jugendliche Aufbegehren gegen ein ungerechtes, korruptes System auf.

Schwer erschüttert hat mich die "Memento"-Trilogie von Julianna Baggott, die einen sehr eindringlichen, schlichten und auch poetischen Schreibstil hat. In ihrer Dystopie hat ein Teil der Menschheit die anderen mit einem Bomben-Inferno vernichtet. Die Welt ist großflächig zerstört, doch es gibt Überlebende. Die meisten davon haben Missbildungen oder sind durch die Bomben mit Gegenständen oder anderen Lebewesen verschmolzen. Die Zukunft von "Memento" ist grotesk und beklemmend und die Protagonisten des Romans sind emotional zu verstört, um positive Gefühle wie Liebe oder Freundschaft zu empfinden. Die Romane eignen sich nur bedingt für jugendliche Leser, dazu sind sie zu anspruchsvoll und zu düster. Leider wurde "Memento" vom Verlag wie ein gewöhnliche Jugenddystopie mit Lovestory angepriesen und so waren viele junge Leser enttäuscht und empfanden die Bücher als zu kalt und dunkel. Wer jedoch einen richtigen Endzeitroman mit düsterer Poesie und philosophischen Anklängen lesen will, ist hier genau richtig.

Ein Buch, das mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, ist "Willkommen in Night Vale" von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Die Geschichte begann als Podcast und wandelte sich zu einem Roman, der mit ungewöhnlichen Charakteren und sehr seltsamen Dialogen punktet. Ich mag solch surreale Bücher, die sich wie ein skurriler Traum anfühlen. Anfangs ist man über vieles in Night Vale noch irritiert, doch schnell übernimmt man die verquere Logik des Romans und macht sich zusammen mit den merkwürdigen Figuren Sorgen über das mysteriöse King City. Ähnlich seltsam, aber dabei ganz eigen ist "Revolver Tarot" von R.S. Belcher. Der Roman ist eine irrwitzige Mischung aus Western, Fantasy, Steampunk und Horror á la Lovecraft. Die Bewohner Golgothas sind allesamt reichlich seltsam und jeder verfolgt seine eigenen Interessen, während in den Silberminen außerhalb der Stadt etwas Grauenvolles erwacht. Ein ungemein unterhaltsames Buch voll origineller Ideen.

Hin und wieder lese ich auch gerne Biografien und keine hat mich so sehr beeindruckt wie die Autobiografie von Billy Idol: "Dancing with myself". Der Musiker beweist hier sein literarisches Können und schildern schonungslos und offen die Licht- und Schattenseiten seiner Karriere. Das Buch konzentriert sich auf die Entstehung der Punk-Szene in England in den späten Siebzigern und auf die wilden 80er Jahre, die für Idol eine höllische Achterbahnfahrt voller Drogen- und Sexexzesse waren. Im Alter wirkt Idol sehr reflektiert, zeigt jedoch keine falsche Reue, sondern steht zu dem, was er gemacht hat und erkennt, dass er so manches Mal verdammt viel Glück hatte. Neben der Ehrlichkeit zeichnet sich die Biografie durch viele amüsante und schräge Anekdoten aus.

Die Bücher aus meinem damaligen 5-Jahres-Rückblick halte ich nach wie vor für absolut empfehlenswert. Sie haben nach wie vor einen Ehrenplatz in meinem Regal.

