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Vergeltungsschlag (Dirk Radtke)
Geschrieben von Patricia
Samstag, der 12. Februar 2011

Verlag Periplaneta, August 2010
TB, 352 Seiten, € 16,99
ISBN 978-3940767578

Genre: Psychothriller


Klappentext:

„Warum hast du dich nicht gewehrt?“


In einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen ist es gestern zu einem Amoklauf gekommen. Dem Polizeibericht zufolge hat der 17-jährige Gymnasiast Tobias B. die grausame Bluttat im eigenen Elternhaus begonnen, wo er zunächst seinen Vater, dessen Lebensgefährtin sowie seine ein Jahr ältere Schwester mit gezielten Kopfschüssen aus einer Handfeuerwaffe tötete. Danach führte ihn der Amoklauf zu seiner Schule, wo er scheinbar gezielt Schüler aus verschiedenen Klassen aufsuchte und erschoss. Auch einen Lehrer soll der Amokläufer getötet haben. Augenzeugen beschreiben das Vorgehen wie eine Hinrichtung. Die Polizei geht davon aus, dass die Bluttat, bei der 13 Menschen starben, bereits lange im Voraus geplant war. Laut Zeugenaussagen war der Täter ein eher stiller, unauffälliger, in sich gekehrter Mensch. Niemand der Befragten hätte ihm eine solch grausame Tat zugetraut. Ungeklärt ist bislang noch das rätselhafte Ende der Tragödie, bei dem der Täter ein Buch vorgezeigt und den Ausruf „Hier steht alles drin!“ getätigt haben soll, bevor er sich mit einem Schuss in den Kopf selbst richtete.


Der Autor:

Dirk Radtke wurde 1966 in NRW geboren, wo er heute mit seiner Familie lebt. Dem Schreiben widmete er sich erst vor wenigen Jahren. Seitdem veröffentlichte er zwei Thriller, sowie Kurzgeschichten in diversen Anthologien. Weitere Infos über den Autor erfahren Sie auf seiner Webseite unter: http://www.dirkradtke.com


Rezension:

Kalt, grausam, brutal und demütigend – ein Buch, das Bauchschmerzen hinterlässt, ein Buch, das man nicht in einem Stück lesen kann. Ein Buch, in dem der Klappentext das Ende vorwegnimmt und den Leser mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, die schlussendlich zur Eskalation führte. Ein Buch, was nach Erfurt, Emstetten und Winnenden ein topaktuelles Thema behandelt und den Leser Einblicke in die Psyche des Täters gibt. Ein Buch, welches verstörend wirkt und den Leser fassungslos zurücklässt, ein Buch, welches tief in die Abgründe des menschlichen Sadismus eindringt und ein Familienbild heraufbeschwört, dass nur einem Horrorfilm entnommen sein kann.

An Tobias’ 9. Geburtstag kommt es zum ersten größeren Eklat. Ungebetene Gäste erscheinen und der Vater spielt geschickt den allmächtigen Herrscher, der darüber richtet, wer Recht hat und wer nicht. Als bei einem Streit zwischen Tobias und seinem Widersacher Markus, der Sohn des Geschäftspartners deines Vaters, sein Geburtstagsgeschenk zu Bruch geht, steht für seinen Vater der Schuldige von vorneherein fest – Tobias. Er hätte sich halt wehren sollen, damit er das lernt, wird er bestraft – wieder, und wieder und wieder. Sein Vater ist brutal, ungerecht und heimtückisch, keiner stellt sich ihm in den Weg. Anfangs versucht es noch die Mutter, aber nach einem Autounfall kann sie Tobias nicht mehr helfen. Sarah, seine Schwester, schlägt ihrem Vater nach, ihre Heimtücke ist mörderisch. Nach einiger Zeit kommt dann noch Yvonne, Vaters neue Lebensgefährtin, ins Haus, sie fügt sich schnell in die Gepflogenheiten und auch sie benutzt Tobias als Prügelknaben. Genauso geht es in der Schule weiter, denn Markus ist in seiner Klasse und er lässt keine Gelegenheit aus, Tobias eins auszuwischen. Die Misshandlungen über Jahre lassen schwere psychische und physische Narben zurück, bald sieht Tobias keinen Ausweg mehr, als sich endlich zu wehren – auf seine ganz eigene Art.