Viele Grüße von Eurer

- Judith

Zuletzt aktualisiert: Montag, der 23. April 2018
 
10 Jahre Literatopia - Almuts Highlights

Liebe LeserInnen,

vor zehn Jahren ist Literatopia als Literaturportal an den Start gegangen. Zehn Jahre Literatopia. Im noch immer recht jungen World Wide Web ist das eine lange Zeit, eine Verweildauer, die für Literatopia spricht. Wer in einem Literaturportal mitarbeiten will, stellt sich die Frage, was ein solches Portal will, was man selbst als beitragend im Sinn haben kann. Sicher nicht die Verkaufszahlen von Büchern beeinflussen oder das Portal nutzen, um Kontakte zu Autoren oder der Verlagswelt zu bekommen. Eher ist der Kontakt zu den LeserInnen gewünscht. Aber wer weiß, von wem und wie vielen man gelesen wird, mit welcher Haltung. Manche Leser stellen im Lauf der Zeit fest, dass die Rezensionen einer Redakteurin weitgehend mit ihren Einschätzungen übereinstimmen. Die lassen sich dann vielleicht schon mal dazu verleiten, ein von dieser Redakteurin rezensiertes Buch zu kaufen oder zu lesen. Ein anderer Leser stellt fest, dass er nahezu regelmäßig zu einer abweichenden Einschätzung des Buches gelangt. Er liest dann die nächste Rezension und kauft das Buch vielleicht gerade, weil die Redakteurin einen Verriss geschrieben hat.Tatsächlich kann ich die Frage nach dem Warum der Mitarbeit auch heute noch nicht zur Gänze beantworten. Sollte ich sie irgendwann zu einem Bestandteil meiner Sinnsuche machen, wird vielleicht was daraus…

Ich rezensiere nicht nur Neuerscheinungen, sondern gerne auch ältere Bücher, die ich vor Jahren einmal gelesen habe. Ich stehe vor der Regalwand, auf der Suche nach einem solchen Buch, um es noch einmal zu lesen. Dabei sehe ich Bücher, die mir unbekannt vorkommen; und ein Blick hinein zeigt mir, dass ich sie noch gar nicht gelesen habe. Die Vertiefung dieser Suchaktivität liefert die Erkenntnis, dass es viele Bücher gibt, auf die das zutrifft. Manchmal bin ich überrascht, dass dies so ist, zumal ich nicht zu den SUB-Pflegern gehöre. Aus Platzgründen behalte ich auch längst nicht alle Bücher, weshalb ich nie einen ordentlichen Bestandsüberblick habe. Manchmal fällt mir etwas länger Zurückliegendes ein, wie: Du hast doch mal hervorragende Krimis gelesen von…Und schon beginnt die Suche.

So bin ich über ein paar alte Titel von Margaret Millar gestolpert, zerlesene Exemplare, Übersetzungen, meine erste Begegnung mit ihr. Eine Buchrecherche ergab, dass es heute nur wenige lieferbare Bücher von ihr gibt. Aber eben auch eine recht neue Werkausgabe in der Originalfassung, gedruckt und als e-books. Nachdem ich mir e-books gekauft hatte, ging es an die Lektüre. Vier der Titel habe ich in der jüngeren Vergangenheit für Literatopia rezensiert. Margaret Millar gehört nach wie vor zu meinen Lieblingen im Krimi-Genre. Viele heutige Autoren psychologischer Kriminalromane oder Thriller verdanken ihr eine ganze Menge. Trotz ihres Erfolges ist sie nicht so bekannt geworden wie männliche Kollegen ihrer Zeit. Millar zeigt besonderes Interesse am psychologischen Wurzelwerk von Beziehungen, zumeist Ehen, und den Giftstoffen, die hier entstehen und ihre zerstörerische Kraft entfalten.

Liebe Mutter, es geht mir gut…/Beast in View (1955) erzählt von einer Frau, die in den Wahnsinn getrieben wird. Millar lässt gekonnt Beziehungsgeflechte sich ausbreiten, entlarvt trügerische Illusionen vom familiären Glück. Sie legt geschickt falsche Fährten, um den Roman im letzten Absatz mit einer überraschenden Auflösung zu beenden. Die Protagonistin von Ein Fremder liegt in meinem Grab/A Stranger in My Grave (1962), deren Zuhause ein unerträglicher Ort mit unerträglichen Leuten ist, träumt von einem Grabstein mit ihrem Namen und Todesdatum. Die Süßholzraspler/An Air That Kills (1957) handelt von einer unsympathischen Frau, die vom besten Freund ihres Mannes schwanger wird. Die lauschenden Wände/The Listening Walls (1959) erzählt von den Abgründen amerikanischer Mittelstandsfamilien, von Kalifornien als Sehnsuchtsland und der Illusion, einen Menschen und die Wahrheit zu kennen. Millar beschreibt in vielen ihrer Bücher sehr glaubwürdig, wie ein Ereignis zum Zerfall einer Gemeinschaft führen kann. Durch hinterhältige Beschuldigungen, deren Motive sehr persönlich sind, zerbrechen Beziehungen. Menschen, die lange Jahre friedlich miteinander umgehen, um dann innerhalb kurzer Zeit hochzukochen und am Siedepunkt ihrer seltsamen Gefühlswelt in Feindseligkeiten gegeneinander zu verfallen, ist ein aus der Realität der jüngeren Vergangenheit bekanntes Phänomen, und gute Autoren wie Millar können es im Zusammenhang einer spannenden Geschichte ertrag- und einsichtsreich sezieren. Millars Stärken liegen in der Handlungsentwicklung und der Charaktergestaltung. Hinzu kommt die Neigung, überraschende Wendungen zu konstruieren, die die Leser nicht schockieren, sondern ihnen auf überraschende Weise zeigen, dass alles aus der vorhergehenden Handlung ableitbar war. Ihre Bücher sind oft düstere Auseinandersetzungen mit den weniger angenehmen Seiten von Menschen.