Die Story ist eine Kakophonie aus Demütigung, Pein, Leid und Schmerz, man wundert sich, wie Tobias es so lange überhaupt aushalten konnte. Trotzdem ist die Sicht etwas einseitig, denn für Dirk Radtke sind alle anderen abgrundtief böse. Es gibt wenige Lichtblicke für Tobias, selbst Fremde, wie Lehrer, lassen ihn im Stich. Wirken sie anfangs noch freundlich und um ihn bemüht, zeigen sie bald ihr wahres Gesicht und drangsalieren ihn genauso wie alle anderen. Sie kommen ihrem Lehrauftrag nicht nach, selbst als Tobias versucht, seine Situation zu schildern, verweigern sie sich und hören ihm nicht zu. Immer ist er derjenige, der Mist baut, der bestraft wird und der grundsätzlich der Schuldige ist. Zumindest von Lehrern sollte man erwarten, dass sie hinter die Fassade ihrer Schutzbefohlenen schauen können und erkennen, dass nicht alle Kinder Engel sind. Seine einzige Freundin ist Vivan, die von den anderen Kindern gehänselt wird, da sie die Sachen ihrer größeren Schwester auftragen muss. Sie ist sein einziger Halt, für sie lebt Tobias. Aber auch sie hintergeht ihn, als sie sich von ihm abwendet und sich neuen Freunden zuwendet. Tobias fühlt sich seiner letzten Bastion beraubt und sieht danach keine andere Lösung mehr, als sich endlich zu wehren.

Heutzutage weiß man aus Zeitungsberichten, wieviele Kinder ein wahres Martyrium durchleben, wie sie unbeobachtet von der Gesellschaft von ihren Eltern oder Mitschülern gepeinigt und gefoltert werden. Trotzdem wünscht man sich in der Geschichte, dass Tobias wenigstens einmal eine mitfühlende Seele trifft, die ihm eine Hand reicht. Denn unsympathisch wirkt er nicht, ganz im Gegenteil, von Seite zu Seite hat man immer mehr Mitgefühl mit ihm. Oft muss man das Buch einfach zur Seite legen, die Misshandlungen sind schwer zu ertragen und dringen bis in die Seele vor. Man versteht die Handlungen der Mitwirkenden nicht, es haftet ihnen einfach zu viel Boshaftigkeit und Sadismus an. Unwillkürlich fragt man sich, ob das alles so passieren kann, so viele schlechte Menschen auf einen Haufen. Die Qualität von Periplaneta ist wieder einmal hervorragend, fester Umschlag, eng beschriebene Seiten und dickes Papier rechtfertigen wenn auch nur ansatzweise etwas den eigentlich zu hohen Preis. Dafür bekommt man aber noch zusätzlich eine CD mit Songs der Berliner Heavy Metal Band Pandoras Tears – die Tobias Gefühle sehr gut ausdrücken können.


Fazit:

Zutiefst verstört bleibt der Leser nach diesem Kreuzweg aus Leid, Demütigung und Schmerz zurück, man kann sich gar nicht wirklich vorstellen, dass so etwas ungestraft passieren kann. Zurück bleibt Wut auf die verantwortungslosen und sadistischen Erwachsenen, die sich nur an ihren wahren Ebenbildern erfreuen können. Es bleibt etwas zurück, von dem man nie gedacht hat, es empfinden zu können. Mitleid für den Täter einer so abscheulichen Tat und der ganz geheime Gedanke im tiefsten Winkel der Leserseele – sie haben es alle verdient.


Pro und Contra:

+ hochbrisantes Thema
+ Auseinandersetzung mit Gewalt und Psychoterror

o Sprache simpel und oft vulgär
o Schilderung vieler psychischer Gräueltaten

- zutiefst unsympathische Charaktere
- keine Lichtblicke für Tobias
- viel menschenverachtendes Verhalten

Wertung:

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5


Zur Rezension von „Vernissage – Die Kunststücke des Edgar Tess“

 

Kommentare  

#1 Ein Lichtblickshilka 2011-04-24 12:56
Ein wirklich aufregender Roman. Es ist schön zu sehen, dass es zwischen dem ganzen Einheitsbrei von Randomhouse und co, noch solche Perlen gibt, die sich nicht dem Massengeschmack unterwerfen. Es ist eben nicht alles im Leben, Friede, Freude, Eierkuchen. Manchmal gibt es einfach "keinen Lichtblick". Auch wenn das beim Lesen vielleicht manchmal wehtut...

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