Über wen kann ich in diesem Rückblick noch schreiben? Die AutorInnen und Themen, über die ich mich im Fünfjahresrückblick ausgelassen habe, bedeuten mir nach wie vor etwas. Aber ich will sie hier nicht noch einmal behandeln. Stattdessen lieber Daniel Kehlmann, mit dessen Weltvermessung ich nicht viel anfangen konnte. Aber er hat ein paar Bücher geschrieben, die mir sehr gefallen. Eins davon habe ich für Literatopia rezensiert. Es ist F (2013), das temporeich, leicht distanziert und voller Komik die ineinander verwobenen Geschichten dreier Lebensfälscher erzählt, durchsetzt mit philosophischen Gedanken über Schicksal und Selbstbestimmung, über Erscheinungsformen von Täuschung und Fälschung. Der Rowohlt-Verlag hat für Kehlmanns Roman mit der Aussage: „Bislang war F nur ein Buchstabe“ geworben. Und betont: „F wie Fälschung“. Orson Welles hat 1975 F – For Fake (F - wie Fälschung) vorgelegt, einen Filmessay über Fälscher und Fälschungen. Darin interviewt er unter anderen Personen einen weltbekannten Kunstfälscher und einen nicht minder populären Tagebuchfälscher. Durch die manipulative Montage zeigt er, wie manipuliert wird und wie wenig es gelingt, zwischen Realität und Illusion zu unterscheiden. Damit ist Kehlmanns F für mich im Wesentlichen beschrieben. Der Roman beginnt mit einem amüsanten Beitrag zum Thema Selbstbestimmung, nimmt dieses später wieder auf und erweitert es um die Frage nach dem Zusammenhang von Original und Kopie. Das F-Thema ist von erheblicher Aktualität. Gerne erwähne ich noch Kehlmanns beeindruckenden Tyll, der zwar für Literatopia nicht rezensiert wurde, aber das F-Thema in anderer, teils impliziter Weise behandelt. Da war es irgendwann, als die Reihe „Der Meisterfälscher“ für das TV produziert wurde, naheliegend, dass Wolfgang Beltracchi, der weltberühmte Kunstfälscher, im Stil des italienischen Malers Giorgio De Chirico ein Gemälde von Daniel Kehlmann schuf.

Womit wir fast am Ende des Beitrages sind. Was mir weniger liegt, besser vielleicht: woran mir weniger liegt, ist die Fertigung eines Verrisses. Die wichtigste Ressource, über die wir verfügen, ist die Zeit. Ich bin leider nicht zu echtem Multitasking in der Lage, sieht man mal ab von der Sicht, gleichzeitige Tätigkeiten wie Toilettengang und Telefonieren und den Verzehr eines Schokoriegels als Multitasking zu bezeichnen. Pro Zeiteinheit kann ich also immer nur eine Sache machen. Und da fällt mir immer besseres ein, als ein Buch, das mir nicht gefällt, bis zur letzten Seite zu lesen und dann vielleicht noch darüber eine Rezension zu schreiben.

Danke für Euer Interesse an Literatopia,

Almut

Zuletzt aktualisiert: Freitag, der 20. April 2018